{"id":149,"date":"2009-03-07T22:45:33","date_gmt":"2009-03-07T20:45:33","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?page_id=149"},"modified":"2026-03-01T18:24:15","modified_gmt":"2026-03-01T16:24:15","slug":"nacktschnecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/el\/nacktschnecken\/","title":{"rendered":"Schnecken 9: Nacktschnecken"},"content":{"rendered":"<p><big>D<\/big>ie marinen Nacktschnecken geh\u00f6ren zu den Schnecken <em>(Gastropoda)<\/em> und zwar zu den Hinterkiemern (Ordnung <em>Opisthobranchia)<\/em>. Es gibt etwa 3.000 marine Nacktschnecken-Arten, von denen einige Pflanzenfresser sind, w\u00e4hrend andere sich vorwiegend von sessilen Meerestieren wie Schw\u00e4mmen, Korallen, Polypen und Manteltieren ern\u00e4hren. Vor Fressfeinden sch\u00fctzen sie sich durch ihre F\u00e4rbung, die trotz der oft leuchtenden Farben als Tarnung wirken kann; au\u00dferdem sind viele Arten giftig, u.a. durch Stoffe, die sie aus ihrer Nahrung aufnehmen. Die hier vorgestellten Arten fallen in die Unterordnungen <em>Sacoglossa<\/em>, Nacktkiemer <em>(Nudibranchia)<\/em> und Seehasen <em>(Anaspidea)<\/em>; die Systematik wird jedoch von den verschiedenen Forschern unterschiedlich gehandhabt.<\/p>\n<p><big>E<\/big>s gibt viele Nacktschnecken-Arten im Mittelmeer, von denen allerdings die meisten nicht sehr h\u00e4ufig sind, oder so klein, dass sie schwer zu entdecken sind. Viele der Nacktschnecken sind sehr sch\u00f6n und auff\u00e4llig gef\u00e4rbt und besitzen leuchtende Farben. Eine solche Art kann man auch bei uns manchmal beobachten: die lila gefleckte Leoparden-Sternschnecke <em>(Peltodoris acromaculata)<\/em>, die auf Schw\u00e4mmen (in diesem Fall dem Feigenschwamm <em>Petrosia<\/em>) lebt, von denen sie sich ern\u00e4hrt. Es lohnt sich durchaus, beim Schnorcheln auf dieses h\u00fcbsche Tier zu achten. Ein Foto von dieser Art habe ich leider nicht. Daf\u00fcr kann ich einige andere kleine und gro\u00dfe Arten vorstellen, die ich direkt an der K\u00fcste angetroffen habe.<\/p>\n<p>In der <a href=\"https:\/\/azalas.de\/de\/fotouebersicht-meeresschnecken\/\"><strong>Foto-\u00dcbersicht der Meeresschnecken<\/strong><\/a> findet man einen \u00dcberblick \u00fcber alle bislang von mir fotografierten Arten. <\/p>\n<p><small><strong>Eine Anmerkung zur Bestimmung:<\/strong> Einige Arten der Meeresschnecken sind leicht und sicher zu erkennen. In vielen F\u00e4llen gibt es jedoch mehrere verwandte Arten, die schwer zu unterscheiden sind. Ein weiteres Problem bei der Bestimmung ist, dass in den Bestimmungsb\u00fcchern nicht alle Arten enthalten sind; aber auch im Internet kann man zu vielen Arten kaum Informationen finden. Entsprechend sind manche der Bestimmungen leider ziemlich unsicher, und einige Arten m\u00fcssen g\u00e4nzlich unbestimmt bleiben.<\/small><\/p>\n<p><small><strong>Und ein Wort zu den Namen:<\/strong> Wie bei so machen Meerestieren herrscht bei den Schnecken eine gro\u00dfe Verwirrung mit den Namen: F\u00fcr fast alle Arten gibt es eine gro\u00dfe Anzahl von heute nicht mehr g\u00fcltigen Synonymen, die in \u00e4lteren B\u00fcchern aber durchaus noch benutzt werden. Ich verwende hier die Namen entsprechend dem <a href=\"http:\/\/www.marinespecies.org\/\">World Register of Marine Species<\/a> (Stand 2020), wo man auch die entsprechenden Synonyme finden kann.