{"id":9828,"date":"2015-09-08T12:23:05","date_gmt":"2015-09-08T09:23:05","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?page_id=9828"},"modified":"2024-09-14T08:55:24","modified_gmt":"2024-09-14T05:55:24","slug":"naxos-alt-und-mittelsteinzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/el\/naxos-alt-und-mittelsteinzeit\/","title":{"rendered":"Die Alt- und Mittelsteinzeit"},"content":{"rendered":"<p><big>B<\/big>is vor kurzem ging man davon aus, dass die \u00c4g\u00e4ischen Inseln erst in der Jungsteinzeit von Menschen besiedelt wurden. Als einer der fr\u00fchesten Nachweise, dass Menschen die Kykladen erreicht hatten, galten die Funde von Obsidian von der Insel Milos in 9.000 Jahre alten Siedlungsresten auf dem griechischen Festland. Die \u00e4ltesten Ausgrabungen und Fundst\u00fccke, die man von Naxos kannte, waren in die <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-jungsteinzeit\/\">Jungsteinzeit<\/a> zu datieren (ab etwa 6.500 v. Chr.), so die untersten Schichten der Ausgrabungen in der Zeus-H\u00f6hle, Siedlungreste bei der Chora und vereinzelte Fundst\u00fccke aus verschiedenen Regionen der Insel.<\/p>\n<p><big>N<\/big>eue Forschungsergebnisse von Kreta und einigen anderen griechischen Inseln sowie eine in den letzten Jahren wieder aufgenommene Untersuchung auf Naxos werfen jedoch ein ganz neues Licht auf die Fr\u00fchgeschichte der \u00c4g\u00e4is: Sie zeigen, dass diese Inseln schon wesentlich fr\u00fcher von Menschen besiedelt waren oder besucht wurden als bisher angenommen. Auf Naxos sind auf dem H\u00fcgel der Stel\u00edda s\u00fcdlich der Ch\u00f3ra menschliche Artefakte zu finden, die in die Mittel- und sogar die Altsteinzeit (Altsteinzeit: etwa 600.000 bis 12.000 v. Chr.; Mittelsteinzeit: etwa 12.000 bis 6.500 v. Chr.) zu datieren sind. Diese Fundstellen sind in den fr\u00fchen Achtziger Jahren erstmals entdeckt und beschrieben worden, werden aber erst in den letzten Jahren von griechischen und kanadischen Arch\u00e4ologen systematisch untersucht.<\/p>\n<h3>Die Hornstein-Schichten der Stel\u00edda<\/h3>\n<p><big>A<\/big>uf der Stel\u00edda, einem einzelstehenden H\u00fcgel s\u00fcdwestlich der Ch\u00f3ra von Naxos, finden sich interessante, in der n\u00e4heren und weiteren Umgebung einzigartige Lagen aus gut zu bearbeitendem, teilweise sehr reinem Hornstein. Dieser wurde in der Steinzeit von den fr\u00fchesten Menschen, die nach Naxos kamen, zur Herstellung von Steinwerkzeugen verwendet. Spuren dieser Nutzung sind bis heute in der Gegend zu finden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/stelida-2.jpg\" alt=\"Stelida, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Der H\u00fcgel der Stel\u00edda s\u00fcdlich von Naxos-Stadt; von S\u00fcdwesten gesehen. Auf der Spitze des H\u00fcgels sieht man die Schichten des Hornsteins, der schon in der Altsteinzeit zur Werkzeugherstellung verwendet wurde.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/stelida-1.jpg\" alt=\"Stelida, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Die von den Arch\u00e4ologen untersuchten Gebiete liegen gr\u00f6\u00dftenteils auf dem felsigeren Gel\u00e4nde an der Spitze des H\u00fcgels.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/stelida_chert-1.jpg\" alt=\"Hornstein auf der Stelida, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Oben auf dem H\u00fcgel stehen dicke Hornstein-Schichten an.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/stelida_chert-2.jpg\" alt=\"Hornstein auf der Stelida, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Der ganze Hang unterhalb der H\u00fcgelspitze ist mit Hornstein-Brocken und -St\u00fccken \u00fcbers\u00e4t; hier kann man auch viele Splitter finden, die Spuren einer Bearbeitung tragen.