{"id":120,"date":"2008-10-01T23:13:36","date_gmt":"2008-10-01T20:13:36","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?page_id=120"},"modified":"2024-09-07T14:24:55","modified_gmt":"2024-09-07T11:24:55","slug":"feuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/en\/feuer\/","title":{"rendered":"Feuer"},"content":{"rendered":"<p><big>F<\/big>euer ist ein nat\u00fcrlicher Faktor im mediterranen \u00d6kosystem: In der ausged\u00f6rrten Vegetation k\u00f6nnen nach der langen Sommertrockenheit leicht Br\u00e4nde durch Blitze entz\u00fcndet werden. Fast alle heutigen Br\u00e4nde sind jedoch durch den Menschen verursacht, sowohl aus Fahrl\u00e4ssigkeit als auch durch Brandstiftung.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1340797-1_450.jpg\" alt=\"Feuer bei Skeponi\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Feuer bei Skeponi<\/small><\/p>\n<p><big>D<\/big>ie Pflanzen des Mittelmeergebietes haben sich an das gelegentliche Auftreten von Feuern angepasst. Viele Arten k\u00f6nnen ein m\u00e4\u00dfiges Feuer \u00fcberleben; andere sind darauf eingerichtet, nach einem Feuer aus Samen zu keimen. Gesch\u00e4digt werden vor allem die B\u00e4ume: selbst wenn wie bei den meisten Arten die unterirdischen Teile \u00fcberleben und wieder ausschlagen k\u00f6nnen, dauert es doch eine ganze Weile, bis ein Baum seine fr\u00fchere Gr\u00f6\u00dfe wieder erreicht hat.<\/p>\n<h3>Pflanzen, die vom Feuer profitieren<\/h3>\n<p><big>E<\/big>ntsprechend der fehlenden Beschattung und Konkurrenz seitens der B\u00e4ume finden nach einem Waldbrand die niedrigeren Pflanzen bessere \u00dcberlebensbedingungen vor, insbesondere die kurzlebigen krautigen Pflanzen, aber auch die Zwergstr\u00e4ucher. Die einj\u00e4hrigen Pflanzen k\u00f6nnen eine Brandfl\u00e4che in der Regel schnell \u00fcber Samen wiederbesiedeln. Zwiebel- und Knollenpflanzen werden meist wenig gesch\u00e4digt und treiben wieder aus. Die meisten Zwergstr\u00e4ucher haben die F\u00e4higkeit, schnell aus Samen neu zu keimen.<\/p>\n<p><big>F<\/big>\u00fcr die Zwergstr\u00e4ucher sind Br\u00e4nde also g\u00fcnstig: Nach einem Feuer k\u00f6nnen sie sich auf der Brandfl\u00e4che ausbreiten und sich gegen die st\u00e4rker gesch\u00e4digten B\u00e4ume zumindest f\u00fcr einige Zeit durchsetzen. Es ist kein Zufall, dass viele Zwergstr\u00e4ucher so gut brennbar sind: Sie f\u00f6rdern das Auftreten von Feuern, um die danach f\u00fcr sie g\u00fcnstigeren Bedingungen auszunutzen. Die gute Brennbarkeit wird durch einen hohen Gehalt an \u00e4therischen \u00d6len erreicht sowie durch die g\u00fcnstige Struktur der ein lockeres Ger\u00fcst aufbauenden Zweiglein.<\/p>\n<p><big>D<\/big>ie brennbarste Art ist der Dornige Ginster, der sehr leicht Feuer f\u00e4ngt und unter enormer Energiefreisetzung brennt. Er wurde fr\u00fcher von den Dorfbewohnern nicht nur zum Feueranz\u00fcnden und zum Anheizen der Back\u00f6fen verwendet, sondern auch zum Befeuern der Brenn\u00f6fen der T\u00f6pfer und der gro\u00dfen <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-kalkbrennoefen\/\">Kalkbrenn\u00f6fen<\/a>, in denen der Kalk zum Wei\u00dfen der H\u00e4user hergestellt wurde. \u00c4hnlich leicht entz\u00fcndet sich auch die extrem harzhaltige Zistrose.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/flora\/fabaceae\/genista_acanthoclada_habitat-1.jpg\" alt=\"\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Der Dornige Ginster ist am besten brennbar.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/DSCN4682-1_450.jpg\" alt=\"\"><br \/>\n<small>Hier ist ein St\u00fcck Hang mit Dornigem Ginster abgebrannt worden.<\/small><\/p>\n<p><big>D<\/big>ie Baumarten von Naxos wie die Eichen-Arten und der Immergr\u00fcne Ahorn sind wesentlich weniger brennbar als die Ginster und Zwergstr\u00e4ucher. Selbst wenn ihre oberirdischen Anteile bei einem Feuer abbrennen oder absterben, k\u00f6nnen sich viele Arten aus ihren Wurzeln regenerieren, insbesondere dort, wo zwischen den B\u00e4umen die sehr brennbaren Zwergstr\u00e4ucher wachsen, da dann das Feuer sehr schnell \u00fcber die Fl\u00e4che wandert und sich die Erde kaum aufheizt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/P1070219-1_450.jpg\" border=\"0\" alt=\"Kermeseiche nach Feuer\"><br \/>\n<small>Die Kermeseiche treibt bald nach dem Feuer aus den Wurzelst\u00f6cken wieder aus.