{"id":336,"date":"2009-10-28T10:05:19","date_gmt":"2009-10-28T08:05:19","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?page_id=336"},"modified":"2024-09-14T23:09:06","modified_gmt":"2024-09-14T20:09:06","slug":"naxos-kykladenkultur-idole-und-religion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/de\/naxos-kykladenkultur-idole-und-religion\/","title":{"rendered":"Die Idole und die Religion der Kykladenkultur"},"content":{"rendered":"<h3>Die Kykladenidole<\/h3>\n<p><big>D<\/big>ie bekanntesten aus Stein gefertigten Artefakte der Kykladenkultur sind ohne Zweifel die Marmoridole. Diese einzigartigen Kunstwerke bezeugen besonders beeindruckend das handwerkliche Geschick und den Kunstsinn des Kykladenvolkes. Es handelt sich um meist zwei oder drei Dezimeter (bis 1,5 m) gro\u00dfe, abstrahierte, einfach, aber oft sehr sorgf\u00e4ltig ausgef\u00fchrte menschliche Figuren. Sie wurden fast ausschlie\u00dflich in Gr\u00e4bern gefunden. Es hat auch in der Steinzeit schon Steinfiguren gegeben, und auch in den angrenzenden Regionen spielen Idole aus Stein eine Rolle, aber nirgendwo wird in der Gestaltung der Idole eine solche ausdrucksstarke Perfektion, eine solche Klarheit und Eleganz erreicht wie auf den Kykladen. Anfangs wurde den Kykladenidolen kaum Bedeutung beigemessen, bis in den 60er Jahren manche modernen K\u00fcnstler auf sie aufmerksam wurden, was zu einem gro\u00dfen Aufschwung in Raubgrabungen und Schwarzmarkt-Handel f\u00fchrte. Es sind um die 3.000 Kykladenidole bekannt, von denen die meisten aus Raubgrabungen stammen.<\/p>\n<p><big>F<\/big>unde einzelner Marmoridole aus der Jungsteinzeit, die in Form und Ausf\u00fchrung den bronzezeitlichen Kykladenidolen \u00e4hneln, belegen, dass sich die Technik und Tradition der Idolfertigung vor Ort entwickelt hat. Die steinzeitlichen Idole zeigen im Gegensatz zu den sp\u00e4teren Idolen eine rundere, vollere, betonter weibliche Form. Auch in einigen benachbarten Regionen wurden vergleichbare Idole aus Stein angefertigt; die Idole der Kykladen sind jedoch klar von denen anderer Gebiete zu unterscheiden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/idol_stone_age.jpg\" alt=\"jungsteinzeitliches Steinidol aus Sangri, Museum Chora, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Bei diesem jungsteinzeitlichen Marmoridol von Naxos (Sangr\u00ed) sieht man die f\u00fcr die Idole dieser Zeit typische volle, weibliche K\u00f6rperform. Trotz der abweichenden Form kann man dieses fr\u00fche Idol doch klar als einen Vorl\u00e4ufer der Kykladenidole erkennen.<\/small><\/p>\n<p><big>C<\/big>harakteristische Merkmale der Kykladenidole sind die schlanke, flache Form, die etwas unnat\u00fcrlich wirkende, weder stehende noch liegende Haltung mit leicht angewinkelten Beinen und F\u00fc\u00dfen, die \u00fcber dem Bauch \u00fcbereinander liegenden Arme (fast immer linker Arm oben), der flache, leicht zur\u00fcckgeneigte Kopf mit leicht vorstehender, dreieckiger Nase und das meist weibliche Geschlecht, das jedoch mit den als kleine W\u00f6lbungen dargestellten Br\u00fcsten und dem eingeritzten Schamdreieck (im Gegensatz zu den wohlgerundeten steinzeitlichen Idolen) nur angedeutet ist.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/idols-4.jpg\" alt=\"kykladische Marmoridole, Museum Chora, Naxos\" border=\"0\" width=\"614\"> .  <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/idol-5.jpg\" alt=\"kykladische Marmoridole, Museum Chora, Naxos\" border=\"\" width=\"300\"><\/p>\n<p><big>E<\/big>s k\u00f6nnen eine ganze Reihe unterschiedlicher Idol-Typen mit speziellen Merkmalen unterschieden werden. So gibt es au\u00dfer der oben beschriebenen typischen Form auch sehr schematische &#8222;Violin-f\u00f6rmige&#8220; Idole, bei denen die menschliche K\u00f6rperform nur angedeutet ist, sowie gelegentlich auch Idole in anderer K\u00f6rperhaltung, so sitzende Figuren oder m\u00e4nnliche Idole mit Musikinstrumenten oder einem Becher in der Hand oder auch Gruppen aus zwei oder drei Idolen, die beispielsweise aufeinander stehen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/idol_violin_shape-1.jpg\" alt=\"kykladisches Marmoridol, Museum Chora, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>einfaches &#8222;violinf\u00f6rmiges&#8220; Idol mit nur angedeuteter menschlicher Form<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/sitting_idols-1.jpg\" alt=\"kykladische Marmoridole, Museum Chora, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Selten kommen sitzende Idole vor.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/cycladic_harp_player_wiki.jpg\" alt=\"\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Harfenspieler, aus <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=1318248\">Wikipedia<\/a><\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/cycladic_three_figurines_group_wiki.jpg\" alt=\"\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Besonders selten sind derartige Idol-Gruppen, aus <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=1318300\">Wikipedia<\/a><\/small><\/p>\n<p><big>V<\/big>iele Idole sind in ihren Umrissen sehr sorgf\u00e4ltig geformt und ausgearbeitet. Dagegen sind die Details wie die Arme, Finger, Zehen, Becken und Schamdreieck sowie der Spalt zwischen den Beinen und manchmal eine Linie auf dem R\u00fccken zur Andeutung der Wirbels\u00e4ule meist nur als gerade, leichte Einritzungen mit einer Feile eingearbeitet. Nur selten sind die Arme rund ausgef\u00fchrt, vor allem bei den fr\u00fcheren Idolen, was zeigt, dass die K\u00fcnstler diese Einfachheit in der Ausarbeitung bewusst w\u00e4hlten und sie nicht auf mangelnde Technik zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Auff\u00e4llig ist die unnat\u00fcrliche Gestaltung des Kopfes mit langem, dickem Hals, oft &#8222;leierartiger&#8220; Kopfform mit der breitesten Stelle am oberen Ende und leicht zur\u00fcckgeneigter Haltung. Irgendetwas muss die merkw\u00fcrdige Kopf- und K\u00f6rperhaltung der Idole den Kykladenmenschen bedeutet haben &#8211; aber was?<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/idols-3.jpg\" alt=\"\" border=\"0\"><br \/>\n<small>W\u00e4hrend gesamte Figur sehr sorgf\u00e4ltig geformt und gegl\u00e4ttet ist, sind die Einzelheiten wie Arme und Schamdreieck meist nur als einfache Einritzungen angedeutet. Am linken Idol sieht man die f\u00fcr einen bestimmten Idoltyp charakteristische &#8222;leierartige&#8220; Kopfform.<\/small><\/p>\n<p><big>A<\/big>n den Kykladenidolen ist die Nase meist als einfaches langes Dreieck etwas vorstehend ausgearbeitet, die Ohren sind manchmal angedeutet. Details wie Augen, Mund und Haare waren offenbar teilweise(?) aufgemalt, auch schm\u00fcckende Punktreihen auf dem Gesicht und der Brust. Die Farbe selbst (rot, blau und schwarz) ist nur selten in schwachen Resten erhalten, aber manchmal lassen sich die urspr\u00fcnglich bemalten Stellen noch erkennen, da sie weniger erodiert sind und darum etwas vorstehen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/idol_head_with_paint_relief_metropolitan.