{"id":2519,"date":"2011-03-14T23:12:17","date_gmt":"2011-03-14T21:12:17","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?page_id=2519"},"modified":"2024-09-13T16:54:16","modified_gmt":"2024-09-13T13:54:16","slug":"naxos-karneval-chora","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/el\/naxos-karneval-chora\/","title":{"rendered":"Karneval auf Naxos"},"content":{"rendered":"<p><big>D<\/big>er Karneval (gr. <em>ap\u00f3kries<\/em> oder <em>karnav\u00e1li<\/em>) hat eine lange Tradition auf Naxos, ja es ist keine gro\u00dfe \u00dcbertreibung, wenn man behauptet, dass er hier besonders zu Hause ist: Unseren heutigen Erkenntnissen zufolge hat er sich aus dem Dionysos-Kult entwickelt, der wiederum auf Naxos besonders fr\u00fch nachzuweisen ist. Es ist bemerkenswert, was f\u00fcr \u00c4hnlichkeiten wir entdecken k\u00f6nnen, wenn wir die antiken Br\u00e4uche zu Ehren des Gottes mit den heutigen Gepflogenheiten beim Karneval sowie mit dem traditionellen Karneval in den D\u00f6rfern von Naxos vergleichen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/traditions\/carnival_chora-1.jpg\" border=\"0\" alt=\"Karnevalsfeiern in Naxos-Stadt, 2011\" \/><br \/>\n<small>Am letzten Freitag der Karnevalszeit findet in der Chora ein Umzug statt, in dem die antiken Prozessionen zu Ehren des Dionysos nachempfunden werden.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/traditions\/carnival_chora-2.jpg\" border=\"0\" alt=\"Karnevalsfeiern in Naxos-Stadt, 2011\" \/><br \/>\n<small>Wie in der Antike nehmen am Umzug M\u00e4naden und Satyrn teil, Wesen aus dem Gefolge des Dionysos.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/traditions\/carnival_chora-3.jpg\" border=\"0\" alt=\"Karnevalsfeiern in Naxos-Stadt, 2011\" \/><br \/>\n<small>Sie sind mit dessen Attributen ausgestattet: Weinlaubkr\u00e4nze und mit Efeu umrankte St\u00e4be; au\u00dferdem tragen sie Fackeln.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/traditions\/carnival_chora-4.jpg\" border=\"0\" alt=\"Karnevalsfeiern in Naxos-Stadt, 2011\" \/><br \/>\n<small>Die Prozession zieht unter Trommelschlagen und wildem Geschrei durch die Stra\u00dfen.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/traditions\/carnival_chora-6.jpg\" border=\"0\" alt=\"Karnevalsfeiern in Naxos-Stadt, 2011\" \/><br \/>\n<small>Der Weingott Dionysos f\u00e4hrt auf einem Wagen; er h\u00e4lt den Thyrsos-Stab (hier kein echter) und trinkt Wein aus dem auf Naxos \u00fcblichen <em>flask\u00ed<\/em>, dem hohlen Flaschenk\u00fcrbis.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/traditions\/carnival_chora-5.jpg\" border=\"0\" alt=\"Karnevalsfeiern in Naxos-Stadt, 2011\" \/><br \/>\n<small>Begleitet wird Dionysos vom in ein Tierfell geh\u00fcllten Pan, dem wilden, angsteinjagenden (&#8220;Panik&#8221;), bocksgestaltigen Anf\u00fchrer der Satyrn mit dem Phallus als Zeichen der Lebenskraft und Fruchtbarkeit. Pan spornt die Satyrn durch Gebr\u00fcll und Tuten auf einem gro\u00dfen Horn an.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/traditions\/carnival_chora-7.jpg\" border=\"0\" alt=\"Karnevalsfeiern in Naxos-Stadt, 2011\" \/><br \/>\n<small>An der <em>Paral\u00eda<\/em> wird ein rituelles Opfer an den Gott Dionysos vollzogen, durch das die Fruchtbarkeit der Natur beschworen werden soll.<\/small><\/p>\n<h3>Der Ursprung des Karnevals: Der Dionysos-Kult<\/h3>\n<p><big>K<\/big>arneval wird heute in vielen weit voneinander entfernten Regionen der Welt gefeiert: Der Karnevals-Brauch wurde mit dem Christentum auf der ganzen Erde verbreitet. Die Karnevals-Feierlichkeiten geh\u00f6ren zu den vielen &#8220;heidnischen&#8221; Br\u00e4uchen, die vom Christentum fast unver\u00e4ndert \u00fcbernommen wurden, in der weisen Einsicht, dass sie f\u00fcr das Volk eine so gro\u00dfe Bedeutung hatten, dass sie nicht auzumerzen waren.