{"id":269,"date":"2009-08-22T08:04:34","date_gmt":"2009-08-22T05:04:34","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?page_id=269"},"modified":"2026-01-11T08:37:31","modified_gmt":"2026-01-11T06:37:31","slug":"naxos-seegraswiesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/el\/naxos-seegraswiesen\/","title":{"rendered":"Seegraswiesen"},"content":{"rendered":"<p><big>A<\/big>uf durch die Wellen bewegten Sand- und Schlammb\u00f6den im flachen Meer k\u00f6nnen keine Meerespflanzen gedeihen. Die ersten Pflanzen treten erst ab einigen Metern Tiefe auf, wo die Wellenbewegungen nicht mehr zu stark sind. Besonders typisch f\u00fcr diese Standorte sind die Seegr\u00e4ser. Diese geh\u00f6ren nicht zu den Algen, sondern zu den H\u00f6heren Pflanzen. Im Gegensatz zu den Algen besitzen sie gut ausgebildete Wurzeln, mit denen sie sich auch in leicht bewegtem Sand verankern k\u00f6nnen. In geringeren Tiefen erscheint zun\u00e4chst das Ausl\u00e4ufer bildende, meist eher vereinzelt wachsende Tanggras (<em>Cymodocea nodosa<\/em>), in etwas gr\u00f6\u00dferer Tiefe dann das Neptungras (<em>Posidonia oceanica<\/em>), das ausgedehnte, dichte Wiesen bildet. Das Neptungras geh\u00f6rt zu den Einkeimbl\u00e4ttrigen, innerhalb derer die <em>Posidoniaceae<\/em> mit nur einer Gattung und neun Arten eine eigene Familie bilden. Das Tanggras geh\u00f6rt zur verwandten Familie der <em>Cymodoceaceae<\/em> mit f\u00fcnf Gattungen und 16 Arten.<\/p>\n<p><big>D<\/big>iese Seegraswiesen, die auch bei uns in der Bucht schon vorkommen, sehen recht einf\u00f6rmig aus, beherbergen aber eine erstaunliche Anzahl an den verschiedensten Tierarten. So hat man auf einem Hektar Seegraswiese 350 Tierarten der Makrofauna mit der erstaunlichen Menge von 15 Tonnen tierischer Biomasse gemessen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sea\/sea_gras\/posidonia_oceanica_meadow-3.jpg\" alt=\"Seegraswiese\"><br \/>\n<small>Seegraswiesen sind schwer von der Wasseroberfl\u00e4che aus zu fotografieren, weil sie eigentlich in etwas gr\u00f6\u00dferer Tiefe wachsen; diese Wiesen in wenigen Metern Tiefe habe ich bei M\u00e1kares aufgenommen.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sea\/sea_gras\/posidonia_oceanica_meadow-1.jpg\" alt=\"Seegraswiese\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Das Neptungras <em>Posidonia oceanica<\/em> w\u00e4chst in dichten Wiesen; es gedeiht ab etwa 10 m Meerestiefe.<\/small><\/p>\n<p><big>S<\/big>eegraswiesen gedeihen auf Feinsubstratb\u00f6den in Lagen mit geringem Wellengang und ausreichendem Lichtangebot, also bis etwa 40, ausnahmsweise auch 100 Meter Tiefe. Das Neptunsgras w\u00e4chst sowohl in die H\u00f6he als auch seitlich, wobei es Rhizome bildet, mit deren Hilfe es sich ausbreitet. So bilden sich dichte, dicke, verfilzte Matten, in denen sich viel Feinsediment ablagert. Ab dem Ende des Sommers sterben die alten Bl\u00e4tter der Seegr\u00e4ser ab und werden durch die St\u00fcrme im Herbst und Winter abgerissen und an die Str\u00e4nde getrieben, wo sie oft l\u00e4stige, dicke W\u00e4lle bilden, die manchmal erst im Sommer wieder davongetragen werden. Der Besucher sollte sich jedoch vor Augen halten, dass das Seegras ein ganz nat\u00fcrlicher Bewohner des Meeres ist und zwar einer, der in vielen Gebieten des Mittelmeeres aufgrund der Verschmutzung und \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Schleppnetzfischerei bedroht oder schon verschwunden ist. Das reiche Vorkommen des Seegrases in der zentralen \u00c4g\u00e4is zeigt, dass die Unterwasserwelt hier noch weitgehend intakt ist. Im Herbst bildet das Neptunsgras Bl\u00fcten, die aber sehr unauff\u00e4llig sind, und im Fr\u00fchjahr kann man die Fr\u00fcchte am Strand finden (&#8220;Meeroliven&#8221;).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sea\/sea_grass_at_beach-1.jpg\" alt=\"am Strand angetriebenes Seegras\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Im Winter wird in unserer Bucht manchmal viel Seegras angetrieben.<\/small><\/p>\n<p><big>S<\/big>eegraswiesen spielen eine kaum zu \u00fcbersch\u00e4tzende Rolle im \u00d6kosystem des Meeres. Sie beherbergen zahlreiche seltene Tierarten und bieten Jungfischen einen lebenswichtigen Schutz. Eine gro\u00dfe Anzahl kleiner Algenarten und auch sessiler Tiere w\u00e4chst direkt auf den Bl\u00e4ttern des Seegrases, viele freischwimmende Arten fressen die lebenden oder abgestorbenen Bl\u00e4tter oder ern\u00e4hren sich von den Epiphyten sowie nat\u00fcrlich von den Tieren, die in der Seegraswiese leben. Trotz ihrer relativ geringen Fl\u00e4chenausdehnung im Mittelmeer produzieren sie einen gro\u00dfen Anteil des Sauerstoffes im Wasser. Auch ihre Biomassenproduktion ist betr\u00e4chtlich (20 Tonnen Trockenmasse pro Hektar pro Jahr).