{"id":1552,"date":"2010-08-05T07:44:07","date_gmt":"2010-08-05T04:44:07","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?page_id=1552"},"modified":"2024-11-03T21:25:17","modified_gmt":"2024-11-03T19:25:17","slug":"naxos-portara-und-apollon-tempel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/el\/naxos-portara-und-apollon-tempel\/","title":{"rendered":"Die Portara und der Apollon-Tempel in der Chora"},"content":{"rendered":"<p><big>W<\/big>ahrzeichen der Insel Naxos ist das gigantische antike Tempeltor, die Port\u00e1ra. Es steht un\u00fcbersehbar auf der kleinen, \u00fcber eine Mole mit dem Land verbundenen Insel Pal\u00e1tia (= &#8220;Palastinsel&#8221;), und begr\u00fc\u00dft jeden Besucher schon bei der Ankunft im Hafen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/villages\/chora_palatia_view-1.jpg\" border=\"0\" alt=\"Insel Palatia, Chora Naxos\"><br \/>\n<small>Blick auf die Insel Pal\u00e1tia von der Hafenmole aus<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/villages\/chora_palatia-1.jpg\" border=\"0\" alt=\"Insel Palatia, Chora Naxos\"><br \/>\n<small>Die Insel ist mit der Ch\u00f3ra durch eine Mole verbunden.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/portara-2.jpg\" border=\"0\" alt=\"Blick vom Apollon-Tempel auf die Chora, Naxos\"><br \/>\n<small>Blick von der Port\u00e1ra auf die Ch\u00f3ra mit dem venezianischen Kastro; im Hintergrund ist der Zeus-Berg zu sehen.<\/small><\/p>\n<h3>Der Apollon-Tempel<\/h3>\n<p><big>D<\/big>as monumentale Tempeltor, das &#8220;Tor an sich&#8221;, besteht aus vier etwa 6 Meter langen und \u00fcber 1 Meter dicken Marmorbl\u00f6cken, die immerhin je knapp 20 Tonnen wiegen. Es geh\u00f6rt zu einem nur noch in wenigen Fundamenten erhaltenen <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-archaische-epoche\/\">archaischen<\/a> Tempel, der um 530 v. Chr. begonnen, jedoch nie ganz vollendet wurde. Er war dem Gott Apollon geweiht, dem Gott der K\u00fcnste und Wissenschaften, aber auch des Ackerbaus und der Vegetation sowie der Orakel, der Heilkunst und des Lichts, der auf seiner nahegelegenen Geburtsinsel <a href=\"http:\/\/azalas.de\/delos\/\">Delos<\/a> und in <a href=\"http:\/\/azalas.de\/delfi\/\">Delfi<\/a> seine Hauptheiligt\u00fcmer hatte. Die Naxier hatten auf Delos bedeutende Bauwerke und Statuen errichtet: die L\u00f6wenallee, den Oikos und die Stoa der Naxier, die Statue der Artemis und den 9 Meter hohen Apollon-Koloss, die gr\u00f6\u00dfte je in Griechenland aufgestellte Marmorstatue. In der ersten Phase der archaischen Epoche hatten die Naxier die Vorherrschaft \u00fcber die Insel Delos inne; sp\u00e4ter mussten sie sie nach und nach an Athen abgeben. Vielleicht wollten sie aus diesem Grund auch auf ihrer eigenen Insel einen monumentalen Apollon-Tempel errichten. Es wird angenommen, dass schon in der fr\u00fchen archaischen Zeit ein kleines Heiligtum des Apollon auf der Palastinsel existierte. Die ersten Anf\u00e4nge eines Tempelbaus lassen sich f\u00fcr die Zeit ungef\u00e4hr um 550 &#8211; 540 v. Chr. nachweisen; gut zehn Jahre sp\u00e4ter wurde mit dem Bau des Tempels in seiner heutigen Form unter dem naxiotischen Tyrannen Lygdamis (Herrschaft von 538 &#8211; 524 v. Chr.) begonnen. Der Tempel wurde jedoch nie vollendet; vermutlich wurden die Baut\u00e4tigkeiten mit dem Sturz des Tyrannen aufgegeben.