<\/p>\n<p><big>E<\/big>s gilt als sicher, dass die heutigen Karnevalsfeiern sich, zumindest im griechischen Raum, aus den Festlichkeiten zu Ehren des Gottes Dionysos entwickelt haben. Dionysos war nicht nur der Gott des Weines und des Rausches, sondern vor allem der Fruchtbarkeit. Somit war er f\u00fcr die einfache, b\u00e4uerliche Bev\u00f6lkerung von au\u00dferordentlicher Bedeutung. Die wichtigsten Feiern zu seinen Ehren wurden zu Beginn des Fr\u00fchlings vollzogen, wenn die Natur wiederauflebte und erbl\u00fchte und die Menschen um eine g\u00fcnstige Ernte baten. Wir besitzen nur l\u00fcckenhafte Informationen \u00fcber die Praktiken und Festlichkeiten des Dionysos-Kultes in der Antike, aber die Parallelen zu den heutigen Karnevals-Gebr\u00e4uchen sind un\u00fcbersehbar.<\/p>\n<p><big>D<\/big>ie Aufnahme der Karnevals-Feiern ins Christentum fand vermutlich schon kurz nach der Zeitenwende in Rom statt. Die R\u00f6mer hatten die entsprechenden Br\u00e4uche wiederum von den Griechen \u00fcbernommen, und begingen ganz \u00e4hnliche Feierlichkeiten, wie sie beispielsweise aus Athen \u00fcberliefert sind.<\/p>\n<h3>Dionysos und die Insel Naxos<\/h3>\n<p><big>D<\/big>ionysos ist wie kein anderer Gott mit der Insel Naxos verbunden. Dem Mythos gem\u00e4\u00df soll er hier von den drei Nymphen der Insel aufgezogen worden sein und Naxos als seine Heimat betrachtet haben. Auf Naxos spielte sich die Episode mit Ariadne (urspr\u00fcnglich eine kretische Nymphe) ab: Hier traf Dionysos auf seine Braut und heiratete sie, und von hier aus zog er sich mit Ariadne auf den Olymp zur\u00fcck, als seine irdischen Abenteuer endeten.<\/p>\n<p><big>A<\/big>uf Naxos l\u00e4sst sich eins der \u00e4ltesten Heiligt\u00fcmer des Dionysos nachweisen: es existierte schon in der mykenischen Periode (etwa 1300 v. Chr.). Dieses Heiligtum befand sich in der Schwemmebene bei der Chora (in Iria), wo sp\u00e4ter dem Dionysos der gr\u00f6\u00dfte Tempel der Kykladen errichtet wurde. Dionysos war somit einer der ersten G\u00f6tter, die in der \u00c4g\u00e4is verehrt wurden; seine Verehrung ist nicht nachtr\u00e4glich in den griechischen Raum eingewandert, wie oftmals angenommen wird. Aus der mykenischen Epoche stammt auch die erste griechische Inschrift, die Dionysos erw\u00e4hnt.<\/p>\n<h3>Der Ursprung des Dionysos-Kultes<\/h3>\n<p><big>D<\/big>er Dionysos-Kult hat sich vermutlich aus der Verehrung von Nymphen entwickelt, ebenfalls G\u00f6ttinen der Fruchtbarkeit und im griechischen Raum wohl die \u00e4ltesten Gottheiten. Die Nymphen wurden als M\u00e4naden in den Dionysos-Kult aufgenommen und zusammen mit Pan, den Satyrn, dem Silen, Eros und weiteren Gestalten des Volksglaubens in das Gefolge des Gottes eingegliedert.<\/p>\n<p><big>A<\/big>ntike griechische Geschichtsschreiber berichten uns, dass schon die fr\u00fchbronzezeitlichen, vorgriechischen Bewohner der Kykladen  im 3. Jahrtausend v. Chr. den Dionysos verehrten. Diese waren (soweit wir wissen) von Osten kommend in den \u00c4g\u00e4israum gelangt und hatten von dort vermutlich den Vorl\u00e4ufer des Dionysos-Kultes mitgebracht. (Eine diesem \u00e4hnliche Religion ist f\u00fcr das 3. Jahrtausend v. Chr. in Sumer (Mesopotamien) nachgewiesen, von wo aus auch viele andere Elemente der mediterranen Kultur in den Mittelmeerraum einwanderten, so etwa der Weinanbau.) Etwa zur selben Zeit ist der Kult auch nach Kreta gelangt (m\u00f6glicherweise kam er dorthin von den Kykladen, ebenso wie andere Bestandteile der Kykladenkultur, oder aus \u00c4gypten, das einen entsprechenden Kult ebenfalls aus Mesopotamien \u00fcbernommen hatte). Auf Kreta erlangte der Weinanbau w\u00e4hrend der Minoischen Epoche (etwa 3.000 bis 1.400 v. Chr.) eine gro\u00dfe Bedeutung. Bei der Eroberung Kretas durch die Mykener wurde der Weinanbau gemeinsam mit dem Vorl\u00e4ufer des Dionysos-Kultes durch die neuen Siedler \u00fcbernommen.<\/p>\n<h3>Die Attribute des Dionysos<\/h3>\n<p><big>D<\/big>er Gott Dionysos oder Bacchus ist vor allem mit der <strong>Weinpflanze<\/strong> verkn\u00fcpft, und der berauschende Wein ist aus seinem Kult nicht wegzudenken. Wichtige Attribute des Gottes sind der Weinstock und der <em>k\u00e1ntharos<\/em>, die elegante, zweihenkelige Trinkschale. Der Wein verk\u00f6rperte in der Vorstellung der Menschen den Dionysos: Durch den Genuss dieses heiligen Getr\u00e4nkes konnten die Anh\u00e4nger des Kultes eine Vereinigung mit dem Gott erreichen. Dieser Aspekt wurde von der christlichen Kirche \u00fcbernommen, in der der Wein das Blut Christi verk\u00f6rpert.