Der Demeter-Tempel bei Sangri

Der Demeter-Tempel bei Sangri ist eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten von Naxos. Der um 530 v. Chr. errichtete Tempel ist zwar nur recht klein, hat aber eine große Bedeutung für die Erforschung der griechischen Tempelarchitektur. Er ist im „inselionischen“ Baustil errichtet, der auf den Kykladen, insbesondere auf Naxos, entwickelt wurde und den die Athener nach der Unterwerfung der Insel übernahmen.


Der Demeter-Tempel gehört zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten von Naxos.


Er liegt auf einer sehr flachen Anhöhe vor der steilen Bergkette im Osten.


Der Tempel ist Anfang der Neunziger Jahre teilweise wieder aufgebaut worden. Dabei wurden sowohl alte Bauteile als auch neu zurechtgeschnittene Steine verwendet.

Der Tempel besitzt einen sehr ungewöhnlichen Grundriss: Der Innenraum ist breiter als lang (12 x 8 Meter) und besitzt eine querverlaufende Reihe aus fünf Säulen. Der Tempel hat zwei große Eingänge in der Südseite unterhalb des Giebels. Davor liegt eine ebenfalls von fünf Säulen sowie von seitlich vorspringenden Mauern getragene Vorhalle.


Blick von Süden auf den Tempel; erkennbar sind die 5 Säulen der Vorhalle und der rechte der Eingänge zum Innenraum.

Bis auf die hölzernen Türflügel war der Tempel gänzlich aus Marmor errichtet. Von besonderem Interesse ist die Dachkonstruktion. Er besaß ein Satteldach, das von den fünf in einer Querreihe(!) stehenden Säulen des Innenraumes getragen wurde. Die größte Besonderheit der Säulen des Innenraumes war, dass sie wegen des Fehlens einer waagerechten Decke, weil sie also direkt das Satteldach trugen, unterschiedliche Höhen aufwiesen mit einem Höhenunterschied von einem Meter zwischen der mittleren und den beiden äußersten Säulen. Auf den Säulen lagen waagerechte Marmorbalken, die bis zur Vorder- bzw. Rückseite des Raumes reichten. Diese trugen wiederum querverlaufende (schräge) Sparren, auf denen die nur etwa 3 cm dicken, sorgfältig geglätteten Füllplatten lagen. Diese dünnen, lichtdurchlässigen Marmorziegel sind auf Naxos erfunden worden (von einem Baumeister namens Byzes). Höchstwahrscheinlich hatten auch der Dionysos-Tempel bei Íria und die Gebäude der Naxier in Delos ein derartiges Dach. Der Demeter-Tempel ist jedoch das erste Bauwerk, für das die Dachkonstruktion vollständig rekonstruiert werden kann.


Eine Rekonstruktion der Vorderfront der Daches ist hinter dem Museum zu sehen.


Die schlanken Säulen des Demeter-Tempels weisen keine Kannellierung (Längsrillung) auf.


Die Wände des Tempelgebäudes bestanden aus einer äußeren Lage aus größeren Steinen und einer inneren aus kleineren, unregelmäßig angeordneten Steinen.

Insgesamt fällt beim Demeter-Tempel trotz der kostbaren, ungewöhnlichen und gewagten Marmorkonstruktion eine große Schlichtheit in der Ausführung auf. Die Verzierung war einfach gehalten und beschränkte sich größtenteils auf eine Bemalung. Der bedeutsamste Aspekt der Marmorkonstruktion für die Nutzung des Tempels war wohl die sicher zauberhaft wirkende Beleuchtung des Innenraumes durch das mit den dünnen, durchscheinenden Marmorziegeln gedeckte Dach.

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