{"id":9201,"date":"2014-03-02T09:19:33","date_gmt":"2014-03-02T07:19:33","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?page_id=9201"},"modified":"2026-03-31T22:40:40","modified_gmt":"2026-03-31T19:40:40","slug":"moostierchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/el\/moostierchen\/","title":{"rendered":"Moostierchen"},"content":{"rendered":"<p><big>D<\/big>ie Moostierchen (Stamm <em>Bryozoa)<\/em> geh\u00f6ren zu den <em>Lophotrochozoa<\/em>, einer Tiergruppe, die haupts\u00e4chlich diverse W\u00fcrmer umfasst; die genaueren Verwandtschaftsbeziehungen sind aber noch ungekl\u00e4rt. Es handelt sich um winzige, vielzellige Tiere, die Kolonien bilden, die entweder krustenf\u00f6rmig dem Substrat anliegen, oder schleier-, geweih- oder f\u00e4cherartig in die H\u00f6he wachsen. Moostierchen wachsen auf Felsen und Steinen, aber auch auf den Geh\u00e4usen und Panzern lebender Tiere (Schnecken, Muscheln usw.) oder auf Pflanzen.<\/p>\n<p><big>D<\/big>ie Einzeltierchen (Zoide) einer Moostier-Kolonie sind h\u00f6chstens einen halben Millimeter gro\u00df. Sie bestehen aus dem Polypid (Vorderk\u00f6rper) mit einem kleinen Tentakelkranz, der dem Herbeistrudeln und Einfangen der Nahrung dient, und dem Cystid, dem Hinterk\u00f6rper, in den sich der Polypid zur\u00fcckziehen kann. Die Cystiden besitzen ein kalk- oder chitinhaltiges Geh\u00e4use, das oft mit einem kleinen Deckel verschlossen werden kann. Die Tiere besitzen einen einfach gebauten Magendarmtrakt; die Mund\u00f6ffnung liegt inmitten des Tentakelkranzes. Der Gasaustausch l\u00e4uft \u00fcber die Tentakel ab.<\/p>\n<p><big>D<\/big>ie Moostierchen sind meist Zwitter; Spermien und Eier werden \u00fcber die Enden spezieller Tentakel ins Meerwasser abgegeben. Bei vielen Arten verbleiben die Eier zur Befruchtung im Muttertier in einem speziellen Brutraum, wo dann auch die ersten Stadien der Embryonal-Entwicklung ablaufen. Die Larven schwimmen einige Zeit frei umher und setzen sich dann fest, um eine neue Kolonie zu bilden. Diese w\u00e4chst durch Sprossung (ungeschlechtliche Vermehrung) aus dem ersten Tier heran.<\/p>\n<p><big>I<\/big>nnerhalb einer Kolonie stehen die verschiedenen Einzeltiere durch kleine \u00d6ffnungen in den Geh\u00e4usen miteinander in Verbindung. Einige der Zoide nehmen besondere Funktionen an: So verlieren bei den freistehenden Arten die Einzeltiere, die den St\u00e4ngel bilden,manchmal ihre Tentakelkr\u00e4nze. In der Kolonie stehen hier und da sogenannte Vibracularien, deren Polypide mit Gei\u00dfeln ausgestattet sind. Sie erzeugen einen Wasserstrom auf der Oberfl\u00e4che, der die Ablagerung von Sinkstoffen auf der Kolonie verhindert. Das Festsetzen anderer sessiler Organismen unterbinden die Avicularien, die wie kleine Greifzangen gestaltet sind und die Kolonie sauber halten. Die Befruchtung und Brutpflege l\u00e4uft ebenfalls in spezialisierten Einzelorganismen ab, den Gonozoiden. In Anbetracht der Spezialisierung der einzelnen Zoide und der Tatsache, dass alle Individuen in einer Kolonie Klone sind, also genetisch identisch, k\u00f6nnte man die Moostierchen-Kolonien fast schon je als eigenes Individuum, einen &#8220;Superorganismus&#8221;, ansehen.<\/p>\n<p><big>E<\/big>s gibt etwa 5.600 Moostierchen-Arten, die im Meer und im S\u00fc\u00dfwasser leben. Aus dem Mittelmeer sind um die 180 Arten bekannt. Ihre Bestimmung ist meist nur per Mikroskop m\u00f6glich, au\u00dfer bei Arten mit charakteristischer Form und Farbe des Stockes. Bei abgestorbenen Organismen sind gegebenenfalls die Geh\u00e4use schon so sehr abgerieben, so dass wichtige Merkmale wie kleine Stacheln der Cystide nicht mehr erkennbar sind.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/bryozoa\/bryozoa_spec-1.jpg\" alt=\"Moostierchen\" border=\"0\"><br \/>\n<small>An dieser Moostierchen-Kolonie sind die kleinen Cystide mit ihren \u00d6ffnungen zu erkennen.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/bryozoa\/bryozoa_spec-3.jpg\" alt=\"Moostierchen\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Hier eine besser erhaltene Kolonie auf einer alten Muschelschale.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/bryozoa\/bryozoa_spec-2.jpg\" alt=\"Moostierchen\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Die Moostierchen wachsen nicht nur auf Stein, sondern auch auf anderen Organismen wie hier auf Seegras.