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Seeanemonen

Wenn man zwischen den Felsen in den kleinen Buchten bei Azalas auf Entdeckungsreise geht, kann man leicht einige besonders schöne und interessante Vertreter der Meeresfauna finden: die Seeanemonen. Die Ordnung der Seeanemonen (Actiniaria) mit etwa 1200 Arten gehört gemeinsam mit den Korallen und den Zylinderrosen zu den Blumentieren (Klasse Anthozoa), die mit den Hydrozoen, den Schirmquallen und den Würfelquallen den Stamm der Nesseltiere (Cnidaria) bilden.

Die Nesseltiere sind recht einfach aufgebaute Tiere. Viele Nesseltiere besitzen eine sessile Polypen-Generation und eine im Wasser treibende Medusen-Generation (bei manchen Nesseltieren fehlt die Medusen-Generation, bei anderen die Polypen-Generation). Der Körper sowohl der Polypen als auch der Medusen besteht im Wesentlichen aus zwei Epithelien, der äußeren Epidermis und der inneren Gastrodermis, zwischen denen eine zellfreie Stützschicht, die Mesogloea mit Kollagenfasern, liegt. Ihre Nahrung, meist kleine Krebschen und andere Angehörige des Planktons, fangen sie mit Tentakeln ein, die entweder klebrig sind oder meist Nesselzellen besitzen, mithilfe derer die Nahrung abgetötet wird. Die Nesselzellen sind äußerst erstaunliche, sehr hochentwickelte Zellen – vielleicht die kompliziertesten Zellen, die man überhaupt im Tierreich findet. In der Nesselzelle liegt (je nach Typus) ein langer aufgerollter Nesselfaden und ein Apparat mit kleinen Stiletten, die explosionsartig hervorgestoßen werden, wenn der haarartige Sinnesapparat der Zelle berührt wird. Die Stilette durchstoßen die Körperwand des Opfers und der Nesselfaden wird blitzartig hervorgestülpt, wobei er die in seinem Inneren gespeicherten Gifte freisetzt. Die Entladung der Nesselzelle erfolgt in wenigen Millisekunden, unter extrem hoher Beschleunigung und ungewöhnlich hohem Druck. Erreicht wird diese explosive Entladung durch einen sehr hohen osmotischen Druck innerhalb der ruhenden Nesselzelle. Die Kapselwand der Zelle muss ungewöhnlich reißfest sein, um den hohen Druck im Ruhezustand auszuhalten, was durch eine besondere Art Kollagen ermöglicht wird. Die Gifte der Nesseltiere sind sehr wirksam; einige Arten (manche Quallen) verursachen starke Schmerzen und Schockzustände und können auch für den Menschen gefährlich werden. Auch die Nesselzellen mancher Seeanemonen können die menschliche Haut durchdringen; die Siebanemone beispielsweise verursacht eine Nesselung ähnlich wie von einer Brennnessel.

Pferdeaktinie
Pferdeaktinie

Siebanemone
Siebanemone

Die Seeanemonen sind meist einzellebend und sessil (können sich aber langsam fortbewegen); sie besitzen keine Medusen-Generation. Mit einem kurzen, dicken Stiel sitzen sie am Substrat fest. Sie besitzen zahlreiche bewegliche, mit Nesselzellen ausgestattete Tentakel, mit denen sie ihre Beute, vor allem Kleinsstiere und Plankton, einfangen. Zwischen den Tentakeln sitzt die Mundscheibe, mit der die Seeanemone die Nahrung aufnimmt. Ihre Tentakel können die Seeanemonen mehr oder weniger stark einziehen.


Bei Anemonen mit eingezogenen Tentakeln kann man den Stiel des Tieres erkennen. Die Körperwand wird als “Mauerblatt” bezeichnet.

Siebanemone
Bei dieser Anemone ist die geöffnete Mundscheibe gut zu sehen.

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Purpurrose oder Pferdeaktinie, Actinia equina, L.

In Küstennähe kann man bei uns drei Seeanemonen-Arten beobachten. Besonders häufig und auffällig ist die Pferdeaktinie, die bis zur Wasserlinie vorkommt und auch teilweises Trockenfallen vertragen kann. Sie kann ihre ziemlich kurzen Tentakeln völlig einziehen und ihren Körper einstülpen, so dass sie dann fast wie eine Tomate aussieht.

Pferdeaktinie
Die Pferdeaktinie hat eine knallrote Färbung. Sie sitzt oft direkt an der Wasserlinie; häufig sieht man Exemplare mit eingezogenen Tentakeln.

Pferdeaktinie
Die Tentakel der Pferdeaktinie sind sehr kurz.

Pferdeaktinie
Hier ein besonders schönes Exemplar.

Siebanemone, Aiptasia mutabilis, Gravenhorst

Schwerer zu entdecken und auch seltener ist die unauffällig grau gefärbte Siebanemone (Glasrose). Auch sie ist aber sehr hübsch anzusehen. Die langen Tentakel der Siebanemone sind nur wenig retraktiv. Sie sind fast durchscheinend mit einer leichten Marmorierung und besitzen feine Spitzen. Die Siebanemone hat einen längeren Stiel, den sie aber meistens einzieht. Sie kommt ebenfalls auch in flachem Wasser vor, verträgt allerdings völliges Trockenfallen nicht. Bei ungünstigen Bedingungen kann sie wie viele Arten auf der Seite liegend langsam davonkriechen.

