Die Entstehung der Pflanzenwelt der Ägäis

Über die Jahrmillionen, die die Erde besteht, hat sich ihr Gesicht immer wieder umgestaltet. Kontinente driften über den Erdball, kollidieren unter der Bildung von Gebirgsketten und brechen auseinander, wobei sich neue Ozeane öffnen. Das Mittelmeergebiet ist geologisch gesehen relativ jung und hat seine heutige Gestalt erst während der letzten geologischen Ära, dem Känozoikum, erhalten. Auch heute noch ist seine Gestaltung nicht abgeschlossen: Griechenland ist das tektonisch aktivste Gebiet von Europa, in dem sich die Kontinentplatten mit außergewöhnlich hohen Geschwindigkeiten (bis etwa 10 mm pro Jahr) gegeneinander verschieben beziehungsweise aufgetürmt oder abgesenkt werden. Die letzten etwa 550 Mio. Jahre der Erde werden (vereinfacht gesagt, siehe Wikip.: Geologische Zeitskala) in drei große Äras unterteilt, das Erdaltertum (Paläozoikum, vor 542 bis 251 Mio. Jahren), das Erdmittelalter (Mesozoikum, vor 251 bis 65 Mio. Jahren) und die Erdneuzeit (Känozoikum, ab 65 Mio. Jahre, unterteilt in Tertiär und Quartär, letzteres begann vor etwa 2,6 Mio. Jahren).

Im Erdmittelalter (Mesozoikum)

Zu Beginn des Erdmittelalters, des Mesozoikums, bildeten alle Erdteile einen Superkontinent namens Pangäa, der jedoch bald auseinanderbrach. Zunächst bildeten sich zwei große Stücke, der Südkontinent Gondwana und der Nordkontinent Laurentia, die während der Kreidezeit weiter in die heutigen Kontinente zerfielen. Das Klima war größtenteils tropisch, also warm und feucht ohne ausgeprägte Jahreszeiten; es gab keine Eiskappen an den Polen. Der Meeresspiegel lag hoch, da kein Wasser in Eis gebunden war und weil es kaum hohe Gebirge gab. Große Schelfbereiche der Kontinente waren überflutet; auf ihnen lagerten sich kilometerdicke, meist kalkhaltige Sedimentschichten ab.

Im Mesozoikum unterschied sich die Pflanzenwelt noch sehr von der heutigen. Die Wälder bestanden hauptsächlich aus Farnen, Palmen und Nadelbäumen, höhere Pflanzen gab es erst wenig (in der letzten Epoche des Mesozoikums, der Kreidezeit, entstanden aber z.B. manche der heutigen Waldbaumarten wie Eichen, Ahorn und Walnuss). Auch die Tierwelt war sehr von der heutigen verschieden: Auf der Erde herrschten die Dinosaurier, in der Luft die Flugsaurier und in den Ozeanen die Meeressaurier sowie niedere Tiere wie die seit Jahrmillionen existierenden Ammoniten. Es gab allerdings auch schon Fische und einige kleinere Säugetiere. Am Ende der letzten Epoche des Mesozoikums, der Kreidezeit, erfolgte ein großes Artensterben, bei dem beispielsweise die Ammoniten und die Saurier vollständig von der Erde verschwanden. Besonders in den Meeren wurde fast alles Leben vernichtet. Weniger groß waren die Veränderungen in der Pflanzenwelt.


Manche der heutigen Baumgattungen sind schon aus dem Erdmittelalter nachgewiesen, so der Ahorn (hier die zwei riesigen Ahorn-Bäume auf dem Zeus-Gipfel, (Acer sempervirens)).

In der Erdneuzeit (Känozoikum, Tertiär und Quartär)

Im Tertiär (erster und längerer Teil des Känozoikums: Paläozän bis Pliozän), erhielt die Erde allmählich die uns heute bekannte Gestalt. Die Kontinente rückten an ihre heutige Position. Bei der Kollision von Afrika mit Europa und von Indien mit Asien wurden die jüngsten eurasischen Faltengebirge geformt, die zu einem großen Teil aus den Sedimentschichten der ehemaligen Schelfmeere aufgebaut sind. In Pflanzen- und Tierwelt gab es große Entwicklungsschübe: Die Blütenpflanzen entwickelten sich sowie eine neue Tierwelt mit zahlreichen Säugetieren (mit vielen Riesenformen), Fischen und Vögeln.

Die alpidische Gebirgsbildung

Bei der alpidischen Gebirgsbildung entstanden die jungen Faltengebirge Eurasiens durch die Kollision mit Afrika und Indien. Die erste Phase fand noch im Mesozoikum, am Übergang zwischen dem Jura und der Kreidezeit (vor etwa 135 Mio. Jahren) statt, bei der beispielsweise die nordgriechischen Gebirge aufgefaltet wurden, als von Afrika abgespaltete Kontinentbruchstücke mit dem Südrand der europäischen Kontinentalplatte kollidierten.

Im Bereich der Ägäis fand die entscheidende Gebirgsbildung im Tertiär, nämlich im Oligo- und Eozän (Höhepunkt vor etwa 45 Mio. Jahren) statt, als auch die Alpen und der Himalaja aufgetürmt wurden. Aufgrund der Auftürmung hoher Gebirge bei den Plattenkollisionen sank in dieser Epoche der Meeresspiegel und die großen Flachmeere des Mesozoikums fielen trocken. Das Klima war anfangs noch warm, dann erfolgte eine stetige Abkühlung bis zu den Eiszeiten des Pleistozäns.