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/flora\/anacardiaceae\/pistacia_lentiscus_after_fire-1.jpg\" border=\"0\" alt=\"Mastixstrauch nach Feuer\"><br \/>\n<small>Auch der Mastixstrauch regeneriert sich schnell.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/P1070132-1_450.jpg\" border=\"0\" alt=\"Mastixstrauch nach Feuer\"><br \/>\n<small>Die abgebrannten Str\u00e4ucher wachsen bald wieder in die H\u00f6he.<\/small><\/p>\n<h3>Die Sukzession nach dem Feuer<\/h3>\n<p><big>I<\/big>m ersten Jahr nach einem Feuer gedeihen auf der Brandfl\u00e4che viele einj\u00e4hrige Kr\u00e4uter und Gr\u00e4ser &#8211; deswegen sind die abgebrannten Fl\u00e4chen eine bessere Weide f\u00fcr die Ziegen und besonders die Schafe als dichte Ginstervegetation. In den Jahren danach breiten sich die Zwergstr\u00e4ucher und Ginster allm\u00e4hlich wieder aus. Manche Arten wie die Zistrosen keimen sofort aus und wachsen so schnell, dass man nach ein, zwei Jahren schon kaum einen Unterschied mehr sieht. Die B\u00e4ume, die das Feuer \u00fcberlebt haben und aus ihren Wurzeln austreiben, brauchen dagegen eine ganze Reihe von Jahren, um wieder in die H\u00f6he zu wachsen.<\/p>\n<p><big>U<\/big>nterbrochen wird die nat\u00fcrliche Sukzession zum Wald, wenn die abgebrannte Fl\u00e4che beweidet wird, insbesondere durch Ziegen. Durch das Feuer wird der Wald zerst\u00f6rt; durch die Beweidung wird das erneute Hochwachsen der B\u00e4ume verhindert. So wird ein Wald zu einer einer Garrigue degradiert. In der Garrigue existieren dieselben Baumindividuen, die den Brand \u00fcberlebt haben und wieder austreiben. Sie k\u00f6nnen jedoch wegen des Verbisses nicht in die H\u00f6he wachsen, sondern entwickeln sich nur zu niedrigen, polsterartigen Zwergformen.<\/p>\n<h3>Br\u00e4nde auf Naxos<\/h3>\n<p><big>N<\/big>axos ist nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig brandgef\u00e4hrdet. Kiefern, im Mittelmeergebiet der brennbarste Baum, kommen auf der Insel nicht vor. Die meisten Br\u00e4nde werden durch Hirten gelegt, vor allem in der Garrigue und in Ginster-Best\u00e4nden, wenn diese so dicht werden, dass die Ziegen und Schafe keine Nahrung mehr finden. Diese Feuer richten meist nur m\u00e4\u00dfigen Schaden an und breiten sich nicht weit aus, weil sie bei Windstille und feuchtem Wetter entz\u00fcndet werden. Wenn Fl\u00e4chen mit Phrygana abgebrannt werden, ist der langfristige Effekt auf die Vegetation gering. Feuerangepasste Arten werden h\u00e4ufiger und feuerempfindliche seltener, und eventuell wird die nach einem Feuer unbedeckte Erde durch Regen st\u00e4rker abgetragen, ansonsten \u00e4ndert sich nicht viel.<\/p>\n<p><big>I<\/big>n den meisten Gegenden von Naxos brennen bei diesen Feuern eher kleine Fl\u00e4chen ab: Es ist \u00fcberall steil und das wandert Feuer von allein nur nach oben; au\u00dferdem gibt es meist immer wieder fast vegetationsfreie felsige Fl\u00e4chen, an denen das Feuer anh\u00e4lt. Nur bei starkem Wind breiten sich die Feuer \u00fcber gro\u00dfe Fl\u00e4chen aus. Im Zentrum der Insel und im Nordwesten, in den Gebieten, in denen viel dichte Ginstervegetation und Phrygana mit vielen brennbaren Arten w\u00e4chst, kommt es allerdings alle paar Jahre zu einem gro\u00dfen, zerst\u00f6rerischen Feuer.<\/p>\n<p><big>A<\/big>uch wenn eine gro\u00dfe Fl\u00e4che abbrennt, so betrifft das doch selten bewaldete Gebiete. Selbst gro\u00dfe Feuer machen an den W\u00e4ldern halt. Das liegt einerseits daran, dass die naxiotischen B\u00e4ume nicht so gut brennbar sind und in geschlossenen W\u00e4ldern die sehr brennbaren Zwergstr\u00e4ucher fehlen, aber vor allem liegt es auch daran, dass W\u00e4lder heute nur noch dort existieren, wo sie f\u00fcr Feuer weniger erreichbar sind, z.B. von felsigen Regionen umgeben oder in Senken und Talsohlen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/agriculture\/fire_fanari-1.jpg\" alt=\"abgebrannte Fl\u00e4che am Fanari\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Inmitten der gro\u00dfen abgebrannten Ginsterfl\u00e4che sind die B\u00e4ume, wenn auch etwas angesengt, stehen geblieben.