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/apollon_temple-1.jpg\" border=\"0\" alt=\"Apollon-Tempel Chora Naxos\"><br \/>\n<small>Vom Tempel sind au\u00dfer dem Tor nur noch wenige \u00dcberreste erhalten.<\/small><\/p>\n<p><big>D<\/big>as im inselionischen Stil errichtete Tempelgeb\u00e4ude war ungew\u00f6hnlich gro\u00df angelegt (15,4 x 36,85 m) und sollte die St\u00e4rke der Insel Naxos eindrucksvoll demonstrieren. Der Innenbau hatte \u00e4hnliche Ausma\u00dfe wie bei den gr\u00f6\u00dften Tempeln Griechenlands, nur dass diese h\u00e4ufig noch von einem S\u00e4ulengang umgeben waren. Auch f\u00fcr den Apollon-Tempel von Naxos ist vermutet worden, dass ein umlaufender S\u00e4ulenring (Peristasis) geplant war; derartiges ist aber bei genauerer Analyse wohl nicht haltbar. Das Dach der Innenhalle wurde von zwei Reihen von je 4 S\u00e4ulen gest\u00fctzt, die die 4 Meter langen marmornen Dachbalken trugen. Die Seitenw\u00e4nde des Tempels standen an beiden Seiten vor und bildeten von je zwei S\u00e4ulen gest\u00fctzte Antenhallen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/apollon_temple-3.jpg\" border=\"0\" alt=\"Apollon-Tempel Chora Naxos\"><br \/>\n<small>Hier sind die Fundamente des ehemaligen Tempelgeb\u00e4udes zu sehen; im Vordergrund die Reste der s\u00fcd\u00f6stlichen Vorhalle.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/apollon_temple-4.jpg\" border=\"0\" alt=\"Apollon-Tempel Chora Naxos\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/apollon_temple-5.jpg\" border=\"0\" alt=\"Apollon-Tempel Chora Naxos\"><br \/>\n<small>Neben dem Tempel sind die \u00dcberreste weiterer, kleiner Geb\u00e4ude gefunden worden.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/villages\/chora_palatia-4.jpg\" border=\"0\" alt=\"Apollon-Tempel Chora Naxos\"><br \/>\n<small>Blick zur\u00fcck auf die Ch\u00f3ra<\/small><\/p>\n<h3>Naxos als Zentrum der Marmorbearbeitung<\/h3>\n<p><big>I<\/big>n der Technik der Marmorbearbeitung stellte sich die Insel Naxos von den fr\u00fchesten Anf\u00e4ngen an als bedeutendes Zentrum heraus, und die Naxioten gaben Technik und Stil auch an ihre Nachbarn auf anderen \u00c4g\u00e4isinseln und dem griechischen Festland weiter. Der <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-dionysos-tempel\/\">Dionysos-Tempel<\/a> nahe der Ch\u00f3ra, an dessen Stelle schon w\u00e4hrend der mykenischen Epoche ein kleines Heiligtum existierte, war einer der bedeutendsten Tempelbauten der Kykladen. Gem\u00e4\u00df der Bedeutung, die Apollon als Gott der K\u00fcnste und der Ordnung f\u00fcr die Marmorbildhauer und Tempelbauer besa\u00df, hatten die Naxier diesem Gott den <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-antiker-steinbruch-apollonas\/\">H\u00fcgel beim heutigen Dorf Ap\u00f3llonas<\/a> geweiht, wo der eine der Steinbr\u00fcche der Insel lag, aus denen das Material f\u00fcr alle diese Kunst- und Bauwerke stammte. Mit dem Tempel auf der &#8220;Palastinsel&#8221; sollte dem Apollon nun offensichtlich ein monumentaler Tempel gebaut werden, der ebenb\u00fcrtig neben den Tempeln des Dionysos bei \u00cdria und des Apollon im Heiligtum auf Delos stehen sollte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/quarry_apollonas_view-1.jpg\" border=\"0\" alt=\"das