{"id":10445,"date":"2018-08-02T01:15:31","date_gmt":"2018-08-01T22:15:31","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?page_id=10445"},"modified":"2024-11-09T19:47:30","modified_gmt":"2024-11-09T17:47:30","slug":"delfi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/en\/delfi\/","title":{"rendered":"Delfi"},"content":{"rendered":"<p><big>D<\/big>elfi &#8211; der Nabel der Welt und eines der wichtigsten Heiligt\u00fcmer des antiken Griechenlands; wie das gro\u00dfe Heiligtum auf Delos war Delfi dem Gott Apollo geweiht. Seine Ber\u00fchmtheit erlangte das Apollo-Heiligtum in Delfi vor allem durch seine Funktion als Orakel: \u00fcber Jahrhunderte hinweg suchten die Griechen bei wichtigen Entscheidungen beim Orakel in Delfi Rat.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460625-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Blick vom Tempelgel\u00e4nde \u00fcber das Tal des Xerop\u00f3tamos<\/small><\/p>\n<p><big>D<\/big>elfi liegt um die 100 km westlich von Athen in etwa 700 m H\u00f6he am Hang des Berges Parnass, nicht weit vom Golf von Korinth. Das Heiligtum ist malerisch weit oben am Berghang gelegen, umgeben von fast senkrechten Felsw\u00e4nden. Die St\u00e4tte ist ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. als Heiligtum genutzt worden; zun\u00e4chst wurde hier vermutlich die Erdgottheit Gaia verehrt, sp\u00e4ter der Gott des Lichts Apollo und Athene, G\u00f6ttin der Weisheit, der Kunst und des Handwerks.<\/p>\n<h2>Mythos und Geschichte<\/h2>\n<p><big>D<\/big>elfi wurde in der Antike als Mittelpunkt der Welt angesehen. Dem Mythos zufolge hatte Zeus zwei Adler von den \u00e4u\u00dfersten Enden der Welt im Westen und Osten aus losfliegen lassen, die sich genau in Delfi trafen. Hier lag also der Nabel der Welt, und im Apollo-Tempel war ein konischer Stein aufgestellt, der den <em>&#8220;Omfalos&#8221;<\/em> (gr. Nabel) repr\u00e4sentierte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460771-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Der Omfalos, Mittelpunkt der antiken griechischen Welt und Verbindungsachse zwischen Himmel, Erde und Unterwelt. Urspr\u00fcnglich war der Stein im Apollo-Tempel aufgestellt;  angeblich war er als Meteor vom Himmel gefallen. Der heute im Arch\u00e4ologischen Museum in Delfi ausgestellte Omphalos ist eine hellenistische oder r\u00f6mische Replik aus Marmor. Bemerkenswert ist die ungew\u00f6hnliche, einem Flechtwerk aus Wolle nachempfundene Skulpturierung des Steins.<\/small><\/p>\n<p><big>D<\/big>ie Erdgottheit Gaia hatte dem Mythos zufolge eine gefl\u00fcgelte Schlange gezeugt, den Python, der hellseherische F\u00e4higkeiten hatte und in Delfi lebte. Dieser wurde gem\u00e4\u00df seiner eigenen Prophezeihung von Apollo get\u00f6tet, und durch das vergossene Blut wurden die hellseherischen F\u00e4higkeiten der Schlange auf den Ort Delfi \u00fcbertragen. Vom Python leitete sich der Name der Priesterin ab, die die Orakelspr\u00fcche verk\u00fcndete, der Pythia.<\/p>\n<p><big>S<\/big>chon im 8. und 7. Jhd. v. Chr. wurde das Apollo-Heiligtum in Delfi als Orakel genutzt, wie zahlreiche wertvolle und teilweise von weit her stammende Weihegeschenke zeigen. Gegen Ende des 7. Jhd. v. Chr. wurden die ersten steinernen Tempel errichtet, einer dem Apollo und einer der Athene geweiht. Ab dem 6. Jhd. erlangte das Orakel seine gr\u00f6\u00dfte Bedeutung. W\u00e4hrend das Heiligtum und das Orakel bislang von den in der nahe gelegenen Stadt Krissa wohnenden Griechen betrieben worden war, gelangte es nun unter die Herrschaft eines B\u00fcndnisses vieler St\u00e4dte aus allen Teilen Griechenlands, der Amphiktyonen. Anl\u00e4sslich des Sieges \u00fcber die Anwohner von Krissa wurden im Jahr 582 v. Chr. die ersten Pythischen Spiele abgehalten, die die bedeutendsten griechischen Spiele nach denen von Olympia wurden und wie diese alle vier Jahre, jeweils zwischen den Olympischen Spielen stattfanden.