{"id":73,"date":"2008-09-17T00:08:33","date_gmt":"2008-09-16T21:08:33","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?page_id=73"},"modified":"2024-08-28T19:07:47","modified_gmt":"2024-08-28T16:07:47","slug":"eiszeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/el\/eiszeiten\/","title":{"rendered":"Die Eiszeiten in Griechenland"},"content":{"rendered":"<p><big>D<\/big>ie Erde hat im Laufe ihrer Geschichte eine Reihe von Eiszeitaltern durchgemacht, w\u00e4hrend derer die Temperaturen deutlich absanken und gro\u00dfe Teile der Erde vereisten. Jedes Eiszeitalter dauerte etwa 15 bis 20 Mio. Jahre und bestand aus abwechselnden Kalt- und Warmzeiten. Auch heute befinden wir uns in einem bislang etwa eine Million Jahre andauernden Eiszeitalter, und zwar (statistisch gesehen) am Ende einer Warmzeit. Dieses letzte Eiszeitalter bis zum Ende der letzten Kaltzeit wird als Pleistoz\u00e4n, die jetzige Warmzeit als Holoz\u00e4n bezeichnet, beide zusammen nennt man (etwas veraltet) Quart\u00e4r.<\/p>\n<p><big>I<\/big>n unserem jetztigem Eiszeitalter gab es bislang vier gro\u00dfe Kaltzeiten (&#8220;Eiszeiten&#8221;) von je knapp 100.000 Jahren Dauer. Die Durchschnittstemperatur der Erde sank w\u00e4hrend der Kaltzeiten jeweils um etwa 10\u00b0 C und weite Teile der Nordhalbkugel wurden mit Eiskappen und Gletschern bedeckt. Im Mittelmeergebiet lagen die Temperaturen an Land etwa 6 bis 8\u00b0 C niedriger als heute; die Meerestemperaturen waren im Winter um 3 bis 4\u00b0 C und im Sommer um 7\u00b0 C niedriger. Au\u00dferdem wurde das Klima deutlich trockener. In den dazwischen geschalteten Warmzeiten (Zwischeneiszeiten) von je etwa 15.000 Jahren Dauer war das Klima \u00e4hnlich wie heute; die Gletscher zogen sich wieder zur\u00fcck.<\/p>\n<p><big>Z<\/big>ur Zeit ihrer gr\u00f6\u00dften Ausdehnung reichten die Eiskappen bis an den Nordrand des Mittelmeergebietes. In den Bergen Nordgriechenlands bildeten sich Gletscher. Die Erosion durch das Eis f\u00fchrte hier ebenso wie in den Alpen zur Bildung U-f\u00f6rmiger weicher T\u00e4ler. Auf Naxos gab es ebenso wie im \u00fcbrigen s\u00fcdlichen Griechenland keine Gletscher; dementsprechend sind die T\u00e4ler hier nicht weich und rund gestaltet, sondern steil und V-f\u00f6rmig.<\/p>\n<h3>Die Ursachen der Eiszeiten<\/h3>\n<p><big>D<\/big>ie Ursachen der Eiszeiten sind noch nicht ganz gekl\u00e4rt. Eine Rolle spielen die Lage der Kontinente und ihrer Hochgebirge, die Meeresstr\u00f6mungen, vor allem die warmen Str\u00f6mungen im Atlantik (Golfstrom) und die kalten Str\u00f6mungen um die Antarktis, das Auftreten von Vulkanismus und die Sonnenaktivit\u00e4t sowie die Erdbahngeometrie, die zu leichten Schwankungen in der Intensit\u00e4t der Sonneneinstrahlung f\u00fchrt. Sicher ist, dass die Abk\u00fchlung, sobald sie in Gang kam, sich selbst verst\u00e4rkte, da eine Vereisung von gr\u00f6\u00dferen (polfernen) Gebieten der Kontinente wie z.B. von Tibet zu einer verst\u00e4rkten Reflektion und verringerten Absorption des Sonnenlichts und somit zu einer weiteren Abk\u00fchlung f\u00fchrte.<\/p>\n<h3>Die Vegetation w\u00e4hrend der Eiszeiten<\/h3>\n<p><big>D<\/big>ie Klimaschwankungen des Pleistoz\u00e4ns f\u00fchrten zum Aussterben vieler Arten der reichen terti\u00e4ren Flora in der Mittelmeerregion. W\u00e4hrend der Kaltzeiten breiteten sich vor allem in den trockeneren \u00f6stlichen Gebieten Steppen mit Beifu\u00df <em>(Artemisia)<\/em> und G\u00e4nsefu\u00dfgew\u00e4chsen aus, teilweise auch Savannen mit Kiefern und Eichen. Die feuchten T\u00e4ler des Mittelmeerraumes dienten als R\u00fcckzugsgebiet f\u00fcr die heute in Mittel- und Nordeuropa verbreiteten laubabwerfenden Waldbaumarten der gem\u00e4\u00dfigten Klimazone, die vor der Eiskappe nach S\u00fcden auswichen.