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" \/><br \/>\n<small>An diesem Idolkopf sind die urspr\u00fcnglich aufgemalten Augen noch als flaches Relief zu erkennen. Foto von der Webseite des Metropolitan Museums<\/small><\/p>\n<h3>Die Herstellung<\/h3>\n<p><big>D<\/big>ie Herstellung der Idole ist vermutlich durch die sch\u00f6nen, marmornen Strandkiesel, die man \u00fcberall an der K\u00fcste finden kann, angeregt worden &#8211; manchmal sind den Toten tats\u00e4chlich nur einfache Strandkiesel mit ins Grab gegeben worden. Auch um die Gr\u00e4ber herum sind oft Strandkiesel gefunden worden: Sie m\u00fcssen eine symbolische Bedeutung besessen haben. Die einfachen Violin-f\u00f6rmigen Idole wurden wohl aus Strandkieseln ausgearbeitet, die in ihrer flachen, l\u00e4nglichen Form den Idolen schon \u00e4hnelten. Zun\u00e4chst verwendeten die Menschen f\u00fcr die Ausarbeitung nur Stein- und Holzwerkzeuge, vor allem Holzst\u00fccke mit Schmirgelpulver zum Schleifen. Erst in der mittleren Phase wurden auch Bronzemei\u00dfel benutzt, wodurch vielleicht die gr\u00f6\u00dfere Anzahl der Figuren und ihre teilweise kompliziertere Form (z.B. Harfenspieler) erkl\u00e4rt werden kann.<\/p>\n<p><big>B<\/big>ei der Konzipierung der Figuren verwendeten die K\u00fcnstler gro\u00dfe Sorgfalt. Einheitliche Gr\u00f6\u00dfenverh\u00e4ltnisse zeigen, dass sie Zirkel und Winkelmesser benutzten. Die Gr\u00f6\u00dfenverh\u00e4ltnisse der ersten Figuren haben nichts mit den nat\u00fcrlichen Proportionen des menschlichen K\u00f6rpers zu tun, die sp\u00e4teren n\u00e4hern sich ihnen an. Meist entspricht die Breite der Figur einem Viertel, manchmal einem Drittel oder einem F\u00fcnftel der L\u00e4nge. Oft sind die wesentlichen Linien des Idols durch drei, sp\u00e4ter zwei \u00fcbereinander liegende, gleich gro\u00dfe Kreise vorgegeben. Auch bestimmte Winkel werden auff\u00e4llig h\u00e4ufig verwendet, n\u00e4mlich die der Diagonalen eines Rechtecks mit Gr\u00f6\u00dfenverh\u00e4ltnis der Seiten 5:8 oder einfache Ableitungen davon (in der \u00e4gyptischen Architektur sind dieselben Winkel von gro\u00dfer Bedeutung; und auch die minoischen Doppelaxt- und Steinmetz-Zeichen stellen diese Winkel dar). Oft haben mehrere \u00e4hnliche Figuren, die einem K\u00fcnstler zugeschrieben werden, verschiedene Gr\u00f6\u00dfe, aber gleiche Proportionen. Mithilfe von Lineal, Zirkel und Winkelmesser ritzten die K\u00fcnstler vermutlich die gew\u00fcnschte Form auf den rohen Steinen ein und arbeiteten sie dann langsam durch Schleifen in die Tiefe aus.<\/p>\n<h3>Die Funktion der Idole<\/h3>\n<p><big>\u00dc<\/big>ber die Bedeutung und Funktion der Idole ist viel spekuliert worden, ohne dass man zu \u00fcberzeugenden Ergebnissen gelangt ist. Erschwert wird die Interpretation dadurch, dass die meisten bekannten Idole aus Raubgrabungen stammen, so dass die Fundumst\u00e4nde unbekannt sind.<\/p>\n<p><big>I<\/big>dole wurden fast ausschlie\u00dflich in Gr\u00e4bern gefunden, sie waren allerdings die seltenste Grabbeigabe. Meist weisen sie keine Spuren eines Gebrauchs auf; nur unter den fr\u00fchen, stehenden Idolen gab es auch geflickte, also wohl &#8222;benutzte&#8220; St\u00fccke. Gelegentlich fand man gro\u00dfe Idole, die zerschlagen worden waren, damit sie ins Grab passten, aber auch kleine Idole waren oft zerschlagen, oder man fand in den Gr\u00e4bern nur St\u00fccke, insbesondere F\u00fc\u00dfe von Idolen.<\/p>\n<p><big>D<\/big>a die meisten (jedoch nicht alle) Idole weibliche Figuren sind, hat man sie als Abbilder einer weiblichen Gottheit interpretiert; ihr Beigeben ins Grab bezeugt m\u00f6glicherweise einen Glauben an ein Weiterleben nach dem Tode, f\u00fcr das die Anwesenheit einer m\u00fctterlichen Gottheit von Bedeutung war. Einzelne Idole stellen jedoch auch Instrumentenspieler (Harfen, Fl\u00f6ten) oder Trinker mit einem erhobenen Becher dar (ja, schon vor 5.000 Jahren waren den Kykladenbewohnern Wein und Musik sehr wichtig&#8230;).