{"id":63223,"date":"2024-02-23T08:20:45","date_gmt":"2024-02-23T06:20:45","guid":{"rendered":"https:\/\/azalas.de\/de\/?p=63223"},"modified":"2024-08-11T06:36:39","modified_gmt":"2024-08-11T03:36:39","slug":"kaefer-mit-hoernern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/el\/kaefer-mit-hoernern\/","title":{"rendered":"K\u00e4fer mit H\u00f6rnern"},"content":{"rendered":"<p><big>E<\/big>s gibt eine ganze Reihe von K\u00e4fern, die auf ihrem Halsschild H\u00f6rner tragen, und ich habe inzwischen vier Arten auch hier bei uns angetroffen.<\/p>\n<p><big>D<\/big>as gr\u00f6\u00dfte Horn hat ohne Zweifel der <strong>Nashornk\u00e4fer <em>(Oryctes nasicornis)<\/em><\/strong>. Diese Art ist nachtaktiv, so dass man ihn vor allem in warmen Fr\u00fchlingsn\u00e4chten antrifft, wenn er durch die Lichter angelockt wird. Die Larven diese Art leben von Holz; mit Hilfe symbiotischer Bakterien sind sie in der Lage, die Zellulose zu verdauen. Im Zuge der Anpassung an den Menschen ist der Nashornk\u00e4fer dazu \u00fcbergegangen, auch von Kompost und anderen an Pflanzenfasern reichen Materialien zu leben. In Deutschland ist der Nashornk\u00e4fer selten geworden und streng gesch\u00fctzt. Die M\u00e4nnchen setzen das gro\u00dfe Horn auf ihrem Kopfschild dazu ein um miteinander um die Weibchen zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/beetles\/oryctes_nasicornis-1.jpg\" alt=\"Nashornk\u00e4fer, Oryctes nasicornis\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Der m\u00e4nnliche Nashornk\u00e4fer tr\u00e4gt ein eindrucksvolles Horn auf seinem Kopf. Der Halsschild ist stark vergr\u00f6\u00dfert mit einer dreih\u00f6ckrigen Aufw\u00f6lbung im hinteren Bereich. Kopf, Halsschild, Fl\u00fcgeldecken und Beine sind gl\u00e4nzend dunkelbraun. Auf der Unterseite ist der K\u00f6rper rostbraun behaart.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/beetles\/beetle_larva-1.jpg\" alt=\"K\u00e4fer Larve\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Die gro\u00dfen Larven des Nashornk\u00e4fers finden wir oft im Garten beim Umgraben. Sie leben von Wurzeln und verrottendem Pflanzenmaterial.<\/small><\/p>\n<p><big>D<\/big>ie Larven des Nashornk\u00e4fers dienen denen der <strong>Gelbstirnigen Dolchwespe <em>(Megascolia maculata)<\/em><\/strong> als Nahrung. Diese ist mit 4 cm K\u00f6rperl\u00e4nge bei den Weibchen der gr\u00f6\u00dfte Hautfl\u00fcgler Europas. Sie ist schw\u00e4rzlich gef\u00e4rbt mit einem hellbraun behaarten Thorax und einem langgestreckten Hinterleib mit zwei auff\u00e4lligen gelben Querstreifen in der Mitte, w\u00e4hrend das Ende r\u00f6tlich behaart ist. Die Fl\u00fcgel sind br\u00e4unlich get\u00f6nt. Der Kopf tr\u00e4gt lange, kr\u00e4ftige F\u00fchler. Der Kopf der M\u00e4nnchen ist eher klein und unauff\u00e4llig schwarz, w\u00e4hrend die Weibchen eine gro\u00dfe, auff\u00e4llige leuchtend orangefarbene oder gelbe Stirn aufweisen.<\/p>\n<p><big>D<\/big>as Weibchen legt nach der Befruchtung die Eier an die im Boden lebenden Larven vom Nashornk\u00e4fer. Dazu fliegt es suchend in etwa 15 cm H\u00f6he \u00fcber den Boden. Es lokalisiert die Larven mithilfe des Geruchssinns. Wenn es eine Larve gefunden hat, gr\u00e4bt es sich zu ihr durch und \u00fcberw\u00e4ltigt die sich heftig wehrende Larve durch Bisse oder Stiche ohne Gift. Dann wird die Larve durch einen Stich gel\u00e4hmt, der mit einem speziellen Gift das Nervensystem des Engerlings blockiert. Das Dolchwespen-Weibchen formt eine H\u00f6hlung um die K\u00e4ferlarve, die es mit seinem Speichel stabilisiert, reinigt die Larve von eventuellen anderen Parasiten und legt das Ei an ihr ab. Die Wespenlarve ern\u00e4hrt sich bis zur Verpuppung ausschlie\u00dflich von ihrem Engerling.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/wasps\/triscolia_maculata-2.jpg\" alt=\"Gelbstirnige Dolchwespe, Megascolia maculata\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Die gro\u00dfen Dolchwespen-Weibchen besitzen dolchartige Kiefer, die sie benutzen, um die K\u00e4ferlarven \u00fcberw\u00e4ltigen, die sie als Nahrung f\u00fcr die Larven erbeuten.