Dorf Apollonas an der Nordspitze von Naxos\"><br \/>\n<small>Blick vom antiken Steinbruch an der Nordspitze der Insel, der dem Gott Apollon geweiht war, auf das gleichnamige Dorf<\/small><\/p>\n<p><big>D<\/big>ie Marmorbl\u00f6cke, aus denen das Tempeltor konstruiert ist, stammen aus den <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-kouros-flerio\/\">Steinbr\u00fcchen bei Fleri\u00f3<\/a>, die n\u00e4her an der Stadt liegen. Dort liegt bis heute ein riesiger Marmorblock, der m\u00f6glicherweise als noch gr\u00f6\u00dferer T\u00fcrsturz des ehemals breiter geplanten Tores verwendet werden sollte, dann aber nicht verwendet und am Steinbruch liegen gelassen wurde. Am <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-heiligtum-flerio\/\">Heiligtum der Steinbr\u00fcche bei Fleri\u00f3<\/a> taucht \u00fcbrigens in einem kleinen Tempelbau zum ersten Mal die auch bei der Port\u00e1ra angewandte, auf Naxos entwickelte monolithische Konstruktionsweise des Tempeltores auf.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/quarry_melanes-1.jpg\" border=\"0\" alt=\"antike Steinbr\u00fcche in Flerio, Naxos\"><br \/>\n<small>Ansicht der antiken Steinbr\u00fcche bei Fleri\u00f3<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/sanctuary_flerio-2.jpg\" border=\"0\" alt=\"Tempel im Heiligtum bei Flerio, Naxos\"><br \/>\n<small>An diesem kleinen Tempel im Heiligtum bei den Steinbr\u00fcchen von Fleri\u00f3 wurde zum ersten Mal die Eingangst\u00fcr (im Bild links sieht man die Schwelle) in derselben Art konstruiert wie bei der Port\u00e1ra.<\/small><\/p>\n<h3>Details der Konstruktion der Port\u00e1ra und des Tempels<\/h3>\n<p><big>A<\/big>uch abgesehen von der beeindruckenden Gr\u00f6\u00dfe gibt die Konstruktionsweise der Port\u00e1ra den Arch\u00e4ologen einige R\u00e4tsel auf. Ungekl\u00e4rt ist die Bedeutung der kleinen Vorspr\u00fcnge an den Steinen; zum Transport k\u00f6nnen sie nach neueren Ansichten nicht gedient haben. Auf der vom Durchgang abgewandten, unsichtbaren Seite sind die Steine tief eingekerbt, vielleicht, um das Gewicht geringer zu halten. An der Au\u00dfenseite sollten die Steine durch nicht fertiggestellte Faszien (vorspringende Schmuckstreifen) verziert werden. Das Tor war dicker als die Mauer und stand nach innen etwa 24 cm vor, was einigerma\u00dfen verwunderlich ist. Der Schwellenstein lag, ebenfalls h\u00f6chst ungew\u00f6hnlich, um mehr als einen Meter h\u00f6her als das Niveau des Fu\u00dfbodens; auf beiden Seiten f\u00fchrten deswegen einige Treppenstufen zu ihm hinauf (eine \u00e4hnliche Konstruktion gab es am Apollon-Tempel in Didyma, wo die Schwelle 1,5 m h\u00f6her war als der Fu\u00dfboden und die Menschen den Tempel nicht durch die T\u00fcr, sondern durch zwei daneben gelegene Tunneldurchg\u00e4nge betraten). Heute fehlt der mittlere Teil des unteren Steins: Bei der sp\u00e4teren Umwandlung des Tempels in eine Kirche, bei der der Fu\u00dfboden noch weiter nach unten verlegt wurde, hat man aus der hinderlichen hohen T\u00fcrschwelle das Mittelst\u00fcck kurzerhand herausges\u00e4gt. Die ganze Konstruktionsweise des Tores ist kaum aus seiner Funktion als Eingang zu erkl\u00e4ren. Die aufw\u00e4ndige und merkw\u00fcrdige Gestaltung l\u00e4sst vermuten, dass das Tor eine besondere Funktion bei den kultischen Handlungen erf\u00fcllte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/apollon_temple-6.