{"id":163,"date":"2009-03-16T23:27:32","date_gmt":"2009-03-16T21:27:32","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?page_id=163"},"modified":"2026-01-09T13:36:36","modified_gmt":"2026-01-09T11:36:36","slug":"mittelmeer-anforderungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/el\/mittelmeer-anforderungen\/","title":{"rendered":"Die Anforderungen des Meeres an seine Bewohner"},"content":{"rendered":"<p><big>D<\/big>as Meer stellt als Medium deutlich andere Anforderungen an die Organismen als die Luft. Zun\u00e4chst einmal ist nat\u00fcrlich das unbegrenzte Wasserangebot von Bedeutung. Alle Organismen brauchen Wasser &#8211; sie bestehen zu einem gro\u00dfen Anteil aus Wasser. Landorganismen m\u00fcssen deswegen einen entsprechend der Trockenheit ihres Lebensraums unterschiedlich effektiven Verdunstungsschutz besitzen. Wasserlebewesen k\u00f6nnen auf diesen verzichten, abgesehen von den Organismen des zeitweise trockenfallenden K\u00fcstenstreifens.<\/p>\n<p><big>S<\/big>auerstoff und Kohlendioxid stehen auch im Wasser zur Verf\u00fcgung, Sauerstoff allerdings in den tieferen Meeresschichten eventuell nur in geringer Menge oder sogar gar nicht, was dann das Leben dort unm\u00f6glich macht (au\u00dfer f\u00fcr Bakterien). Der <strong>Sauerstoffgehalt<\/strong> des Wassers h\u00e4ngt von der Durchmischung durch Wellen, Winde und Gezeitenst\u00f6me ab sowie von der Temperatur: Warme Meere sind sauerstoff\u00e4rmer, weil bei h\u00f6heren Temperaturen weniger Sauerstoff im Wasser l\u00f6slich ist. Viele einfachere Meeresorganismen nehmen den Sauerstoff aus dem Wasser \u00fcber ihre gesamte Oberfl\u00e4che auf; andere Meerestiere besitzen spezielle Atemorgane, die Kiemen. Diese sind sehr empfindlich gegen Austrocknung und zur Sauerstoffaufnahme aus der Luft ungeeignet, so dass die Tiere an Land schnell zugrunde gehen. Die im Wasser lebenden Reptilien und S\u00e4ugetiere, die Lungen besitzen und nur an der Luft atmen k\u00f6nnen, m\u00fcssen regelm\u00e4\u00dfig zum Luftholen auftauchen. Kohlendioxid steht im Meer \u00e4hnlich zur Verf\u00fcgung wie in der Luft: Es besteht ein Gleichgewicht zwischen dem in der Luft befindlichen und dem im Wasser gel\u00f6sten Kohlendioxid.<\/p>\n<p><big>W<\/big>asser (insbesondere Salzwasser) tr\u00e4gt aufgrund seiner h\u00f6heren <strong>Dichte<\/strong> wesentlich besser als Luft. Somit k\u00f6nnen Meeresorganismen wesentlich einfacher im Wasserraum schweben als Lufttiere fliegen k\u00f6nnen, und es gibt eine Unzahl von Arten, die an dieses schwebende Leben im Wasserraum angepasst sind. Die schwebenden Organismen besitzen oft Gas- oder \u00d6lblasen, mit deren Hilfe sie ihren Auftrieb regulieren. Organismen ohne solche Einrichtungen sinken langsam ab, bremsen aber oft die Sinkgeschwindigkeit durch Fallschirm-artige Forts\u00e4tze. Wasserpflanzen (und auch -tiere) brauchen entsprechend des Auftriebs einen wesentlich geringer ausgebildeten St\u00fctzapparat als Landpflanzen.