Panagia Giallous bei Agiassos
Etwa zwei Kilometer südöstlich vom Strand von Agiassós befindet sich auf einem flachen Hügel eine kleine byzantinische Kirche mit bedeutenden Wandmalereien. Sie ist der Muttergottes geweiht und wird Panagía Gialloús genannt, was sich möglicherweise von den gialoúdes, weiblichen dämonischen Wesen, ableitet.

Die kleine Kirche Panagía Gialloús liegt auf einem flachen, mit Macchie bewachsenen Hügel im weiten, von den Hirten bewirtschafteten Tal südöstlich von Agiassós. Ein Fußweg führt zur Kirche hinauf; teilweise ist er undeutlich oder kaum zu finden, teilweise mit Steinen markiert.

Ein handgefertigter Wegweiser ist zu Boden gefallen. Vom Hinweisschild am Straßenrand führt der Fußweg erst nach Süden, dann im Bogen östlich zur Hügelspitze, wo die Kirche liegt.

Die Kirche besitzt nur ein Schiff mit einer flachen, breiten Kuppel. Das Schiff westlich der von von vier Bögen getragenen Kuppel ist vermutlich erst später angebaut worden.

Die Glocke hängt am benachbarten Johannisbrotbaum.

In der Apse der Kirche und auf den Nord- und Süd-Wänden unter der Kuppel sind bedeutende Wandmalereien erhalten, die aufgrund einer Inschrift auf das Jahr 1288/89 datiert werden können.

In der Apsis ist wie in den meisten Kirchen eine Deesis dargestellt, hier jedoch nicht wie üblich mit Christus in der Mitte und Maria und Johannes dem Täufer links und rechts von ihm (als Vermittler der hier vorgetragenen Anliegen der Gläubigen), sondern mit Maria mit Christus in der Mitte und dem Erzengel Michael auf der linken und Johannes dem Täufer auf der rechten Seite (als Vertreter der himmlischen und der irdischen Welt).

Neben den abgebildeten Heiligen stehen deren Namen; außerdem werden insgesamt neun Stifter, größtenteils Ehepaare, namentlich genannt, so hier rechts des Kreuzes „Giorgos Pediasimou und seine Frau und deren Kinder“, sowie links davon im roten Band zwischen dem oberen und unteren Teil des Apse „Kali Chionou“.

Maria ist als „Panagia Platytera“ abgebildet, d.h. die „Weitere“ = weiter als der Himmel, da sie den göttlichen Christus in sich trägt. Christus ist mit in segnender Geste geöffneten Armen in einem Medallion abgebildet, das die Panagia vor der Brust hält. Links und rechts neben dem Heiligenschein der Panagia stehen die Buchstaben ΜΡ und ΘΥ für mitir theou, d.h. Mutter Gottes. Links von Christus im Medallion ist schwach die Inschrift „o Emmanouil“ zu erkennen, was „Gott mit uns“ bedeutet und auf seine Rolle als Erlöser hinweist.


der Erzengel Michael, auf der linken Seite der Deesis

Johannes der Täufer, auf der rechten Seite der Deesis

Unterhalb der Halbkuppel der Apsis sind auf der linken Seite drei Heilige abgebildet, hier ganz links der Heilige Mamas, der als Beschützer der Hirten auf Naxos besonders verehrt wird.

Neben ihm befindet sich, wie ein Hierarch gekleidet, der Heilige Michael aus Milet, ein sehr selten abgebildeter Heiliger. Weiter rechts folgen (schlechter erhalten) der Heilige Leontios und die Hierarchen Polykarpos und Eleutherios.

Die Nordwand unterhalb der Kuppel ist mit recht gut erhaltenen Figuren geschmückt: Links der Heilige Dimitrios in militärischem Kettenhemd, daneben Panagia Pausolype mit Christus, dann die Heilige Kyriaki und die Heilige Paraskevi. „Pausolype“ bedeutet „die vom Schmerz Erlösende“: auf den seltenen Darstellungen dieser Form der Panagia interagiert sie in tröstender Weise mit Christus, hier nur an der ihn berührenden Hand zu sehen.

Panagia Pausolype mit Christus

Agios Dimitrios

Agia Kyriaki und Agia Paraskevi

Die Wandmalereien an der Südwand sind stärker beschädigt und nur teilweise erhalten.

Auf der linken Seite steht Johannes der Theologe. Bei vielen Figuren sind insbesondere die Augen beschädigt. Die lokale Überlieferung besagt, dass die (türkischen) Piraten die Augen der Heiligen in den Wandmalereien herausgestochen oder -gebrannt hätten, weil sie sich vor ihnen fürchteten. Man beachte auch die ornamentalen Motive auf dem Rand.

In der Mitte ist Christus abgebildet, wie üblich mit den Kreuzesbalken im Heiligenschein.
Die Wandmalereien in der Kirche Panagía stous Gialloús sind von recht hoher Qualität, wenn auch eher ländlich im Stil. Die eher altertümlichen Darstellungen der Panagia und die ungewöhnliche Auswahl der Heiligen zeigt eine konservative, aber auch eigenwillige Haltung. Eine weitere sehr interessante und schöne Kirche, die auf jeden Fall einen Besuch wert ist!
weiter: Agios Joannis in Kerami
siehe auch:
- Die Sehenswürdigkeiten von Naxos
- Kirchen und Klöster
- Die Geschichte der Insel Naxos
- Das byzantinische Naxos
- Die byzantinischen Kirchen von Naxos
- Die byzantinischen Wandmalereien
Quelle: „Panagia at Yallou“ von Nicos B. Drandakis
in: „Byzantine Art in Greece – Naxos“, editor Manolis Chatzidakis; G. Rayas & Co. G.P. – Melissa Publishing House, 1989, Athens