<\/p>\n<h2>Die Tempel und Bauwerke des Heiligtums<\/h2>\n<p><big>I<\/big>m Jahr 548 wurde ein neuer Apollo-Tempel errichtet, nachdem der alte durch einen Brand vernichtet worden war; dieser wurde 373 v.Chr. durch einen Bergsturz aufgrund eines Erdbebens zerst\u00f6rt und erneut wieder aufgebaut. Der Tempel war mit gut 20 x 58 Meter au\u00dfergew\u00f6hnlich langgestreckt und besa\u00df eine umlaufende S\u00e4ulenhalle von 6 x 15 S\u00e4ulen. Er war im dorischen Stil errichtet und von Nord nach S\u00fcd ausgerichtet mit der Vorhalle im Norden und dem Allerheiligsten, dem Adyton, im S\u00fcden. Der archaische Tempel war aus Poros-Gestein (Kalktuff) errichtet; f\u00fcr die zuletzt errichtete Ostfront wurde Marmor von der Insel Paros verwendet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460626-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Der Apollo-Tempel liegt am Hang des Berges, von hohen Steilw\u00e4nden besch\u00fctzend umrundet.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460628-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Vom Apollo-Tempel ist au\u00dfer den Fundamenten heute nicht mehr viel erhalten; im Zuge der Ausgrabungen wurden einige S\u00e4ulen der Vorhalle wieder aufgestellt. Vorne im Bild liegt der heiligste Teil des Tempels, das Adyton, in dem die Pythia sa\u00df und ihre Orakelspr\u00fcche verk\u00fcndete.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460640-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Blick vom Apollo-Heiligtum auf das einen knappen Kilometer entfernt unterhalb der heutigen Stra\u00dfe gelegene Heilgtum der Athene mit einem kleineren Tempel mit 6 x 12 S\u00e4ulen und einem ungew\u00f6hnlichen, aus pendelischem Marmor (vom Berg Pendelis bei Athen) hergestelltem Rundbau von 13 m Durchmesser, dem Tholos.<\/small><\/p>\n<p><big>A<\/big>u\u00dfer den Tempeln wurden auf dem Gel\u00e4nde des Heiligtums entlang der &#8220;Heiligen Stra\u00dfe&#8221; im Laufe der Jahre, vor allem im 6. und 5. Jhd. v. Chr., zahlreiche (insgesamt 32) Schatzh\u00e4user errichtet, in denen die wertvollen Weihegeschenke, die dem Tempel gestiftet wurden, aufbewahrt wurden. Die bekanntesten dieser Schatzh\u00e4user waren das von Korinth, von Knidos, von Siphnos, von Sikyon und von Athen. Auf dem ganzen Gel\u00e4nde des Heiligtums waren unz\u00e4hlige Statuen aufgestellt, von denen sich leider nur sehr wenige erhalten haben. Eine der bekanntesten Statuen war die von den Naxiern gestiftete marmorne Sphinx, die auf einer 10 m hohen S\u00e4ule stand.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460601-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Im teilweise rekonstruierten Schatzhaus der Athener wurden die Weihegeschenke der Stadt Athen aufbewahrt. Einflussreiche St\u00e4dte errichteten Schatzh\u00e4user dieser Art in Delfi, um ihre St\u00e4rke zu demonstrieren. Das Athener Schatzhaus misst gut 6 x 9 m und wurde um 500 v. Chr. aus parischem Marmor errichtet.