{"id":78,"date":"2008-09-20T00:22:32","date_gmt":"2008-09-19T21:22:32","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?page_id=78"},"modified":"2024-10-01T05:06:05","modified_gmt":"2024-10-01T02:06:05","slug":"landwirtschaft-antike","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/en\/landwirtschaft-antike\/","title":{"rendered":"Landwirtschaft in der Antike"},"content":{"rendered":"<p><big>S<\/big>chon ab der Steinzeit, d.h. vor \u00fcber 3000 v. Chr., wurde auf Naxos Getreide angebaut. Allerdings haben wir nur recht wenige Funde aus dieser Zeit, so dass unser Wissen begrenzt ist. W\u00e4hrend der Bronzezeit waren vor allem die K\u00fcstengebiete von S\u00fcd- und Westnaxos besiedelt: Die fruchtbaren und leicht zu bearbeitenden Schwemmebenen in diesen Regionen waren f\u00fcr die Landwirtschaft am besten geeignet. Aber schon gegen Ende der Bronzezeit hatte sich die Bewirtschaftung auf die meisten Gebiete der Inseln ausgedehnt: Auf Kreta beispielsweise hat man Siedlungsreste in hochgelegenen, heute nicht mehr besiedelten Regionen gefunden.<\/p>\n<p><big>A<\/big>us der Antike um etwa 600 v. Chr. wird berichtet, dass mehr oder weniger die gesamte Insel bewirtschaftet wurde. Das kann auch kaum anders gewesen sein, da Naxos damals eine Bev\u00f6lkerung von etwa 100.000 Einwohnern trug und auch ern\u00e4hrte, also fast zehnmal so viel wie heute (die Insel stellte 8.000 Hopliten und zahlreiche lange Schiffe; das entspricht mindestens 50.000 B\u00fcrgern und etwa ebenso vielen Sklaven, Herodot 5,30). Naxos war f\u00fcr seine Fruchtbarkeit bekannt und wurde als &#8220;die Gl\u00fccklichste der Inseln&#8221; ger\u00fchmt (Herodot 5,28).<\/p>\n<p><big>A<\/big>b der sp\u00e4ten Antike bis fast in die Neuzeit hinein wurde Naxos von h\u00e4ufigen Piraten\u00fcberf\u00e4llen gebeutelt, bei denen nicht nur Vorr\u00e4te und G\u00fcter geraubt und Besitzt\u00fcmer vernichtet, sondern auch mehrfach gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung in die Sklaverei entf\u00fchrt wurden. Aus diesem Grund wurden die K\u00fcstengebiete nach und nach verlassen und die D\u00f6rfer an vom Meer aus nicht sichtbaren Stellen in den Bergen angelegt. Auch heute noch sind gro\u00dfe Teile vor allem im S\u00fcden von Naxos fast menschenleer.<\/p>\n<h3>Die Bearbeitung der Felder<\/h3>\n<p><big>\u00dc<\/big>ber die genaue Art der Bewirtschaftung der Felder in der Antike wissen wir nicht viel; es ist anzunehmen, dass sie im wesentlichen auf dieselbe Art bearbeitet wurden wie in der traditionellen Landwirtschaft, so wie sie etwa bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts betrieben wurde. Die gr\u00f6\u00dferen Felder in den ebeneren Regionen der Insel wurden mit von Ochsengespannen gezogenen Pfl\u00fcgen gepfl\u00fcgt, w\u00e4hrend die kleinen Felder und Terrassen in den Bergen von den Bauern von Hand mit Hacken bearbeitet wurden. Noch bis vor wenigen Jahrzehnten wurden in den Bergen vereinzelt f\u00fcr Traktoren oder Handfr\u00e4sen unzug\u00e4ngliche Felder fern der Stra\u00dfen mit eisernen, von einem Maultier gezogenen Pfl\u00fcgen bearbeitet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/agriculture\/folk_museum_filoti_agricultural_tools-1.jpg\" alt=\"im Volkskundlichen Museum in Filoti\" border=\"0\"><br \/>\n<small>landwirtschaftliche Ger\u00e4te, u.a. ein Pflug und Sicheln, im volkskundlichen Museum von Fil\u00f3ti<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/agriculture\/plowing_mule_moni_1990.jpg\" alt=\"Pfl\u00fcgen mit dem Maultier, Moni 1990\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Ein Bauer pfl\u00fcgt in der N\u00e4he von Mon\u00ed seinen Olivenhain mit einem Maultier; Foto aus dem Jahr 1990.<\/small><\/p>\n<h3>Terrassen und Steinh\u00e4user<\/h3>\n<p><big>E<\/big>s ist anzunehmen, dass schon seit dem Altertum auf den Bergh\u00e4ngen der Insel f\u00fcr die bessere Bewirtschaftung Terrassen angelegt wurden, vermutlich in ganz \u00e4hnlicher Weise wie auch heute noch (mit St\u00fctzmauern aus Lesesteinen oder dem anstehenden Gestein). Das Alter der heutigen Terrassen ist schwer zu ermitteln; sicher sind viele zumindest in ihrer Anlage schon sehr alt. Auch die Bauweise der einfachen Steinh\u00e4user, in denen die Bauern und Hirten auf ihrem Landbesitz fernab der D\u00f6rfer wohnten (<em>&#8220;mit\u00e1ti&#8221;<\/em>), ist seit dem Altertum vermutlich fast gleich geblieben.