<\/p>\n<h3>Religion<\/h3>\n<p><big>\u00dc<\/big>ber die Religion der Kykladen-Kultur ist nichts Sicheres bekannt. Auff\u00e4llig ist das Fehlen von Tempeln, was vermuten l\u00e4sst, dass Naturg\u00f6tter unter freiem Himmel oder an einfachen Alt\u00e4ren verehrt wurden. Man hat allerdings Stellen gefunden, die als Heiligt\u00fcmer interpretiert werden, so ein auf der H\u00fcgelkuppe Koryf\u00ed t&#8217;Aronio\u00fa n\u00f6rdlich von P\u00e1normos gelegenes Geb\u00e4ude, an dem viele Steinplatten mit eingeritzten Motiven gefunden wurden. Diese stellen tanzende Menschen, Jagd- und Fischerei-Szenen sowie einen Hirsch auf einem Boot dar; sie sind m\u00f6glicherweise als Weihegeschenke an die Gottheit oder als \u201cVotivt\u00e4felchen\u201d, mit denen besonderer Beistand erfleht wurde, zu verstehen. Bei einem kleinen Geb\u00e4ude auf Amorgos fand man Anzeichen f\u00fcr Brandopfer, die ja auch in der griechischen Antike noch sehr beliebt waren.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/koryfi_t_aroniou-7.jpg\" alt=\"fr\u00fchbronzezeitliches Heiligtum Koryfi t'Aroniou, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Dieses elliptische Geb\u00e4udefundament auf dem H\u00fcgel Koryf\u00ed t&#8217;Aronio\u00fa wird als fr\u00fchbronzezeitliches Heiligtum verstanden.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/museum_apiranthos_stone_art-7.jpg\" alt=\"Steinplatten mit fr\u00fchbronzezeitlichen Einritzungen, Museum Apiranthos, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>In diesem Schaukasten im arch\u00e4ologischen Museum in Ap\u00edranthos ist ein Teil der bei Koryf\u00ed t&#8217;Aronio\u00fa gefundenen Steinplatten mit Einritzungen ausgestellt. <\/small><\/p>\n<p><big>D<\/big>ie einzige bekannte gr\u00f6\u00dfere Kultst\u00e4tte der Kykladenkultur (und die \u00e4lteste Kultst\u00e4tte Griechenlands, aus der mittleren Phase der Fr\u00fchen Bronzezeit, also etwa 2.500 v. Chr.) befand sich auf der s\u00fcd\u00f6stlich von Naxos gelegenen, heute verlassenen Insel <strong>K\u00e9ros,<\/strong> die w\u00e4hrend der Fr\u00fchen Bronzezeit ebenso wie die umliegenden Inseln besiedelt war. Auf einem kleinen pyramidenf\u00f6rmigen Inselchen namens <em>Daskali\u00f3<\/em>, das direkt vor der Westk\u00fcste von Keros liegt und fr\u00fcher \u00fcber eine Mole mit der Hauptinsel verbunden war, lag eine kleine, aber sehr sorgf\u00e4ltig angelegte Siedlung in mehreren Ebenen mit Terrassen und Mauern und sogar einem Abwassersystem, aus wei\u00dfem naxiotischem Marmor errichtet. In der Siedlung lebten dauerhaft nur etwa 20 Menschen; zu bestimmten Zeiten scheint sie aber von vermutlich Hunderten von Menschen besucht worden zu sein, die sich f\u00fcr je ein paar Tage aufhielten. Die Besucher, die die Stelle offenbar f\u00fcr ein regelm\u00e4\u00dfig wiederkehrendes Ritual oder Fest besuchten, kamen den Funden gem\u00e4\u00df \u00fcberwiegend von Naxos und den anderen n\u00e4heren Inseln, aber auch aus entfernteren Gegenden wie dem griechischen Festland. In der Siedlung befanden sich mehrere Metallwerkst\u00e4tten und es sind zahlreiche Hinterlassenschaften des t\u00e4glichen Lebens gefunden worden wie Weintraubenkerne, Tierknochen, Scherben von Koch- und Essensgeschirr usw.<\/p>\n<p><big>D<\/big>irekt benachbart zum Inselchen Daskali\u00f3 sind auf K\u00e9ros zwei Stellen ausgegraben worden, die offenbar bei den Ritualen oder Feiern, zu denen die Menschen nach Daskali\u00f3 kamen, eine Rolle spielten. Man hat hier Tausende von Scherben von Ton- und Steingef\u00e4\u00dfen gefunden, die \u00fcblicherweise als Grabbeigaben verwendet wurden, sowie eine gro\u00dfe Anzahl von Idol-Bruchst\u00fccken; au\u00dferdem fanden sich Bruchst\u00fccke von Steinplatten und kleine Steinzylinder (Spulen? M\u00f6rser?) sowie an zwei Stellen Ansammlungen von menschlichen Knochen und von Meereskieseln. In gr\u00f6\u00dferer Zahl fanden sich au\u00dferdem Obsidian-Splinter, die offenbar von einer Bearbeitung von Obsidian vor Ort stammen, und Bruchst\u00fccke von Metallobjekten und andere Hinterlassenschaften, die auf die Existenz von Schmelz\u00f6fen zur Gewinnung und Legierung von Metallen hinweisen.