Im frühen Miozän (vor etwa 20 Mio. Jahren) dehnte sich die durch die Gebirgsbildung verdickte Kruste im Bereich der Ägäis unter Ausdehnung und Abschiebung von Plattenteilen großflächig aus. Nun versank die Region unter den Meeresspiegel und das Ägäische Meer entstand etwa in seiner heutigen Gestalt. Ab dem Ende des Miozäns (vor etwa 5 Mio. Jahren) hat sich an der Gestalt der Ägäis und ihrer Inseln nicht mehr viel geändert.

Die Pflanzenwelt des Mittelmeergebiets im Tertiär

Unsere Kenntnis über die frühere Pflanzenwelt im Mittelmeergebiet ist nur mangelhaft; brauchbare Fossilien oder Pollenablagerungen sind selten. Verwandte von einigen der heute vorhandenen Pflanzenarten lebten schon im Paläogen (Alt-Tertiär) vor über 40 Millionen Jahren im Mittelmeergebiet. Damals herrschten tropische Bedingungen mit reichlichen Regenfällen im Sommer. In den Regenwäldern lebten Vorfahren der auch heute noch in den Tropen verbreiteten „lorbeerblättrigen“ Pflanzen mit mehrjährigen, immergrünen, ledrigen Blättern. Relikte aus jener Zeit, die sich an die heutige Trockenheit angepasst haben und in den wärmsten Regionen Griechenlands alle späteren Klimaänderungen überdauerten, sind z.B. der Oleander, der Johannisbrotbaum, die Olive, der Kaperstrauch und der wilde Spargel.


Johannisbrotbaum, Ceratonia siliqua


sehr alter Olivenbaum in der Tragaía

Miozän: Das Mittelmeer trocknet aus

Die Inseln der zentralen Ägäis waren etwa vor 7 Millionen Jahren, im späten Miozän, das letzte Mal mit dem Festland vereint. In dieser Periode herrschte trockenes Steppen- bis Wüsten-Klima. Die Meeresverbindung zum Atlantik wurde durch tektonische Vorgänge zeitweise unterbrochen und das Mittelmeer trocknete (mehrfach) aus. (Auch heute wird das Mittelmeer ständig aus dem Atlantik aufgefüllt: es verliert zehn Mal mehr Wasser durch Verdunstung als über die Flüsse einfließt.) In den tiefsten Becken des Mittelmeeres bildeten sich bis zu 2 Kilometer dicke Salzablagerungen. Flüsse wie der Nil gruben tiefe Schluchten, die sich heute am Meeresboden befinden. Die Vegetation auf dem griechischen Festland und den Inseln bestand größtenteils aus Steppenvegetation mit Waldinseln an den geschützten, feuchteren Stellen.

Viele Pflanzenarten starben bei den starken Klimaänderungen dieser Zeit aus. Später wurden die entstehenden Lücken in regelrechten Evolutionsschüben vor allem durch kurzlebige einjährige Pflanzen aufgefüllt.

Pliozän: Das Meer kehrt zurück

Im Pliozän (vor 5,5 Mio. Jahren) öffnete sich die Straße von Gibraltar wieder und das Meer brach ein. Auch das Klima wurde wieder feuchter und kühlte nach und nach ab; das gemäßigte Klima mit seinen kalten Wintern entstand. Nun wichen die immergrünen tropischen Arten nach Süden aus und es verbreiteten sich Arten mit weichen, kurzlebigen Blättern, die im Winter abgeworfen wurden: Der gemäßigte Laubwald entstand. In den wärmeren Tieflagen des Mittelmeergebietes wuchs subtropischer Wald. Insbesondere in den kälteren und trockeneren Hochlagen konnten sich zudem die Nadelbäume gut behaupten, die ihre trockenheits- und kälteresistenten Nadeln auch den Winter über behielten. In dieser Zeit entwickelten sich die meisten der heute für das Mittelmeergebiet so typischen Hartlaubgewächse. Aus dem Pliozän sind Arten wie Lorbeer, Avocado, Oleander, Zypresse, Wacholder, Kiefern und Erdbeerbäume nachgewiesen.

Manche Pflanzenarten so wie beispielsweise die im Mittelmeergebiet so wichtigen Nadelbäume (Kiefern, Tannen, Zypresse) erreichten die Kykladen nicht; sie breiteten sich offensichtlich erst nach der endgültigen Isolierung der Inseln aus. Wacholder-Arten sowie zahlreiche Hartlaubgewächse kommen dagegen auf Naxos vor. Einige im Pliozän weitverbreitete Arten wie die Palme Phoenix und die Baumart Zelkova überlebten die folgenden Klimaveränderungen nur in kleinen, isolierten Gebieten, wo sie heute noch als reliktische Endemiten vorkommen (die genannten Arten auf Kreta).


Oleander, Nerium oleander


Stechwacholder, Juniperus macrocarpa

Vor etwa 1 Mio. Jahren setzten mit dem Beginn des Pleistozäns (Quartär) die Eiszeiten ein, die erneut die Lebensbedingungen im Mittelmeerraum stark veränderten.

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