<\/small><\/p>\n<p><big>E<\/big>in sehr bekanntes Schatzhaus war das der Siphnier, von der durch ihre Gold- und Silberminen reich gewordenen Kykladeninsel Siphnos. Es wurde im Jahr 525 eingeweiht und ist im ionischem Stil errichtet. Teile des beeindruckenden, mit Figuren geschm\u00fcckten Frieses sind im Museum in Delfi ausgestellt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460703-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Hier ein Teil der im Nordfries dargestellten Gigantomachie (der mythische Kampf der G\u00f6tter des Olymp gegen die Giganten, die die Macht an sich rei\u00dfen wollten) mit dem von einem L\u00f6wen gezogenen Wagen der G\u00f6ttermutter Kybele, weiter rechts sind Apollo und seine Zwillingsschwester Artemis abgebildet.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460697-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>In diesem Teil des Frieses sind die k\u00e4mpfenden G\u00f6tter und G\u00f6ttinnen Athene, Ares, Hermes und Poseidon abgebildet (von links nach rechts).<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460604-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Unterhalb des Apollo-Tempels stand die von den Naxiern gestiftete Sphinx auf einer 10 m hohen S\u00e4ule, die sich auf dem &#8220;Steinhaufen&#8221; im Hintergrund des Fotos befand, direkt neben der Polygonalen Mauer, die die Terrasse des Apollo-Tempels abst\u00fctzte. Auf dem Gel\u00e4nde des Heiligtums sind noch heute zahlreiche Basen von Statuen erhalten: das ganze Gebiet war urspr\u00fcnglich mit Statuen, die als Weihegeschenke gestiftet waren, \u00fcbers\u00e4t.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460688-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Zeichnung der um etwa 570 v. Chr. gestifteten Sphinx der Naxier auf ihrer S\u00e4ule<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460686-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Die Sphinx ist erhalten und ist heute im Arch\u00e4ologischen Museum in Delfi ausgestellt. Sie war ein beeindruckendes Kunstwerk, mit dem die Insel Naxos ihre Bedeutung auf dem Gebiet des Marmorhandwerks und der Kunst klar demonstrierte.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460713-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Die Sphinx mit ihrem ber\u00fchmten r\u00e4tselhaften Blick war ein beliebtes Fabeltier in der griechischen Antike.<\/small><\/p>\n<p><big>I<\/big>m 5. Jhd. v. Chr. wurden auf dem Gel\u00e4nde des Heiligtums f\u00fcr die poetischen, theatralischen und athletischen Wettk\u00e4mpfe der Pythischen Spiele ein Theater und (etwas au\u00dferhalb des Heiligtums) ein Stadium errichtet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460630-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Das Theater von Delfi liegt am Hang oberhalb des Apollo-Tempels; es bot 5.000 Zuschauern Platz.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460623-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Blick \u00fcber das Gel\u00e4nde des Heiligtums oberhalb des Apollo-Tempels in der N\u00e4he des Theaters<\/small><\/p>\n<h2>Das Orakel<\/h2>\n<p><big>D<\/big>as Orakel von Delphi wurde ab dem 8. Jhd. v. Chr. in gr\u00f6\u00dferem Umfang genutzt. \u00dcber viele Jahrhunderte hinweg wurde der Rat des Orakels vor allen gr\u00f6\u00dferen politischen oder milit\u00e4rischen Unternehmungen und vor allem vor der Gr\u00fcndung von Kolonien eingezogen. Die Fragen, die dem Orakel gestellt wurden, waren Entscheidungen zwischen zwei M\u00f6glichkeiten: man wandte sich an die Pythia mit der Frage ob dieses oder jenes Unterfangen Erfolg haben w\u00fcrde oder nicht, oder ob man dieses machen sollte oder das, oder f\u00fcr die einfacheren Besucher\u00a0Ja\/Nein-Fragen, die durch das Ziehen einer wei\u00dfen oder schwarzen Bohne aus einem Beh\u00e4lter beantwortet wurden. In der \u00e4ltesten Zeit verk\u00fcndete das Orakel seine Prophezeihungen nur einmal im Jahr, danach einmal im Monat. Am entsprechenden Tag wurde zun\u00e4chste eine Ziege geopfert, dann badete die Pythia im Wasser der Heiligen Quelle und trank aus einer zweiten Quelle. Danach begab sie sich in den Apollo-Tempel, wo sie die Weissagungen sprach.