<\/p>\n<p><big>D<\/big>ie Funde von K\u00e9ros sind in vieler Weise sehr merkw\u00fcrdig und geben uns einige R\u00e4tsel auf. \u00dcberraschend ist vor allem die Tatsache, dass keine der Bruchst\u00fccke und Scherben der Grabbeigaben (Idole, Stein- und Tongef\u00e4\u00dfe) zueinanderpassen: Die Gegenst\u00e4nde sind (fast ausnahmslos) nicht vor Ort zerbrochen oder zerschlagen worden, sondern es handelt sich um einzelne, extra herbei transportierte und hier deponierte St\u00fccke von vorher zerbrochenen Grabbeigaben: Offenbar hatte die Deponierung der Bruchst\u00fccke &#8211; und sicher auch der an manchen Stellen gefundenen menschlichen Knochen &#8211; eine rituelle Bedeutung. Man wei\u00df nicht, wo die \u00fcbrigen St\u00fccke der Grabbeigaben geblieben sind: Man hat passende St\u00fccke weder auf Daskali\u00f3, noch auf K\u00e9ros, noch in der N\u00e4he von Gr\u00e4bern noch sonst irgendwo gefunden.<\/p>\n<p><big>D<\/big>er Marmor, aus dem die Idole und Steingef\u00e4\u00dfe, deren Bruchst\u00fccke bei den Ausgrabungen auf K\u00e9ros zutage traten, hergestellt waren, stammt Analysen zufolge \u00fcberwiegend aus Naxos und zwar aus der Gegend zwischen Moutso\u00fana, Ap\u00edranthos, Danak\u00f3s und Ligar\u00eddia s\u00fcdlich von Moutso\u00fana. Man hat bislang in dieser Region keine Hinweise auf die Produktion von Steinartefakten gefunden, weder Reste von Werkst\u00e4tten, noch Stellen, an denen viele Steinsplitter auf eine Steinbearbeitung in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfstab hindeuten. Was die Tonscherben betrifft, so stammen die meisten St\u00fccke vermutlich ebenfalls von Naxos, andere aber auch von vulkanischen Inseln wie Santorin und Milos, wieder andere stammen wohl vom griechischen Festland oder den westlichen Kykladen.<\/p>\n<p><big>D<\/big>er Forscher Chr. Doumas vermutet, dass die Kykladenmenschen glaubten, dass sich auf K\u00e9ros der Eingang zur Unterwelt bef\u00e4nde. W\u00e4hrend der mittleren Phase der Kykladenkultur war es \u00fcblich, die Gr\u00e4ber mehrfach zu benutzen, wobei jedes Mal die Knochen der vorherigen Bestattung entfernt wurden, w\u00e4hrend der Sch\u00e4del an seinem Platz gelassen wurde. Sind vielleicht Knochen der vorherigen Bestattungen sowie Bruchst\u00fccke der Grabbeigaben zum Zweck einer rituellen Niederlegung am Eingang zur Unterwelt nach K\u00e9ros gebracht worden? \u00dcber die genauen Hintergr\u00fcnde und die Funktion der hier vollzogenen Riten kann man leider bislang nur spekulieren&#8230;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/view_of_keros-1.jpg\" alt=\"Blick von Panormos auf Koufonissi und Keros\"><br \/>\n<small>Blick von P\u00e1normos auf die Inseln Koufon\u00edssia und K\u00e9ros (die h\u00f6here Insel im Hintergrund).<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/museum_apiranthos_idols_feet-1.jpg\" alt=\"Bruchst\u00fccke von kykladischen Idolen, Museum Apiranthos, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Bruchst\u00fccke von Idolen im Museum von Apiranthos<\/small><\/p>\n<p><big>N<\/big>ach den wenigen erhaltenen Zeugnissen scheint es, dass die vorgriechischen \u00e4g\u00e4ischen Kulturen keinem Vielg\u00f6tterglauben anhingen wie die antiken Griechen, sondern an eine zentrale weibliche Gottheit glaubten, die als Mutter- und Fruchtbarkeitsg\u00f6ttin verstanden werden muss. Auch in den neolithischen Kulturen des \u00f6stlichen Balkans wurde eine weibliche Muttergottheit verehrt. Von Interesse ist ein antiker Bericht, laut dessen die Pelasger eine weibliche Gottheit verehrt h\u00e4tten, die aus dem anf\u00e4nglichen Chaos entstanden sei und die ganze Welt erschaffen habe. Ist diese G\u00f6ttin vielleicht in den Kykladenidolen abgebildet? Auch zum Orient gab es gewisse \u00c4hnlichkeiten in Kult und Religion; in Syrien wurde in der gleichen Zeit eine weibliche Gottheit als Herrscherin \u00fcber Leben und Tod verehrt. Die Grabbeigaben lassen au\u00dferdem vermuten, dass die Menschen der Kykladenkultur an ein Weiterleben nach dem Tod oder an eine Wiedergeburt glaubten.