{"id":406,"date":"2009-11-02T18:25:00","date_gmt":"2009-11-02T16:25:00","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?page_id=406"},"modified":"2024-11-04T07:50:48","modified_gmt":"2024-11-04T05:50:48","slug":"naxos-dionysos-tempel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/el\/naxos-dionysos-tempel\/","title":{"rendered":"Der Dionysos-Tempel in Iria bei der Chora"},"content":{"rendered":"<p><big>D<\/big>ie Stelle der heutigen Hauptstadt der Insel Naxos, der Ch\u00f3ra, ist schon seit Jahrtausenden besiedelt. Ausgrabungen zeigen, dass hier schon in der <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-kykladenkultur\/\">Fr\u00fchen Bronzezeit<\/a> (Kykladenkultur) eine bedeutende Ansiedlung lag (Ausgrabung Gr\u00f3tta), die auch in der <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-mykenische-epoche\/\">mykenischen Epoche<\/a> und in der Antike noch dicht besiedelt war. In der <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-archaische-epoche\/\">archaischen Epoche<\/a> befand sich hier ebenso wie heute die gr\u00f6\u00dfte Siedlung der Insel. Von der Bedeutung der Ch\u00f3ra in der archaischen Periode zeugt auch der <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-portara-und-apollon-tempel\/\">Apollotempel<\/a> mit seinem gigantischen Tempeltor. Von antiken Berichten des Geschichtsschreibers Herodot war die Existenz eines zweiten gro\u00dfen Tempels in der N\u00e4he der Ch\u00f3ra bekannt, der Dionysos, dem wichtigsten Gott der Insel, geweiht war und in der Schwemmebene s\u00fcdlich der Ch\u00f3ra in der N\u00e4he eines Byblos genannten Flusses gelegen haben soll.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/iria_livadia-1.jpg\" alt=\"Livadia, Schwemmebene bei der Chora, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Die Schwemmebene der Liv\u00e1dia. Im Hintergrund ist das Flughafengel\u00e4nde und die Halbinsel der Stelida zu sehen. Der Tempel von \u00cdria liegt etwas links von der Bildmitte.<\/small><\/p>\n<h3>Eine spannende Detektivarbeit: Die Suche nach dem Dionysos-Tempel<\/h3>\n<p><big>\u00dc<\/big>ber viele Jahrzehnte blieben die Versuche der Arch\u00e4ologen, den Dionysos-Tempel zu orten, ergebnislos. Einen wichtigen Hinweis lieferte schlie\u00dflich eine kleine byzantinische Kirche, die in der Mitte der Schwemmebene bei der Ch\u00f3ra liegt. Als die Arch\u00e4ologen Ende der Sechziger Jahre die T\u00fcrst\u00fcrze der byzantinischen Kirchen der Insel kartierten, um den fehlenden T\u00fcrsturz des <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-demeter-tempel\/\">Demeter-Tempels bei Sangr\u00ed<\/a> zu finden, entdeckten sie an dieser Kirche einen antiken T\u00fcrsturz, der in seinen Ma\u00dfen jedoch nicht zum Demeter-Tempel passte. Nun wurde man auf den Namen eines Feldes ganz in der N\u00e4he dieser Kirche aufmerksam: \u00cdria. Man vermutete darin eine Abk\u00fcrzung f\u00fcr <em>&#8220;Jyrotychia&#8221;<\/em>, das hei\u00dft Umfassungswall (auch die Ortsbezeichnung beim Demeter-Tempel, Jyroula, hat denselben Ursprung). Und tats\u00e4chlich: Bei Probebohrungen auf dem Feld stie\u00df man schnell auf die \u00dcberreste des Dionysos-Tempels.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/iria_well.jpg\" alt=\"alter Sch\u00f6pfbrunnen beim Dionysos-Tempel in Iria bei der Chora, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Vor dem arch\u00e4ologischen Gel\u00e4nde in \u00cdria ist einer der alten, von einem Maultier betriebenen Sch\u00f6pfbrunnen der Schwemmebenen restauriert.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/iria_grapes_olives.jpg\" alt=\"auf dem Gel\u00e4nde des Dionysos-Tempels in Iria bei der Chora, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Das Gel\u00e4nde ist mit Olivenb\u00e4umen und Weinst\u00f6cken bebaut.