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/azalas\/cottages\/veranda-grapes.jpg\" alt=\"Wein und Trauben am Ferienhaus\" border=\"0\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/agriculture\/grapes-1.jpg\" alt=\"Weintrauben bei Apollonas\" border=\"0\"><\/p>\n<p><big>E<\/big>ine weitere eng mit dem Weingott verkn\u00fcpfte Pflanze ist der <strong>Efeu<\/strong>, der den Rausch mildern sollte und mit dem Dionysos und seine Anh\u00e4nger sich bekr\u00e4nzten (hier tauchen zum ersten Mal die in der Antike so beliebten und wichtigen Bekr\u00e4nzungen auf). Als umrankende Kletterpflanze stand der Efeu nicht nur als Symbol f\u00fcr Freundschaft und Treue, weswegen er in der Antike auch f\u00fcr die Brautkr\u00e4nze verwendet wurde, sondern galt aufgrund seiner Lebenskraft auch als Symbol f\u00fcr das Ewige Leben, was ebenfalls im Christentum beibehalten wurde.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/flora\/araliaceae\/hedera_helix-2.jpg\" alt=\"Efeu\" border=\"0\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/traditions\/followers_dionyos_ivy_wreaths.jpg\" alt=\"moderne Anh\u00e4nger des Dionysos mit Efeukr\u00e4nzen\" border=\"0\"><br \/>\n<small>moderne Anh\u00e4nger des Dionysos, mit Efeu bekr\u00e4nzt<\/small><\/p>\n<p><big>E<\/big>in wichtiges Attribut des Dionysos ist au\u00dferdem der sogenannte <em>thyrsos<\/em>-Stab aus dem hohlen und deswegen leichten, aber kr\u00e4ftigen Bl\u00fctenstiel vom <strong>Riesenfenchel<\/strong> <em>(Ferula communis)<\/em>, auf den die weinseligen Anh\u00e4nger des Dionysos-Kultes sich st\u00fctzen konnten, ohne dass sie sich damit gegenseitig verletzen konnten. Auf der Spitze des Thyrsosstabes steckte gew\u00f6hnlich ein Kiefernzapfen, m\u00f6glicherweise, weil der Wein mit dem Harz der Kiefer versetzt wurde, um ihn haltbarer und aromatischer zu machen (dieser Brauch stammte vermutlich vom Abdichten der Weinamphoren mit Kiefernharz  schon w\u00e4hrend der Kykladenepoche).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/traditions\/carnival_apiranthos-7.jpg\" alt=\"Koudounati in Apiranthos mit Thyrsos-St\u00e4ben\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Auch heute verwenden die <em>koudounati<\/em> beim Karneval in Ap\u00edranthos noch die St\u00e4ngel des Riesenfenchels, jetzt <em>s\u00f3mba<\/em> genannt, um sich damit bei den wilden Umz\u00fcgen zu &#8220;verhauen&#8221;.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/flora\/apiaceae\/ferula_communis-2.jpg\" alt=\"Riesenfenchel in Azalas\" border=\"0\"><\/p>\n<p><big>A<\/big>u\u00dfer mit dem Wein wurde Dionysos (insbesondere auf Naxos) auch mit dem <strong>Feigenbaum<\/strong> verbunden, und besa\u00df in dieser Eigenschaft <em>(Dionysos Meilichion)<\/em> ein mildes, gem\u00e4\u00dfigteres Wesen als der ekstatische, weinselige Bacchus.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/agriculture\/fig_leaves-1.jpg\" alt=\"Bl\u00e4tter des Feigenbaumes\" border=\"0\"><\/p>\n<h3>Die antiken Feiern zu Ehren von Dionysos und Ariadne<\/h3>\n<p><big>\u00c4<\/big>hnlich dem G\u00f6ttinnenpaar Demeter und Persephone wurden auch zu Ehren des Fruchtbarkeitsgottes Dionysos und seiner auf Naxos besonders verehrten Gattin Ariadne im Jahreslauf zwei wichtige, gegens\u00e4tzliche Feiern vollzogen.<\/p>\n<p><big>I<\/big>m Herbst wurde im Zuge des Verwelkens der Natur eine Trauerfeier begangen, und im Fr\u00fchjahr mit ihrem Wiederaufleben ein fr\u00f6hliches Fest. Die herbstliche Feier wurde mit dem Pressen der Trauben verkn\u00fcpft, das als Tod des Dionysos (versinnbildlicht durch die Traube), also seinen Abstieg in die Unterwelt, interpretiert wurde (eine \u00e4hnliche Bedeutung hatte im Demeter-Kult das Mahlen des Getreides). Auch f\u00fcr Ariadne wurde im Herbst eine Trauerfeier begangen gem\u00e4\u00df einer Variante des Mythos, in der sie, nachdem Theseus sie auf Naxos verlassen hatte, Selbstmord beging. Aus diesen Trauerfeiern soll sich das christliche Fest Allerseelen Anfang November entwickelt haben, bei der die Menschen ihrer verstorbenen Verwandten gedenken.