11. August
Die Quallen gehören zu den Nesseltieren. Diese zeichnen sich durch einen Generationswechsel aus, bei dem sich eine frei im Plankton treibende Medusen- (= Quallen-) und eine sessile Polypengeneration abwechseln; bei vielen Nesseltieren fehlt aber die Medusen- oder die Polypengeneration oder ist sehr reduziert. Die Generationen sind in Aussehen und Lebensweise so unterschiedlich, dass sie ursprünglich oft als verschiedene Arten beschrieben worden sind. Oftmals ist auch nur eine der beiden Formen bekannt. Generell ist unser Wissen über viele Quallengruppen und -arten ihrer pelagischen Lebensweise entsprechend noch recht lückenhaft. Die bei uns vorkommenden Arten gehören überwiegend zu den Schirmquallen. Auch diese besitzen eine Polypen-Generation, wobei die Polypen meist einzeln sessil am Meeresboden leben; bei manchen Arten sitzen sie an der Quallengeneration fest. Die Schirmquallen sind einige Zentimeter bis Dezimeter groß; einige Arten können bis zu zwei Meter Durchmesser erreichen. Sie besitzen einen rundlichen Schirm, der aus einer oberen und einer unteren Zellschicht sowie einer gallertigen, zellfreien Masse dazwischen besteht. Vom Rand und von der Unterseite des Schirms (um die zentrale Mundöffnung) hängen von Art zu Art unterschiedlich gestaltete Tentakel herab. Quallen besitzen ein sehr einfaches Verdauungs- und Nervensystem und wenige simple Sinneszellen oder -organe. Meist sind sie getrenntgeschlechtlich; Eier und Spermien werden ins Wasser abgegeben. Die Fortbewegung erfolgt passiv durch Treiben in der Meeresströmung oder aktiv nach dem Rückstoßprinzip durch Kontraktion des Schirmes. Die Tentakel, die manchmal als sehr lange, dünne Fäden hinabhängen, besitzen Nesselzellen, die bei Berührung „explodieren“. Bei vielen Arten können die Nesselzellen die menschliche Haut nicht durchdringen, andere reizen die Haut ähnlich wie eine Brennessel, während manche lästige oder sogar gefährliche Lähmungen und Wunden hervorrufen können. Quallen ernähren sich meist von kleinen Lebenwesen des Planktons, die sie mit ihren Tentakeln einfangen. Die Beute bleibt an den Fangfäden haften und wird dann durch Wimpernschlag der Zellen der Tentakel oder durch Verkürzung der Tentakel zur Mundöffnung transportiert und aufgenommen. Quallen sind dem Menschen häufig lästig, besonders wenn es zu einem massenhaften Auftreten kommt, so dass die Badestrände beeiträchtigt werden. In manchen Gegenden, so auch im Mittelmeer, kommt es in der letzten Zeit häufiger zu Massenvermehrungen von Quallen, was vermutlich mit der Erwärmung der Meere und mit Überfischung zusammenhängt. Auch Fischern können Quallen lästig werden, weil sie die Netze verstopfen. Giftige Arten können in Fischzuchtanlagen größere Schäden anrichten. Manche Arten können so häufig werden und sind so effektive Nahrungskonkurrenten, dass sie beträchtliche Schäden für die Fischerei verursachen können. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass die Quallen als Bestandteil des natürlichen Ökosystems auch eine wichtige Rolle im Gleichgewicht des Meeres spielen und „dazugehören“. Einige Arten werden ausgiebig in der Zell- und Molekularforschung verwendet, und neuerdings wird ihre mögliche Rolle als Kollagenlieferant untersucht, sowie eine Nutzung für Filter, mit denen das Meer von Mikroplastik und ähnlichen verunreinigenden Stoffen gesäubert werden kann. Bei uns sehen wir normalerweise nur sehr weniger Quallen. Die Spiegeleiqualle, deren Schirm einen Durchmesser von 40 cm erreichen kann, ist für den Menschen ungefährlich: Ihre Nesselzellen können unsere Haut nicht durchdringen. Die Spiegeleiqualle ist aufgrund ihrer gelben Färbung leicht im Meer zu entdecken. Sie kann durch Kontraktion des Schirms aktiv schwimmen. Oft wird sie – wie wir beobachten konnten – von kleinen Fischchen begleitet, die unter ihrem Schirm Schutz suchen. In der Mitte des gelblichen Schirms befindet sich eine halbkugelige, dotterfarbene Aufwölbung, von der sich der Name ableitet. Vom Schirm hängen acht größere und zahlreiche kleinere, stark verzweigte Arme herab, die viele kräftig lila gefärbte „Knöpfe“ tragen.