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/bryozoa\/bryozoa-2.jpg\" alt=\"Moostierchen\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Hier sieht man gleich mehrere Moostierchen-Arten von sehr unterschiedlicher Wuchsform auf den Rhizomen von Seegras, darunter mindestens zwei krustenf\u00f6rmig wachsende: die br\u00e4unliche Kruste in der Mitte mit den sehr regelm\u00e4\u00dfig angeordneten Zooiden und die wei\u00dfe Kruste mit rundlicheren Zooiden auf dem Zweiglein unten rechts; au\u00dferdem eine kleine, rundliche, etwas erhobene Kolonie unten rechts, und schlie\u00dflich eine freiwachsende, verzweigte, b\u00e4umchenf\u00f6rmige Art im unteren linken Bereich des Bildes.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/bryozoa\/bryozoa-1.jpg\" alt=\"Moostierchen\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Die Bestimmung der Arten ist ohne spezielle Bestimmungsliteratur kaum m\u00f6glich. Die br\u00e4unliche, regelm\u00e4\u00dfige Kruste k\u00f6nnte beispielsweise <em>Schizobrachiella sanguinea<\/em> sein.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/bryozoa\/bryozoa_spec-4.jpg\" alt=\"Moostierchen\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Diese Art w\u00e4chst in einer kleinen, &#8220;h\u00fcgelf\u00f6rmigen&#8221; Kolonie, die von einem deutlichen Rand umgeben ist; die Zooide haben eine unregelm\u00e4\u00dfige Form und Gr\u00f6\u00dfe und lassen kleine Poren erkennen; leider kann ich in der mir zur Verf\u00fcgung stehenden Literatur keine passende Art finden.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/bryozoa\/bryozoa_spec-5.jpg\" alt=\"Moostierchen\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Bei der freiwachsenden, verzweigen Art k\u00f6nnte es sich um <em>Scrupocellaria scrupea<\/em> handeln.<\/small><\/p>\n<p>Hier noch zwei Arten mit charakteristischem Aussehen, die sicher zu bestimmen sind:<\/p>\n<h6><em>Electra posidoniae<\/em>, Gautier<\/h6>\n<p><big>D<\/big>ie Moostierchen-Art <em>Electra posidoniae<\/em> geh\u00f6ren zu den wenigen leicht erkennbaren Arten, da seine Kolonien und Cystide eine charakteristische Form aufweisen und da es ausschlie\u00dflich auf dem Neptungras w\u00e4chst.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/bryozoa\/electra_posidoniae-1.jpg\" alt=\"Electra posidoniae\" border=\"0\"><br \/>\n<small><em>Electra posidoniae<\/em> w\u00e4chst auf den Bl\u00e4ttern des Neptungrases. Es ist im Mittelmeer sehr h\u00e4ufig. Die Einzeltierchen sind in eher locker stehenden Reihen angeordnet und wirken fast durchsichtig, da der obere Teil des Geh\u00e4uses nicht verkalkt ist.<\/small><\/p>\n<h6>Korallenmoostierchen, <em>Patinella radiata<\/em>, Audouin<\/h6>\n<p><big>D<\/big>as Korallenmoostierchen bildet eine bis einen halben Zentimeter gro\u00dfe, rundliche Kolonie mit einer Randlamelle; die Zoide sitzen auf radi\u00e4r angeordneten Lamellen, in denen die kleinen Poren erkennbar sind, durch die die Zoide in Verbindung stehen. Die Art kommt im ganzen Mittelmeer vom Flachwasser bis in 50 Meter Tiefe vor.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/bryozoa\/patinella_radiata-1.jpg\" alt=\"Korallenmoostierchen, Patinella radiata\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Hier eine abgestorbene Kolonie des Korallenmoostierchens; sie sieht dem Skelett einer Warzenkoralle \u00e4hnlich, ist aber an den charakteristischen Lamellen erkennbar.<\/small><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/de\/fotouebersicht-meerestiere\/\">zur Foto-\u00dcbersicht<\/a><\/p>\n<p>weiter: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/wuermer\/\">W\u00fcrmer<\/a><\/p>\n<p>zur\u00fcck: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-meerestiere\/\">Meerestiere \u00dcberblick<\/a><\/p>\n<p>siehe auch: <\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/korallen\/\">Die Warzen-Koralle<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/foraminiferen\/\">Die Korallen-Foraminifere<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Moostierchen (Stamm Bryozoa) geh\u00f6ren zu den Lophotrochozoa, einer Tiergruppe, die haupts\u00e4chlich diverse W\u00fcrmer umfasst; die genaueren Verwandtschaftsbeziehungen sind aber noch ungekl\u00e4rt. 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