Die interessante Schirmchenalge Acetabularia acetabulum ist unverwechselbar. Sie besteht aus einem Rhizoid, das am Untergrund verankert ist, und das im Frühling das schlanke Stielchen treibt, an dem sich im Sommer die runden Schirmchen bilden; in alle Teile der Alge ist Kalk eingelagert, so dass sie sehr steif ist. Schirmchenalgen sind eine sehr alte Algengruppe: Viele der heute existierenden Arten waren schon im Jura und der Kreidezeit weit verbreitet; sie sind häufig als Fossilien zu finden und trugen zur Riffbildung bei. Die Schirmchenalge ist einer der größten einzelligen Organismen: Sie besteht nur aus einer Zelle mit einem großen Zellkern, der sich im Rhizoid befindet. Sie ist der erste eukaryotische Organismus, bei dem die Rolle des Zellkerns und der DNA durch Versuche und mikroskopische Untersuchungen demonstriert wurde. Aufgrund ihrer Größe diente die Schirmchenalge auch für entwicklungsbiologische Untersuchungen als Studienobjekt. Wenn die Schirmchen gebildet werden, teilt sich der Zellkern im Rhizoid erst mit einer Meiose, dann mit vielen Mitosen, so dass haploide sekundäre Zellkerne entstehen, die in das Schirmchen wandern, wo sie in zahlreiche kleine Gametangien eingelagert werden, aus denen im Spätsommer, wenn die Schirmchen zerfallen, die Geschlechtszellen ins Meerwasser freigesetzt werden. Die Schirmchenalge enthält mehrere Millionen Chloroplasten, die Photosynthese betreiben und je nach Lichtangebot zur Oberfläche des Algenkörpers oder tiefer ins Innere wandern.