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Auf der Suche nach den Fledermäusen

Im Frühjahr 2015 hatten wir ganz besonderen Besuch: zwei Umweltwissenschaftlerinnen, die im Rahmen eines Programms des griechischen Ministeriums die Fledermäuse in Griechenland untersuchen und zählen, insbesondere in den Natura-2000-Gebieten, aber auch anderswo. Ziel ist es, den Bestand der Arten zu ermitteln und überwachen, so dass gegebenenfalls Schutzmaßnahmen für gefährdete oder seltene Arten ergriffen werden können. Bislang war über die Fledermäuse in Griechenland eher wenig bekannt; von den Kykladen gab es so gut wie gar keine Daten. In einigen Tagen auf Naxos wollen die zwei Wissenschaftlerinnen Elena Papadatou und Artemis Kafkaletou-Diez nun zumindest die häufigeren Arten der Insel erfassen und Aufenthaltsorte der Fledermäuse finden. Wenn möglich wollen sie auch versuchen, Fledermäuse zu fangen, um die Tiere zu bestimmen und zu vermessen sowie auch um DNA-Proben (zur Untersuchung ihrer Verwandtschaft mit den Fledermäusen anderer Regionen) zu entnehmen.

Die meisten Fotos dieses Berichtes stammen von Artemis und Elena; ich danke ihnen ganz herzlich für das Zur-Verfügung-Stellen der Informationen und der Fotos, sowie für das ganze Erlebnis.


Als erstes heißt es Informationen sammeln. Hier registrieren wir auf der Karte alle Orte, an denen ich schon mal Fledermäuse gesehen habe. Zudem markieren wir mögliche Aufenthaltsorte wie Höhlen, alte Gebäude und Minen sowie Stellen, die zum Fangen der Tiere geeignet sein könnten.

An den ersten zwei Tagen sollen die Schmirgelminen untersucht werden: Am einen Tag begleite ich die zwei Fledermausforscherinnen zu den Minen bei Kóronos; am anderen Tag erkunden sie mit Michalis Bardanis die Minen bei Apíranthos.


Ein Teil des Minengeländes: die Umschalt- und Antriebsstation der Seilbahn und die Mine Stravolangáda. Wir schauen in alle alten Häuser hinein, und gehen auch so weit wie möglich in die (seit vielen Jahren stillgelegte) Mine hinein.


In einem der Häuser finden wir eine Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros). Hier hängt die Fledermaus in einem Kamin.

Schmirgelmine Stravolangada
vor der Mine Stravolangáda

Schmirgelmine Stravolangada     Schmirgelmine Stravolangada
Wir untersuchen die Mine möglichst sorgfältig; in alle Ecken wird hineingeleuchtet.

Schmirgelmine Stravolangada

Schmirgelmine Stravolangada
Hier können wir nicht weiter: der Gang fällt sehr steil ab.

In den Minen finden wir keine Fledermäuse, nur an einigen Stellen den typischen Kot: kleine braunschwarze, längliche Krümelchen, die beim Zerreiben glänzen (von den Überresten der Insekten, die die Fledermäuse fressen).


Fledermauskot wie dieser beweist, dass sich hier manchmal Fledermäuse aufhalten. Möglicherweise werden die Minen von den Tieren aber eher im Winter genutzt; jetzt treffen wir jedenfalls keine Tiere an.

Und noch ein paar Bilder von den Minen bei Apíranthos:

Schmirgelminen Apiranthos

Schmirgelminen Apiranthos


Auch hier findet sich in den Minen nur Kot; in den nahegelegenen verfallenen Häusern sitzen dagegen einige Große Hufeisennasen (Rhinolophos ferrumequinum).

Auf der Rückfahrt mit dem Auto ist es schon dunkel. Ein Fledermaus-Detektor wird auf dem Autodach angebracht; Artemis hält einen zweiten aus dem Fenster. Diese Geräte zeichnen die Ultraschall-Rufe der Fledermäuse, an denen wir vorbei kommen, auf und wandeln sie in für uns hörbare Laute um. Der Detektor registriert eine ganze Reihe von Tieren, insbesondere an Straßenlaternen in der Nähe der Dörfer. Die Aufzeichnungen müssen am Computer ausgewertet werden; außer Hufeisennasen sind aller Wahrscheinlichkeit nach auch Zwergfledermäuse dabei (Pipistrellus pipistrellus) sowie die Europäische Bulldoggfledermaus (Tadaria teniotis), die bei uns einzige Art, deren Rufe auch mit “bloßen” Ohren zu hören sind.

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