<\/p>\n<p><big>D<\/big>ie bedeutenderen Feiern des Dionysos fanden im Winter und im Fr\u00fchjahr statt. Wir sind genauer dar\u00fcber unterrichtet, wie sie im Athen der klassischen Epoche begangen wurden. Eine wichtige Festlichkeit war mit dem ersten \u00d6ffnen der Weinkr\u00fcge im Dezember\/Januar verkn\u00fcpft (&#8220;l\u00e4ndliche Dionysien&#8221;): Die Umwandlung des Mostes in Wein wurde als Wiederauferstehung des Gottes verstanden, die dem Wiedererwachen der Natur im Laufe des Winters mit seinen Regenf\u00e4llen entsprach (im Christentum wurde diese Feier in die Wasserweihe (Epiphanias) umgewandelt). Im Januar\/Februar folgten die Len\u00e4en (vom gr. Wort f\u00fcr &#8220;keltern&#8221;, heute erhalten im Wort <em>lino\u00fa<\/em> = Becken f\u00fcr das Treten des Weines) und im Februar\/M\u00e4rz die Anthestiria (von <em>\u00e1nthos<\/em> = Bl\u00fcte), die vor allem durch poetische Wettstreite sowie Auff\u00fchrungen von Kom\u00f6dien und Trag\u00f6dien begangen wurden.<\/p>\n<p><big>B<\/big>ei den letzten Feiern im Fr\u00fchling, den gro\u00dfen &#8220;st\u00e4dtischen&#8221; Dionysien im M\u00e4rz\/April, wurde die Hochzeit des wiederauferstandenen Gottes Dionysos mit Ariadne gefeiert. Bei dieser zog das g\u00f6ttliche Brautpaar auf einem blumengeschm\u00fcckten, schiffs\u00e4hnlichen Karren (in Rom sp\u00e4ter als  <em>carrus navalis<\/em> bezeichnet = Karneval) in die Stadt ein. Der Aspekt der g\u00f6ttlichen Hochzeit und der Einzug auf einem Wagen sind schon von den sumerischen Vorl\u00e4ufern des Dionysos-Kultes \u00fcberliefert.<\/p>\n<p><big>A<\/big>uf Naxos wurden schon der archaischen Periode (6. und 5. Jahrhundert v. Chr.) \u00e4hnliche Festlichkeiten gefeiert wie die hier beschriebenen athenischen; sie waren von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung. Der h\u00f6chste Priester des Dionysos war \u00fcber lange Zeit auch der Regent der Stadt. Es ist denkbar, dass die Br\u00e4uche des Dionysos-Kultes von den Kykladen nach Athen gelangten, ebenso wie beispielsweise auch mehrere Eigenarten der naxiotischen Tempelarchitektur von den Athenern \u00fcbernommen wurden, als Athen zu gr\u00f6\u00dferem Einfluss in der \u00c4g\u00e4is gelangte.<\/p>\n<h3>Die \u00dcbereinstimmungen zwischen dem Dionysos-Kult und Karneval<\/h3>\n<p><big>D<\/big>ie Theorie, dass sich der Karneval aus den Feiern des antiken Dionysos-Kultes entwickelt hat, wird gest\u00fctzt durch die bemerkenswerten \u00dcbereinstimmungen, die sich zwischen beiden Br\u00e4uchen finden lassen.<\/p>\n<p><big>D<\/big>ie wichtigsten gemeinsamen Aspkete der Karnevalsbr\u00e4uche und des Dionysos-Kultes sind die folgenden:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>der Rausch<\/strong>: Heute wie fr\u00fcher betranken sich die Menschen, um sich so von den Zw\u00e4ngen und Sorgen des Alltags zu befreien und in einen ekstatischen Zustand der Gl\u00fcckseligkeit zu gelangen.<\/li>\n<li><strong>die Prozession<\/strong>: Schon w\u00e4hrend der Antike war ein wesentlicher Bestandteil der Feierlichkeiten eine Prozession, entweder von der Stadt zum au\u00dferhalb gelegenen Tempel, oder als Einzug des Gottes auf einem Wagen in die Stadt; dieser Aspekt hat sich in den Wagen des Rosenmontagszuges erhalten.<\/li>\n<li><strong>der L\u00e4rm<\/strong>: Die Prozession wurde von Musik, insbesondere von Trommeln begleitet. Der intensive Rhythmus und der laute, ungehemmte &#8220;Krach&#8221; bei der Prozession hat vermutlich zwei Funktionen: Zum einen sollen die Teilnehmer so dem ekstatischen Zustand n\u00e4her gebracht werden, zum anderen handelt es sich um ein symbolisches Vertreiben der b\u00f6sen Geister bzw. des Winters.<\/li>\n<li><strong>die Maske<\/strong>: Die Maske war ein wichtiges Attribut des Gottes Dionysos. Sie wurde zun\u00e4chst von den Chors\u00e4ngern bei den Feierlichkeiten zu seinen Ehren getragen; aus diesen Chorges\u00e4ngen entwickelte sich das antike Theaterspiel, bei dem die Schauspieler ebenfalls Masken trugen. Heute noch sind Maske und Verkleidung nicht wegzudenkender Bestandteil des Karnevals.