{"id":16005,"date":"2023-01-22T18:20:34","date_gmt":"2023-01-22T16:20:34","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?p=16005"},"modified":"2024-07-13T07:33:23","modified_gmt":"2024-07-13T04:33:23","slug":"erstaunliche-tiere-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/en\/erstaunliche-tiere-2\/","title":{"rendered":"Erstaunliche Tiere 2: Durchsichtige Tiere"},"content":{"rendered":"<p><big>H<\/big>eute wenden wir uns mal einem unauff\u00e4lligen Tier der Meeresk\u00fcste zu, das bei uns recht h\u00e4ufig ist &#8211; wenn man es finden kann: die Felsengarnele (Gattung <em>Palaemon<\/em>).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/crustaceans\/palaemon_spec-1.jpg\" alt=\"Felsengarnele\"><br \/>\n<small>Felsengarnelen sind bei uns gar nicht so selten, aber schwer zu entdecken, weil sie meist an der Unterseite von Felsen sitzen &#8211; und weil sie fast durchsichtig sind.<\/small><\/p>\n<p><big>D<\/big>ie Felsengarnele tarnt sich wie viele andere Meeresorganismen auch auf eine sehr effektive Art: Sie ist fast durchsichtig. Wir nehmen diese Tatsache oft einfach so hin, aber ich finde es doch \u00fcberaus r\u00e4tselhaft, dass es fast durchsichtige Tiere gibt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/crustaceans\/palaemon_spec-6.jpg\" alt=\"Felsengarnele\"><br \/>\n<small>Bis auf farbige Ringe auf jedem Segment ist der Hinterleib der Felsengarnele mit allem, woraus er aufgebaut ist, fast v\u00f6llig transparent.<\/small><\/p>\n<p><big>W<\/big>ie alle Tiere und Pflanzen bestehen auch die Felsengarnelen aus Zellen und Geweben, und aus denselben Stoffen, aus denen auch wir Menschen aufgebaut sind: Proteine, Fette, Kohlenhydrate und so weiter. W\u00e4hrend wir, wenn wir an uns selbst denken, ganz sicher davon ausgehen, dass wir aus Stoffen bestehen, die undurchsichtig sind, ist das offenbar nicht so. Transparente Organismen wie die Felsengarnelen beweisen, dass alle wesentlichen Stoffe im tierischen K\u00f6rper wie Proteine, DNA, Fette usw an sich keine Farbe haben und kein Licht absorbieren, wenn die Zellen oder Gewebe nicht mit speziellen Pigmenten versehen sind. K\u00f6nnten wir also auch durchsichtig sein &#8211; abgesehen vielleicht von den Knochen oder anderen sehr &#8220;dichten&#8221; Materialien?<\/p>\n<p><big>A<\/big>ber das Problem der transparenten Tiere ist noch nicht dadurch gel\u00f6st, dass ihre Materialien ebenso durchsichtig sind wie das Wasser, aus dem wir ja gr\u00f6\u00dftenteils bestehen. Ein kaum \u00fcberwindbar erscheinendes Problem ist die unterschiedliche Streuung der Molek\u00fcle und Organellen der Zellen. Selbst wenn diese alle an sich farblos sind und die transparenten Tiere nur die Pigmente weggelassen haben, dann sind ihre K\u00f6rper noch l\u00e4ngst nicht durchsichtig: Sie m\u00fcssen auch die Streuung innerhalb all der Strukturen, die ihren K\u00f6rper aufbauen, minimieren. Es ist noch nicht bekannt, wie die transparenten Tiere das bewerstelligen. Eine Rolle spielt vermutlich die Gr\u00f6\u00dfe der Lipid-K\u00fcgelchen in den Zellen, die die Streuung des Lichtes beeinflussen. Au\u00dferdem ist der Aufbau der Muskelzellen vermutlich in transparenten Tieren etwas anders als in nicht-transparenten, z.B. durch l\u00e4ngere Muskelfasern oder durch weniger Mitochondrien in den Zellen, wodurch die Streuung gering gehalten wird. Es scheint so zu sein, dass transparente Garnelen milchig werden, wenn sie sich stark bewegen. Das weist darauf hin, dass sich ihre Muskeln in einem bestimmten (Ruhe-)Zustand befinden m\u00fcssen, damit die Transparenz aufrecht erhalten werden kann. Mit anderen Worten, die Transparenz ist ein Zustand, der &#8220;aktiv&#8221; erreicht und aufrecht erhalten wird.<\/p>\n<p><big>S<\/big>chlie\u00dflich haben die Felsengarnelen noch ein weiteres Problem: Ihr K\u00f6rper ist von einem Chitinpanzer umh\u00fcllt, der das Licht zumindest teilweise reflektieren sollte. Diese Reflektion wird bei transparenten Tieren mit Chitinpanzer offenbar durch eine besondere Struktur der obersten Schicht des Panzers verhindert, die mit winzigen K\u00fcgelchen oder Noppen besetzt sind, die die Reflektion des Lichts auf ein Minimum reduzieren.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/crustaceans\/palaemon_spec-5.jpg\" alt=\"Felsengarnele\"><br \/>\n<small>Bei dieser Felsengarnele kann man im Hinterleib die zwei Nervenstr\u00e4nge (am Bauch und am R\u00fccken) erkennen: die einzigen Strukturen in ihrem Abdomen, die nicht transparent sind.<\/small><\/p>\n<p><big>A<\/big>uch wenn man durch Untersuchungen dieser Art die Transparenz vieler marinen Tiere besser verstehen kann, so finde ich sie doch nach wie vor einfach erstaunlich &#8211; und auch ein bisschen ersch\u00fctternd, \u00e4hnlich wie wenn man sich dar\u00fcber klar wird, dass wir eigentlich keine festen K\u00f6rper sind, sondern fl\u00fcssige.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/azalas.de\/krebse\/\">mehr \u00fcber Krebse<\/a><\/p>\n<p>Informationen gr\u00f6\u00dftenteils aus diesen Artikeln:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/icb\/article\/59\/6\/1653\/5505426?login=false\">Not As Clear As It May Appear: Challenges Associated with Transparent Camouflage in the Ocean, Integrative and Comparative Biology (ICB)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/magazin\/transparenz-als-tarnung\/826427\">Transparenz als Tarnung, Spektrum der Wissenschaft<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute wenden wir uns mal einem unauff\u00e4lligen Tier der Meeresk\u00fcste zu, das bei uns recht h\u00e4ufig ist &#8211; wenn man es finden kann: die Felsengarnele (Gattung Palaemon). 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