<\/p>\n<p><big>D<\/big>ie f\u00fcr die Ern\u00e4hrung der Pflanzen wichtigen <strong>N\u00e4hrsalze<\/strong> sind im Wasser l\u00f6slich. Entsprechend brauchen Meerespflanzen ihre Wurzeln nur zur Verankerung im Boden, w\u00e4hrend sie N\u00e4hrstoffe gr\u00f6\u00dftenteils direkt aus dem Wasser aufnehmen. In den obersten, lichtreichen Schichten des Wasserraumes leben in gro\u00dfen Mengen mikroskopische, meist einzellige Algen, die Photosynthese betreiben, aber auch zahlreiche Bakterien. Diese Prim\u00e4rproduzenten stellen die Lebensgrundlage f\u00fcr die tierischen Organismen des Planktons. Aufgrund der \u00fcberall gleichm\u00e4\u00dfig verteilten Mineralsalze k\u00f6nnen sie st\u00e4ndig schwebend im Wasserraum leben.<\/p>\n<p><big>D<\/big>ie tierischen Organismen k\u00f6nnen keine Photosynthese betreiben und sind darum auf das Verzehren von <strong>organischer Substanz<\/strong> angewiesen. Die einfachste Art der Ern\u00e4hrung verwirklichen manche mikroskopischen Arten des Zooplanktons: Sie nehmen einfach von Algen und Bakterien abgegebene, im Meerwasser gel\u00f6ste organische Substanzen auf. Eine unsch\u00e4tzbare Nahrungsquelle f\u00fcr zahlreiche Meerestiere bildet das Plankton, also die frei treibenden einzelligen Algen, die Kleintiere des Zooplanktons sowie auch die in gewaltigen Mengen produzierten und zum Plankton geh\u00f6renden Eier und Larven der meisten gr\u00f6\u00dferen Meerestiere. Entsprechend ern\u00e4hrt sich ein gro\u00dfer Anteil der Meerestierarten durch Filtrieren des Meerwassers bzw. Einfangen des Planktons mittels Fangf\u00e4den. Im Gegensatz zum Land, wo die Pflanzenfresser weit \u00fcberwiegen und wo es nur wenige Fleischfresser gibt, die von anderen Fleischfresser leben, ist die Nahrungskette im Meer sehr lang: Ein viel gr\u00f6\u00dferer Anteil der Meeresbewohner lebt r\u00e4uberisch, und jeder Fleischfresser wird wiederum selbst von gr\u00f6\u00dferen Fleischfressern gefressen. Zahlreiche Meerestiere ern\u00e4hren sich au\u00dferdem vom Detritus, das hei\u00dft von abgestorbenen Organismen, die auf den Meeresboden sinken oder am Strand angesp\u00fclt werden, andere weiden die Algen des Untergrundes ab.<\/p>\n<p><big>V<\/big>iele der Arten, die sich vom Plankton ern\u00e4hren, sind <strong>sessil<\/strong> (festsitzend). Sie brauchen zur Nahrungsaufnahme weder Fortbewegungs- noch Sinnesorgane und haben oft einen sehr einfachen K\u00f6rperbau. Nur die Fortpflanzung wird durch diese Lebensweise erschwert: Die sessilen Organismen (Tiere wie Pflanzen) m\u00fcssen ihre Ei- und Samenzellen zur Befruchtung beziehungsweise Verbreitung frei in das Wasser abgeben. Dazu sind sehr gro\u00dfe Mengen an Ei- und Samenzellen erforderlich. Viele Organismen stimmen das Freisetzen zeitlich genau ab, um die Wahrscheinlichkeit der Befruchtung zu erh\u00f6hen. Die Fortpflanzungszellen sowie die Larven der sessilen Organismen stellen einen gro\u00dfen Teil des Planktons und tragen somit ganz entscheidend zum Reichtum des Meeres bei.<\/p>\n<p><big>D<\/big>ie sessilen Meerestiere brauchen zwar keine Fortbewegungs- und Sinnesorgane und entsprechend ihrer leicht verdaulichen Nahrung auch nur gering ausgebildete Verdauungsorgane, ben\u00f6tigen jedoch einen guten Schutz vor Fressfeinden, da sie sich diesen nicht durch Flucht entziehen k\u00f6nnen. Entsprechend besitzen sie viele effektive Einrichtungen zu ihrem Schutz, insbesondere harte Schalen und Au\u00dfenskelette, Stacheln und giftige oder ungenie\u00dfbare Inhaltsstoffe. Viele der r\u00e4uberischen Tierarten haben spezielle F\u00e4higkeiten und Anpassungen entwickelt, mit denen sie die Schutz- und