<\/small><\/p>\n<p>Hier kann man direkt <strong>zu den Arten springen<\/strong> (zur\u00fcck kommt man durch Zur\u00fcckbl\u00e4ttern): <a href=\"#A\">Elysia timida<\/a>&nbsp; &#8211; &nbsp;<a href=\"#B\">Dreifarben-Sternschnecke, <em>Felimare tricolor<\/em><\/a>&nbsp; &#8211; &nbsp;<a href=\"#C\">Kleiner Seehase, <em>Aplysia parvula<\/em><\/a>&nbsp; &#8211; &nbsp;<a href=\"#D\">Geringelter Seehase, <em>Aplysia dactylomela<\/em><\/a>&nbsp; &#8211; &nbsp;<a href=\"#E\">Gefleckter oder Marmorierter Seehase, <em>Aplysia depilans<\/em><\/a><\/p>\n<h3>A: Unterordnung <em>Sacoglossa<\/em><\/h3>\n<h6><a name=\"A\"><em>Elysia timida<\/em>, Risso<\/a><\/h6>\n<p><big>D<\/big>ie kleine Samtschnecken-Art <em>Elysia timida<\/em> wird nur 5 mm gro\u00df. Sie ern\u00e4hrt sich von Algen (vor allem <em>Acetabularia<\/em>), deren Chloroplasten sie nicht verdaut, sondern unversehrt aufnimmt, wodurch sie eine gr\u00fcnliche F\u00e4rbung erh\u00e4lt. Da die Schnecke im Licht f\u00fcr viele Monate ohne Nahrung \u00fcberleben kann, nahm man entsprechend an, dass die Chloroplasten in der Schnecke weiter Photosynthese betreiben; das scheint nach neueren Untersuchungen jedoch nicht zuzutreffen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/sea_snails\/elysia_timida-1.jpg\" alt=\"Elysia timida\" border=\"0\"><br \/>\n<small><em>Elysia timida<\/em> tr\u00e4gt kleine rote P\u00fcnktchen, die hier (wegen der winzigen Gr\u00f6\u00dfe) nicht zu sehen sind; deswegen ist die Bestimmung nicht ganz sicher.<\/small><\/p>\n<h3>B: Unterordnung Nacktkiemer <em>(Nudibranchia)<\/em><\/h3>\n<h6><a name=\"B\">Dreifarben-Sternschnecke, <em>Felimare tricolor<\/em>, Cantraine<\/a><\/h6>\n<p><em>(= Hypselodoris tricolor)<\/em><\/p>\n<p><big>D<\/big>ie Sternschnecken leben von Schw\u00e4mmen. Bei uns kommt die Dreifarben-Sternschnecke vor.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/sea_snails\/felimare_tricolor-1.jpg\" alt=\"Felimare tricolor\" border=\"0\"><br \/>\n<small><em>Felimare tricolor<\/em> ist eine der vielen kleinen intensiv gef\u00e4rbten Nacktschnecken-Arten.<\/small><\/p>\n<h3>C: Unterordnung Seehasen <em>(Anaspidea<\/em><\/h3>\n<h6><a name=\"C\">Kleiner Seehase, <em>Aplysia parvula<\/em>, M\u00f6rch<\/a><\/h6>\n<p><big>I<\/big>m Fr\u00fchjahr haben wir an der K\u00fcste oft eine kleine br\u00e4unliche Art beobachtet. Sie gibt bei St\u00f6rung einen r\u00f6tlichen, tinten\u00e4hnlichen Farbstoff ab. Vermutlich handelt es sich um den Kleinen Seehasen (<em>Aplysia parvula<\/em>).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/sea_snails\/aplysia_parvula-1.jpg\" alt=\"Kleiner Seehase, Aplysia parvula\" border=\"0\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/sea_snails\/aplysia_parvula-2.jpg\" alt=\"Kleiner Seehase, Aplysia parvula\" border=\"0\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/sea_snails\/aplysia_parvula-3.jpg\" alt=\"Kleiner Seehase, Aplysia parvula\" border=\"0\"><\/p>\n<h6><a name=\"D\">Geringelter Seehase, <em>Aplysia dactylomela<\/em>, Rang<\/a><\/h6>\n<p><big>M<\/big>it ein bisschen Gl\u00fcck kann man im Fr\u00fchjahr noch eine andere beeindruckende Meeres-Nacktschnecke antreffen: den bis zu 40 cm gro\u00dfen Geringelten Seehasen <em>(Aplysia dactylomela)<\/em>. Am Kopf besitzen die Seehasen zwei untere und zwei obere r\u00f6hrenf\u00f6rmige Rhinophoren (Tentakeln). Auf dem R\u00fccken sitzt eine flache, runde, d\u00fcnne, unauff\u00e4llige Schale, der letze Rest des zur\u00fcckgebildeten Schneckengeh\u00e4uses.<\/p>\n<p><big>D<\/big>ie Seehasen leben vor allem in Seegraswiesen und ern\u00e4hren sich vegetarisch. Aus Blaualgen, die auf dem Seegras wachsen, sammeln die Seehasen im K\u00f6rper eine giftige Substanz an, weswegen sie von keinen anderen Tieren gefressen werden. Bei Gefahr k\u00f6nnen sie eine Tintenwolke aussto\u00dfen. Zu den Seehasen geh\u00f6ren die mit bis zu 75 cm gr\u00f6\u00dften Schnecken der Welt.