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portara, Apollon-Tempel, Chora, Naxos\"><br \/>\n<small>Der Mittelteil der gut einen Meter \u00fcber dem Fu\u00dfbodenniveau gelegenen T\u00fcrschwelle wurde herausges\u00e4gt, als der Tempel in eine Kirche verwandelt wurde.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/apollon_temple-2.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portara, Apollon-Tempel, Chora, Naxos\"><br \/>\n<small>Die Steine des Tores sind an der nicht sichtbaren Seite &#8220;eingekerbt&#8221;, um das Gewicht geringer zu halten.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/portara-1.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portara, Apollon-Tempel, Chora, Naxos\"><br \/>\n<small>Auf der Au\u00dfenseite des Tores sind die noch unfertigen Faszien (Schmuckb\u00e4nder) und die Vorspr\u00fcnge unbekannter Funktion erkennbar.<\/small><\/p>\n<p><big>M<\/big>erkw\u00fcrdig ist auch die Ausrichtung des Tempels: Der Eingang liegt in nordwestlicher Richtung (etwa 320\u00b0). Laut manchen Angaben ist er nach der Insel <a href=\"http:\/\/azalas.de\/delos\/\">Delos<\/a> ausgerichtet; diese liegt aber ein ganzes St\u00fcck weiter n\u00f6rdlich. \u00dcblicherweise waren die antiken griechischen Tempel, wie auch die Kirchen des Christentums, nach Osten orientiert. Aber auch die beiden anderen naxiotischen Tempel weichen davon ab: Der Tempel von \u00cdria ist nach S\u00fcden ausgerichtet, und die zwei Tore des ungew\u00f6hnlichen <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-demeter-tempel\/\">Demetertempels<\/a> liegen Richtung S\u00fcdwesten. M\u00f6glicherweise ist f\u00fcr die Ausrichtung des Apollon-Tempels von Bedeutung, dass man durch das Tor entlang der Achse des Tempels genau auf den H\u00fcgel mit dem heutigen Kastro blickt, auf dem in der Antike sicher eine Akropolis gelegen hat. Es w\u00e4re denkbar, dass der Tempel auf ein wichtiges Geb\u00e4ude in der Akropolis ausgerichtet war. Eine genaue Untersuchung der \u00dcberreste hat gezeigt, dass der Bauplan des Tempels zu Beginn der Konstruktion um 180\u00b0 gedreht wurde, d.h. urspr\u00fcnglich war er so geplant, dass der Eingang Richtung Stadt lag.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/portara-3.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portara, Apollon-Tempel, Chora, Naxos\"><\/p>\n<h3>Die sp\u00e4tere Nutzung des Tempels<\/h3>\n<p><big>S<\/big>chon im Altertum scheint der nicht vollendete Tempel als Steinbruch f\u00fcr den Bau anderer Geb\u00e4ude verwendet worden zu sein. Im 5. oder 6. Jahrhundert wurde eine <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-kirchen-und-kloester\/\">christliche Kirche<\/a> (Panag\u00eda Palatian\u00ed) an der Stelle des Tempels errichtet. Dabei wurden tiefgreifende \u00c4nderungen im Bau vorgenommen und das mittlere St\u00fcck der etwa 1,2 m \u00fcber dem Fu\u00dfbodenniveau liegenden T\u00fcrschwelle herausges\u00e4gt. Um die gro\u00dfe dreischiffige Basilika herum lag eine kleine byzantinische Siedlung, von der allerdings kaum Reste erhalten sind. Sp\u00e4ter wurden von den <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-venezianische-epoche\/\">Venezianern<\/a> fast alle Steine des ehemaligen Tempelgeb\u00e4udes abgetragen und zum Bau des Kastros verwendet; nur die Fundamente und die Port\u00e1ra, die zu gro\u00df waren um transportiert zu werden, blieben \u00fcbrig.