Steinzeitmenschen auf Naxos: Die Steinwerkzeuge der Stelida

Bis vor kurzem ging man davon aus, dass die Ägäischen Inseln erst in der Jungsteinzeit von Menschen besiedelt wurden. Neue Forschungsergebnisse von Kreta und einigen anderen griechischen Inseln sowie eine in den letzten Jahren wieder aufgenommene Untersuchung auf Naxos werfen jedoch ein ganz neues Licht auf die Frühgeschichte der Ägäis: Sie zeigen, dass diese Inseln schon wesentlich früher von Menschen besiedelt waren als bisher angenommen. Auf Naxos sind auf dem Hügel der Stelída südlich der Chóra menschliche Artefakte zu finden, die in die Mittel- und sogar die Altsteinzeit zu datieren sind. Diese Fundstellen sind in den frühen Achtziger Jahren erstmals entdeckt und beschrieben worden, werden aber erst in den letzten Jahren von griechischen und kanadischen Archäologen systematisch untersucht.


Der Hügel der Stelída vom Strand von Ágios Prokópios aus. Die von den Archäologen untersuchten Gebiete liegen größtenteils auf dem felsigeren Gelände an der Spitze des Hügels.


Oben auf dem Hügel stehen dicke Hornstein-Schichten an. Aus diesem Hornstein stellten die Frühmenschen auf der Stelída einfache Steinwerkzeuge her, von denen heute hier noch Überbleibsel gefunden werden können.


Als Hornstein werden kieselsäurehaltige Gesteine bezeichnet, d.h. Gesteine, die überwiegend aus Siliziumdioxid (kristalline Form: Quarz) bestehen. Je nach Verunreinigung durch andere Mineralien kann der Hornstein eine rötliche, bräunliche, grünliche oder fast schwarze Färbung aufweisen.


Diese Hornstein-Splitter zeigen Merkmale eines künstlichen Abschlags. Die Schlagstelle ist mit einem Pfeil markiert; sie liegt oft auf einer künstlich geglätteten Schlagfläche. Die abgebildete Seite des Splitters ist jeweils die Ventralfläche, d.h. die, die am Kern angelegen hat, von dem der Splitter abgeschlagen wurde. Sie zeigt eine deutliche, durch den Schlag entstandene Wölbung (Bulbus); nahe bei der Schlagstelle sieht man die Schlagnarbe, die dadurch entsteht, dass sich beim Schlag oft ein kleines Splitterchen ablöst (Kreis).

Nach ihrer Machart und Form gehören die Steinwerkzeuge der Stelída zu zwei unterschiedlichen Epochen. Etwas kleinere und feiner gearbeitete Schaber, Bohrer oder Klingen, oft mit sorgfältig bearbeiteten Rändern, sind typisch für die Jüngere Mittelsteinzeit (etwa 9.000 v. Chr). Ein zweites Set von Werkzeugen, die etwas größer und gröber gearbeitet sind und eine unregelmäßigere Form aufweisen (größtenteils rundliche oder etwa dreieckige Schaber), ist in die Mittlere Altsteinzeit einzuordnen, die im Bereich des Mittelmeeres vermutlich in die Zeit von etwa 130.000 bis 80.000 vor heute zu datieren ist (in der Levante noch früher: vor 250.000 bis 160.000 Jahren). Diese Abschläge sind mit der sogenannten Levallois-Technik hergestellt: Hier werden nicht die abgeschlagenen Stücke nach der Abspaltung feiner bearbeitet, sondern der „Kern“, der Stein, von dem sie abgespalten werden, wird zuerst sorgfältig vorbereitet und in Form gebracht, und danach wird das fertige Werkzeug durch einen Schlag abgelöst.

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