<\/li>\n<li><strong>der Spott<\/strong>: Von Naxos ist schon aus der Antike \u00fcberliefert, dass die Menschen im Zuge der Feiern zu Ehren des Gottes die Reichen und M\u00e4chtigen verspotteten und ihre S\u00fcnden anprangerten, wie man es auch heute zu Karneval noch ungestraft tun darf. Auch in den w\u00e4hrend der Dionysien vorgetragenen Kom\u00f6dien spielte der Spott eine wichtige Rolle.<\/li>\n<li><strong>die Gleichstellung<\/strong>: Schon aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. ist aus Sumer \u00fcberliefert, dass im Winter ein Fest gefeiert wurde, bei dem Sklaven und Reiche gleichgestellt waren. Dieser Aspekt war auch ein zentraler Punkt der r\u00f6mischen Saturnalien, die sich aus den griechischen Dionysien entwickelt hatten: Sklaven und Besitzer sa\u00dfen f\u00fcr die Feiertage am gleichen Tisch und hatten gleiche Rechte. Im christlichen Mittelalter tauschten in der Karnevalszeit die Adeligen und ihre Bediensteten f\u00fcr einen Tag die Pl\u00e4tze.<\/li>\n<\/ul>\n<p><big>B<\/big>ei den traditionellen Karnevalsfeiern auf Naxos, wie sie bis etwa zur Mitte des letzten Jahrhunderts durchgef\u00fchrt wurden, tauchen ferner folgende Aspekte auf, die direkt den antiken Dionysos-Feiern entspringen:<\/p>\n<ul>\n<li>W\u00e4hrend der traditionellen Feiern brachte die Dorfbev\u00f6lkerung einen &#8220;Toten&#8221; in einem Sarg zum Friedhof, wo dieser unter gro\u00dfem Hallo und Gel\u00e4chter aus dem Sarg &#8220;wiederauferstand&#8221;. Das entspricht einem Kernpunkt der antiken Mythen und Feiern des Dionysos: der Abstieg des Gottes zum Totenreich und seine <strong>Wiederauferstehung<\/strong>, somit sein Sieg \u00fcber den Tod.<\/li>\n<li>Am Karneval in Apiranthos tritt ein Brautpaar auf, dessen &#8220;Hochzeit&#8221; w\u00e4hrend der Feierlichkeiten vollzogen wird. Auch dieses ist ein wesentlicher Bestandteil schon der antiken Feiern. Im Fr\u00fchjahr wurde ein fr\u00f6hliches Fest begangen, bei der die <strong>g\u00f6ttliche Hochzeit<\/strong> des Gottes mit Ariadne gefeiert wurde, durch die Dionysos wieder ganz ins Leben gerufen wurde. Diese Hochzeit spielte auch eine entscheidende Rolle bei den Feiern zu Ehren des Dionysos in Athen (&#8220;gro\u00dfe Dionysien&#8221;) und sp\u00e4ter in Rom.<\/li>\n<li>Fr\u00fcher brachten die Bauern zu den Feierlichkeiten einen Pflug auf den Dorfplatz, mit dem symbolisch gepfl\u00fcgt wurde. Mit diesem Ritual sollte eine <strong>gute Ernte<\/strong> erbeten werden.<\/li>\n<li>Au\u00dferdem taucht als wichtige Figur eine alte Frau auf, die einen Korb tr\u00e4gt; auch diese ist schon f\u00fcr die antiken Riten bezeugt. Der Korb soll eine <strong>Opfergabe<\/strong> an den Gott versinnbildlichen.<\/li>\n<li>Das Schlachten der Eber, das traditionellerweise am ersten Samstag der Karnevalszeit durchgef\u00fchrt wird, ist ebenfalls als rituelles <strong>Opfer<\/strong> zu verstehen; noch heute wird es auf den D\u00f6rfern als besondere Feierlichkeit begangen.<\/li>\n<li>An den Feiern nehmen mit Ziegenfellen bekleidete Figuren teil, die den Satyrn des Dionysos-Kultes entsprechen. Ebenso wie der eher kretische Stier war der <strong>Ziegenbock als Symbol der Lebenskraft<\/strong> ein wichtiger Bestandteil des Dionysos-Kultes. Er versinnbildlicht das &#8220;tierische&#8221;, unb\u00e4ndige Innere des Menschen (das Unterbewusste), das bei den Riten zu Ehren des Gottes mithilfe des Rausches, des ekstatischen Tanzes und der Maskierung befreit wird.<\/li>\n<li>W\u00e4hrend der Antike wurden zu den Dionysien poetische Wettstreite durchgef\u00fchrt und Theaterst\u00fccke aufgef\u00fchrt, hier ist der Ursprung der Kom\u00f6die (=&#8221;singender Umzug&#8221;), der Trag\u00f6die (von <em>tr\u00e1gos<\/em>, Ziegenbock) und des Theaters allgemein zu suchen. Inhalt der Kom\u00f6dien war h\u00e4ufig eine Verspottung bestimmter gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse. Auch heute noch wird in Apiranthos wie auch anderswo zur Karnevalsfeier ein Gedicht vorgetragen, in dem politische und gesellschaftliche Missst\u00e4nde \u00f6ffentlich angeprangert und verspottet werden.