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/castro_chora-3.jpg\" border=\"0\" alt=\"antike Marmorsteine des Apollon-Tempels im venezianischen Kastro der Chora, Naxos\"><br \/>\n<small>An diesem alten Geb\u00e4ude im Kastro kann man die im Mauerwerk verwendeten Marmorsteine des Apollon-Tempels sehen.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/portara_sunset-1.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portara, Naxps\"><br \/>\n<small>die Port\u00e1ra bei Sonnenuntergang; Foto von Brigitte M\u00fcnch<\/small><\/p>\n<h3>Verwandtschaft und Gegensatz der G\u00f6tter Apollon und Dionysos<\/h3>\n<p><big>D<\/big>ie beiden gr\u00f6\u00dften Tempel der Insel Naxos, nah bei ihrer Hauptsiedlung, der Ch\u00f3ra, gelegen, waren also den G\u00f6ttern <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-dionysos\/\">Dionysos<\/a> und Apollon geweiht. Diese beiden G\u00f6tter wurden in der Neuzeit meist als ganz und gar gegens\u00e4tzlich betrachtet. Es sollte jedoch nicht \u00fcbersehen werden, dass der Gott Dionysos mehrere dem Apollon verwandte Eigenschaften besa\u00df: Auch er war Schutzgott des Ackerbaus und der Vegetation, auch er hatte mantische F\u00e4higkeiten, auch er war eng mit der Musik verkn\u00fcpft, auch er spielte eine wichtige Rolle im Verst\u00e4ndnis von Leben und Tod. Seine Verwandtschaft zu Apollon wird durch nichts st\u00e4rker verdeutlicht als den Glauben der Griechen, dass er im Winter die Herrschaft \u00fcber das Orakel in <a href=\"http:\/\/azalas.de\/delphi\/\">Delphi<\/a> \u00fcbernahm, wenn Apollon bei den gesegneten Hyperboreern weit im Norden weilte.<\/p>\n<p><big>A<\/big>ls Hauptunterschied zwischen den beiden G\u00f6ttern wird ihr Verh\u00e4ltnis zur Ordnung betrachtet: Apollon verk\u00f6rpert Ordnung und Statik, das Klare und Reine, das im Philhellenismus so verehrt wurde, w\u00e4hrend Dionysos f\u00fcr das Dynamische, Lebendige, Losgel\u00f6ste, Entfesselte, Ekstatische, ja Chaotische steht, das von den Gelehrten der Aufkl\u00e4rung als &#8220;niedrig&#8221; oder &#8220;orientalisch&#8221; abgelehnt wurde. Die beiden Prinzipien wurden lange Zeit als vollst\u00e4ndig gegens\u00e4tzlich, ja feindlich, betrachtet; das Dionysische wurde schon von der christlichen Religion (wie sp\u00e4ter dem klassischen Philhellenismus) missachtet und verdammt (den Teufel stellte man sich beispielsweise in der Gestalt eines Satyrn aus dem Gefolge des Dionysos vor).<\/p>\n<p><big>L<\/big>ange Zeit glaubte und behauptete man, dass Dionysos und das Dionysische erst nachtr\u00e4glich als fremde Elemente in die griechische G\u00f6tterwelt aufgenommen worden seien. Heute ist freilich nachgewiesen, dass der Gott Dionysos in Griechenland (und insbesondere auf Naxos) schon seit der mykenischen Periode verehrt wurde und dass er ebenso zur griechischen Gedankenwelt geh\u00f6rt wie Apollon. Dionysos und Apollon sind zwar unterschiedlich, aber nicht unvereinbar: Nach der Auffassung der alten Griechen sind es zwei sich erg\u00e4nzende Seiten derselben M\u00fcnze, n\u00e4mlich des Lebens selbst, die damals jedenfalls koexistieren konnten &#8211; nur bei Ber\u00fccksichtigung beider Prinzipien kann die wahre Harmonie des Lebens ganz erfasst werden. Erst im letzten Jahrhundert begann man in der Wissenschaft erneut die tiefe Verkn\u00fcpfung der beiden Prinzipien Ordnung und Chaos zu erahnen: Die Ber\u00fchrung von Ordnung und Chaos l\u00e4sst unsere Welt erst entstehen.