Panormos

Die beste Bucht von Naxos, die von fast allen Winden abgeschirmt ist, liegt an der Südost-Ecke der Insel. Sie wird (wie auch auf vielen anderen Inseln) Pánormos genannt („pan-ormos“ = „all-Bucht“). Von Moutsouna aus erreicht man Panormos in etwa 20 Minuten mit dem Auto.

Panormos

In Panormos kann man die Überreste einer bronzezeitlichen Akropolis besichtigen. Die Akropolis liegt auf einem kleinen Hügel (Korfári ton Amydalión) oberhalb der Bucht; man erreicht sie in etwa einer Viertelstunde zu Fuß.

Panormos, Aufstieg zur Akropolis

Von der Straße aus führt ein kleiner Pfad zur Akropolis. Zunächst geht es einen locker mit Wacholder (Juniperus phoenicea) und Zwergsträuchern bewachsenen Hang hinauf. Nebenan stehen auf den nicht mehr bewirtschafteten Feldern ein paar Olivenbäume. Hier ist die Vegetation schon etwas trockener als bei uns; viele der krautigen Pflanzen werden schon braun. Rechts und links des Weges wachsen viele Blumen. Überall steht schon verblühter Asphodill. Häufig ist auch der wie ein kleiner Asphodill wirkende Narbonne-Milchstern und der Lauch Allium subhirsutum. Zwischen den Marmorfelsen wächst die kleine stark behaarte Nervige Bergminze.

Ornithogalum narbonense
Narbonne-Milchstern, Ornithogalum narbonense

Allium subhirsutum

Allium subhirsutum
eine Lauch-Art: Allium subhirsutum


unbestimmter Doldenblütler

Micromeria (= Satureja) nervosa
Nervige Bergminze, Micromeria (= Satureja) nervosa

Weiter oben gelangen wir auf eine ebenere Fläche mit aufgegebenen Getreidefeldern. Hier steht das Gras teilweise brusthoch. Zwischen den Gräsern wachsen zwei große gelbe Doldenblütler, die Gargano-Purgierdolde und Opopanax hispidus. Die letztere Art blüht erst hier und da. Von ihr werden die Blütentriebe gesammelt und gegessen; es handelt sich um eines der beliebtesten Wildgemüse („kárfa“). Wir finden zwischen den Gräsern eine unauffällige, eher seltene Blume mit dem merkwürdigen Namen Jungfer im Grünen. An einer Stelle steht eine ganze Versammlung der wunderbar duftenden Pyramidenorchis.

Thapsia garganica

Thapsia garganica
Gargano-Purgierdolde, Thapsia garganica

Opopanax hispidus
Opopanax hispidus

Nigella damascena
Junfer im Grünen, Nigella damascena

Anacamptis pyramidalis

Anacamptis pyramidalis
Pyramidenorchis, Anacamptis pyramidalis

Es sind viele Bienen und andere Insekten unterwegs; auch die ersten Heuschrecken zirpen schon. Die Kinder entdecken und fangen eine Fruchtwanze (Carpocoris spec.).

Wanze

Wir finden eine Sommerwurz, eine parasitisch auf den Wurzeln anderer Pflanzen lebende Art. Vermutlich handelt es sich hier um Orobanche pubescens.

Orobanche pubescens

Bald erreichen wir die Hügelkuppe mit der Akropolis. Durch ein Holztor gelangen wir auf das kleine Gelände. Eigentlich sehen die Überreste der Gebäude aus nicht besonders sorgfältig geschichteten, unbehauenen Marmorsteinen nicht viel anders aus, als die überall auf der Insel anzutreffenden Mauern, mit denen die Felder voneinander abgegrenzt und die Ziegen ferngehalten werden. Man kann sich kaum vorstellen, dass diese Steine schon vor über 4000 Jahren aufgeschichtet worden sind!

Panormos

Das Gelände der Akropolis ist von einer von den Hirten instand gehaltenen Bruchsteinmauer umgeben. Von den winzigen Häusern sind nur mehr die gut kniehohen Grundmauern erhalten. Alles ist überwuchert und bewachsen von Blumen und Gräsern.

Panormos

Panormos

Panormos

Panormos

Nach Süden haben wir von der Akropolis aus einen schönen Blick die Felder hinunter auf das Meer und die vorgelagerten Inseln (Koufonisi, Schinoussa und Heraklia). Landeinwärts wird die Hügelkuppe von ein ganzes Stück höheren Bergen überragt; direkt hinter uns liegt auf der Spitze eine weitere, wohl etwas jüngere Festung, von der aber auch nicht viel mehr als die Grundmauern erhalten ist.

Panormos
Blick nach Südwesten; im Hintergrund Heraklia

Panormos
Blick nach Südosten; im Hintergrund rechts Schinoussa und links Koufonisi

Panormos
Blick auf die höher gelegene, jüngere Akropolis

Durch das hohe Gras geht es wieder hinab zur Straße.

Panormos

Wir laufen noch zum Strand der nach Südwesten offenen Bucht hinunter. Hier steht eine Reihe von angepflanzten Palmen; mehrere Boote liegen weit an Land, außer Reichweite der Winterstürme.

Panormos

An der kleinen Mole finden wir einen Dunkelvioletten Seeigel, der eigentlich vor allem in etwas tieferem Wasser vorkommt und sich hier im ruhigen Wasser bis zur Wasseroberfläche hinaufgewagt hat. Er ist auf Naxos deutlich seltener als der Schwarze und der Stein-Seeigel; man kann ihn an den relativ kurzen violetten Stacheln mit weißer Spitze erkennen.

Panormos
Dunkelvioletter Seeigel, Sphaerechinus granularis

Im seichten Wasser wächst hier eine auffällige Grünalge, der Meersalat (Ulva lactuta), der für Sandbuchten typisch ist und auch in brackigem oder eutrophiertem Wasser vorkommt. In Azalas habe ich diese Art bislang nicht gesehen. Sie ist als Salat essbar.

Panormos
Meersalat, Ulva lactuta

Die Kinder finden einige Einsiedlerkrebse, von denen einer ein besonders schönes Schneckenhaus bewohnt.

Panormos

Am Kiesstrand entdecken wir nur wenige und sehr kleine leere Schneckenhäuser, darunter die winzige, grünliche Smaragdia viridis mit ihrer hübschen Zeichnung.

Panormos
Smaragdia viridis

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