<\/small><\/p>\n<h3>Hornstein<\/h3>\n<p><big>A<\/big>ls Hornstein (engl. chert) bezeichnet man kiesels\u00e4urehaltige Gesteine, die entweder durch eine sekund\u00e4re Verkieselung von Sedimenten entstehen oder sich aus kiesels\u00e4urereichen Schmelzen bzw Gelen oder Ablagerungen bilden (z.B. aus Radiolarien = Kieselalgen: so entstehen Feuersteinknollen).<\/p>\n<p><big>D<\/big>er Hornstein der Stel\u00edda ist durch vulkanische Aktivit\u00e4t im Plioz\u00e4n (vor etwa 2,5 Mio. Jahren) entstanden, als kiesels\u00e4urehaltige Fl\u00fcssigkeiten bzw Gase in sandige Sedimentschichten eindrangen, die dadurch verkieselt wurden. Die obersten Schichten des Hornsteinlagers sind Lagen von br\u00e4unlichem oder wei\u00dfen Hornstein aus fast reinem Siliziumdioxid (Quarz). Sie entstanden aus einem &#8220;Kiesels\u00e4ure-Gel&#8221;, das zwischen die Sedimentschichten drang. Die kiesels\u00e4urehaltigen Gase und Fl\u00fcssigkeiten bildeten sich bei der Gebirgsbildung, durch die die \u00e4g\u00e4ischen Inseln entstanden sind, als silikatreiche Sedimente an- oder aufgeschmolzen wurden. Das Siliziumdioxid hat einen niedrigeren Schmelzpunkt als andere Minerale und sammelt sich im Lauf der Umkristallisationen deswegen als Schmelze oder, wegen der hohen Dr\u00fccke, als Gas an. In der letzten Phase der Gebirgsbildung, wenn die Dr\u00fccke nachlassen und die Temperaturen wieder sinken, bilden sich oft Risse in den Gesteinmassen, durch die die Kiesels\u00e4ure-haltigen Gase und Fl\u00fcssigkeiten in oberfl\u00e4chennahe Schichten vordringen k\u00f6nnen. Derartige Phasen werden als &#8220;postorogener Vulkanismus&#8221; bezeichnet. Wenn die Kiesels\u00e4ure in Sedimentschichten unterhalb der Erdoberfl\u00e4che &#8220;stecken&#8221; bleibt und dort erstarrt, bilden sich Hornstein-Lagen wie die der Stel\u00edda (diese sind seitdem durch tektonische Bewegungen und Erosion an die Oberfl\u00e4che gelangt), w\u00e4hrend auf Milos entsprechende kiesels\u00e4urehaltige Fl\u00fcssigkeiten ins Meer eindrangen und dort durch die pl\u00f6tzliche Abk\u00fchlung zu einem vulkanischen Glas (Obsidian) erstarrten. Die Hornsteinschichten der Stel\u00edda liegen oberhalb eines vor etwa 15 Mio. Jahren in der letzten Phase der <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-tektonische-einheiten\/\">Gebirgsbildung<\/a> aus der Tiefe aufgedrungenen magmatischen K\u00f6rpers, der heute in Westnaxos um die Ch\u00f3ra herum als <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-gesteine\/\">Granodiorit<\/a> an der Oberfl\u00e4che ansteht.<\/p>\n<p><big>H<\/big>ornsteine weisen aufgrund der schnellen Abk\u00fchlung eine sehr feinkristalline Struktur auf, die zu einem muscheligen Bruch \u00e4hnlich dem des Obsidians f\u00fchrt. Durch die entsprechende Bearbeitung kann man aus Hornstein-Splittern wie aus Feuerstein und Obsidian scharfkantige Steinwerkzeuge herstellen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/chert-1.jpg\" alt=\"Hornstein\" border=\"0\"><br \/>\n<small> Als Hornstein werden kiesels\u00e4urehaltige Gesteine bezeichnet, d.h. Gesteine, die \u00fcberwiegend aus Siliziumdioxid (kristalline Form: Quarz) bestehen. Je nach Verunreinigung durch andere Mineralien kann der Hornstein eine wei\u00dfliche, r\u00f6tliche, br\u00e4unliche, gr\u00fcnliche oder fast schwarze F\u00e4rbung aufweisen.