Die Schmirgelseilbahn

Die zwanziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts können als die „Goldene Zeit“ des Schmirgels bezeichnet werden: Es wurden jährlich zwischen 12.000 und 20.000 Tonnen abgebaut. Bis in diese Zeit transportierten die Koronidiaten den abgebauten Schmirgel mit Maultieren zum unterhalb von Kóronos gelegenen Hafenort Liónas, wo er auf Schiffe verladen wurde.


Der kleine Hafenort Liónas liegt am Ausgang eines engen, steilen Tales.


Der Strand ist von steilen Felsen umgeben.


Er besteht zum großen Teil aus Schmirgel.


In der Nähe des Hafens liegen mehrere hübsche Tavernen.

Der Bau der Seilbahn

Hier findet man den ungefähren Verlauf der Seilbahn und die Lage der Schmirgelminen bei Google Earth.

Ab dem Jahr 1927 wurde zur Vereinfachung des Transportes des Schmirgels zum Meer eine Seilbahn gebaut, die von den koronidiatischen Minen über den Berg zu den apiranthitischen Minen und von dort zum Hafen von Moutsoúna führte. Der Bau der Seilbahn, in jener Zeit angeblich das größte industrielle Bauunternehmen im Balkanraum, fand in den Jahren 1923 bis 1927 statt. Finanziert wurde er durch eine zusätzliche Steuer, die auf den Schmirgelverkauf erhoben wurde.


Die Seilbahn überwindet in recht abenteuerlicher Weise den steilen Berg zwischen Kóronos und Apíranthos – Zorbas lässt grüßen!.


kurz vor Moutsoúna


einer der Masten

Sie hat eine Länge von etwa elf Kilometern und überwindet in unwegsamem, schwierigem Gelände einen Höhenunterschied von etwa 700 Metern. Es gibt fünf Verladestationen: Pigí, Pesoúles und Stravolangáda auf der koronidiatischen Seite und Kakóriakas und Aspalathropós auf der apiranthitischen.


an der Station Kakóriakas


Hier wurden die Loren der von Kóronos aus den Berg herab kommenden Strecke auf die nach Moutsoúna führende Seilbahn umgeleitet.

Der Betrieb der Seilbahn

Der abgebaute Schmirgel wurde zunächst außerhalb der Minen gelagert. Im Frühling transportierten die Arbeiter ihren Schmirgel zur Verladestation. Nacheinander wurden die verschiedenen Minen zum Wiegen und Verladen aufgerufen, was jeweils mehrere Tage in Anspruch nahm. Der Schmirgel wurde nach vier Qualitätsstufen getrennt gewogen; Steine zu niedriger Qualität wurden verworfen. Dann wurde der Schmirgel von den Arbeitern der jeweiligen Mine in die Loren geladen und mit der Seilbahn nach Moutsouna transportiert. Eine Lore fasste etwa 300 Kilo Schmirgel.


Die Seilbahn war ein ziemlich gewagtes Bauwerk.


Die Loren hängen immer noch an der Seilbahn; diese hier ist ausgekippt worden.

Die Seilbahn war ungefähr drei Monate im Jahr in Betrieb. Sie wurde mit einem Dieselmotor angetrieben, der sich in der Hauptstation Stravolangáda befand.

Es waren eine ganze Reihe von Arbeitern für den Betrieb der Schmirgelseilbahn erforderlich. So gab es Reparaturtrupps, die auch regelmäßig die Räder fetteten, über die das Drahtseil lief. Von mehreren Wachtposten aus wurde die Zentralstation über eine Klingel benachrichtigt, wenn ein Problem auftrat. An der höchsten Stelle gerieten gelegentlich die Loren ins Rutschen und gefährdeten die Masten. Nicht selten fielen Loren herunter und mussten dann mühselig geborgen werden. Ein Arbeiter zog mit einem Maultier über die Berge und sammelte heruntergefallenen Schmirgel und abgestürzte Loren auf.

Trotz der großen Vereinfachung des Transportes war die Seilbahn aus verschiedenen Gründen kein besonderer Erfolg. Schon ihr Bau war sehr kostspielig gewesen. Außerdem arbeitete sie nicht einwandfrei, und es traten häufig Probleme beim Betrieb auf.

Die Hauptstation Stravolangáda

Die wichtigste Station der Seilbahn war die auf dem Gebiet von Kóronos gelegene Station Stravolangáda, in der sich auch der Dieselmotor befand, mit dem die Seilbahn angetrieben wurde.


Bei der Hauptstation Stravolangáda liegen eine ganze Reihe von Gebäuden, die größtenteils der Unterbringung der Arbeiter dienten.


Hier wurde die Seilbahn angetrieben. Im Häuschen im Hintergrund lag der Dieselmotor.


Blick ins Häuschen mit dem Antriebsmotor; es sind die großen Räder sichtbar, über die die Antriebsriemen liefen.


Diese Zahnräder leiteten die Antriebskraft des Motors auf die Drahtseile der Seilbahn um.


Hier beginnen die dicken Drahtseile der Seilbahn.


Mit dieser Apparatur wurden die Loren auf das Seil gehängt.


Von hier aus geht es steil den Berg hinauf!


Zwischen den Gebäuden um die Station liegen noch zahlreiche Haufen mit Schmirgel.

In Moutsoúna

Die Seilbahn transportierte den Schmirgel bis zum östlich von Apíranthos gelegenen Hafenörtchen Moutsoúna. Dort wurde der Schmirgel bis zum Verkauf gelagert. Auch hier waren viele Arbeiter tätig, insbesondere für die Verladung des Schmirgels auf die Schiffe. Der Hafen von Moutsouna gewann durch den Schmirgel sehr an Bedeutung.

Allerdings erwies sich die Verladung des Schmirgels auf die Schiffe als sehr unrentabel. Mangels einer geeigneten Hafenanlage musste der Schmirgel mit Barken zu den weiter draußen ankernden Schiffen transportiert werden. Das war sehr teuer und nur bei Windstille möglich, so dass die Schiffe oft lange warten mussten und nicht selten sogar wieder abfuhren, ohne geladen zu haben. Diese Schwierigkeiten waren ein bedeutsamer Grund für den Niedergang des naxiotischen Schmirgelhandels in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.


die Schmirgelhalde in Moutsoúna

Moutsouna
der Hafen von Moutsoúna mit der Mole und den Verladekränen


Mit diesen Kränen wurde der Schmirgel auf Barken verladen, die ihn dann zu den Schiffen brachten.


Die Barken liegen heute auf dem Berg bei der neuen Schmirgelhalde.

Der Transport heute

Um 1978 wurde die Asphaltstraße zu den Minen gebaut und der Betrieb der Seilbahn eingestellt. Seitdem wird der Schmirgel mit Lastwagen transportiert.


Bei diesen Minen wird heute Schmirgel verladen.


Hier werden die Lastwagen gewogen und registriert.


Im Inneren des Häuschens sieht man die alte, mechanische Waage.


ein Schmirgellastwagen auf dem Weg durch die naxiotischen Berge


Zum guten Schluss noch einmal: Achtung – Steinschlag!

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