<\/p>\n<p><big>W<\/big>\u00e4hrend der Warmzeiten breiteten sich diese laubabwerfenden Arten wie Eichen, Buche, Hainbuche, Hasel und Birke dann jeweils wieder \u00fcber den gr\u00f6\u00dften Teil Europas aus. Einige der Arten haben im griechischen Raum erhalten, z.B. die Buche, die Haselnuss und die Rosskastanie, die heute nur in Nordgriechenland auftreten, sowie der Walnussbaum, die Erle, die Esche, der Ahorn, der Wei\u00dfdorn, die Ulme und einige sommergr\u00fcne Eichenarten, die auch auf Naxos vorkommen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/flora\/oleaceae\/fraxinus_ornus-1.jpg\" border=\"0\" alt=\"Esche, Fraxinus ornus\" \/><br \/>\n<small>Esche, <em>Fraxinus ornus<\/em><\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Eingriffeliger Wei\u00dfdorn, Crataegus monogyna\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/flora\/rosaceae\/crataegus_monogyna-1.jpg\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Wei\u00dfdorn, <em>Crataegus monogyna<\/em><\/small><\/p>\n<p><big>A<\/big>us den \u00f6stlich anschlie\u00dfenden Gebieten wie Syrien und Iran wanderten w\u00e4hrend der Eiszeiten einige trockeneren Regionen entstammende Arten ein wie der Mastixstrauch, der Judasbaum <em>(Cercis siliquastrum)<\/em>, das Meertr\u00e4ubel <em>(Ephedra)<\/em> und laubabwerfende Eichenarten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/flora\/anacardiaceae\/pistacia_lentiscus-5.jpg\" border=\"0\" alt=\"Mastixstrauch, Pistacia lentiscus\" \/><br \/>\n<small>Mastixstrauch, <em>Pistacia lentiscus<\/em><\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/flora\/ephedraceae\/ephedra_foeminea-1.jpg\" alt=\"Krummstiel-Meertr\u00e4ubel, Ephedra foeminea\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Meertr\u00e4ubel, <em>Ephedra foeminea<\/em><\/small><\/p>\n<h3>Vielfalt und Isolation<\/h3>\n<p><big>D<\/big>ie nord-s\u00fcd-gerichteten klimatisch bedingten Verschiebungen der Vegetationsformen wurden in Europa durch die west-ost-verlaufenden Barrieren der Alpen und des Mittelmeeres erschwert, so dass zahlreiche Arten ausstarben. Entsprechend der kleinr\u00e4umigen Gliederung des Mittelmeerraumes durch Meeresbuchten und Gebirgsz\u00fcge entwickelte sich jede Region etwas unterschiedlich, was insgesamt eine sehr hohe Vielfalt bedingte.<\/p>\n<p><big>I<\/big>m gebirgigen Griechenland konnten viele Arten die Klimaver\u00e4nderungen vergleichsweise einfach \u00fcberstehen, indem sie statt nord-s\u00fcd-gerichteter Wanderungsbewegungen in die gesch\u00fctzten, warmen T\u00e4ler auswichen. So konnte auch eine ganze Anzahl frostempfindlicher Arten \u00fcberleben. Die kleinr\u00e4umige Isolation beg\u00fcnstigte zudem in vielen F\u00e4llen die Entstehung neuer Arten oder Unterarten. Aufgrund dieser Umst\u00e4nde und entsprechend seiner auf kleinem Raum sehr gro\u00dfen klimatischen und geologischen Vielfalt weist Griechenland heute nicht nur die h\u00f6chste Artenvielfalt Europas, sondern auch den h\u00f6chsten Endemiten-Anteil auf (als Endemiten werden Pflanzen bezeichnet, die nur in einem kleinen Gebiet vorkommen).<\/p>\n<p><big>A<\/big>ufgrund des bis zu 200 m niedrigeren Meeresspiegels (viel Wasser war in den Eiskappen gebunden) waren die Kykladen w\u00e4hrend der Eiszeiten zu einer gro\u00dfen Insel vereint. Aller Wahrscheinlichkeit nach gab es jedoch keine Verbindung mit dem Festland. Diese Isolation verhinderte das Einwandern mancher sich auf dem Festland w\u00e4hrend der klimatischen Ver\u00e4nderungen ausbreitender Arten. So erkl\u00e4rt sich, dass auf den Kykladen zum Beispiel die auf dem Festland und den diesem n\u00e4heren Inseln so wichtigen Nadelb\u00e4ume (Kiefern, Zypressen und Tannen) fehlen sowie eine Reihe von weiteren Pflanzenarten der Kiefern- und Flaumeichenw\u00e4lder.