<\/small><\/p>\n<h3>Die Steinwerkzeuge der Stel\u00edda<\/h3>\n<p><big>I<\/big>m Bereich des Hornsteinvorkommens der Stel\u00edda sind von den Arch\u00e4ologen an der Oberfl\u00e4che freiliegend oder in Ausgrabungen gro\u00dfe Mengen an steinzeitlichen Steinwerkzeugen gefunden worden. Schaber, teilweise mit retouchierten R\u00e4ndern, sind der am h\u00e4ufigsten auftretende Werkzeugtyp; seltener kommen Bohrer und Klingen vor (mehr als doppelt so lang wie breit). Meist ist nur die Vorderseite der Abschl\u00e4ge bearbeitet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/chert-2.jpg\" alt=\"Hornstein\" border=\"\"><br \/>\n<small>Hier sieht man nat\u00fcrliche Splitter von wei\u00dfem, reinem Hornstein. Diese sehr feinkristallinen St\u00fccke zeigen einen \u00e4hnlich glasartigen Bruch wie Feuerstein und Obsidian, lassen sich leicht bearbeiten und bilden sehr scharfe Kanten.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/chert_tools-1.jpg\" alt=\"bearbeiteter Hornstein, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>An diesen Splittern sieht man die sogenannten Wallner-Linien: konzentrische Ringe, die wie &#8220;eingefrorene Schallwellen&#8221; durch einen Schlag entstehen. Sie sind ein Anzeichen daf\u00fcr, dass diese Splitter nicht nat\u00fcrlich entstanden sind, sondern k\u00fcnstlich abgespalten wurden.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/chert_tools-2.jpg\" alt=\"bearbeiteter Hornstein, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Diese Hornstein-Splitter zeigen weitere Merkmale eines k\u00fcnstlichen Abschlags. Die Schlagstelle ist mit einem Pfeil markiert; sie liegt oft auf einer k\u00fcnstlich gegl\u00e4tteten Schlagfl\u00e4che. Die abgebildete Seite des Splitters ist jeweils die Ventralfl\u00e4che, d.h. die, die am Kern angelegen hat, von dem der Splitter abgeschlagen wurde. Sie zeigt eine deutliche, durch den Schlag entstandene W\u00f6lbung (Bulbus); nahe bei der Schlagstelle sieht man die Schlagnarbe, die dadurch entsteht, dass sich beim Schlag oft ein kleines rundliches Splitterchen abl\u00f6st (Kreis).<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/chert_tools-3.jpg\" alt=\"bearbeiteter Hornstein, Naxos\" width=\"500\" border=\"0\"> <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/chert_tools-4.jpg\" alt=\"bearbeiteter Hornstein, Naxos\" width=\"500\" border=\"0\"><br \/>\n<small>An diesem St\u00fcck ist die Kante ringsum durch kleine Schl\u00e4ge &#8220;retouchiert&#8221; worden, ebenfalls ein klares Anzeichen f\u00fcr eine Bearbeitung. W\u00e4hrend die Schneide eines Splitters von allein scharf genug sein kann, um damit weiche Materialien (z. B. Fleisch oder Leder) zu schneiden, retouchierten die Steinzeitmenschen die Kanten der Steinwerkzeuge, mit denen h\u00e4rtere Materialien wie Holz oder Horn bearbeitet werden sollten, um sie haltbarer zu machen. Das linke \/ obere Bild zeigt die Dorsalseite, auf der die Kanten zu sehen sind, die beim Abschlagen vorheriger St\u00fccke entstanden sind (Dorsalgrate), das rechte \/ untere Bild zeigt die Ventralseite des Abschlagst\u00fccks, die am Kern anlag.<\/small><\/p>\n<p><big>N<\/big>ach ihrer Machart und Form k\u00f6nnen die Steinwerkzeuge der Stel\u00edda zwei unterschiedlichen Epochen zugeordnet werden. Etwas kleinere und feiner gearbeitete Schaber, Bohrer oder Klingen, oft mit sorgf\u00e4ltig bearbeiteten R\u00e4ndern, sind typisch f\u00fcr die J\u00fcngere Mittelsteinzeit (etwa 9.000 v. Chr.). Ein zweites Set von Werkzeugen, die etwas gr\u00f6\u00dfer und gr\u00f6ber gearbeitet sind und eine unregelm\u00e4\u00dfigere Form aufweisen (gr\u00f6\u00dftenteils rundliche oder etwa dreieckige Schaber), ist in die Mittlere Altsteinzeit zu datieren (in der \u00c4g\u00e4is vermutlich vor etwa 200.000 bis 80.000 Jahren). Diese Abschl\u00e4ge sind mit der f\u00fcr diese Zeit charakteristischen Levallois-Technik hergestellt, bei der der &#8220;Kern&#8221; sorgf\u00e4ltig vorbereitet und in Form gebracht wird, so dass von ihm dann ein fertiges Werkzeug abgespalten wird, anstatt dass die abgeschlagenen St\u00fccke nach der Abspaltung weiter bearbeitet (z.B. retouchiert) werden.