Die antike Wasserleitung von Melanes zur Chora

Die Gegend der Chóra ist seit der neolithischen Periode besiedelt, das heißt seit über 6.000 Jahren. Während der Bronzezeit und in der Antike lag eine bedeutende Siedlung im Bereich der heutigen Stadt, von der zahlreiche Überreste in Ausgrabungen gefunden wurden. In der archaischen Periode wurde zur Deckung des Wasserbedarfs der Bewohner eine Wasserleitung von den Quellen bei Flerió in der Nähe des Dorfes Mélanes zur Chóra gebaut.

Die Wasserleitung war vom 6. Jahrhundert v. Chr. bis ins 8. Jhd. n. Chr. in Benutzung. Während der römischen Periode wurde die alte, aus Tonröhren bestehende Wasserleitung durch einen offenen Kanal ersetzt. Die Wasserleitung beginnt auf etwa 200 Metern Meereshöhe und hat eine Länge von 11 Kilometern. Das durchschnittliche Gefälle ist mit knapp 2% für eine antike Wasserleitung recht groß. Ähnliche, wenn auch deutlich längere und aufwändigere Wasserleitungen wurden zur selben Zeit auch in anderen Städten, so beispielsweise Athen und Samos, errichtet. Es ist vielleicht kein Zufall, dass der Tyrann von Naxos, der die Insel gegen Ende der archaischen Epoche beherrschte, mit den Tyrannen der beiden genannten Städte befreundet war – das legt nahe, dass die naxiotische Wasserleitung unter Lygdamis gebaut wurde.

Von Flerió zur Chóra


Die Quellen von Flerió liegen ganz in der Nähe des Kouros von Mélanes. Noch heute fließt hier das ganze Jahr über reichlich Wasser und das Tal ist von hohen Platanen bestanden.


Ganz in der Nähe liegt ein kürzlich ausgegrabenes Heiligtum, in dem die Schutzgottheiten der Quellen sowie der nahegelegenen Steinbrüche verehrt wurden.


Die Quellen von Flerió liegen etwas links außerhalb des Bildes hinter der in der Bildmitte erkennbaren Hügelkette. Die Wasserleitung wird von dort durch einen Tunnel in das Tal in der Bildmitte geleitet und dann entlang der Hügel zur Chora, die hinter den Hügeln rechts im Hintergrund des Bildes liegt.

Die heutige Wasserleitung

Auch heute noch wird das Tal von Flerió bewirtschaftet, wenn auch viel weniger als früher. Zur Bewässerung der Felder wird nach wie vor das Wasser der Quellen benutzt, das über eine offene Leitung, die teilweise der antiken Trasse folgt, auf die Felder geleitet wird.


Über diesen alten gepflasterten Weg gelangt man in das bewirtschaftete Tal.


Heute wird das Wasser über eine offene Leitung auf die Felder verteilt.


Wasserleitungen dieser Art waren über Jahrhunderte auf der ganzen Insel in Benutzung.


Im Bach leben Süßwasserschnecken.

Die antike Wasserleitung

Die erste Version der Wasserleitung wurde während der archaischen Periode im 6. Jahrhundert v. Chr. gebaut, als auch das Heiligtum und die Steinbrüche von Flerió in Benutzung waren. Die Leitung bestand aus sorgfältig gefertigten, genau gleich großen Tonröhren, die an den Enden ineinander gefügt waren; die Ritzen waren mit Mörtel verschlossen. Im Lauf der Jahrhunderte setzten sich die Tonröhren mit Kalk zu, so dass hier und da ein neues Stück Leitung knapp über der alten verlegt wurde. Während der römischen Periode wurde die endgültig verstopfte tönerne Leitung durch einen offenen, gemauerten Kanal ersetzt, der derselben Trasse folgte.


Entlang der Straße nach Kourounochóri ist an mehreren Stellen ein Stück der antiken Wasserleitung zu sehen; oberhalb der Tonröhren-Leitung sind Spuren des späteren offenen Kanals zu erkennen.


Hier ist ein langes Stück der Leitung erhalten.


Die Wasserleitung besteht aus ineinander gefügten, genau gleich großen Tonröhren.