<\/p>\n<p><big>E<\/big>s ist bemerkenswert, dass die Bev\u00f6lkerung von Naxos das Tempelbauwerk auf der Pal\u00e1tia-Insel in j\u00fcngerer Zeit nicht mit Apollon, sondern mit Dionysos verkn\u00fcpfte: Es wird als Palast der Ariadne bezeichnet, den Dionysos f\u00fcr seine Braut errichtet habe, nachdem diese von Theseus auf Naxos verlassen worden war. Ohne Zweifel ist <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-dionysos\/\">Dionysos<\/a> dem Volk von Naxos der wichtigste Gott gewesen; er war eben der ureigenste Gott der Insel, unl\u00f6sbar mit Naxos verkn\u00fcpft.<\/p>\n<p>weiter: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-demeter-tempel\/\">Der Tempel der Demeter bei Sangri<\/a><\/p>\n<p>siehe auch:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-sehenswuerdigkeiten\/\">Die Sehensw\u00fcrdigkeiten von Naxos<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-geschichte\/\">Die Geschichte der Insel Naxos<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-archaische-epoche\/\">Die archaische Epoche<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-venezianische-epoche\/\">Die venezianische Epoche<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-chora\/\">Die Chora<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-antiker-steinbruch-apollonas\/\">Der antike Steinbruch bei Apollonas<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-heiligtum-flerio\/\">Das Heiligtum bei Flerio<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-dionysos\/\">Dionysos und die Insel Naxos<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>zum Weiterlesen: <a href=\"http:\/\/www.texttexturen.de\/arbeiten\/apollon_dionysos\/seite7.php\">Texttexturen: Das Apollinische und das Dionysische<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n<p>verwendete Literatur:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Kunst und Kultur der Kykladen<\/strong>, Teil I: Neolithikum und Bronzezeit und Teil II: Geometrische und Archaische Zeit; Werner Ekschmitt; Verlag Philipp von Zabern, Mainz am Rhein 1986<\/li>\n<li><strong>Die Inselionische Ordnung<\/strong>, Gottfried Gruben; in: Les Grands Ateliers d&#8217;Architecture dans le Monde Eg\u00e9en du VIe s. av. J.C., Koll. Istanbul 1993<\/li>\n<li><strong>Die Entwicklung der Marmorarchitektur auf Naxos und das neuentdeckte Dionysos-Heiligtum in Iria<\/strong>, Gottfried Gruben; N\u00fcrnberger Bl\u00e4tter zur Arch\u00e4ologie, 1991-&#8217;92<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wahrzeichen der Insel Naxos ist das gigantische antike Tempeltor, die Port\u00e1ra. Es steht un\u00fcbersehbar auf der kleinen, \u00fcber eine Mole mit dem Land verbundenen Insel Pal\u00e1tia (= &#8220;Palastinsel&#8221;), und begr\u00fc\u00dft jeden Besucher schon bei der Ankunft im Hafen. 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