<\/p>\n<h3>Die ersten Menschen auf Naxos<\/h3>\n<h6>Funde aus der Mittelsteinzeit<\/h6>\n<p><big>S<\/big>chon die auf der Stel\u00edda gefundenen Werkzeuge aus der Mittelsteinzeit sind von gro\u00dfem Interesse. Zun\u00e4chst einmal sind mit einem Alter von etwa 13.000 Jahren deutlich \u00e4lter als die \u00e4ltesten bisher bekannten Funde von Naxos (von etwa 6.500 v. Chr.); aber auch in anderer Hinsicht sind sie ungew\u00f6hnlich. Bemerkenswert ist beispielsweise, dass diese sehr fr\u00fchen Steinwerkzeuge aus Hornstein hergestellt sind, der in den sp\u00e4teren Funden der Insel nicht oder kaum mehr anzutreffen ist. Au\u00dferdem ist an den Hornstein-Vorkommen keinerlei Keramik zu finden: Offenbar wurden von den Menschen, die den Hornstein nutzten, noch keine Tonwaren hergestellt. Dagegen fanden sich einzelne Steinwerkzeuge aus Marmor sowie auch aus Schmirgel, der ja ebenfalls ein sehr bedeutender Rohstoff der Insel ist. Andererseits fehlen an diesen Fundstellen die f\u00fcr die Jungsteinzeit und die Fr\u00fche Bronzezeit so typischen Obsidianklingen &#8211; weder das Material tritt auf, noch die sp\u00e4teren Werkzeugformen (lange Klingen mit parallelen Kanten, Pfeilspitzen, Speerspitzen).<\/p>\n<p><big>I<\/big>n der N\u00e4he von Agiass\u00f3s wurden um 2010 au\u00dferdem Spuren eines <u>mesolithischen Siedlungsplatzes<\/u> gefunden mit zahlreichen Steinwerkzeugen vor allem aus Obsidian von Milos, aber auch aus Hornstein von der Stel\u00edda und aus Quarz, die \u00fcber ein relativ gro\u00dfes Areal verstreut waren. Diese Funde sind in das 9. Jahrtausend v. Chr. zu datieren. Es handelt sich \u00fcberwiegend um Bohrer, retouchierte Schaber und Klingen sowie um &#8220;Mikror\u00fcckenspitzen&#8221;, die durch das beabsichtigte Brechen von Klingen mit zus\u00e4tzlicher Retouchierung einer Seite (&#8220;R\u00fccken&#8221;) erstellt wurden und als einfache Spitzen f\u00fcr Pfeile, Harpunen oder Speere dienten. Die Siedlung lag in direkter N\u00e4he des Meeres neben einem kleinen Bach f\u00fcr die Versorgung mit Trinkwasser. Auch auf anderen Inseln der \u00c4g\u00e4is sind derartige mesolithische Siedlungspl\u00e4tze entdeckt worden (vor allem auf Kythnos, wo nicht nur die \u00dcberreste runder Geb\u00e4ude, sondern auch Gr\u00e4ber gefunden wurden; die Menschen hielten schon Schweine und verarbeiteten Getreide), und es wird angenommen, dass eine genauere Untersuchung noch weit mehr Stellen erbringen wird, auch auf Naxos.<\/p>\n<h6>Funde aus der Altsteinzeit<\/h6>\n<p><big>N<\/big>och wesentlich bemerkenswerter sind die Funde auf Naxos, die in die Altsteinzeit zu datieren sind. In dieser Zeit kam in S\u00fcdeuropa noch der <strong>Neandertaler<\/strong> <em>(Homo neanderthalensis)<\/em> vor, w\u00e4hrend der Moderne Mensch <em>(Homo sapiens)<\/em> erst vor etwa 40.000 Jahren allm\u00e4hlich aus Afrika einwanderte. Der Neandertaler entwickelte nur einen einfachen Werkzeuggebrauch: Die \u00fcblichen Artefakte umfassen Steinwerkzeuge wie die auf Naxos gefundenen, einfache Holzlanzen und aus Knochen hergestellte Ger\u00e4tschaften, aber keine Tonwaren. Die Neandertaler lebten in kleinen Gruppen und hielten sich oft in H\u00f6hlen auf. Sie scheinen einfache Schmuckst\u00fccke hergestellt zu haben und bestatteten ihre Toten manchmal schon in Gr\u00e4bern.