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Die Bedeutung des Dionysos-Kultes<\/h3>\n<p><big>D<\/big>er Dionysos-Kult hatte eine sehr wichtige Funktion im Leben der Menschen. Wir wissen aus manchen Quellen aus der Antike, dass bestimmte Rituale des Dionysos-Kultes zur <strong>Initiation<\/strong> der Jugendlichen, also ihrer Aufnahme als vollwertige Mitglieder in die Gesellschaft, vollzogen wurden. Leider sind zu wenig Informationen erhalten, als dass wir uns ein klares Bild davon machen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><big>A<\/big>uch was den zweiten Aspekt des Dionysos-Kultes betrifft, tappen wir teilweise im Dunkeln: seine Funktion zur <strong>Vorbereitung der Menschen auf ihren Tod<\/strong>. Dionysos hatte eine enge Verbindung zur Unterwelt; er war der Gott, der in den Hades hinabgestiegen und wieder auferstanden war (auch diese Idee wurde sp\u00e4ter vom Christentum \u00fcbernommen). Eng mit dem Dionysos-Kult verwandt ist der Kult der Demeter. In den ihr gewidmeten Eleusinischen Mysterien erlangten die Menschen in einem Ritual, das sie nur einmal in ihrem Leben nach langer Vorbereitung durchf\u00fchren durften, als sehr wichtig und einzigartig erachtete Erfahrungen, die ihnen halfen, die Angst vor dem Tod zu \u00fcberwinden und ihr eigenes Leben neu zu sehen; durch die Teilnahme an den Mysterien erlangten sie durch die Vereinigung mit den G\u00f6ttern das Anrecht auf ein Weiterleben nach dem Tode.<\/p>\n<p><big>B<\/big>ei den Eleusinischen Mysterien steht die G\u00f6ttin Demeter f\u00fcr den weiblichen Aspekt der (Wieder-)Geburt, w\u00e4hrend der dionysische Aspekt den m\u00e4nnlichen Gegenpol der Befruchtung, aber auch des Todes und der Unterwelt darstellt. Dem antiken Mythos gem\u00e4\u00df ist es Dionysos, der Demeters Tochter Persephone in den Hades entf\u00fchrt (sie pfl\u00fcckt eine Narzisse, gr. <em>n\u00e1rkissos<\/em> (<em>&#8220;n\u00e1rki&#8221;<\/em> = Schlaf\/Rausch und <em>&#8220;kiss\u00f3s&#8221;<\/em> = Efeu). Die Entf\u00fchrung der Persephone durch Dionysos zerst\u00f6rt durch den Beginn des Winters bzw der ung\u00fcnstigen Jahreszeit die urspr\u00fcnglich gleichbleibende Harmonie der Natur\/der Welt (entspricht der Vertreibung aus dem Paradies), die jedoch durch das Wiederaufleben der Natur im Fr\u00fchling wiederhergestellt wird. Da Persephone in der Unterwelt von einem Granatapfel gegessen hat (Symbol der Fruchtbarkeit sowie der Ehe), darf sie die Unterwelt nicht mehr ganz verlassen, sondern muss den Totengott Hades heiraten.  Nur f\u00fcr je die H\u00e4lfte des Jahres darf sie zur\u00fcck zu ihrer Mutter auf die Erde. So erkl\u00e4rten sich die Menschen den jahreszeitlichen Wechsel von Absterben und Aufbl\u00fchen der Natur.<\/p>\n<p><big>W<\/big>ir wissen nicht genau, was bei den Eleusinischen Mysterien vor sich ging &#8211; schlie\u00dflich war es ein Geheimkult. Es ist klar \u00fcberliefert, dass die Teilnehmer eine Erkenntnis gewannen oder verinnerlichten, die f\u00fcr ihr ganzes Leben sehr bedeutsam war, und die sie auf ihren Tod vorbereitete. Daf\u00fcr wurden wahrscheinlich rauscherzeugende Mittel benutzt, vermutlich das Mutterkorn, das Geburts- oder Todes-\u00e4hnliche Empfindungen ausl\u00f6sen kann. Von gro\u00dfer Bedeutung ist sicher der Zusammenhang, der zwischen dem eigenen Tod und dem allj\u00e4hrlichen Absterben und Wiederaufleben der Vegetation gesehen wurde: Es kann kein Zufall sein, dass derartige Mysterien im Kult der beiden wichtigsten Vegetationsg\u00f6tter, der Demeter und des Dionysos, auftreten. Der Kern der Sache war m\u00f6glicherweise die Erkenntnis, dass ebenso wie in der Natur auch im menschlichen Leben und in der Gesellschaft die neue Geburt nur durch die Existenz des Todes erm\u00f6glicht wird, dass wir durch unseren Tod &#8220;Platz machen&#8221; f\u00fcr eine neue, j\u00fcngere, &#8220;lebendigere&#8221; Generation; dass also aus dem Tod neues Leben entspringt.