Auf dem Bild oben sieht man den Kopf einer Mannazikade mit den kurzen, dünnen Fühlern, den Facettenaugen an den Seiten und in der Mitte zwei kleinen Punktaugen, die der Horizontwahrnehmung und Lichtkompass-Orientierung dienen. Mannazikaden leben fünf Jahre lang als Larve in der Erde, wo sie sich von Pflanzenwurzeln ernähren. Als adulte Tiere saugen sie den Xylem-Saft von Bäumen, deren Leitungsbahnen sie mit ihrem Rüssel anstechen, den sie, wenn sie ihn nicht benutzen, unter den Thorax geklappt tragen (auf dem Bild unten links zu sehen). Sie müssen große Mengen des nährstoffarmen Xylemsaftes aufnehmen, fügen den Bäumen jedoch keinen Schaden zu. Auf Naxos ist die Mannazikade überall wo es große Bäume gibt sehr häufig und im Sommer unüberhörbar: Während sie gut getarnt an den Unterseiten dicker Äste sitzt, so dass man sie nur selten zu Gesicht bekommt, ist ihre Anwesenheit schon aus großer Entfernung aufgrund ihres “Gesanges” unverkennbar. Das unglaublich laute Schrillen der Zikaden wird durch das hinter dem Flügelansatz liegende Trommelorgan (Tymbal) erzeugt (auf dem Bild unten rechts zu sehen), eine Konstruktion aus durch kleine Rippen verstärkten Schallplatten, die durch besondere Muskeln gespannt werden und dann, wie der durchgedrückte Boden einer Metalldose, unter Knacken zurückspringen. Als Resonanzkörper dient ein darunter liegender Luftsack im Hinterleib. Durch fortwährendes Anziehen und Zurückspringenlassen wird das Trommelorgan in Schwingungen versetzt und das Schrillen der Zikaden erzeugt. Auf dem Bild sieht man auch gut die glasklaren, durch dünne Adern verstärkten Flügel; beim Fliegen werden Vorder- und Hinterflügel durch kleine Häkchen aneinandergekoppelt. Wenn man sich dieses kleine Insekt aus der Nähe anschaut und sich seine erstaunlichen Eigenschaften und Fähigkeiten vor Augen hält, kann man über den Erfindungsreichtum und die technische Effizienz der Natur nur staunen!