<\/p>\n<p><big>V<\/big>or etwa 200.000 bis 50.000 Jahren, als die Neandertaler die Stel\u00edda (und andere griechische Inseln, u.a. Kreta) zur Werkzeugherstellung besuchten, lag der Wasserstand in der \u00c4g\u00e4is aufgrund der Vereisung der Polkappen phasenweise wesentlich (maximal etwa 120 m) niedriger als heute. Das f\u00fchrte dazu, dass w\u00e4hrend der Kaltzeiten die Kykladen zu einer gro\u00dfen Insel zusammengewachsen waren und die ebenen Landregionen zwischen den heutigen Inseln trocken lagen. Auch zur Zeit, aus der die naxiotischen Funde stammen, waren Naxos und Paros durch eine gro\u00dfe Ebene verbunden. H\u00f6chstwahrscheinlich lebten die Neandertaler in diesen ebenen Bereichen zwischen den heutigen Inseln, zusammen mit vielerlei Weidetieren wie den <a href=\"http:\/\/azalas.de\/zwergelefant\/\">Kykladen-Zwergelefanten<\/a>. Leider hat das zur Konsequenz, dass die meisten Zeugnisse ihrer Existenz vermutlich heute f\u00fcr uns unerreichbar auf dem Meeresboden liegen. Auf den heutigen Inseln sind die Bedingungen f\u00fcr die Konservierung von \u00dcberresten der Fr\u00fchmenschen (und der Tiere, von denen sie lebten) nicht gerade g\u00fcnstig: Die ganze Region wird seit dem Mioz\u00e4n stark angehoben und dadurch erodiert, so dass es nur wenige j\u00fcngere Sedimente gibt, in denen Spuren der eiszeitlichen Bewohner erhalten geblieben sein k\u00f6nnten &#8211; das meiste Material wird ins Meer geschwemmt.<\/p>\n<p><big>D<\/big>er bemerkenswerteste Aspekt dieser Funde auf Naxos ist, die Neandertaler h\u00f6chstwahrscheinlich das Meer \u00fcberqueren mussten, um die Stel\u00edda zu erreichen: Soweit wir wissen war die &#8220;Kykladeninsel&#8221; w\u00e4hrend der ganzen Eiszeiten durch eine Meeresstra\u00dfe vom griechischen Festland getrennt. Aber auch auf Kreta, das definitiv zu allen Zeiten eine Insel war, bezeugen \u00e4hnliche Funde eine Besiedlung durch den Neandertaler in der Altsteinzeit; und auch einige indonesische Inseln wurden offenbar etwa zur selben Zeit vom Neandertaler erreicht. All diese Funde zeigen, dass auch der Neandertaler schon Boote oder Fl\u00f6\u00dfe herstellen und benutzen konnte und somit weit h\u00f6here kognitive und handwerkliche F\u00e4higkeiten besessen haben muss als bisher angenommen. M\u00f6glicherweise war Naxos sogar eine besonders geeignete Stelle f\u00fcr das Entwickeln dieser F\u00e4higkeiten, da die Hornsteinlager dort f\u00fcr die Menschen w\u00e4hrend der Kaltzeiten vielleicht zu Fu\u00df \u00fcber Land zu erreichen waren, w\u00e4hrend sie in den Warmzeiten mit der allm\u00e4hlichen R\u00fcckkehr des Meeres aufgrund des Abschmelzens der Eiskappen nach und nach abgeschnitten wurden, so dass die Menschen einen besonderen Anreiz hatten, die sich allm\u00e4hlich vertiefenden Meeresstra\u00dfen zu \u00fcberwinden, w\u00e4hrend Naxos sich wieder in eine Insel verwandelte.<\/p>\n<p>weiter: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-jungsteinzeit\/\">Die Jungsteinzeit<\/a><\/p>\n<p>siehe auch:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-geschichte\/\">Die Geschichte von Naxos<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-kykladenkultur\/\">Die Kykladenkultur<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/eiszeiten\/\">Die Eiszeiten in Griechenland<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-zwergelefant\/\">Der Kykladen-Zwergelefant<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>zum Weiterlesen:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Maroulas_(Kythnos)\">Wikipedia: Mittelsteinzeitliche Ausgrabunsst\u00e4tte Maroula auf Kythnos; die englische Version bietet andere Informationen, darum am besten auch durchlesen!