<\/p>\n<p><big>E<\/big>s ist nicht genau bekannt, wie die Orakelspr\u00fcche gegeben wurden. Die Pythia, die einzige Frau, die den Apollon-Tempel betreten durfte, sa\u00df auf einem dreif\u00fc\u00dfigen Schemel im Innersten des Tempels, dem Adyton. Manchen Interpretationen zufolge wurde sie durch aus einer Erdspalte dringende Gase (m\u00f6glicherweise Ethylen) in einen Trance-artigen Zustand versetzt. Die Fragesteller verrichteten zuerst ein Opfer und bezahlten einen Preis, dann wurden sie ins Adyton gelassen und stellten der Pythia ihre Frage. Die Antwort der Pythia wurde allem Anschein nach von den Priestern des Apollo wiedergegeben und interpretiert. Es sind keine Informationen zum Ablauf der Konsultationen des Orakels aus der Zeit erhalten, als das Orakel in Funktion war, und auch kaum Inschriften, die uns verl\u00e4ssliche Informationen vermitteln. Es sind eine ganze Reihe von Prophezeihungen oder Antworten der Pythia \u00fcberliefert, wobei aber ziemlich unklar ist, ob es sich um tats\u00e4chliche Orakelspr\u00fcche oder um Legenden und nachtr\u00e4gliche Interpretationen handelt. Gem\u00e4\u00df dieser \u00dcberlieferungen gab die Pythia oft zweideutige oder irref\u00fchrende Antworten. Es ist allerdings nicht abzustreiten, dass \u00fcber viele Jahrhunderte hin die Ratschl\u00e4ge der Pythia so sehr gesch\u00e4tzt wurden, dass die Griechen sie regelm\u00e4\u00dfig in wichtigen Entscheidungen zu Rate zogen; auch Vertreter der Nachbarv\u00f6lker kamen nach Delfi um den Rat der Pythia einzuholen.<\/p>\n<p><big>E<\/big>iner der bekanntesten Orakelspr\u00fcche der Pythia ist ihre Antwort an den lydischen K\u00f6nig Kr\u00f6sus, der wissen wollte, ob er bei einem Angriff auf die Perser siegreich sein w\u00fcrde: &#8220;Wenn Du den Fluss Alys (die Grenze zwischen den beiden Reichen) \u00fcberschreitest, wird ein gro\u00dfes Reich zerst\u00f6rt werden&#8221;. Kr\u00f6sus verstand die Antwort zu seinem Gunsten, aber das gro\u00dfe Reich, das zerst\u00f6rt wurde, war sein eigenes.<\/p>\n<p><big>A<\/big>ls die Perser 480 v. Chr. auf Athen zumarschierten, suchten die Athener den Rat der Pythia \u00fcber das Schicksal ihrer Stadt. Die Pythia antwortete ihnen, dass die h\u00f6lzernen W\u00e4nde ihre Stadt retten w\u00fcrden. Viele interpretierten diese Prophezeihung so, dass h\u00f6lzerne Schutzw\u00e4nde gebaut werden m\u00fcssten. Themistokles, einer der Offiziere des Milit\u00e4rs, verstand unter den h\u00f6lzernen W\u00e4nden die Schiffsflotte der Stadt und lies die Stadt evakuieren. Tats\u00e4chlich konnte die Flotte der Athener den Persern bei Salamina die entscheidende Niederlage beibringen.<\/p>\n<p><big>E<\/big>inem reichen Kaufmann aus Magnesia, der wissen wollte, ob er die gr\u00f6\u00dften Opfergaben dargebracht h\u00e4tte, antwortete die Pythia der Legende gem\u00e4\u00df, dass die regelm\u00e4\u00dfigen Spenden des armen Bauern Klearchos einen weit gr\u00f6\u00dferen Wert h\u00e4tten.<\/p>\n<p><big>D<\/big>ie Pythia entschied auch, auf die Frage des Atheners Chairephon, dass Sokrates der weiseste aller Menschen sei, was Sokrates selbst so interpretierte, dass er immer wisse, dass er nichts wisse &#8211; die Vorraussetzung f\u00fcr tats\u00e4chliche Weisheit.