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/iria_grapes.jpg\" alt=\"auf dem Gel\u00e4nde des Dionysos-Tempels in Iria bei der Chora, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Auch heute noch gedeiht hier die heilige Pflanze des Dionysos, der Weinstock.<\/small><\/p>\n<h3>Die \u00dcberreste der Tempelanlage<\/h3>\n<p><big>V<\/big>on 1986 bis 1991 wurde das Tempel-Areal von griechischen und deutschen Arch\u00e4ologen (von der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen) ausgegraben. Es gab keine stehenden \u00dcberreste, sondern nur ein Gewirr aus S\u00e4ulenbasen und Wandfundamenten. Dieses konnten die Arch\u00e4ologen als die \u00dcberreste von vier in wenigen Dezimetern Abstand \u00fcbereinander liegenden Tempelbauten (und einer christlichen Kirche, in die der Tempel um 500 n. Chr. verwandelt worden war) interpretieren. Mithilfe einer ganzen Reihe von Bauteilen, die bei Kirchenbauten der Umgebung verwendet worden waren, konnte die Architektur der einzelnen Tempel bis auf wenige Details rekonstruiert werden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/iria_temple-2.jpg\" alt=\"Dionysos-Tempel in Iria bei der Chora, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Von den Tempelgeb\u00e4uden waren nur die Fundamente, keine stehenden Reste erhalten.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/iria_temple-5.jpg\" alt=\"Dionysos-Tempel in Iria bei der Chora, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Neben der Tempelanlage liegen diese \u00dcberreste eines &#8220;Speisesaales&#8221;, in dem vermutlich die kultischen Festm\u00e4hler eingenommen wurden.<\/small><\/p>\n<p><big>S<\/big>chon seit der <span style=\"text-decoration: underline;\">mykenischen Epoche<\/span> (um 1.300 v. Chr.) war dasselbe Areal als Heiligtum genutzt worden: Bei den Ausgrabungen fand man in der untersten Schicht gemeinsam mit mykenischen Tonscherben eine gro\u00dfe, sorgf\u00e4ltig gearbeitete Marmorschale mit einer Zulaufrinne und einer gro\u00dfen Gneisplatte daneben, die sich bei den \u00dcberschwemmungen des nahegelegenen Flusses (des Byblos der Antike) mit fruchtbarer Erde f\u00fcllte. Die sukzessive dar\u00fcber liegenden Tempel konnten ebenfalls zeitlich eingeordnet werden: Der erste Tempel wurde in der mittleren <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-geometrische-epoche\/\">geometrischen Zeit<\/a> errichtet, der n\u00e4chste in der sp\u00e4ten geometrischen; dar\u00fcber folgt ein fr\u00fch-archaischer und schlie\u00dflich ein archaischer Tempelbau. Letzterer wurde bis in das 5. Jhd. nach Chr. genutzt; danach wurde er in eine Kirche (\u00c1gios Ge\u00f3rgios) umgewandelt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/iria_temple-3.jpg\" alt=\"Dionysos-Tempel in Iria bei der Chora, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Hier lagen die vier aufeinander folgenden Tempel dicht \u00fcbereinander. Heute sind einige S\u00e4ulenreste wieder aufgestellt worden.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/DSCN7594-1_450.jpg\" alt=\"Dionysos-Tempel in Iria bei der Chora, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Die Tafel zeigt Lage und Grundriss der vier Tempel (der erste, kleine in braun dargestellt, die folgenden zwei in braunrot und grau und schlie\u00dflich der letzte, gr\u00f6\u00dfte in gelblich).