<\/p>\n<p><big>D<\/big>er Geringelte Seehase kommt eigentlich in tropischen Meeren vor, taucht aber seit einigen Jahren immer \u00f6fter auch im Mittelmeer auf. Diese Art schwimmt im Gegensatz zu anderen Seehasen nicht frei im Meer, sondern h\u00e4lt sich am Boden auf.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/sea_snails\/aplysia_dactylomela-1.jpg\" alt=\"Aplysia dactylomela\" border=\"0\"><\/p>\n<h6><a name=\"E\">Gefleckter oder Marmorierter Seehase, <em>Aplysia depilans<\/em>, Gmelin<\/a><\/h6>\n<p><big>S<\/big>ehr \u00e4hnlich ist der Gefleckte Seehase. Er wird ebenfalls bis zu 40 cm gro\u00df und ist braun gef\u00e4rbt mit unregelm\u00e4\u00dfigen helleren Flecken. Der Gefleckte Seehase schwimmt mithilfe seiner fl\u00fcgelartigen, hinten vereinten Parapodien (Mantellappen) frei im Meer. Er ern\u00e4hrt sich vor allem von Algen der Gattung <em>Ulva<\/em> (Meersalat). Seehasen sind Zwitter, ben\u00f6tigen zur Befruchtung jedoch einen Partner. Im Sp\u00e4tsommer kommen sie zur Paarung in flacheres Wasser. Bald nach der Eiablage sterben die Seehasen. Ein Tier legt in langen gelee-artigen Laichschn\u00fcren bis zu 3 Millionen Eier.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/sea_snails\/aplysia_depilans-2.jpg\" alt=\"Gefleckter Seehase, Marmorierter Seehase, Aplysia depilans\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Der Gefleckte Seehase ist braun gef\u00e4rbt mit helleren, unregelm\u00e4\u00dfigen Flecken.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/sea_snails\/aplysia_depilans-1.jpg\" alt=\"Gefleckter Seehase, Marmorierter Seehase, Aplysia depilans\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Wenn sie mithilfe ihrer fl\u00fcgelartigen &#8220;Parapodien&#8221; (Mantellappen) schwimmen, sehen Seehasen sehr elegant aus.<\/small><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/de\/fotouebersicht-meeresschnecken\/\">zur Foto-\u00dcbersicht<\/a><\/p>\n<p>weiter: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/kaeferschnecken\/\">K\u00e4ferschnecken<\/a><\/p>\n<p>zur\u00fcck:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/schnecken-einfuehrung\/\">Schnecken Einf\u00fchrung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-meerestiere\/\">Meerestiere \u00dcberblick<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n<p>Zum Weiterlesen:<\/p>\n<ul>\n<li> <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Aplysia\">Wikipedia<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.seaslugforum.net\/\">Forum f\u00fcr marine Nacktschnecken (englisch)<\/a><\/li>\n<li> <a href=\"http:\/\/www.medslugs.de\/D\/Mit\/Auswahl.htm\">Nacktschnecken des Mittelmeeres<\/a> von Erwin K\u00f6hler<\/li>\n<li> <a href=\"http:\/\/phenomena.nationalgeographic.com\/2013\/11\/19\/solar-powered-slugs-are-not-solar-powered\/\">Ed Yong in National Geographic<\/a> \u00fcber die angenommene Photosynthese-T\u00e4tigkeit der Samtschnecken, auf englisch<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die marinen Nacktschnecken geh\u00f6ren zu den Schnecken (Gastropoda) und zwar zu den Hinterkiemern (Ordnung Opisthobranchia). Es gibt etwa 3.000 marine Nacktschnecken-Arten, von denen einige Pflanzenfresser sind, w\u00e4hrend andere sich vorwiegend von sessilen Meerestieren wie Schw\u00e4mmen, Korallen, Polypen und Manteltieren ern\u00e4hren. 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