<\/p>\n<h2>Die Weihegaben<\/h2>\n<p><big>D<\/big>ie Bedeutung des Heiligtums wird besonders deutlich in den unz\u00e4hligen, wertvollen bronzenen, marmornen, elfenbeinernen und goldenen Weihegeschenken aus allen Teilen Griechenlands, die von St\u00e4dten und Einzelpersonen als Dank f\u00fcr einen hilfreichen Orakelspruch oder einen Sieg (nicht nur gegen &#8220;Barbaren&#8221;, sondern auch gegen andere griechische St\u00e4dte) gestiftet wurden. Leider sind nur sehr wenige dieser Weihegeschenke heute erhalten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460680-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>kleine Bronzetiere, die als Weihegaben gestiftet worden waren<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460717-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>auf dem Gel\u00e4nde des Heiligtums gefundene Metallwaffen<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460721-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Heute sind nur wenige der fr\u00fcher sehr reichen Goldgaben im Heiligtum erhalten: Hier handelt sich um eine von zwei elfenbeinernen, mit Gold geschm\u00fcckten Statuen, vermutlich der Artemis und des Apollon, im 6. Jhd. v. Chr. von der Insel Samos gestiftet.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460723-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>sorgf\u00e4ltig gearbeitete, mit Tierdarstellungen verzierte Goldb\u00e4nder<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460727-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>kleine, h\u00fcbsche Elfenbeinstatuetten von tanzenden Figuren<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460749-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>\u00dcberreste einer Bronze-Skulptur<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460756-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>R\u00f6mische Statue des Antinoos, des Lieblings von Kaiser Hadrian, der im Nil ertrank &#8211; aus je nach Quelle sehr unterschiedlich dargestellten Gr\u00fcnden.<\/small><\/p>\n<p><big>D<\/big>as ber\u00fchmteste Ausstellungsst\u00fcck des Museums in Delfi ist ohne Zweifel der Wagenlenker, eine der am besten erhaltenen originalen griechischen Bronzestatuen. Es handelt sich um den Sieger eines Wagenrennens der Pythischen Spiele, urspr\u00fcnglich zusammen mit seinem Wagen, den Pferden und einer die Pferde haltenden Person dargestellt. Die Statue wurde um 475 v. Chr. in sieben Einzelteilen gegossen und beim Erdbeben im Jahr 373 v. Chr. versch\u00fcttet, wodurch sie erhalten blieb &#8211; im Gegensatz zu fast allen anderen Bronzestatuen des Heiligtums, die im Krieg zwischen den Phokern und den Amphiktyonen eingeschmolzen wurden, um Waffen herzustellen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460774-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Der Wagenlenker ist eine der wenigen gut erhaltenen Bronzeskulpturen der griechischen Antike. Besonders beeindruckend die mit Glasfluss eingelegten Augen.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460780-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Au\u00dfer dem Wagenlenker selbst sind von der Statuengruppe nur sp\u00e4rliche Reste der Pferde und des Wagens erhalten.