Hier ist zu erkennen, wie die Tonröhren ineinander gesteckt sind.


Im Laufe der Jahrhunderte langen Nutzung setzten sich die Tonröhren mit Kalkablagerungen zu, so dass die verstopfte Leitung in der römischen Periode durch einen offenen, gemauerten Kanal ersetzt wurde.

Der Tunnel

Kurz hinter den Quellen führt die antike Wasserleitung durch einen Tunnel in das nach Norden anschließende Tal, möglicherweise, weil so einige Kurven des Tales von Mélanes eingespart werden konnten und die Chora über die kürzeste Strecke erreicht wurde. Vermutlich spielte auch eine Rolle, dass auf diese Weise auch das fruchtbare nördlichere Tal mit Wasser versorgt werden konnte. Dazu musste der Pass nördlich von Flerió durch einen 220 m langen Tunnel durchstochen werden.

Die Wasserleitung einschließlich des Tunnels wurde im 6. Jhd. v. Chr. angelegt. Der Tunnel wurde in den Fels gegraben; er weist eine Höhe von etwa anderthalb Metern auf. Das Gefälle ist mit nur 6 cm Unterschied zwischen Ein- und Ausgang des Tunnels minimal. In der römischen Zeit wurde der Kanal vor dem Aus- und Eingang je ein Stück weit durch einen gemauerten Gang überdacht, vor dem jeweils ein vertieftes, schachtartiges Becken lag, in dem sich mit dem Wasser herangeführtes Material (Sand, Erde usw.) ablagern sollte.


Von den Quellen im linken Talabzweig im Hintergrund verläuft die Wasserleitung entlang des Hanges bis zum Pass, von dem aus das Bild aufgenommen ist. Vorn links sieht man den überdachten Eingang des Tunnels, der den Pass durchsticht.


Die Ausgrabungsstätte des Tunneleingangs mit dem Pass im Hintergrund.


Der gemauerte Schacht vor dem Tunneleingang stammt aus der römischen Zeit.


Hier sieht man in den Schacht mit dem Absatzbecken und dem Eingang zum Tunnel.


beim Tunnelausgang


Der Tunnelausgang ist in derselben Weise angelegt wie der Eingang.


Auch hier befindet sich ein Absatzbecken, in dem sich mitgeführter Sand ablagern sollte.


Hier im Tal wachsen Myrtensträuche. Sie tragen gleichzeitig Blüten und Früchte.


Auch heute noch werden hier manche Felder bewirtschaftet; die Wasserleitung, über die das Wasser auf die Felder geführt wird, verläuft immer noch entlang der antiken Trasse.

Der Aquädukt

In der Nähe der Straßenabzweigung nach Mélanes bei Aimasós überbrückt die Wasserleitung ein kleines Tal über einen etwa anderthalb Meter hohen Aquädukt.


Am Straßenrand ist die antike Tonröhren-Leitung freigelegt. Etwas oberhalb der ursprünglichen Leitung ist ein später gebauter Zweig der Leitung zu sehen, der an einem zugesetzten Stück der Leitung vorbei führte.


Hier ist der Aquädukt zu sehen, mit dem das kleine Tal überbrückt wurde.


Der Aquädukt hatte eine Höhe von etwa anderthalb Metern und trug in römischer Zeit eine gemauerte, offene Wasserleitung.


Hier ist stellenweise zu erkennen, dass über einer unteren, offenen Leitung später ein zweiter, höher gelegener Kanal errichtet wurde, als der vorige sich mit Kalkablagerungen zugesetzt hatte.


Beim Bau der römischen, offenen Leitung wurden derartige Ziegel verwendet.


Der Mörtel für den gemauerten Wall wurde mit Tonscherben-Bruchstückchen gefertigt. Für die eigentliche Leitung wurde ein spezieller, wasserdichter Mörtel verwendet.


Ein Stück der offenen Wasserleitung; die Kalkablagerungen sind gut erhalten, während die Steine der gemauerten Leitung größtenteils abgetragen sind.

siehe auch:

zum Weiterlesen:

Zum Inhaltsverzeichnis

Schreibe einen Kommentar