<\/small><\/p>\n<p><big>E<\/big>twas seltener trifft man bei uns die dem Nashornk\u00e4fer \u00e4hnliche Art <strong><em>Copris hispanus<\/em><\/strong> an. Sie sieht dem Nashornk\u00e4fer zwar auf den ersten Blick sehr \u00e4hnlich, zeigt aber eine deutlich andere Lebensweise: Die adulten Tiere und die Larven leben wie die Dungk\u00e4fer von Mist. Das Weibchen legt nur wenige Eier, die es in einer Bruth\u00f6hle in der Erde sorgf\u00e4ltig pflegt. Das M\u00e4nnchen bringt den Dung herbei, der vom Weibchen zu Kugeln geformt wird. \u00dcber vier Monate bis zur Verpuppung der Larven und zum Schl\u00fcpfen der jungen K\u00e4fer \u00fcberwacht das Weibchen die Dungkugeln, gl\u00e4ttet ihre Oberfl\u00e4che und entfernt Schimmel.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/beetles\/copris_hispanus-1.jpg\" alt=\"Copris hispanus\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Diese auf den ersten Blick \u00e4hnliche Art unterscheidet sich vom Nashornk\u00e4fer an den L\u00e4ngsrippen auf den Fl\u00fcgeldecken, an den wesentlich kleineren H\u00f6ckern an der oberen Leiste des Halsschildes und an der schw\u00e4rzeren Farbe. Der Halsschild, der Kopf und sogar das Horn sind durchgehend fein gepunktet.<\/small><\/p>\n<p><big>E<\/big>ine weitere Art habe ich bei uns erst einmal gesehen: Dieser K\u00e4fer namens <strong><em>Phyllognathus excavatus<\/em><\/strong> geh\u00f6rt ebenso wie der Nashornk\u00e4fer zur Unterfamilie der Riesenk\u00e4fer <em>(Dynastinae)<\/em>. Er tr\u00e4gt ein kleineres Horn und ist am tief grubenf\u00f6rmig &#8220;ausgeh\u00f6hlten&#8221; Halsschild zu erkennen. Die Art ist in S\u00fcdeuropa und Teilen Asiens und Nordafrikas verbreitet; sie lebt unter anderem in Weinbergen, wo die Larven einen gewissen Schaden anrichten k\u00f6nnen. <small>F\u00fcr die Bestimmung danke ich herzlich Jannis Gavalas.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/beetles\/phyllognathus_excavatus-1.jpg\" alt=\"\" border=\"0\"><br \/>\n<small><em>Phyllognathus excavatus<\/em> ist mit dem Nashornk\u00e4fer verwandt, besitzt aber ein deutlich kleineres Horn und ein tief grubenf\u00f6rmig &#8220;ausgeh\u00f6hltes&#8221; Halsschild.<\/small><\/p>\n<p><big>G<\/big>estern bin ich schlie\u00dflich noch auf einen weiteren K\u00e4fer mit H\u00f6rnern gesto\u00dfen. Ich hielt ihn f\u00fcr einen normalen Mistk\u00e4fer und nahm ihn mit nach Hause, um ein Foto zu machen. Der K\u00e4fer versuchte sich, aus meiner Hand zu befreien und schob dazu nicht nur mit erstaunlicher Kraft mit seinen Beinen, sondern piekste mich so sehr, dass ich ihn mir genauer anschaute. Dabei fielen mir dann die kleinen H\u00f6rner neben dem Kopf auf! Es handelt sich um einen Mistk\u00e4fer der Art <strong><em>Typhaeus fossor<\/em><\/strong>, ein enger Verwandter des in Mittel- und Westeuropa verbreiteten Stierk\u00e4fers, der allerdings noch gr\u00f6\u00dfere hornartige Ausw\u00fcchse am Halsschild besitzt. Bei dieser Art sind die seitlichen H\u00f6rner unauff\u00e4lliger, da sie nah am Kopf stehen und das mittlere Horn ist nur sehr klein ist, nur eine kleine Spitze am Halsschild. <em>Typhaeus fossor<\/em> zeigt eine \u00e4hnliche Lebensweise wie die anderen Mistk\u00e4fer, d.h. die Larven ern\u00e4hren sich von Dung, der von den Weibchen zu Kugeln gerollt und in der Erde vergraben wird.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/beetles\/typhaeus_fossor-1.jpg\" alt=\"Typhaeus fossor\" border=\"0\"><br \/>\n<small><em>Typhaeus fossor<\/em> \u00e4hnelt auf den ersten Blick einem normalen Mistk\u00e4fer; bei genauerer Betrachtung fallen allerdings die zwei nach vorn gerichteten H\u00f6rner am Halsschild auf.<\/small><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/kaefer\/\">mehr zu den K\u00e4fern von Naxos<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt eine ganze Reihe von K\u00e4fern, die auf ihrem Halsschild H\u00f6rner tragen, und ich habe inzwischen vier Arten auch hier bei uns angetroffen. 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