<\/small><\/p>\n<h3>Der erste geometrische Tempel<\/h3>\n<p><big>D<\/big>er erste der Tempel stammt vom Beginn des 8. Jahrhunderts vor Christus aus der geometrischen Epoche. Die geometrische Epoche, die nach der nicht-fig\u00fcrlichen Verzierung der T\u00f6pferwaren bezeichnet wird, umfasst etwa das 11. bis 8. Jahrhundert v. Chr. Der erste Tempel war ein einfaches Geb\u00e4ude von 5 x 10 Metern Gr\u00f6\u00dfe mit nur ann\u00e4hernd rechteckigem Grundriss. Die W\u00e4nde waren aus in der direkten Umgebung gesammelten, fast unbehauenen Feldsteinen und teilweise aus Lehmziegeln errichtet. Der Fu\u00dfboden bestand aus Schwemmerde des Flusses, der in direkter N\u00e4he vorbeifloss. Das flache Erddach wurde von drei Holzst\u00fctzen in der Mitte des Hauses getragen. Eine gro\u00dfe Gneisplatte bildete die T\u00fcrschwelle. Das Geb\u00e4ude war nach S\u00fcden, zum Fluss hin, orientiert. An der linken Wand fand man zwei Abdr\u00fccke von einem h\u00f6lzernen oder t\u00f6nernen Tisch, vermutlich dem Opfertisch. Au\u00dfen war der Tempel von einer ovalen niedrigen Steinmauer umgeben. Das Ufer des 15 Meter breiten Flusses war befestigt; hier fand sich eine Opferstelle mit vielen verbrannten Knochen. Ebenso wie die nachfolgenden Tempel wurde dieser erste, einfache Bau bei einer \u00dcberschwemmung des Flusses zerst\u00f6rt.<\/p>\n<h3>Der sp\u00e4t-geometrische Tempel<\/h3>\n<p><big>W<\/big>enige Dezimeter \u00fcber den \u00dcberresten des ersten Tempels wurde um 730 v. Chr. der zweite, etwa viermal so gro\u00dfe und wesentlich aufw\u00e4ndigere Bau errichtet. Dieser bestand aus einem vierschiffigen Saal mit drei Reihen von 5 Holzs\u00e4ulen, die die Sattelh\u00f6lzer trugen, auf denen das flache Erddach auflag. Die W\u00e4nde waren aus grob behauenen Granitbl\u00f6cken aus der n\u00e4heren Umgebung gefertigt; nur die S\u00e4ulenbasen bestanden aus Marmor. Innen zog sich eine steinerne Sitzbank die W\u00e4nde entlang. Die Stelle des alten Opfertisches war beibehalten worden, lag aber nun durch die Vergr\u00f6\u00dferung des Baus in der Mitte des Tempels: Sie wurde offenbar als wesentlich betrachtet. Hier stand jetzt ein Opferherd, an dem die Brandopfer im Geb\u00e4ude vollzogen wurden; die Asche wurde im Tempel verstreut.<\/p>\n<h3>Der fr\u00fch-archaische Tempel<\/h3>\n<p><big>S<\/big>chon um 670 v. Chr., 60 Jahre sp\u00e4ter, wurde dieser Tempel, vermutlich wiederum nach einer zerst\u00f6rerischen \u00dcberschwemmung, durch einen neuen, gr\u00f6\u00dferen Bau ersetzt. Die West- und Nordmauer des alten Tempels wurden beim Neubau beibehalten. Der Tempel wurde nun als dreischiffiger Bau errichtet; vermutlich, weil sich die mittlere, die Saalmitte besetzende S\u00e4ulenreihe als unpraktisch erwiesen hatte. Die S\u00e4ulen standen in gr\u00f6\u00dferem Abstand (3 m), und besa\u00dfen vielleicht schon ein schm\u00fcckendes Volutenkapitell, das die querverlaufenden Sattelh\u00f6lzer trug. Die S\u00e4ule selbst bestand aber noch aus Holz. Der Opferherd wurde mit einem breiten Steinrahmen versehen. Vor dem Eingang im S\u00fcden trugen vier S\u00e4ulen einen Vorbau. Der Fluss verlief nun n\u00f6rdlich des Tempelgel\u00e4ndes.<\/p>\n<h3>Der archaische Tempel<\/h3>\n<p>Um 580 v. Chr. wurde der vierte und letzte Tempel errichtet, der jedoch innen nie ganz vollendet wurde. Wenige Jahre zuvor hatten die Naxioten auf <a href=\"http:\/\/azalas.de\/delos\/\">Delos<\/a> nicht nur die neun Meter hohe, freistehende Statue des Apollon aufgerichtet, sondern auch einen wegweisenden Marmortempel gebaut. Nach der Zerst\u00f6rung des dritten Tempels in \u00cdria durch eine \u00dcberschwemmung wollten die Naxier hier nun einen monumentalen Tempel errichten, der alles bisher auf den Kykladen existierende in seiner Gr\u00f6\u00dfe \u00fcbertreffen sollte. Wahrscheinlich sollte der <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-kouros-apollonas\/\">Kouros von Ap\u00f3llonas<\/a> hier im Tempel von \u00cdria stehen; die f\u00fcr das Geb\u00e4ude verwendeten Marmore stammten jedoch aus den n\u00e4her gelegenen <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-kouros-flerio\/\">Steinbr\u00fcchen bei M\u00e9lanes<\/a>. Die Lage des Tempels \u00e4hnelt der anderer bedeutender Heiligt\u00fcmer (z.B. Samos, Ephesos): In einer fruchtbaren Schwemmebene in etwa einer halben Stunde Fu\u00dfweg von der P\u00f3lis, die damals an derselben Stelle lag wie heute (in der Ch\u00f3ra). Es gab sicher eine Prozessionsstra\u00dfe von der Ch\u00f3ra zu diesem Hauptheiligtum der Insel. Die reicheren B\u00fcrger von Naxos hatten eine gro\u00dfe Anzahl von Stelen mit Weihe-Inschriften in der Umgebung des Tempels aufgestellt, von denen einige Bruchst\u00fccke erhalten sind.