Meerzwiebel, Urginea maritima

Meerzwiebel, Blütenstand

Die erste Pflanze, die im Herbst wieder austreibt, meist noch deutlich vor den ersten Regenfällen, ist die Meerzwiebel (Urginea maritima). Ihr Name kommt daher, dass sie vor allem in den wärmsten, meernahen Lagen auftritt. Sie bildet eine dicke Zwiebel, die einer großen Küchenzwiebel ähnlich ist. Ab Ende August wächst aus den Zwiebeln ein bis über einen Meter hoher Blütenstand, eine Traube mit hübschen, kleinen, weißen Blüten, die nach und nach von unten nach oben aufgehen. Erst später bilden sich die dicken, fleischigen Blätter.

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Meerzwiebel, Blüten

Meerzwiebel, Zwiebel

Meerzwiebel, Blätter Meerzwiebel, Früchte

Die Meerzwiebel gehört zu den Scilloideae, einer Unterfamilie der Asparagaceae. Sie ist giftig und sehr bitter und wird deswegen von den Ziegen nicht gefressen. Darum ist sie insbesondere auf stark beweideten Flächen häufig. Sie wächst meist auf Marmor oder Kalkgestein in offener, lockerer Vegetation, vor allem dort, wo kaum etwas anderes gedeiht. Sie kann Trockenheit gut ertragen und kommt vor allem an den trockensten Standorten vor. Die Meerzwiebel ist auf Naxos sehr häufig. Sie ist im ganzen Mittelmeergebiet verbreitet.

Die Meerzwiebel ist nicht essbar, hat aber pharmazeutische Eigenschaften. Die entscheidenden Wirkstoffe sind herzwirksame Glykoside. Sie wirken herzstärkend, blutdrucksenkend und stark entwässernd. Dementsprechend wurde die Meerzwiebel früher als Herzmittel und bei Wassersucht eingesetzt. Zerstoßen in einem Tuch kann man sie auf schmerzende Ohren und Geschwüre legen. Bei Haarausfall soll ein Auszug aus der Zwiebel ebenfalls wirken. Außerdem wurde sie im Altertum bei Gelbsucht, Krämpfen und Asthma eingesetzt. Schließlich kann man auch ein wirksames Rattengift aus den Zwiebeln herstellen. Sie wurden auch dazu verwendet, Schadinsekten von gespeichertem Getreide fernzuhalten.

Im Altertum betrachtete man die Meerzwiebel mit ihrer großen Kraft zum Wiederaustreiben noch im trockenen Spätsommer als Universalmittel gegen böse Geister und hängte deswegen die Zwiebel über der Haustür auf. Dieser Brauch, den auch Dioskurides und Pythagoras ausübten, hat sich bis heute erhalten: Nun werden die Zwiebeln um die Weihnachtszeit über der Tür aufgehängt, wo sie häufig auch ohne Wasser und Erde austreiben und einen großen Blütenstand bilden.

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