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/traditions\/old_stone_house_fanari_view-1.jpg\" alt=\"altes Steinhaus auf dem Fanari\" border=\"0\"><br \/>\n<small>\u00c4hnlich wie dieses alte Steinhaus mit Terrassen drumherum haben vermutlich die H\u00e4user auf Naxos auch in der Antike schon ausgesehen.<\/small><\/p>\n<h3>Bew\u00e4sserung<\/h3>\n<p><big>S<\/big>chon im Altertum war insbesondere in Trockenjahren die Bew\u00e4sserung der G\u00e4rten sowie auch die Versorgung der Siedlungen mit Wasser ein Problem. Nicht zuf\u00e4llig waren f\u00fcr die Alten die Quellen und Fl\u00fcsse heilige Orte. Sicherlich leiteten die Bauern auch in der Antike schon das Wasser der Fl\u00fcsse mit offenen Leitungen auf ihre Felder. Siedlungen wurden \u00fcberwiegend in der N\u00e4he guter Quellen angelegt; au\u00dferdem wurden wo n\u00f6tig Brunnen gegraben. Um die Hauptsiedlung der Insel mit Wasser zu versorgen, wurde in der archaischen Zeit eine Wasserleitung gebaut, die von den wasserreichen Quellen bei Fleri\u00f3 zur Ch\u00f3ra f\u00fchrte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/aqueduct-1.jpg\" \nalt=\"die antike Wasserleitung von Flerio zur Chora\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Die in der archaischen Zeit konstruierte und bis in die byzantinische Zeit genutzte Wasserleitung, die das Wasser der Quellen bei Fleri\u00f3 zur Ch\u00f3ra leitete, zeigt deutlich die Bedeutung des Wasser f\u00fcr die Menschen der Antike sowie die hohe Organisation der Wasserversorgung.<\/small><\/p>\n<h3>Kulturpflanzen in der Antike<\/h3>\n<h6>Getreide und H\u00fcsenfr\u00fcchte<\/h6>\n<p><big>V<\/big>iele der heute angebauten Feldfr\u00fcchte wurden auch schon im Altertum angepflanzt. Getreide, Wein und \u00d6lb\u00e4ume werden auf den Kykladeninseln schon seit sp\u00e4testens 3000 v. Chr. kultiviert. Brot und Getreidebrei waren ein sehr wichtiger Bestandteil der Ern\u00e4hrung.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/agriculture\/wheat-1.jpg\" alt=\"Getreidefeld in Agios Dimitris\" border=\"0\"><\/p>\n<p><big>D<\/big>ie H\u00fclsenfr\u00fcchte wie Bohnen, Kichererbsen, Linsen und die wilden erbsen\u00e4hnlichen Wicken standen auf dem Speisezettel der Griechen ganz vorn; ebenso war der Sesam schon bekannt.<\/p>\n<h6>Kr\u00e4uter und Zwiebeln<\/h6>\n<p><big>D<\/big>ie alten Griechen verwendeten vielerlei Gew\u00fcrze und Kr\u00e4uter, vor allem auch wegen ihrer Heilwirkungen, die die ersten \u00c4rzte und Apotheker in ganzen B\u00fcchersammlungen festhielten. Knoblauch war bekannt, die Speisezwiebel dagegen vermutlich noch nicht: es wurden nur die wilden Zwiebeln einer Traubenhyazinthen-Art gesammelt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/flora\/asparagaceae\/muscari_weissii_onion-1.jpg\" alt=\"Zwiebeln der Traubenhyazinthe\" border=\"0\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/flora\/asparagaceae\/muscari_weissii_volvoi-1.jpg\" alt=\"Zwiebeln der Traubenhyazinthe\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Die Zwiebeln der Traubenhyazinthen waren schon in der Antike beliebt und werden auch heute noch gern von den Griechen gesammelt und gegessen.<\/small><\/p>\n<h6>Gem\u00fcse<\/h6>\n<p><big>\u00dc<\/big>ber die Gem\u00fcsearten, die gegessen wurden, sind wir weniger gut informiert; gr\u00f6\u00dftenteils wurde (wie auch heute noch in l\u00e4ndlichen Regionen Griechenlands) wildes Gem\u00fcse gesammelt. Schon seit dem Altertum bekannt waren beispielsweise Kohl, M\u00f6hre, Gurke, K\u00fcrbis, Rettich und Lattich, w\u00e4hrend Mais, Kartoffeln, Tomaten und Paprika erst nach der Entdeckung Amerikas von dort nach Europa gelangten, und die Aubergine erst vor weniger als 200 Jahren aus Afrika.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/flora\/asteraceae\/chondrilla_juncea_shoots-1.jpg\" alt=\"Binsen-Knorpellattich, Chondrilla juncea\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Der Knorpellattich, ein Verwandter des Gartensalats, wird bis heute viel wild gesammelt. Die jungen Sprosse werden kurz gekocht und mit \u00d6l \u00fcbergossen gegessen.