Abwehrma\u00dfnahmen ihrer Beute \u00fcberwinden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><big>A<\/big>u\u00dfer den sessilen Tieren ern\u00e4hren sich auch viele freischwimmende, teilweise sehr gro\u00dfe Arten vom Plankton, so die Wale und viele Fischarten. Auch sie brauchen ihre Nahrung nicht speziell einzufangen oder aufzusuchen, sondern praktisch nur mit offenem Maul umherzuschwimmen. Im Gegensatz dazu ben\u00f6tigen die r\u00e4uberischen Fischarten, die sich von anderen freischwimmenden Arten ern\u00e4hren, gute Sinnesorgane und eine hohe Beweglichkeit, ebenso wie auch ihre Beute, deren \u00dcberleben von ihrer F\u00e4higkeit, den R\u00e4ubern zu entkommen, abh\u00e4ngt. Viele kleinere Fische schwimmen in gro\u00dfen Schw\u00e4rmen, wo sie aufgrund ihrer hohen Zahl bessere \u00dcberlebenschancen haben als ein einzeln schwimmender Fisch.<\/p>\n<p><big>D<\/big>ie meisten Algen und Tange werden aufgrund ihrer ungenie\u00dfbaren Inhaltsstoffe kaum gefressen. Viele Algen sind au\u00dferdem durch Kalkeinlagerungen sehr hart. Entsprechend gibt es (im Vergleich zu den Verh\u00e4ltnissen an Land) nur relativ wenige (ausschlie\u00dfliche) Pflanzenfresser im Meer, und die meisten Pflanzen k\u00f6nnen sich (abgesehen von der Raumkonkurrenz und dem \u00dcberwuchern durch ihre Nachbarn) ungehindert entwickeln, bis sie einen Alterstod sterben. Entsprechendes gilt auch f\u00fcr die meisten sessilen Tierarten. Diese Verh\u00e4ltnisse beg\u00fcnstigen beispielsweise auch die Entstehung von gro\u00dfen Algenw\u00e4ldern oder Korallenriffen. Es gibt allerdings auch eine Reihe von Tierarten, die sich speziell daran angepasst haben, den Algenbewuchs des Untergrundes abzuschaben.<\/p>\n<p><big>D<\/big>ie Felsw\u00e4nde im Meer sind oft von unz\u00e4hligen pflanzlichen und sessilen tierischen Organismen so dicht bewachsen, dass man das Substrat nicht mehr erkennen kann. Die verschiedenen Arten wie Schw\u00e4mme, Kalkalgen, Moostierchen und R\u00f6hrenw\u00fcrmer \u00fcberwachsen sich gegenseitig und bilden ein kompliziertes, buntes Mosaik, das auch im Mittelmeer manchmal fast wie ein Riff aussieht und einer Unzahl von kleineren und gr\u00f6\u00dferen Organismen Versteckm\u00f6glichkeiten, gesch\u00fctzte Nischen und spezielle Lebensr\u00e4ume bietet. Entsprechend sind die Felsw\u00e4nde des Meeres einer der reichsten Lebensr\u00e4ume des Erde. Ganz anders sind die Verh\u00e4ltnisse am horizontalen Meeresboden, auf dem meist nur wenige oder gar keine sessilen Arten existieren k\u00f6nnen, weil sie durch die stetige Sedimentation von in das Meer eingetragener Erde oder auch von Detritus und anderen Sinkstoffen zugesch\u00fcttet werden. <\/p>\n<p>weiter: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/mittelmeer-zonierung\/\">Die Zonierung des Mittelmeeres<\/a><\/p>\n<p>zur\u00fcck: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/mittelmeer-einfuehrung\/\">Das Mittelmeer<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Meer stellt als Medium deutlich andere Anforderungen an die Organismen als die Luft. Zun\u00e4chst einmal ist nat\u00fcrlich das unbegrenzte Wasserangebot von Bedeutung. Alle Organismen brauchen Wasser &#8211; sie bestehen zu einem gro\u00dfen Anteil aus Wasser. 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