Die Umweltfaktoren im Mittelmeer

Mit 3,9 Volumenprozent hat das östliche Mittelmeer einen recht hohen Salzgehalt. Die Wassertemperaturen erreichen 28°C im August und September bzw. 16°C im März. Im Sommer erwärmen sich die oberen Wasserschichten bis zu einer Tiefe von manchmal bis zu 30 Metern, wo die Temperatur plötzlich abfällt (Thermokline). In der Tiefe hat das Wasser des Mittelmeeres eine Temperatur von nicht weniger als 13°C. Wenn sich im Winter die oberen Wasserschichten abkühlen, wird eine tiefreichende Durchmischung des Wasserkörpers ermöglicht, wodurch in den nicht zu tiefen Gebieten die Nährstoffe, die sich am Boden abgelagert haben, wieder aufgewirbelt werden.

Aufgrund der hohen Temperaturen hat das Mittelmeer einen eher geringen Sauerstoffgehalt (bei hohen Temperaturen kann sich weniger Sauerstoff im Wasser lösen). Auch das Mineralangebot ist im Vergleich zu den polnäheren, kalten Ozeanen gering. Somit ist das Mittelmeer ein oligotrophes, das heißt nährstoffarmes Meer. Aufgrund der fehlenden Gezeitenströme gibt es auch in den flachen Bereichen nur wenig aufgewirbelte Schwebstoffe (und damit Nährsalze). Entsprechend dieser Nährstoffarmut ist das Mittelmeer planktonarm. Von dieser Schwebstoff- und Planktonarmut rührt auch die besondere Klarheit der Gewässer her, durch die intensiv blaue Farbe bedingt wird.

Ein entscheidender Umweltfaktor im Ökosystem des Meeres ist das Lichtangebot. Das Licht kann nicht beliebig tief ins Meer eindringen. Schon an der Oberfläche wird etwa ein Drittel des Lichtes reflektiert. Außerdem wird das Licht vom Wasser absorbiert, so dass es im Meer mit größerer Tiefe schnell dunkel wird. Schon in gut fünf Metern Tiefe sinkt die Lichtstärke auf etwa die Hälfte; in 40 bis 50 Metern beträgt sie nur noch etwa 1%. Dabei werden die verschiedenen Wellenlängen unterschiedlich stark absorbiert. Das langwellige rote Licht wird schon in den obersten Wasserschichten herausgefiltert, während das kurzwellige, energiereichere  blaue Licht in größere Tiefen vordringen kann. Ab einigen Metern Tiefe sieht entsprechend alles im Meer bläulich aus, und der Taucher kann die Farbenpracht der Meeresorganismen (auch da wo es noch recht hell ist) nur unter Zuhilfenahme einer Lampe bewundern. In den klarsten Gewässern des Mittelmeeres kann man teilweise noch in 100 Metern Tiefe lichtbedürftige Organismen wie das Seegras Posidonia finden.

In Küstennähe ist die Wasserbewegung durch die Gezeiten oder den Wellengang von großer Bedeutung für alle Meeresorganismen. Der Wellengang bewirkt eine Durchmischung des Wassers bis in erstaunlich große Tiefen und führt so zu einer Verteilung der Nährstoffe, die sich in stillen Gewässern am Boden absetzen. Von großer Bedeutung ist auch die Anreicherung des Wassers mit Sauerstoff. Weil nur in flachen Meeren der Wasserkörper durch den Wellengang bis zum Boden umgewälzt wird, sind diese generell wesentlich eutropher, das heißt nährstoffreicher, und können mehr Plankton ernähren.

Im Mittelmeer sind nur die flachen Schelfgebiete in der Adria, der Nordägäis, vor Tunesien und vor dem Nildelta eutroph. Dabei spielen natürlich auch die mit den großen Flüssen eingeschwemmten Nährstoffe eine Rolle. In den eutrophen Regionen leben deutlich mehr Fische, Mollusken usw. Heutzutage sind gerade diese Lebensräume jedoch durch einen übermäßigen Eintrag von Nährstoffen aus Abwässern, Düngemitteln, Waschmittelrückständen usw. gefährdet: Der übermäßige Nährstoffeintrag kann zu einem unnatürlichen Algenwachstum und einer so starken Vermehrung des Planktons führen, dass der Sauerstoff im Wasser aufgebraucht wird, woraufhin alles tierische Leben abstirbt („Umkippen“ des Gewässers). In der zentralen Ägäis ist die Eutrophierung höchstens in einigen stark besiedelten und von den Meeresströmungen weitgehend abgeschnittenen Meeresbuchten und Häfen ein Problem.

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