<\/small><\/p>\n<h6>Obst<\/h6>\n<p><big>A<\/big>uch viele Obstsorten waren schon in der Antike bekannt und wurden wild gesammelt oder auch kultiviert und veredelt, vor allem Trauben, Feigen, Birnen, Pflaumen, Quitten, Granat\u00e4pfel, Kirschen, Melonen, Kastanien, Waln\u00fcsse und Mandeln. Pfirsich und Johannisbrotbaum wurden w\u00e4hrend der Antike aus dem Nahen Osten eingef\u00fchrt; erst sp\u00e4ter gelangten Aprikosen, Maulbeerbaum, Zitronen und Orangen aus Ostasien in den griechischen Raum. Auch der Apfelbaum wurde erst im Mittelalter aus Mitteleuropa eingeb\u00fcrgert.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/agriculture\/walnut-1.jpg\" alt=\"Walnussbaum, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Walnussb\u00e4ume gedeihen auf Naxos in den feuchten Flusst\u00e4lern der Bergregion. Sie wurden schon von den Menschen der geometrischen Epoche genutzt (etwa 1000 v. Chr.).<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/flora\/rosaceae\/prunus_webbii_flower-1.jpg\" alt=\"Prunus webbii\" border=\"0\"><br \/>\n<small>In S\u00fcdost-Naxos kommen einige Exemplare des wilden Mandelbaums <em>Prunus webbii<\/em> vor, die hier m\u00f6glicherweise schon in der Bronzezeit eingef\u00fchrt worden waren. In der Antike war Naxos f\u00fcr seine ausgezeichneten Mandeln bekannt.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/agriculture\/almond_tree-2.jpg\" alt=\"Mandelbaum\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Auch heute noch gibt es viele Mandelb\u00e4ume auf Naxos, insbesondere in der Umgebung der Traga\u00eda.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/P1120539-1_450.jpg\" alt=\"Wanderung von Skado nach Apollonas, Quittenbaum\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Ein Quittenbaum bei Skad\u00f3 &#8211; die Fr\u00fcchte werden zu einer traditionellen, auch heute noch sehr beliebten S\u00fc\u00dfspeise <em>(glyk\u00f3 tou koutalio\u00fa)<\/em> verarbeitet.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/P1120536-1_450.jpg\" alt=\"Wanderung von Skado nach Apollonas, Kirschpflaumenbaum\" border=\"0\"><br \/>\n<small>In alten Obstg\u00e4rten findet man oft die auf Naxos sehr \u00fcblichen Kirschpflaumen.<\/small><\/p>\n<p><big>D<\/big>er Maulbeerbaum wurde in Europa vermutlich erst durch die R\u00f6mer verbreitet: seine Bl\u00e4tter dienten als Futter f\u00fcr die Larven des Seidenspinners. In Griechenland begann die Produktion von echter Seide im Byzantinischen Reich (in der Antike wurde schon die sogenannte Koische Seide aus den Kokons des Falter <em>Pachypasa otus<\/em> hergestellt). Auf Naxos wurde die Seidenproduktion vielleicht durch die Venezianer eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/agriculture\/old_mulberry_tree-1.jpg\" alt=\"Mandelbaum\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Obwohl heute schon lange keine Seide mehr hergestellt wird, gibt es noch viele Maulbeerb\u00e4ume auf Naxos. Oft werden sie wegen ihres Schattens und der Fr\u00fcchte in der N\u00e4he von Bauernh\u00e4usern angepflanzt. Hier ein besonders altes und gro\u00dfes Exemplar bei Kal\u00f3xylos.<\/small><\/p>\n<h3>Nutztiere in der Antike<\/h3>\n<p><big>S<\/big>chon die ersten Siedler auf Naxos in der Jungsteinzeit hielten Nutztiere: es gab Rinder (w\u00e4hrend der klassischen Epoche gab es in Nordgriechenland eine seitdem verschwundene besonders gro\u00dfe Rasse, die mehr Milch gab als unsere heutigen K\u00fche), Schweine, Ziegen und Schafe. Das Huhn gelangte dagegen erst in der sp\u00e4ten Antike in den griechischen Raum.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/agriculture\/goats-2.jpg\" alt=\"Ziegen auf Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Naxos war in der Antike f\u00fcr seine ausgezeichneten Ziegenrassen bekannt.<\/small><\/p>\n<p>weiter: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-landwirtschaft\/\">Die Landwirtschaft auf Naxos<\/a><\/p>\n<p>zur\u00fcck: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-kulturlandschaft\">Kulturlandschaft<\/a><\/p>\n<p>siehe auch: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/landwirtschaft-entstehung\/\">Die Entstehung der Landwirtschaft<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon ab der Steinzeit, d.h. vor \u00fcber 3000 v. Chr., wurde auf Naxos Getreide angebaut. 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