<\/p>\n<p>weiter: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-minoische-epoche\/\">Die minoische Epoche<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-kykladenkultur\/\">zur\u00fcck zur Kykladenkultur<\/a><\/p>\n<p>siehe auch:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-heiligtum-koryfi-t-aroniou\/\">Das fr\u00fchbronzezeitliche Heiligtum Koryfi t&#8217;Aroniou<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/archaeologisches-museum-apiranthos\/\">Das arch\u00e4ologische Museum in Apiranthos<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Zum Weiterlesen:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kykladenidol\">Wikipedia: Kykladenidole<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Keros\">Wikipedia: Keros<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.arch.cam.ac.uk\/research\/projects\/current-projects\/keros-project\">Das Keros-Projekt der Universit\u00e4t von Cambridge (unter Colin Renfrew), auf englisch<\/a>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n<p>verwendete Literatur:<br \/>\n&#8211; The sanctuary on Keros and the origins of Aegean ritual practice: the excavations of 2006\u20132008, Volume III; von Colin Renfrew, Olga Philaniotou, Neil Brodie, Giorgos Gavalas &#038; Michael J. Boyd; herausgegeben von: McDonald Institute for Archaeological Research University of Cambridge, 2018<br \/>\n&#8211; \u03a7\u03c1\u03ae\u03c3\u03c4\u03bf\u03c2 \u039d\u03c4\u03bf\u03cd\u03bc\u03b1\u03c2, \u039a\u03bf\u03c1\u03c6\u03ae \u03c4\u2019\u0391\u03c1\u03c9\u03bd\u03b9\u03bf\u03cd, in: \u0391\u03c1\u03c7\u03b1\u03b9\u03bf\u03bb\u03bf\u03b3\u03b9\u03ba\u03cc \u0394\u03b5\u03bb\u03c4\u03af\u03bf, \u03a4\u03cc\u03bc\u03bf\u03c2 20, \u0391\u03b8\u03ae\u03bd\u03b1\u03b9, 1966<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die bekanntesten aus Stein gefertigten Artefakte der Kykladenkultur sind ohne Zweifel die Marmoridole. Diese einzigartigen Kunstwerke bezeugen besonders beeindruckend das handwerkliche Geschick und den Kunstsinn des Kykladenvolkes.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":59343,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2015,55,17,15,1994,1957,9],"tags":[35,882,37,872,1181,869,34,1836,36,865],"class_list":["post-336","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-meine-lieblings-beitraege","category-bronzezeit","category-geschichte","category-kultur","category-kykladenkultur","category-marmor","category-naxos","tag-agais","tag-bronzezeit","tag-fruhe-bronzezeit","tag-geschichte","tag-geschichte-von-naxos","tag-griechenland","tag-kykladen","tag-kykladenidole","tag-kykladenkultur","tag-naxos"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/336","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=336"}],"version-history":[{"count":33,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/336\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":70111,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/336\/revisions\/70111"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/59343"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=336"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=336"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=336"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}