<\/p>\n<h3>Nach den Eiszeiten<\/h3>\n<p><big>V<\/big>or etwa 10.000 Jahren ging die letzte Eiszeit zu Ende. Zun\u00e4chst wurde das Klima mild und feucht und die laubabwerfenden W\u00e4lder breiteten sich von ihren Refugien \u00fcber das Mittelmeergebiet aus. Ab etwa 5.000 v. Chr. wurde es dann deutlich trockener: Das mediterrane sommertrockene Klima entstand. Die laubabwerfenden W\u00e4lder wurden allm\u00e4hlich durch eine w\u00e4rmebed\u00fcrftigere und trockenheitsresistentere Vegetation ersetzt. Die n\u00f6rdlichen Arten verschwanden nach und nach und typische mediterrane Arten wie die immergr\u00fcnen Eichen, die Kiefern, die Platane und viele Zwergstrauch-Arten breiteten sich aus. Die beste Anpassung an das saisonale, sommertrockene Klima zeigten unter den B\u00e4umen die Arten mit kleinen, harten, immergr\u00fcnen Bl\u00e4ttern. Solche Pflanzen werden als Hartlaubgew\u00e4chse bezeichnet. Sie stellen einen wichtigen Anteil an der heutigen mediterranen Vegetation.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/DSCN2732-1_450.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"><br \/>\n<small>typische mediterrane Vegetation mit vielen Hartlaubgew\u00e4chsen<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/DSCN5727-1_450.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" \/><br \/>\n<small>Eine charakteristische mediterrane Vegetationsform ist die Macchie mit verstreuten Hartlaubb\u00e4umen und Str\u00e4uchern bzw. Zwergstr\u00e4uchern.<\/small><\/p>\n<p>weiter: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-zwergelefant\/\">Der Kykladen-Zwergelefant<\/a><\/p>\n<p>zur\u00fcck: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-vegetation\/\">Die Vegetation von Naxos<\/a><\/p>\n<p>siehe auch:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/hartlaubvegetation\/\">Die Hartlaubvegetation<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/entstehung-der-pflanzenwelt-der-aegaeis\/\">Die Entstehung der Pflanzenwelt der \u00c4g\u00e4is<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n<p>Zum Weiterlesen: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eiszeiten\">Eiszeiten (Wikipedia)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Erde hat im Laufe ihrer Geschichte eine Reihe von Eiszeitaltern durchgemacht, w\u00e4hrend derer die Temperaturen deutlich absanken und gro\u00dfe Teile der Erde vereisten. Jedes Eiszeitalter dauerte etwa 15 bis 20 Mio. Jahre und bestand aus abwechselnden Kalt- und Warmzeiten. Auch heute befinden wir uns in einem bislang etwa eine Million Jahre andauernden Eiszeitalter, und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":54556,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17,18,15,11,9,1114,13],"tags":[1892,210,869,873,34,865],"class_list":["post-73","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte","category-klima-und-wetter","category-kultur","category-natur","category-naxos","category-steinzeit","category-vegetation","tag-eiszeit","tag-eiszeiten","tag-griechenland","tag-klima","tag-kykladen","tag-naxos"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=73"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":69525,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73\/revisions\/69525"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/media\/54556"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=73"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=73"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=73"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}