<\/p>\n<p><big>E<\/big>in weiterer, zentraler Aspekt des Dionysos-Kultes f\u00fcr die Menschen lag in seiner Funktion der <strong>Befreiung<\/strong>. Dionysos war der Gott, der alle Unterdr\u00fcckten, Sklaven, Unfreie, Frauen und Arme, befreite. Durch ihn wurde die bestehende Ordnung in Natur und Gesellschaft umgest\u00fcrzt. Durch das Austauschen der Rollen von Dienern und Herren bzw. durch die vor\u00fcbergehende Gleichwertigkeit im Zuge der Feierlichkeiten sollten beide Seiten ihrer Rollen bewusster werden und die Zust\u00e4nde gewisserma\u00dfen von au\u00dfen betrachten. Dadurch sollten (ebenso wie durch den in dieser Zeit erlaubten Spott und das Anprangern von Vergehen) Missst\u00e4nde korrigiert werden; es wurde eine Verbr\u00fcderung der unterschiedlichen Pole der Gesellschaft angestrebt. Das tiefere gesellschaftliche Ziel der Befreiung und des Umsturzes beim Dionysos-Kult war also sicher kein Zur\u00fcckfallen ins &#8220;tierische&#8221; Chaos, sondern das Erreichen einer h\u00f6heren Ordnung, einer gr\u00f6\u00dferen Harmonie: Eine Umw\u00e4lzung, eine durchgreifende Verbesserung oder Weiterentwicklung kann nur durch eine Zerst\u00f6rung des Alten und somit meist durch einen vor\u00fcbergehenden chaotischen Zustand erreicht werden.<\/p>\n<p><big>I<\/big>m Dionysos-Kult wurde der Teilnehmer durch den Rausch, den L\u00e4rm und den wilden Tanz in Ekstase versetzt und dadurch &#8220;entfesselt&#8221;, befreit; auch die Maske und Verkleidung hatten eine wichtige Funktion bei dieser &#8220;Befreiung&#8221;. In diesem Zustand wurde das durch die Zw\u00e4nge der Zivilisation unterdr\u00fcckte Unterbewusstsein der Menschen wiederbelebt. Der Teilnehmer erlebte diese Befreiung als R\u00fcckkehr zur <strong>Harmonie<\/strong> mit der Natur und auch mit den Mitmenschen (im Sinne von Jung: das kollektive Unterbewusstsein wurde erweckt, ein &#8220;kosmischer Bewusstseinszustand&#8221; erreicht). Das einmal im Jahr bei den Dionysien bzw beim Karneval erlaubte Ausleben der Sehnsucht nach Freiheit und Gleichstellung hatte nicht eine Aufl\u00f6sung der Gesellschaft zur Folge, sondern machte diese eigentlich erst \u00fcberlebensf\u00e4hig, indem es dieses Bed\u00fcrfnis nach Freiheit durch das kontrollierte Abreagieren b\u00e4ndigte und die Menschen in einen nat\u00fcrlicheren, harmonischeren Seelenzustand brachte. (Wir sollten bei der Analyse dieser Verh\u00e4ltnisse nicht vergessen, dass die Menschen damals noch in einer j\u00fcngeren, der Natur noch viel n\u00e4heren Gesellschaft lebten).<\/p>\n<p><big>N<\/big>at\u00fcrlich war f\u00fcr den antiken Teilnehmer an den Riten der Fruchtbarkeitskulte kein logisches Bewusstmachen dieser Zusammenh\u00e4nge erforderlich. Die im Dionysos- und im Demeter-Kult verwendeten, archetypischen Symbole wurden von den Menschen intuitiv verstanden.<\/p>\n<h3>Karneval im Christentum<\/h3>\n<p><big>S<\/big>chon w\u00e4hrend der Antike, noch mehr aber nach der Ausbreitung des Christentums wurden die dionysischen Br\u00e4uche zunehmend als barbarisch, brutal, unkontrolliert erotisch ge\u00e4chtet. Sicher hat es diesen Aspekt in der Verehrung des Dionysos gegeben, und es scheint, dass in den sp\u00e4teren Zeiten auch Ekzesse in den Br\u00e4uchen zunahmen. Sie stellen aber keinesfalls den Kernpunkt des Kultes dar und sind aller Wahrscheinlichkeit nach von der gesellschaftlichen Obrigkeit, die um ihre Existenz f\u00fcrchtete, \u00fcbertrieben dargestellt worden.<\/p>\n<p><big>I<\/big>m Gegensatz zum Dionysos-Kult, der die Lebenskraft, die Jugend und die Lebensfreude ganz bejahte und daraus seine Energie bezog, suchte die christliche Religion sich dem Gott durch Askese und Meditation anzun\u00e4hern. Entsprechend wurden die dionysischen Wesen und Riten durch die neue Religion verteufelt und verdammt. Unterst\u00fctzt wurde das, wie schon dargestellt, von den Vertetern der gesellschaftlichen Oberschicht, die nat\u00fcrlich im eigenen Interesse alle Umst\u00fcrze und Ver\u00e4nderungen, sei es auch in Richtung einer besseren Gesellschaft, ablehnten. Es ist jedenfalls sicher kein Zufall, dass der Antichrist einem Satyr in seiner Bocksgestalt so \u00e4hnlich ist. (Es kann nat\u00fcrlich auch sein, dass die Logik genau andersherum funktionierte und dass das Christentum eben wegen der im Dionysos-Kult stattfindenden Ekzesse eine so asketische Ausrichtung annahm &#8211; so vermutet und beschreibt es jedenfalls Alexis Sorbas im gleichnamigen Buch von Nikos Kazantzakis.)