<\/small><\/p>\n<h2>Der Niedergang des Orakels<\/h2>\n<p><big>I<\/big>m Jahr 356 v. Chr. brach ein zehnj\u00e4hriger Krieg zwischen den Amphiktyonen und den lokalen Phokern aus, im Laufe dessen die silbernen und goldenen Weihegeschenke aus dem Heiligtum geraubt und in M\u00fcnzen verwandelt wurden, mit denen die S\u00f6ldner f\u00fcr den Krieg bezahlt wurden, w\u00e4hrend die bronzenen Statuen f\u00fcr die Herstellung von Waffen eingeschmolzen wurden. Phillip von Makedonien kam den Amphiktyonen zu Hilfe, verlangte aber nach dem Sieg \u00fcber die Phoker entgegen dem Widerstand der Theber und Athener als Oberhaupt \u00fcber das Apollo-Heiligtum anerkannt zu werden &#8211; so wie auch als Herrscher \u00fcber ganz Griechenland. Zur Zeit Alexander des Gro\u00dfen wurden auch private Stiftungen von Statuen und anderen Weihegeschenken h\u00e4ufiger, d.h. mehr und mehr suchten Privatpersonen und nicht mehr nur ganze St\u00e4dte den Rat des Orakels, dessen Bedeutung nun nach und nach zur\u00fcckging.<\/p>\n<p><big>A<\/big>uch im 3. und 2. Jhd. v. Chr., in der hellenistischen Zeit, wurden weiterhin wertvolle Weihegeschenke an Delfi gestiftet, wenn auch in geringerer Zahl und gr\u00f6\u00dftenteils von den bislang unbedeutenderen Gebieten oder St\u00e4dten Griechenlands, die nun auf diese Weise ihre Macht demonstrieren wollten. In dieser Zeit erlangten die Aitolier die Oberherrschaft \u00fcber das Heiligtum und errichteten ein neues Theater und eine gro\u00dfe S\u00e4ulenhalle westlich des Tempels; andere Herrscher der neuen Staaten auf griechischem Gebiet stifteten andere Bauten auf dem Gel\u00e4nde des Heiligtums. Nun wurden die meisten der Inschriften auf den Steinen der Polygonalen Mauer und der Basen der Statuen eingeritzt, vor allem Ehrenbezeugungen von St\u00e4dten und Besuchern des Orakels sowie Danksagungen von ehemaligen Sklaven, die sich freigekauft hatten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460653-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>ein S\u00e4ulensockel mit nachtr\u00e4glich angebrachten Inschriften<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460658-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Die Polygonale Mauer unterhalb des Tempels ist in gro\u00dfen Teilen mit feinen, sorgf\u00e4ltigen eingeritzten Weihe-Inschriften und Ehrenbezeugungen \u00fcbers\u00e4t.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460660-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>hier eine der Inschriften von nahem<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460661-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Die Fl\u00e4che, auf der die Inschrift eingemei\u00dfelt wurde, wurde vorher gegl\u00e4ttet, w\u00e4hrend die \u00fcbrige Steinoberfl\u00e4che rauhe Bearbeitungsspuren tr\u00e4gt.<\/small><\/p>\n<p><big>A<\/big>uch in r\u00f6mischer Zeit, im 1. Jhd. v. Chr. und in den drei Jahrhunderten danach wurde das Heiligtum noch genutzt, sogar auch von den r\u00f6mischen Kaisern. Aber die Bedeutung des Orakels war unwiderbringlich zur\u00fcckgegangen und es wurde meist nur noch f\u00fcr private Fragen konsultiert, nicht mehr f\u00fcr bedeutende politische und milit\u00e4rische Entscheidungen. In den letzten Jahrhunderten seiner Existenz kamen die Besucher weniger zu religi\u00f6sen Zwecken nach Delfi und mehr als Besucher und &#8220;Touristen&#8221;. Im Laufe dieser Jahre verschwanden vermutlich auch fast alle der noch \u00fcbrig gebliebenen Statuen aus dem Heiligtum; einige wurden nach Rom gebracht, aber von den meisten ist das Schicksal unbekannt. Schlie\u00dflich wurden auch die Geb\u00e4ude zerst\u00f6rt, ob von menschlicher Hand oder durch Erdbeben ist unbekannt. Als letzer Orakelspruch ist eine Antwort an den r\u00f6mischen Kaiser Julian \u00fcberliefert, in der das Orakel sein eigenes Ende besiegelte: das Geb\u00e4ude des Apollon sei zerfallen, sein Lorbeer verschwunden, die Quelle verstummt.