<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/stelida.mcmaster.ca\">The Stelida Project by the McMaster University (Burlington, Canada)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/266002800_The_Stelida_Naxos_Archaeological_Project_New_data_on_the_Middle_Palaeolithic_and_Mesolithic_Cyclades\">Research Gate: The Stelida Project, New data on the Middle Palaeolithic and Mesolithic Cyclades<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/sciadv.aax0997\">Science Advances: Earliest occupation of the Central Aegean (Naxos), Greece: Implications for hominin and Homo sapiens\u2019 behavior and dispersals<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20180409215645\/http:\/\/maajournal.com\/Issues\/2016\/Vol16-1\/Full22.pdf\">An extended Mesolithic settlement in Naxos by Adamantios Sampson, on Wayback Machine<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/leicsfieldworkers.org\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/flint_id_guide.pdf\">Brian Burningham: A guide to the identification of man made flint &amp; tool types<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Neandertaler\">Wikipedia: Neandertaler<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Abschlag_(Arch\u00e4ologie)\">Wikipedia: Abschlagtechniken<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Levalloistechnik\">Wikipedia: Levallois-Technik<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Microlith\">eng. Wikipedia: Microlith<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n<p>verwendete Literatur:<\/p>\n<ul>\n<li>Adamantius Sampson, An extended Mesolithic settlement in Naxos, in: Mediterranean Archaeology and Archaeometry, Vol. 16, No 1, pp. 269-271; 2016<\/li>\n<li>Tristan Carter et al, The Stelida Project, New data on the Middle Palaeolithic and Mesolithic Cyclades, in: Antiquity Journal, 2014<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem H\u00fcgel der Stel\u00edda s\u00fcdlich der Ch\u00f3ra  sind in gro\u00dfer Zahl Steinwerkzeuge aus Hornstein entdeckt worden, die in die Mittel- und sogar die Altsteinzeit zu datieren sind.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":30257,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17,1916,15,9,1114],"tags":[858,872,869,860,34,859,865,861,156,862],"class_list":["post-9828","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte","category-geschichte-epochen","category-kultur","category-naxos","category-steinzeit","tag-altsteinzeit","tag-geschichte","tag-griechenland","tag-hornstein","tag-kykladen","tag-mittelsteinzeit","tag-naxos","tag-steinwerkzeuge","tag-steinzeit","tag-stelida"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9828","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9828"}],"version-history":[{"count":47,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9828\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":70088,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9828\/revisions\/70088"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/media\/30257"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9828"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9828"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9828"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}