<\/p>\n<p><big>T<\/big>rotz aller Bem\u00fchungen konnten die der Bev\u00f6lkerung wichtigsten &#8220;heidnischen&#8221; Br\u00e4uche wie der Karneval allerdings nicht ganz ausgel\u00f6scht werden; stattdessen wurden sie ins Christentum aufgenommen und dadurch &#8220;gez\u00e4hmt&#8221; und umgedeutet. So wurde der Karneval im Christentum als Ventil beibehalten, in dem die unterdr\u00fcckte, heidnische, dionysische Lebensfreude und -kraft sich kurzfristig wieder \u00e4u\u00dfern durfte.<\/p>\n<p>weiter: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-karneval-apiranthos\/\">Ein besonderer Karnevals-Brauch in Apiranthos: die Koudounati<\/a><\/p>\n<p>siehe auch:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-traditionen\/\">Dorftraditionen und Historisches<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-dionysos\/\">Dionysos und die Insel Naxos<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-portara-und-apollon-tempel\/\">Die Portara und der Apollon-Tempel in der Chora (mit einem Vergleich Apollon &#8211; Dionysos<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-kathari-devtera\/\">Rosenmontag &#8211; Kathari Devtera<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-ostern\/\">Ostern<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n<p>verwendete Literatur: <\/p>\n<ul>\n<li>Fani Tripet-Pedis: \u039f\u03b9 \u03b1\u03c1\u03c7\u03b1\u03af\u03b5\u03c2 \u03bc\u03b1\u03c1\u03c4\u03c5\u03c1\u03af\u03b5\u03c2 \u03b3\u03b9\u03b1 \u03c4\u03b7 \u03bb\u03b1\u03c4\u03c1\u03b5\u03af\u03b1 \u03c4\u03bf\u03c5 \u0394\u03b9\u03bf\u03bd\u03cd\u03c3\u03bf\u03c5 \u03c3\u03c4\u03b7 \u039d\u03ac\u03be\u03bf, in: \u0397 \u039d\u03ac\u03be\u03bf\u03c2 \u03b4\u03b9\u03b1 \u03bc\u03ad\u03c3\u03bf\u03c5 \u03c4\u03c9\u03bd \u0391\u03b9\u03ce\u03bd\u03c9\u03bd,  \u03a0\u03c1\u03b1\u03ba\u03c4\u03b9\u03ba\u03ac \u03c4\u03bf\u03c5 \u0391 \u03a0\u03b1\u03bd\u03b5\u03bb\u03bb\u03ae\u03bd\u03b9\u03bf\u03c5 \u03a3\u03c5\u03bd\u03ad\u03b4\u03c1\u03b9\u03bf\u03c5, \u0395\u03c0\u03b9\u03bc\u03ad\u03bb\u03b5\u03b9\u03b1: \u0399\u03c9\u03ac\u03bd\u03bd\u03b7\u03c2 \u039a. \u03a0\u03c1\u03bf\u03bc\u03c0\u03bf\u03bd\u03ac\u03c2, \u03a3\u03c4\u03ad\u03c6\u03b1\u03bd\u03bf\u03c2 \u0395. \u03a8\u03b1\u03c1\u03c1\u03b1\u03c2, \u0391\u03b8\u03ae\u03bd\u03b1 1994<\/li>\n<li>Sofia Spaneli: \u039f \u03b8\u03b5\u03cc\u03c2 \u0394\u03b9\u03cc\u03bd\u03c5\u03c3\u03bf\u03c2, in: \u0391\u03c1\u03c7\u03b1\u03c4\u03cc\u03c2, \u03a4\u03c1\u03b9\u03bc\u03b7\u03bd\u03b9\u03b1\u03af\u03b1 \u03ad\u03ba\u03b4\u03bf\u03c3\u03b7 \u03b3\u03b9\u03b1 \u03c4\u03b7 \u039d\u03ac\u03be\u03bf, \u039d.\u0399. \u039b\u03b5\u03b2\u03bf\u03b3\u03b9\u03ac\u03bd\u03bd\u03b7\u03c2, \u03c4\u03b5\u03cd\u03c7\u03bf\u03c2 3, 2006<\/li>\n<\/ul>\n<p>zum Weiterlesen:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dionysos\">Wikipedia: Dionysos<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geschichte_des_Weinbaus_in_Griechenland\">Wikipedia: Geschichte des Weinbaus in Griechenland<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Dionysian_Mysteries\">Wikipedia: Dionysian Mysteries (engl.)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dionysien\">Wikipedia: Dionysien<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/pharmakeia.com\/mysterien_von_eleusis.htm\">Pharmakeia: Die Mysterien von Eleusis<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/isisandosiris.wandlungen.org\/page\/2\/\">Isisandosiris: Antike Mysterien<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Karneval (gr. ap\u00f3kries oder karnav\u00e1li) hat eine lange Tradition auf Naxos, ja es ist keine gro\u00dfe \u00dcbertreibung, wenn man behauptet, dass er hier besonders zu Hause ist: Unseren heutigen Erkenntnissen zufolge hat er sich aus dem Dionysos-Kult entwickelt, der wiederum auf Naxos besonders fr\u00fch nachzuweisen ist. 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