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/iria_temple-4.jpg\" alt=\"Dionysos-Tempel in Iria bei der Chora, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Hier sieht man die Fundamente und einige S\u00e4ulenreste des archaischen Tempels.<\/small><\/p>\n<p><big>I<\/big>m Gro\u00dfen und Ganzen wurde beim vierten Tempelbau die alte Form beibehalten, d.h. die Lage und Ausrichtung des Tempels und der dreischiffige Bau mit je 4 S\u00e4ulen, allerdings wurde dieser durch einen Anbau im Norden auf 13 x 24 Meter vergr\u00f6\u00dfert. Die W\u00e4nde bestanden aus sorgf\u00e4ltig behauenen Granitquadern und waren verputzt. S\u00e4ulen, T\u00fcrrahmen und Dachgeb\u00e4lk waren aus Marmor angefertigt. Der freistehende Vorbau vor dem Tempel wurde von 4 weiteren S\u00e4ulen getragen. Diese waren 80 cm dick, erstaunliche 8 Meter hoch und trugen ein schm\u00fcckendes Volutenkapitell, das stark dem der naxischen Sphinx-S\u00e4ule in <a href=\"http:\/\/azalas.de\/delfi\/\">Delfi<\/a> \u00e4hnelte. Die S\u00e4ulen waren auf unterschiedliche Weise kannelliert (l\u00e4ngsgerillt), wobei diese Kannellierung teilweise unfertig blieb. Der Tempel gilt als \u00e4ltester ionischer Tempel dieser Form (mit Vorbau), der in allen Teilen abgesehen von den W\u00e4nden rein aus Marmor gebaut war (S\u00e4ulen, Eingang und Dachkonstruktion).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/iria_temple_column-1.jpg\" alt=\"Dionysos-Tempel in Iria bei der Chora, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>nachgebildete S\u00e4ule des archaischen Tempels mit Volutenkapitell<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/iria_temple-1.jpg\" alt=\"Dionysos-Tempel in Iria bei der Chora, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Der Tempel von der anderen Seite. Die S\u00e4ulen waren urspr\u00fcnglich 8 Meter hoch.<\/small><\/p>\n<h3>Das Marmordach<\/h3>\n<p><big>D<\/big>ie wichtigste Neuerung beim vierten Tempel war die Dachkonstruktion. Das \u00fcbliche Flachdach wurde durch ein leicht geneigtes Giebeldach ersetzt. Dabei waren alle Bauteile aus Marmor gefertigt, und auch die Konstruktionsweise war entsprechend diesem Material entwickelt (&#8220;Inselionische Ordnung&#8221;) und nicht von einer Holzkonstruktion abgeleitet, wie bei den meisten dorischen oder ionischen Tempeln Griechenlands. Die Dachziegel waren aus nur drei Zentimeter dicken Marmorplatten gefertigt und von unten sichtbar. Auf diese Weise wurde der Tempel mit dem durch die Marmorplatten durchscheinenden Licht beleuchtet, was wunderbar ausgesehen haben muss. Der Erfinder der marmornen Dachziegel und des entsprechenden Dachstuhls war der \u00dcberlieferung gem\u00e4\u00df der Naxier Byzes.<\/p>\n<details>\n<summary>Der Inselionische Baustil<\/summary>\n<p>Der <em>&#8220;Inselionische Baustil&#8221;<\/em> unterscheidet sich vom ionischen und dorischen Baustil in mehrern Punkten: Die W\u00e4nde bestehen au\u00dfen aus gro\u00dfen und innen aus kleinen Steinen, die T\u00fcrrahmen sind aus vier gro\u00dfen Steinen konstruiert (wie bei der Port\u00e1ra), das schr\u00e4ge Giebeldach besitzt keine waagerechte Zwischendecke sondern ist von unten sichtbar, und die das Dach tragenden waagerechten Marmorbalken stehen nicht bis nach au\u00dfen vor wie bei aus einer Holzkonstruktion entwickelten Bauweisen, sondern liegen nur innen auf den W\u00e4nden auf; auf der Au\u00dfenseite f\u00fcllen aufrecht stehende Steinplatten