<\/p>\n<p><big>A<\/big>uf das Leben in Seegraswiesen spezialisiert sind insbesondere die hervorragend getarnten Seenadeln und die Seepferdchen, die man aber kaum entdecken kann (ich habe noch kein Seepferdchen gesehen; Seenadeln werden gelegentlich am Strand angetrieben oder man kann sie mit einem Kescher aus den Seegraswiesen fischen). Auch zahlreiche weitere <a href=\"http:\/\/azalas.de\/fische\/\">Fischarten<\/a>, <a href=\"http:\/\/azalas.de\/tintenfische\/\">Tintenfische<\/a>, <a href=\"http:\/\/azalas.de\/krebse\/\">Krebse, Garnelen und Asseln<\/a>, <a href=\"http:\/\/azalas.de\/seesterne\/\">Seesterne, Haarsterne und Schlangensterne<\/a>, <a href=\"http:\/\/azalas.de\/wuermer\/\">Borsten- und Igelw\u00fcrmer<\/a>, <a href=\"http:\/\/azalas.de\/muscheln\/\">Steckmuscheln<\/a>, <a href=\"http:\/\/azalas.de\/meeresschnecken\/\">Schnecken<\/a> und <a href=\"http:\/\/azalas.de\/schwaemme\/\">Schw\u00e4mme<\/a> kommen in den Seegraswiesen vor, von den Lebewesen der Mikrofauna ganz zu schweigen. Die Bl\u00e4tter der Seegr\u00e4ser sind h\u00e4ufig beispielsweise von der <a href=\"http:\/\/azalas.de\/moostierchen\/\">Moostierchen<\/a>-Art <em>Electra posidoniae<\/em> und der kleinen, roten <a href=\"http:\/\/azalas.de\/foraminiferen\/\">Foraminifere <em>Miniacina miniacea<\/em><\/a> bewachsen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/bryozoa\/electra_posidoniae-1.jpg\" alt=\"Electra posidoniae auf Seegras\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Das Moostierchen <em>Electra posidoniae<\/em> w\u00e4chst auf Seegras.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sea\/sea_gras_meadow_pinna-1.jpg\" alt=\"Muschel in Seegraswiese\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Hier steckt eine gro\u00dfe Muschel, vielleicht eine Steckmuschel, in einer Seegraswiese.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/fish\/syngnathus_typhle-2.jpg\" alt=\"Pfeifenfisch\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Der einem Seegras erstaunlich \u00e4hnliche Pfeifenfisch ist auf das Leben in Seegraswiesen spezialisiert.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/fish\/syngnathus_and_sea_grass-1.jpg\" alt=\"Pfeifenfisch und Seegras\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Hier zum Vergleich ein Seegras. Sogar die charakteristischen Winkel des abgestumpften Endes werden vom Pfeifenfisch perfekt nachgeahmt.<\/small><\/p>\n<p><big>A<\/big>u\u00dfer ihrer bedeutenden Rolle als Lebensraum und Sauerstoffproduzent haben die Seegraswiesen auch einen sch\u00fctzenden Effekt auf die K\u00fcsten, da sie den Wellengang effektiv abbremsen. Leider m\u00fcssen die Seegraswiesen Europas sehr unter dem Einfluss des Menschen leiden, insbesondere unter der Schleppnetz-Fischerei, die die Wiesen auf breiten Schneisen verw\u00fcstet. Im Atlantik und der Nordsee wurden die Seegraswiesen schon im letzten Jahrhundert (ab 1930) durch eine Krankheit weitgehend vernichtet, von der sie sich immer noch nicht vollst\u00e4ndig erholt haben.<\/p>\n<p>siehe auch:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/seegraeser\/\">Seegr\u00e4ser, Posidonia und Cymodocea<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/mittelmeer\/\">Das Mittelmeer<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-meerestiere\/\">Die Tiere des Mittelmeeres<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-meerespflanzen\/\">Die Pflanzen des Mittelmeeres<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/infralitoral\/\">Das Infralitoral<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/flora-von-naxos\/\">Flora von Naxos<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf durch die Wellen bewegten Sand- und Schlammb\u00f6den im flachen Meer k\u00f6nnen keine Meerespflanzen gedeihen. Die ersten Pflanzen treten erst ab einigen Metern Tiefe auf, wo die Wellenbewegungen nicht mehr zu stark sind. Besonders typisch f\u00fcr diese Standorte sind die Seegr\u00e4ser. Diese geh\u00f6ren nicht zu den Algen, sondern zu den H\u00f6heren Pflanzen. Im Gegensatz zu [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":60012,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21,11,9,12],"tags":[35,124,1155,1845,125,48,865,1846,1154,1152,1153],"class_list":["post-269","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-meer","category-natur","category-naxos","category-pflanzen","tag-agais","tag-algen","tag-cymodocea-nodosa","tag-meeresflora","tag-meerespflanzen","tag-mittelmeer","tag-naxos","tag-neptunsgras","tag-posidonia-oceanica","tag-seegras","tag-seegraswiesen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/269","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=269"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/269\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":77322,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/269\/revisions\/77322"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/media\/60012"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=269"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=269"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/el\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=269"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}