Salz

Der Sommer ist die richtige Jahreszeit, um Salz zu sammeln. Dazu fährt man am besten zu den Naxos vorgelagerten Mákares-Inseln.

Die Nordspitze der Mákares-Inseln wird bei den winterlichen Nordstürmen oft gänzlich von den Wellen überspült.

Die zerklüfteten Marmorfelsen des Nordkaps sind fast völlig unbewachsen – hier kann sich nichts halten: eine karge, abweisende Umgebung.

In vielen kleineren und größeren Spalten, Löchern und Teichen sammelt sich bei den Nordstürmen das Wasser von Wellen und Gischt an und trocknet dann im Lauf des Sommers allmählich weg, so dass das Salz zurückbleibt.


In den großen Teichen ist das Wasser noch nicht verdunstet; sie sind wohl beim letzten stärkeren Sturm noch einmal aufgefüllt worden.


Die einzigen Tiere, die wir in dieser lebensfeindlichen Gegend antreffen sind Klippenasseln und einige Mückenlarven im größten Teich.

Es ist natürlich mühsam, das Salz aus den kleinen Spalten zusammenzusammeln. Und nach dem Sammeln muss es auf einem Laken auf dem Dach getrocknet und dann kleingemahlen werden. Wie viel einfacher ist es da, schnell im Supermarkt ein abgepacktes Tütchen zu kaufen, oder gleich einen fertigen Wegwerf-Salzstreuer!

Dennoch wird bei uns in der Nachbarschaft jedermann sofort bestätigen, dass das selbstgesammelte Salz viel besser und leckerer ist als das gekaufte.

Und damit haben sie auch ganz und gar recht: Gerade darin, dass es etwas Mühe macht, liegt ja der Wert, gerade im Vollbringen und Selbst-Erringen liegt doch die Würze!

Was uns da in unserem „modernen“, bequemen Leben alles entgeht! Das Leben ist schrecklich einfach geworden und schrecklich leer…

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