Die Felsengarnelen kommen an der Küste vor. Sie sind gar nicht so selten, verstecken sich aber unter Felsen und in den Algen und sind außerdem schwer zu entdecken, da sie fast durchsichtig sind. Die hübsche Felsengarnele mit bläulichen Scherenbeinen wird bis zu sechs Zentimeter lang. Es gibt mehrere Arten, die sehr schwer zu bestimmen sind; man muss beispielsweise die Größenverhältnisse der Scheren messen, was praktisch nur am toten Tier geht. Bei den Felsenkrabben verstört mich immer besonders das Thema der Durchsichtigkeit. Wie alle Tiere und Pflanzen bestehen auch die Felsengarnelen aus Zellen und Geweben, und aus denselben Stoffen, aus denen auch wir Menschen aufgebaut sind: Proteine, Fette, Kohlenhydrate und so weiter. Während wir, wenn wir an uns selbst denken, ganz sicher davon ausgehen, dass wir aus Stoffen bestehen, die undurchsichtig sind, ist das offenbar nicht so. Transparente Organismen wie die Felsengarnelen beweisen, dass alle wesentlichen Stoffe im tierischen Körper wie Proteine, DNA, Fette usw. an sich keine Farbe haben und kein Licht absorbieren, wenn die Zellen oder Gewebe nicht mit speziellen Pigmenten versehen sind. Könnten wir also auch durchsichtig sein – abgesehen vielleicht von den Knochen oder anderen sehr “dichten” Materialien? Aber das Problem der transparenten Tiere ist noch nicht dadurch gelöst, dass ihre Materialien ebenso durchsichtig sind wie das Wasser, aus dem wir ja größtenteils bestehen. Ein kaum überwindbar erscheinendes Problem ist die unterschiedliche Streuung der Moleküle und Organellen der Zellen. Selbst wenn diese alle an sich farblos sind und die transparenten Tiere nur die Pigmente weggelassen haben, dann sind ihre Körper noch längst nicht durchsichtig: Sie müssen auch die Streuung innerhalb all der Strukturen, die ihren Körper aufbauen, minimieren. Es ist noch nicht bekannt, wie die transparenten Tiere das bewerstelligen. Eine Rolle spielt vermutlich die Größe der Lipid-Kügelchen in den Zellen, die die Streuung des Lichtes beeinflussen. Außerdem ist der Aufbau der Muskelzellen vermutlich in transparenten Tieren etwas anders als in nicht-transparenten, z.B. durch längere Muskelfasern oder durch weniger Mitochondrien in den Zellen, wodurch die Streuung gering gehalten wird. Es scheint so zu sein, dass transparente Garnelen milchig werden, wenn sie sich stark bewegen. Das weist darauf hin, dass sich ihre Muskeln in einem bestimmten (Ruhe-)Zustand befinden müssen, damit die Transparenz aufrecht erhalten werden kann. Mit anderen Worten, die Transparenz ist ein Zustand, der “aktiv” erreicht und aufrecht erhalten wird.