<\/p>\n<p><big>I<\/big>m 5. Jhd. n. Chr. wurde eine Kirche im alten Heiligtum errichtet, und die Stadt von Delfi verwendete viele Steine und Bruchst\u00fccke der alten Geb\u00e4ude f\u00fcr neue Konstruktionen. Gegen Ende des Mittelalters schlie\u00dflich war die Lage des Orakels vergessen; \u00fcber dem alten Heiligtum lag nun das kleine Dorf Kastri. Erst 1676 wurde die Lage von Delfi aufgrund einer Inschrift von englischen und franz\u00f6sischen Reisenden wiederentdeckt. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts begannen schlie\u00dflich die Ausgrabungsarbeiten im antiken Heiligtum, vor allem von franz\u00f6sischen Arch\u00e4ologen. Die Fundamente der Tempel und zahlreicher anderer Geb\u00e4ude wurden freigelegt, einige S\u00e4ulen des Apollon-Tempels wieder aufgerichtet, das Athener Schatzhaus rekonstruiert und ein Museum gebaut, das die leider sehr sp\u00e4rlichen, aber trotzdem sehr bedeutenden Funde aus dem Heiligtum beherbergt &#8211; eines der sehenswertesten arch\u00e4ologischen Museen Griechenlands. Im Jahr 1987 wurden die Ausgrabungen in Delfi, einer der wichtigsten antiken St\u00e4tten Griechenlands, zur Liste des Weltkulturerbes der UNESCO hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n<p><big>U<\/big>nd zum Schluss noch eine kleine biologische Einlage:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460605-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Ende Mai bl\u00fchen auf dem Gel\u00e4nde des Heiligtums zahlreiche h\u00fcbsche Blumen; hier eine Glockenblume.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460637-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Dieses gelbe Rauhaargew\u00e4chs kommt in den Ruinen h\u00e4ufig vor, vermutlich handelt es sich um eine Alkanna-Art.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460667-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Die bemerkenswertesten V\u00f6gel des Ausgrabungsgel\u00e4nde sind die Felsenkleiber, eine Art, die gern in Ruinen lebt: Hier sitzt ein Exemplar auf einer antiken S\u00e4ule.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460618-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Der Felsenkleiber ist ein auff\u00e4lliger, wenig scheuer Vogel mit einem lauten, einfachen, fl\u00f6tenden Gesang. Hier ein Altvogel mit Futter im Schnabel.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/P1460633-1_450.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>Der Felsenkleiber baut sein Nest an \u00fcberh\u00e4ngenden Felsw\u00e4nden aus Lehm und Speichel mit einem kleinen get\u00f6pferten Eingang. Dieses Nest lag in einer kleinen Nische direkt neben dem Apollo-Tempel.<\/small><\/p>\n<p>siehe auch: <\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/nachbarinseln\/\">Nachbarinseln u.a.<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/athen-akropolis\/\">Die Athener Akropolis<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-geschichte\/\">Die Geschichte der Insel Naxos<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/voegel-von-naxos\/\">Die V\u00f6gel von Naxos<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Delfi &#8211; der Nabel der Welt und eines der wichtigsten Heiligt\u00fcmer des antiken Griechenlands; wie das gro\u00dfe Heiligtum auf Delos war Delfi dem Gott Apollo geweiht. 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