den freibleibenden Platz. Diese Steinplatten ziehen sich als Fries um den ganzen Tempel herum. Beim Demeter-Tempel sind die Steinplatten des Frieses unverziert, aber bei sp\u00e4teren Tempeln im selben Stil wurden sie oft mit aufw\u00e4ndigen Skulpturen geschm\u00fcckt. Die &#8220;Inselionische Ordnung&#8221; wurde auf Naxos entwickelt und zuerst im Oikos und in der S\u00e4ulenhalle der Naxier auf Delos verwendet; auch der Apollo-Tempel auf Naxos und der archaische Dionysos-Tempel waren in derselben Bauweise errichtet. G\u00e4nzlich bekannt ist die Dachkonstruktion bis in das letzte Detail beim Demeter-Tempel bei Sangr\u00ed, der vollst\u00e4ndig rekonstruiert werden konnte. Sp\u00e4ter wurden auch auf anderen Inseln Tempel nach derselben Bauweise errichtet, so mehrere Tempel auf Paros und die kykladischen Schatzh\u00e4user in Delphi (insbesondere das von Siphnos; allerdings sind hier die Dachkonstruktionen nicht erhalten). Nach der Gr\u00fcndung des Attischen Seebundes im 5. Jhd. v. Chr. \u00fcbernahm Athen die Inselionische Ordnung und baute auf dieselbe Weise (mit Marmordach und -ziegeln), in vollendetem Stil, den Nike-Tempel, das Erechtheion und die Osthalle der Propyl\u00e4en auf der Akropolis. Die Tatsache, dass dieser wichtige Baustil von Naxos \u00fcbernommen wurde, verdeutlicht die Bedeutung, die die Insel in der kulturellen Entwicklung der archaischen Epoche hatte.<br \/>\n<\/details>\n<p><br class=\"clear\"><\/p>\n<h3>Die politischen Entwicklungen in der zweiten H\u00e4lfte des 6. Jahrhunderts<\/h3>\n<p><big>U<\/big>m 538 v. Chr. wurde die Aristokratie auf der Insel Naxos vom Adeligen Lygdamis vertrieben, der die Macht als Alleinherrscher (&#8220;Tyrann&#8221;) \u00fcbernahm. Unter Lygdamis wurden die Steinbr\u00fcche der Insel verstaatlicht und Bauten, die durch private Stiftungen unternommen wurden, gestoppt &#8211; das ist vermutlich der Grund, dass der Dionysos-Tempel in Iria nicht ganz fertiggestellt wurde (die Kannellierung der S\u00e4ulen im Innenraum blieb unvollendet). Kurz nach der Macht\u00fcbernahme von Lygdamis wurde mit dem Bau des Apollo-Tempels in der Ch\u00f3ra sowie auch des kleineren Demeter-Tempels bei Sangr\u00ed begonnen. Etwa zu dieser Zeit verlor Naxos seine Vorherrschaft auf Delos an Athen &#8211; vermutlich wollte Lygdamis mit dem Bau dieses neuen, repr\u00e4sentativen Tempel seine St\u00e4rke und den Reichtum der Insel demonstrieren. Lygdamis konnte sich nur bis 524 v. Chr. an der Macht halten, als er von den Spartiaten abgesetzt wurde, die auf einem Kriegszug gegen den Tyrannen Polykrates von Samos bei Naxos vorbeikamen. Nun \u00fcbernahmen die Aristokraten wieder die Regierung auf der Insel. Etwa drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter (490 v. Chr., Beginn der klassischen Epoche) wurde die Insel durch die Perser eingenommen. Nach der Niederlage der Perser bei Marathon sowie zehn Jahre sp\u00e4ter bei Salamis trat Naxos dem Attisch-Delischen Seebund unter Athener Vorherrschaft bei. Mit diesen Ereignissen verlor die Insel an politischer und kultureller Bedeutung.<\/p>\n<h3>Der Dionysos-Tempel in sp\u00e4teren Jahrhunderten<\/h3>\n<p><big>D<\/big>er Dionysos-Tempel von \u00cdria wurde \u00fcber viele Jahrhunderte genutzt. Um 150 v. Chr. wurde Griechenland nach langen kriegerischen Auseinandersetzungen von den R\u00f6mern eingenommen und die <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-roemische-epoche\/\">r\u00f6mische Epoche<\/a> begann auch f\u00fcr Naxos. Um 40 v. Chr. herrschte der r\u00f6mische Feldherr und Politiker Marcus Antonius \u00fcber die Ostprovinzen, der sich als &#8220;Neuer Dionysos&#8221; verehren lie\u00df und daf\u00fcr die alte Kultst\u00e4tte in Iria benutzte. Es wurde ein Bruchst\u00fcck eines Steines gefunden, der als Basis einer Statue des Antonius diente und auf dem eine alte Inschrift ausgel\u00f6scht und der Name des Antonius eingeritzt worden ist. Auch der Torso der Statue selbst ist erhalten (im Museum in Naxos zu sehen).