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Makares – eine Insel zum Staunen

Jedesmal, wenn ich zu den Mákares-Inseln komme, bin ich von neuem begeistert. Und das ist vielleicht kein Wunder, denn die nísoi makáron der alten Griechen, die „Glücklichen Inseln“ waren der Ort, an dem die verstorbenen erfolgreichen und glücklichen, von den Göttern geliebten Helden weilten (als makárioi, d.h. „Glückliche“ wurden die Verstorbenen bezeichnet, also die von den Mühen und Qualen des Erdenlebens Erlösten). Nach anderer Ansicht kamen zu den Glücklichen Inseln, oder besser den Inseln der Glücklichen, auch die Seelen der guten Menschen, die ohne Sünde gelebt hatten. Die Inseln wurden als Paradies beschrieben, in dem die Felder dreimal pro Jahr Frucht trugen. Man nimmt an, dass die Sage sich auf die Azoren, die Kanarischen Inseln, die Kapverdischen Inseln und Madeira beziehen, die entsprechend zusammen als „Makaronesien“ bezeichnet werden. In Wirklichkeit liegen die nísoi makáron jedoch natürlich hier bei uns, die Mákares-Inseln – und tatsächlich: Glücklich ist, wer sie besuchen kann!

Die Makares-Inseln sind interessant für Biologen wegen der Vögel, die hier brüten: Möwen, Sturmtaucher und sogar der seltene, heimliche Sturmwellenläufer, sowie auch Eleonorenfalken und der geschützte Habichtsadler. Das ist auch der Grund für meinen Besuch: ich werde wieder von den Biologen vom NCC (Nature conservation consultants) mitgenommen, die an den Sturmtaucher-Nestern Mikrofone anbringen wollen.

Auch die Pflanzenwelt der Inseln sind interessant. Mit nur etwa 200 Arten ist die Flora recht eingeschränkt – alle Arten müssen mit der Nähe des Meeres zurechtkommen. Es ist nicht nur erstaunlich, welche Arten hier wachsen – und sie sind oft auffällig grün, frisch, saftig und kräftig (wie es sich für ein Paradies gehört) – sondern auch welche Arten nicht vorkommen, z.B. fehlen die Ginster und die im Moment auf Naxos so häufigen Anemonen. Jetzt Ende Februar ist es jedoch für die meisten Arten noch zu früh – ein Bericht über die Pflanzen von Makares kommt ein anderes Mal.

Während ich zum vorläufigen Kartieren der Pflanzen über die Insel Ágios Nikólaos lief (die westliche und größte der Mákares-Inseln), konnte ich mich natürlich nicht zurückhalten und musste auch immer mal die Landschaft fotografieren, aber vor allem kam ich wieder und wieder ins Staunen über die Gesteine und die unwahrscheinlichen Formen, die durch die Erosion entstanden sind. Die Makares-Inseln sind geologisch recht anders als Naxos: Während der mittlere und nördliche Teil aus massigem Kalkstein bzw. Marmor aufgebaut ist (wie große Teile von Naxos), besteht der südliche Teil vorwiegend aus Plattenkalk, der auf Naxos fehlt. Die Makares-Inseln waren nicht den Metamorphosen unterworfen, die Naxos geprägt haben, so dass die Gesteine hier weniger verfestigt und metamorphisiert sind.

Der einem Sandstein ähnliche Plattenkalk im südwestlichen Teil der Insel, der besonders leicht und so weich ist, dass er mit normalen Sägen gesägt werden kann, ist früher abgebaut worden, woran auch Bewohner von Naxos, z.B. aus dem Dorf Kóronos, beteiligt waren. Die Steinplatten, maltesóplakes genannt wie die ähnlichen Kalksteinplatten von Malta, wurden nach Athen verkauft, wo sie für Bürgersteige und Dachisolierungen verwendet wurden. Die Steinbrucharbeiter wohnten teilweise über längere Zeit auf der Insel und bauten hier sogar Getreide an. Trinkwasser steht in einem Wassertank zur Verfügung, der sich über eine lange Rinne aus dem Regenwasser füllt. Dieser Tank ist vor etwa 200 Jahren gebaut worden, als die Makares-Inseln wie auch andere kleine Inseln der Umgebung dem Kloster Chozoviotissa auf Amorgos gehörten, welches Menschen auf die Inseln schickte, um sie zu bewirtschaften und zu besiedeln soweit das möglich war. Nach dem Ende des Steinabbaus hielten Hirten von Amorgos, denen die Insel heute gehört, ihre Herden hier, bis diese vor einigen Jahrzehnten von den Inseln entfernt wurden.