Siebanemone
Siebanemone

Siebanemone
voll entfaltete Siebanemone mit sichtbarer Mundscheibe

Siebanemone
Die Tentakel der Siebanemone sind grau marmoriert.

Wachsrose, Anemonia viridis (= A. sulcata), Forsskål

Der Siebanemone ähnelt die Wachsrose. Diese ist jedoch an den zahlreicheren, längeren und spitzer zulaufenden Tentakeln zu unterscheiden. Die Wachsrose ist sehr tolerant gegenüber Schwankungen des Salzgehaltes und gegenüber Verschmutzung und Eutrophierung des Wassers. Da sie symbiontische Algen enthält, kommt sie nur in den helleren oberen Wasserschichten vor. Sie kann ihre Tentakel nicht vollständig einziehen. Die Wachsrose ernährt sich von Kleinkrebsen, Schnecken, Fischchen usw.

Wachsrose
Eine Wachsrose in einem kleinen “Teich” direkt an der Küste.

unbestimmte Seeanemone

Am Kiesstrand von Azalas wachsen auf den Felsen im flachen Wasser eine ganze Reihe von Seeanemonen, bei deren Bestimmung ich mir unsicher bin: Sie ähneln am ehesten der Wachsrose, ziehen ihre Tentakel jedoch vollständig ein.

Seeanemone
Diese Seeanemonen wachsen hier im sehr flachen Wasser auf dem Felsuntergrund.

Seeanemone
Sie sind meist einheitlich hellgrau gefärbt,…

Seeanemone
… aber bei einigen Exemplaren besitzen die Tentakel violette Spitzen (typisch für die Wachsrose; die Färbung entsteht durch eingelagerte einzellige Algen).

Seeanemone
Die knapp 100 Tentakel sind nicht sehr lang und verjüngen sich gleichmäßig zur Spitze.

Seeanemone
Die Mundscheibe ist braun gefärbt.

Seeanemone
An dieser Anemone mit eingezogenen Tentakeln sieht man den glatten, braunen Stiel des Tieres, der eine leichte Längsstreifung aufweist.

Seeanemone
Hier ist das Mauerblatt von der Seite zu sehen.

Telmatactis forskalii?, Hemprich & Ehrenberg

Wenn man aufmerksam schaut, findet man manchmal sehr kleine Anemonen zwischen den Algen im flachen Wasser. Ich bin nicht sicher, um was für eine Art es sich handelt, vielleicht um Telmatactis forskalii.

Telmatactis forskalii?
Hier könnte es sich um die kleine Art Telmatactis forskalii handeln.


An diesem Exemplar mit eingezogenen Tentakeln sieht man das Mauerblatt.

Zylinderrose, Cerianthus membranaceus

Die Zylinderrosen bilden eine eigene Ordnung (Ceriantharia) innerhalb der Blumentiere. Sie sehen den Seeanemonen sehr ähnlich: Ebenso wie diese besitzen sie einen Tentakelkranz mit zentraler Mundöffnung und einen Stiel. Im Gegensatz zu den Seeanemonen sitzen sie jedoch nicht mit einer Fußscheibe auf dem Untergrund fest, sondern leben in Sandböden und besitzen eine bis über einen Meter lange Wohnröhre, die aus Schleim und Nesselfäden gebildet ist, und in die sie sich bei Störung blitzschnell zurückziehen. Weltweit gibt es etwa 100 Arten Zylinderrosen, von denen etwa 5 im Mittelmeer vorkommen; sie sind jedoch noch unzureichend erforscht und ihre Systematik nicht endgültig geklärt.

Bei uns kommt die Mittelmeer-Zylinderrose (Cerianthus membranaceus) vor – oder eine andere Art – eine korrekte Bestimmung ist nach einem Foto nicht möglich. Die Zylinderrose ist allerdings sehr selten und nur in einzelnen Exemplaren anzutreffen. Sie lebt auf Sandboden oder in Seegraswiesen. Die Zylinderrose besitzt zwei unterschiedliche Typen Tentakel: Auf der Mundscheibe stehen sehr kurze innere Tentakel, und darum herum in mehreren Kränzen sehr lange und dünne äußere Tentakel (bis 15 cm). Die Färbung der Tiere ist sehr variabel und reicht von sandfarben über gelblich bis zu bräunlich oder violett. Die Exemplare, die wir gefunden haben, sind sehr dunkel, fast schwarz gefärbt.

Zylinderrose, Cerianthus membranaceus
Die Zylinderrose ist am gut ausgebildeten Stiel und den langen, dünnen äußeren Tentakeln zu erkennen; auf der Mundscheibe stehen deutlich anders gestaltete, sehr kurze Tentakel. Wir haben bislang nur sehr wenige Exemplare gefunden.

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siehe auch:

Viele Informationen in diesem Artikel stammen aus dem Buch: Robert Hofrichter (Hrsg): Das Mittelmeer, Fauna, Flora, Ökologie, Band II, 1: Bestimmungsführer

zum Weiterlesen:

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