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/roman_statue-1.jpg\" alt=\"R\u00f6mische Statue des Antonios im Museum Chora Naxos\" border=\"0\"><\/p>\n<p><big>I<\/big>m 5. Jhd. n. Chr. wurde der Dionysos-Tempel in eine christliche Kirche verwandelt (dem Heiligen Georg geweiht), die zun\u00e4chst als dreischiffige Basilika direkt im Tempel eingerichtet wurde. Nach einer erneuten Zerst\u00f6rung im 8. Jhd. durch eine \u00dcberschwemmung wurde die Kirche in geringer Entfernung wieder aufgebaut (unter Verwendung des T\u00fcrsturzes und anderer Bauteile). Das ehemalige Tempelgel\u00e4nde wurde von den folgenden \u00dcberschwemmungen mit einer mehrere Meter dicken Erdschicht versch\u00fcttet. Die letzte \u00dcberschwemmung erfolgte im Jahr 2004 nach der Errichtung des arch\u00e4ologischen Parks.<\/p>\n<p>weiter: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-portara-und-apollon-tempel\/\">Die Portara und der Apollon-Tempel in der Chora<\/a><\/p>\n<p>zur\u00fcck: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/tempel-und-heiligtuemer\/\">Tempel und Heiligt\u00fcmer<\/a><\/p>\n<p>siehe auch:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-geschichte\/\">Die Geschichte der Insel Naxos<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-archaische-epoche\/\">Die archaische Epoche<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-sehenswuerdigkeiten\/\">Die Sehensw\u00fcrdigkeiten von Naxos<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-demeter-tempel\/\">Der Demeter-Tempel<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-kouros-apollonas\/\">Der Kouros von Apollonas<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-antiker-steinbruch-apollonas\/\">Der antike Steinbruch bei Apollonas<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-heiligtum-flerio\/\">Das Heiligtum bei Flerio<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/delos\/\">Delos<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/delfi\/\">Delfi<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-dionysos\/\">Dionysos und die Insel Naxos<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-karneval\/\">Karneval auf Naxos &#8211; das Fest des Dionysos<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-karneval-apiranthos\/\">Karneval in Apiranthos: die Koudounati<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>zum Weiterlesen: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heiligtum_von_Yria\">Der Dionysos-Tempel in Iria bei Wikipedia<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n<p>verwendete Literatur:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Kunst und Kultur der Kykladen<\/strong>, Teil I: Neolithikum und Bronzezeit und Teil II: Geometrische und Archaische Zeit; Werner Ekschmitt; Verlag Philipp von Zabern, Mainz am Rhein 1986<\/li>\n<li><strong>Die Inselionische Ordnung<\/strong>, Gottfried Gruben; in: Les Grands Ateliers d&#8217;Architecture dans le Monde Eg\u00e9en du VIe s. av. J.C., Koll. Istanbul 1993<\/li>\n<li> <strong>Die Entwicklung der Marmorarchitektur auf Naxos und das neuentdeckte Dionysos-Heiligtum in Iria<\/strong>, Gottfried Gruben; N\u00fcrnberger Bl\u00e4tter zur Arch\u00e4ologie, 1991-&#8217;92<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stelle der heutigen Hauptstadt der Insel Naxos, der Ch\u00f3ra, ist schon seit Jahrtausenden besiedelt. Ausgrabungen zeigen, dass hier schon in der Fr\u00fchen Bronzezeit (Kykladenkultur) eine bedeutende Ansiedlung lag (Ausgrabung Gr\u00f3tta), die auch in der mykenischen Epoche und in der Antike noch dicht besiedelt war. 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