Aber nun genug der Worte! Hier kommen ein paar Fotos.

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
Wir steigen am alten Steinbruch an der großen Bucht im Südwesten der westlichen Insel Agios Nikolaos aus, wo das Boot gut anlegen kann. Im Steinbruch liegen noch einige Steine herum.

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
Der Plattenkalk zeigt diese schönen Muster.

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
Ich gehe erst auf den westlichen Teil der Insel, von wo aus man auf das westlichste Kap, die sogenannte Pyramide, schauen kann; im Hintergrund liegt Naxos.

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
Alle paar Schritte stoße ich auf schöne, erodierte Steine – hier ein paar Beispiele.

Makares-Inseln, Agios Nikolaos

Makares-Inseln, Agios Nikolaos

Makares-Inseln, Agios Nikolaos

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
Nun geht es wieder zurück über den schmalen Teil zwischen der Nordwest- und der Südwestbucht auf den Hauptteil der Insel.

Makares-Inseln, Agios Nikolaos

Makares-Inseln, Agios Nikolaos

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
mehr Steine…

Makares-Inseln, Agios Nikolaos

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
Ein Stück weiter liegt dieser alte Steinbruch.

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
Hier befindet sich auf der Wassertank.

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
Über diese Rinne wird das den Hang hinunterlaufende Wasser in den Wassertank geleitet.

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
Ich gehe weiter Richtung Südosten.

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
Die Südküste ist sehr steil und unzugänglich. Im Hintergrund sieht man Strongyle (die „Runde“), die südlichste der Makares-Inseln.

Makares-Inseln, Agios Nikolaos

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
Blick zurück auf das Westkap

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
Blick die steile Südküste entlang nach Westen

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
An der Südostecke öffnet sich der Blick auf die östliche Insel, Prasíni (die „Grüne“) oder Ágia Paraskeví. Hier sind wir auf 30 m Höhe, unter uns geht es sehr steil hinab.

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
Blick zurück auf die Anhöhe, wo wir gerade waren. In diesem Teil der Insel wachsen etwas höhere Sträucher, vor allem Phönizischer Wacholder und Mastixstrauch.

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
Blick von der Spitze der Insel auf die Nordwestbucht und den nördlichen Teil. Der recht flache höchste Bereich der Insel ist 90 m hoch; nach Norden hin ist er durch ein 50 m hohes, fast senkrechtes Kliff begrenzt.

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
Blick von der Spitze nach Westen

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
Um in den Nordteil der Insel zu gelangen, muss man über eine schmale Treppe im Kliff herunter steigen – obwohl es sehr beeindruckend ist, ist das nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung.

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
Geschafft! Hier sieht man das Kliff mit der Treppe von unten.

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
Hier schließt sich eine flachere Region an, das livádi (die „Wiese“), wo früher das Getreide angebaut wurde.

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
Hier gibt es die allerschönsten Kieselsteinchen! Alle Farben sind vertreten. Der Untergrund besteht aus Peridotit- und Serpentinit-reichen Tiefseesedimenten, ähnlich wie die, die in einer schmalen Zone am Kap bei Moutsoúna anstehen.

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
In der östlichen Bucht hat unser Boot geankert. Unter den großen von der Klippe herabgestürzten Felsbrocken brüten die Sturmtaucher, die die Mitarbeiter vom NCC, die mich mitgenommen haben, untersuchen – hier bringen sie gerade Mikrofone und Kameras an.

Makares-Inseln, Agios Nikolaos
Blick auf die Bucht und die Insel Prasini im Abendlicht.

siehe auch: