{"id":70579,"date":"2024-09-24T10:53:50","date_gmt":"2024-09-24T07:53:50","guid":{"rendered":"https:\/\/azalas.de\/de\/?p=70579"},"modified":"2026-01-17T19:00:13","modified_gmt":"2026-01-17T17:00:13","slug":"meerohren-und-lochschnecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/de\/meerohren-und-lochschnecken\/","title":{"rendered":"Schnecken 2: Meerohren und Lochschnecken"},"content":{"rendered":"<p><big>D<\/big>ie Meer- oder Seeohren (\u00dcberfamilie <em>Haliotoidea<\/em>) und die Loch- oder Schlitzschnecken (\u00dcberfamilie <em>Fissurelloidea<\/em>) geh\u00f6ren zur \u00dcberordnung <em>Vetigastropoda<\/em>, ebenso wie die <a href=\"http:\/\/azalas.de\/kreiselschnecken\/\">Kreiselschnecken <em>(Trochoidea)<\/em><\/a>, die ich auf einer eigenen Seite behandele. Zusammen mit fast allen anderen Schnecken geh\u00f6ren sie in die Unterklasse der <em>Orthogastropoda<\/em>. Die <a href=\"http:\/\/azalas.de\/napfschnecken\/\">Napfschnecken<\/a>, denen die Lochschnecken \u00e4hnlich sehen, geh\u00f6ren dagegen in eine andere Unterklasse, die <em>Eugastropoda<\/em>; die beiden Gruppen sind also trotz der \u00c4hnlichkeit nicht verwandt.<\/p>\n<p><big>W<\/big>ie die Napfschnecken besitzen auch die Meerohren und die Lochschnecken ein nicht oder kaum spiraliges Geh\u00e4use, das wie ein H\u00fctchen oder umgedrehter Teller auf dem Boden sitzt. Alle Arten ern\u00e4hren sich durch das Abweiden von Algen oder Schw\u00e4mmen und leben meist im Algenbewuchs versteckt; oft sind sie nachtaktiv und verbergen sich tags\u00fcber unter Steinen.<\/p>\n<p>In der <a href=\"https:\/\/azalas.de\/de\/fotouebersicht-meeresschnecken\/\"><strong>Foto-\u00dcbersicht der Meeresschnecken<\/strong><\/a> findet man einen \u00dcberblick \u00fcber alle bislang von mir fotografierten Arten. <\/p>\n<p><small><strong>Eine Anmerkung zur Bestimmung:<\/strong> Einige Arten der Meeresschnecken sind leicht und sicher zu erkennen. In vielen F\u00e4llen gibt es jedoch mehrere verwandte Arten, die schwer zu unterscheiden sind. Ein weiteres Problem bei der Bestimmung ist, dass in den Bestimmungsb\u00fcchern nicht alle Arten enthalten sind; aber auch im Internet kann man zu vielen Arten kaum Informationen finden. Entsprechend sind manche der Bestimmungen leider ziemlich unsicher, und einige Arten m\u00fcssen g\u00e4nzlich unbestimmt bleiben.<\/small><\/p>\n<p><small><strong>Und ein Wort zu den Namen:<\/strong> Wie bei so machen Meerestieren herrscht bei den Schnecken eine gro\u00dfe Verwirrung mit den Namen: F\u00fcr fast alle Arten gibt es eine gro\u00dfe Anzahl von heute nicht mehr g\u00fcltigen Synonymen, die in \u00e4lteren B\u00fcchern aber durchaus noch benutzt werden. Ich verwende hier die Namen entsprechend dem <a href=\"http:\/\/www.marinespecies.org\/\">World Register of Marine Species<\/a> (Stand 2020), wo man auch die entsprechenden Synonyme finden kann.<\/small><\/p>\n<p>Hier kann man direkt <strong>zu den Gattungen springen<\/strong> (zur\u00fcck kommt man durch Zur\u00fcckbl\u00e4ttern): <a href=\"#A\">Meerohren, <em>Haliotis<\/em><\/a>&nbsp; &#8211; &nbsp;<a href=\"#B\">Lochschnecken, <em>Diodora<\/em><\/a>&nbsp; &#8211; &nbsp;<a href=\"#C\">Lochschnecken, <em>Emarginula<\/em><\/a><\/p>\n<h3><a name=\"A\">1. <em>Haliotidae<\/em>, Meerohren<\/a><\/h3>\n<p><big>D<\/big>ie Schalen des Meerohres sind recht h\u00e4ufig am Strand zu finden; mit ihrer flachen, offenen, nur leicht spiraligen Form und der gl\u00e4nzend-perlmutterigen Innenseite sind sie einfach zu erkennen. Die Meerohren sind in der Lebensweise den <a href=\"http:\/\/azalas.de\/napfschnecken\/\">Napfschnecken<\/a> \u00e4hnlich, leben aber nur im Wasser.  Lebendig sind sie kaum zu entdecken: tags\u00fcber sitzen sie versteckt unter Steinen und Felsen. Nachts kriechen sie umher und weiden den Algenbewuchs der Felsen ab. Sie kommen ab der Wasseroberfl\u00e4che bis in einige Meter Tiefe vor. Das Meerohr ist ebenso wie die Napfschnecken essbar, wird aber auf Naxos meines Wissens nicht gegessen.<\/p>\n<p><big>D<\/big>ie Schale der Meerohren hat eine charakteristische ohr\u00e4hnliche Form mit einem kleinen Gewinde und einem gro\u00dfen, flachen, offenen letzten Umgang, der oben durch unregelm\u00e4\u00dfige Radialw\u00fclste strukturiert ist und in einer Kante nahe des Au\u00dfenrandes eine Reihe kleiner L\u00f6cher tr\u00e4gt. Die Oberseite ist br\u00e4unlich gef\u00e4rbt und meist mit anderen Meeresorganismen wie Moostierchen bewachsen; die Unterseite ist gl\u00e4nzend perlmuttern. Das lebende Tier besitzt einen breiten Fu\u00df, mit dem es sich stark am Untergrund festsaugen kann, und streckt kleine Tentakeln am Schalenrand sowie kurze Tastf\u00e4den aus den L\u00f6chern in der Schale hervor.<\/p>\n<h6>Meerohr, <em>Haliotis tuberculata<\/em>, L.<\/h6>\n<p>h\u00e4ufig<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/sea_snails\/haliotis_tuberculata-1.jpg\" alt=\"Meerohr, Haliotis tuberculata (=H. lamellosa)\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Die flache, offene Schale des Meerohrs besitzt eine besonders sch\u00f6ne, perlmuttern schillernde Innenseite. Bei der Art <em>Haliotis tuberculata<\/em> tr\u00e4gt die Schale dicke Radialw\u00fclste; die Oberseite ist grau gef\u00e4rbt. Gr\u00f6\u00dfe: 45 mm<\/small><\/p>\n<h6><em>Haliotis mykonosensis<\/em>; Owen, Hanavan &#038; Hall<\/h6>\n<p><em>(= Haliotis tuberculata tuberculata)<\/em><\/p>\n<p>h\u00e4ufig, aber etwas seltener als die vorige Art<\/p>\n<p><em><big>H<\/big>aliotis mykonosensis<\/em> wurde k\u00fcrzlich (2001) als eigene Art beschrieben, die vor allem in Griechenland, aber auch im zentralen Mittelmeer bis Korsika vorkommt. Sie ist an der schw\u00e4cheren Skulpturierung des Geh\u00e4uses zu erkennen: Die Radialw\u00fclste fehlen, die Rippung ist feiner. <em>Haliotis mykonosensis<\/em> ist keine allgemein akzeptierte Art; ich nehme sie hier trotzdem auf, weil sie (soweit ich es verstehe) recht gut zu unterscheiden ist.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/sea_snails\/haliotis_mykonosensis-1.jpg\" alt=\"Haliotis mykonosensis\" border=\"0\"><br \/>\n<small><em>Haliotis mykonosensis<\/em> ist von der vorigen Art an der glatteren Schale zu unterscheiden, die braun, r\u00f6tlich oder gelblich gef\u00e4rbt ist. Gr\u00f6\u00dfe: 33 mm<\/small><\/p>\n<h3>2. <em>Fissurellidae<\/em>, Loch- oder Schlitzschnecken<\/h3>\n<p><big>D<\/big>ie Lochschnecken sehen den Napfschnecken \u00e4hnlich, wenn sie auch nicht enger mit ihnen verwandt sind. Sie unterscheiden sich darin, dass ihre Schale an der Spitze ein Loch oder an der Vorderseite einen Schlitz tr\u00e4gt. Die Schale ist nicht rund, sondern leicht oval geformt. Lochschnecken kommen meist erst in einigen Metern Tiefe vor. Wir haben erst einmal ein lebendiges Exemplar gesehen; leere Schalen findet man aber an den Sandstr\u00e4nden recht h\u00e4ufig.<\/p>\n<h6><a name=\"B\">Italienische Lochschnecke, <em>Diodora italica<\/em>, Defrance<\/a><\/h6>\n<p><big>D<\/big>ie Italienische Lochschnecke kommt auf Naxos recht h\u00e4ufig vor. Die bis gut 5 cm langen Schalen dieser Art sind von der Seite deutlich gebogen und sehen \u201cniedergebeugt\u201d aus. Das Loch ist zum schmaleren Ende der ovalen Schale ger\u00fcckt. Die Farbe ist grau oder gr\u00fcnlich oft mit oft dunkleren Radialstreifen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/sea_snails\/diodora_italica-1.jpg\" alt=\"Italienische Lochschnecke, Diodora italica\" border=\"0\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/sea_snails\/diodora_italica-3.jpg\" alt=\"Italienische Lochschnecke, Diodora italica\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Hier sieht man eine lebendige Lochschnecke von oben; etwas rechts von der Mitte der ovalen Schale kann man das l\u00e4ngliche Loch erkennen.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/sea_snails\/diodora_italica-2.jpg\" alt=\"Italienische Lochschnecke, Diodora italica\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Von der Seite sieht man, dass der K\u00f6rper wesentlich dicker ist als bei Napfschnecken.<\/small><\/p>\n<h6><em>Diodora gibberula<\/em>, Lamarck<\/h6>\n<p><big>D<\/big>ie Art <em> Diodora gibberula<\/em> ist seltener als die Italienische Lochschnecke. Ihre Schale ist oft weniger oval geformt und das Loch liegt n\u00e4her am Zentrum; die Schale ist fein und regelm\u00e4\u00dfig, aber nicht sehr stark geriffelt. Von der Seite sind die Schalen leicht gebogen. Die F\u00e4rbung ist br\u00e4unlich.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/sea_snails\/diodora_gibberula-1.jpg\" alt=\"Diodora gibberula\" border=\"0\"><\/p>\n<h6><a name=\"C\"><em>Emarginula sicula<\/em>, J.E. Gray<\/a><\/h6>\n<p><big>D<\/big>ie Arten der Gattung <em>Emarginula<\/em> besitzen kein Loch in der Mitte der Schale, sondern einen kleinen Schlitz am vorderen Ende. Die Spitze der Schale ist mehr oder weniger stark zum hinteren Ende hin gebogen. Die lebendigen Tiere sitzen versteckt unter Steinen oder in Felsritzen und sind kaum je zu sehen; an den Sandstr\u00e4nden kann man aber gelegentlich eine leere Schale finden. <em>Emarginula sicula<\/em> besitzt eine hohe, bis etwa 1 cm gro\u00dfe Schale mit feiner Gitterskulptur und deutlich nach hinten gebogener Spitze.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/sea_snails\/emarginula_sicula-1.jpg\" alt=\"Emarginula sicula\" border=\"0\"><\/p>\n<h6><em>Emarginula octaviana<\/em>, Coen<\/h6>\n<p><big>D<\/big>ie Schale der bei uns sehr seltenen Art <em>Emarginula octaviana<\/em> ist niedriger als die von <em>E. sicula<\/em>. Die Spitze ist fast bis zum hinteren Ende verschoben. Die Gitterskulptur ist sehr deutlich.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/sea_snails\/emarginula_octaviana-1.jpg\" alt=\"Emarginula octaviana\" border=\"0\" width=\"800\"><\/p>\n<h6><em>Emarginula huzardii<\/em>, Payraudeau<\/h6>\n<p><big>D<\/big>ie Schale von <em>Emarginula huzardii<\/em> ist besonders flach. Die Spitze ist sehr klein und nur wenig zum Ende hin verschoben; die Gitterskulptur ist schwach ausgebildet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/sea_snails\/emarginula_huzardii-1.jpg\" alt=\"Emarginula huzardii\" border=\"0\" width=\"800\"><br \/>\n<small>Die Schalen dieser kleinen Art sind bei uns sehr selten zu finden, was aber auch daran liegen k\u00f6nnte, dass sie recht d\u00fcnn und zerbrechlich sind.<\/small><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/de\/fotouebersicht-meeresschnecken\/\">zur Foto-\u00dcbersicht<\/a><\/p>\n<p>weiter: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/kreiselschnecken\/\">Kreiselschnecken und Nixenschnecke<\/a><\/p>\n<p>zur\u00fcck:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/schnecken-einfuehrung\/\">Schnecken Einf\u00fchrung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-meerestiere\/\">Meerestiere \u00dcberblick<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>siehe auch: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/napfschnecken\/\">Napfschnecken<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Meer- oder Seeohren (\u00dcberfamilie Haliotoidea) und die Loch- oder Schlitzschnecken (\u00dcberfamilie Fissurelloidea) geh\u00f6ren zur \u00dcberordnung Vetigastropoda, ebenso wie die Kreiselschnecken (Trochoidea), die ich auf einer eigenen Seite behandele. 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