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/agriculture\/fire_fanari-2.jpg\" alt=\"abgebrannte Fl\u00e4che am Fanari\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Viele naxiotischen B\u00e4ume wie die weitverbreitete Kermeseiche oder hier der Kretische Ahorn brennen eher schlecht.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/agriculture\/fire_fanari-3.jpg\" alt=\"abgebrannte Fl\u00e4che am Fanari\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Etwa zwei Monate nach dem Brand treiben diese angesengten und durch das Feuer oberirdisch vertrockneten B\u00e4ume aus ihren \u00c4sten neue Bl\u00e4tter.<\/small><\/p>\n<h3>Feuermanagement<\/h3>\n<p><big>F<\/big>risch gebrannte Fl\u00e4chen d\u00fcrfen laut Gesetz in Griechenland f\u00fcnf Jahre lang nicht beweidet werden. Wenn das eingehalten w\u00fcrde, h\u00e4tte die Vegetation nach einem Waldbrand tats\u00e4chlich Gelegenheit, sich wieder zu regenerieren. Aber die Hirten brennen ihre Fl\u00e4chen ja ab, um g\u00fcnstiges Weideland zu schaffen, so dass dieses Verbot kaum eingehalten werden wird. Durch die Beweidung nach dem Feuer wird die Vegetation deutlich degradiert: die Baumarten k\u00f6nnen nur noch als verbissene Zwergformen wachsen, und feuerempfindliche Arten verschwinden. So werden nach und nach immer mehr Waldst\u00fccke in Garrigues verwandelt.<\/p>\n<p><big>B<\/big>ei den meisten Feuern auf Naxos, insbesondere den durch die Hirten gelegten, brennen nur unbewirtschaftete H\u00e4nge ab. Die D\u00f6rfer der Insel geraten nur selten in Gefahr. Die am wenigsten brennbaren Fl\u00e4chen auf einer Insel wie Naxos sind die Weinberge. Es ist sicher kein Zufall, dass die D\u00f6rfer vorzugsweise inmitten der mit Weinbergen bewirtschafteten T\u00e4ler angelegt wurden. Allerdings kommt es bei gro\u00dfen Feuern gelegentlich dazu, dass kultivierte Fl\u00e4chen wie \u00d6lbaumhaine abbrennen, und manchmal geraten Felder mit f\u00fcr die Schafe bestimmtem Getreide oder die Herden selbst in Gefahr.<\/p>\n<p><big>D<\/big>a das L\u00f6schen der Br\u00e4nde wegen des unwegsamen Gel\u00e4ndes und des Mangels an ausreichendem Wasser in den meisten Gebieten mit Feuerl\u00f6schwagen kaum zu bewerkstelligen ist, werden bei gro\u00dfen Br\u00e4nden meist Feuerl\u00f6sch-Flugzeuge oder -Hubschrauber geschickt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/DSCN6447-1_450.jpg\" alt=\"L\u00f6schflugzeug\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/DSCN6436-1_450.jpg\" alt=\"L\u00f6schflugzeug\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/P1160929-1_450.jpg\" alt=\"Feuer bei Azalas\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Im Sommer 2022 geriet einer der Windgeneratoren bei K\u00f3ronos in Brand und l\u00f6ste ein gr\u00f6\u00dferes Feuer im darunter gelegenen Tal aus.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/P1160933-1_450.jpg\" alt=\"L\u00f6schflugzeug\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Der Feuerl\u00f6schhubschrauber kam zum Wasseraufnehmen zu uns an die K\u00fcste; er war viele Dutzend Male unterwegs und flog h\u00e4ufig genau \u00fcber unser Haus hinweg.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/P1160963-1_450.jpg\" alt=\"L\u00f6schflugzeug\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Sp\u00e4ter wurde dieser Hubschrauber eingesetzt, der das Wasser mit einem gro\u00dfen Schlauch aus dem Meer aufsaugt.<\/small><\/p>\n<p>weiter: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/beweidung\/\">Beweidung<\/a><\/p>\n<p>zur\u00fcck: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-kulturlandschaft\/\">Die Kulturlandschaft<\/a><\/p>\n<p>siehe auch: <a href=\"https:\/\/azalas.de\/feuerloesch-flugzeuge\/\">Feuerl\u00f6sch-Flugzeuge<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Feuer ist ein nat\u00fcrlicher Faktor im mediterranen \u00d6kosystem: In der ausged\u00f6rrten Vegetation k\u00f6nnen nach der langen Sommertrockenheit leicht Br\u00e4nde durch Blitze entz\u00fcndet werden. 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