{"id":216,"date":"2009-06-07T08:02:49","date_gmt":"2009-06-07T05:02:49","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?page_id=216"},"modified":"2024-09-12T17:17:32","modified_gmt":"2024-09-12T14:17:32","slug":"naxos-kalkbrennoefen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/de\/naxos-kalkbrennoefen\/","title":{"rendered":"Traditionelle Kalkbrenn\u00f6fen"},"content":{"rendered":"<p><big>E<\/big>in typisches kykladitisches Dorf zeichnet sich durch seine eng aneinander stehenden, einfachen, etwa w\u00fcrfelf\u00f6rmigen, wei\u00df get\u00fcnchten H\u00e4user aus.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/villages\/koronos-1.jpg\" alt=\"Koronos, Naxos\" ><\/p>\n<p><big>D<\/big>abei ist diese Vorliebe f\u00fcr den wei\u00dfen Verputz relativ neu; im Mittelalter waren die H\u00e4user der D\u00f6rfer unverputzt, damit sie weniger leicht zu sehen und somit weniger durch Piraten gef\u00e4hrdet waren, die gro\u00dfe Plage in der \u00c4g\u00e4is waren. Aus demselben Grund sind die gr\u00f6\u00dferen D\u00f6rfer auf den Kykladen auch fast ausnahmslos so gelegen, dass sie vom Meer aus nicht zu sehen waren; Hafensiedlungen sind meist j\u00fcngere Ableger der mittelalterlichen D\u00f6rfer.<\/p>\n<p><big>D<\/big>en f\u00fcr das Wei\u00dfen der H\u00e4user und der Gassen ben\u00f6tigten Kalk stellten sich die Bewohner der D\u00f6rfer fr\u00fcher selbst her. Dazu wurden spezielle Kalkbrenn\u00f6fen betrieben. An vielen Stellen kann man heute noch die \u00dcberreste solcher Brenn\u00f6fen finden, beispielsweise in der N\u00e4he der <em>P\u00f3rta<\/em>, also am Pass s\u00fcdlich von Koronos, und am Weg zum Zeusgipfel; aber auch bei uns liegt einer ganz in der N\u00e4he der Ferienh\u00e4user.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/traditions\/lime_kiln-2.jpg\" alt=\"traditioneller Kalkbrennofen, Naxos\" ><br \/>\n<small>Kalkbrennofen bei K\u00f3ronos<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/traditions\/lime_kiln-6.jpg\" alt=\"traditioneller Kalkbrennofen, Naxos\" ><br \/>\n<small>Auf dem Wanderweg zum Gipfel des Zeus-Berges kommt man ebenfalls an zwei Kalkbrenn\u00f6fen vorbei.<\/small><\/p>\n<p><big>D<\/big>ie Dorfbewohner errichteten die Kalkbrenn\u00f6fen, die <em>kam\u00ednia,<\/em> an Stellen, an denen sowohl die geeigneten Steine, eine besondere Art Marmor, zur Verf\u00fcgung standen, als auch gen\u00fcgend Brennmaterial.<\/p>\n<h3>Das Brennmaterial: der Dornige Ginster<\/h3>\n<p><big>Z<\/big>um Anheizen der Kalkbrenn\u00f6fen wurden die sehr leicht entz\u00fcndlichen, dichten <a href=\"http:\/\/azalas.de\/ginster\/\">Ginsterb\u00fcsche<\/a> (<em>fr\u00fdgano, Genista acanthoclada<\/em> = Dorniger Ginster) verwendet. Etwa einen Monat vor dem Betreiben des <em>kam\u00edni<\/em>, das \u00fcblicherweise kurz vor Ostern stattfand, wurden die Ginsterb\u00fcsche gerodet und mit gro\u00dfen Steinen beschwert zum Trocknen ausgelegt. Dann trugen die Arbeiter die flachgedr\u00fcckten stacheligen Str\u00e4ucher an ihren St\u00f6cken \u00fcber der Schulter zum <em>kam\u00edni<\/em>, wo sie zun\u00e4chst als Windschutz aufgeschichtet wurden.<\/p>\n<p><big>H<\/big>eute bildet der Dornige Ginster an vielen Stellen in der Bergregion dichte Best\u00e4nde, in denen kaum andere Pflanzen wachsen k\u00f6nnen, und die oft fast undurchdringlich sind. Besonders dominant ist er an der P\u00f3rta und auf dem M\u00e1vro Vo\u00fani, der \u00f6stlichen, h\u00f6chsten Spitze des Koronos-R\u00fcckens; aber auch am Zeus und in vielen anderen Gegenden kommt er h\u00e4ufig vor.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/vegetation\/phrygana_genista-1.jpg\" alt=\"Dorniger Ginster bei Koronos, Naxos\" ><br \/>\n<small>In den Bergen um K\u00f3ronos sind heute manche H\u00e4nge fast nur mit Dornigem Ginster bewachsen.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/flora\/fabaceae\/genista_acanthoclada-1.jpg\" alt=\"Dorniger Ginster, Naxos\" ><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/flora\/fabaceae\/genista_acanthoclada_flowers-1.jpg\" alt=\"Dorniger Ginster, Naxos\" ><br \/>\n<small>Auch bei uns ist der Dornige Ginster h\u00e4ufig. Im Fr\u00fchjahr, wenn der Ginster bl\u00fcht, verwandelt sich die Phrygana in ein gelbes, duftendes Bl\u00fctenmeer.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/flora\/fabaceae\/genista_acanthoclada_habitat-1.jpg\" alt=\"Dorniger Ginster bei Koronos, Naxos\" ><br \/>\n<small>Ansonsten ist der Ginster weniger attraktiv, besonders f\u00fcr den Wanderer, der sich einen Weg durch ihn zu bahnen versucht.<\/small> <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/vegetation\/phrygana_fire-1.jpg\" alt=\"abgebrannter Bestand des Dornigen Ginsters bei Koronos, Naxos\" ><br \/>\n<small>Die dichten Ginsterbest\u00e4nde werden von den Hirten gelegentlich abgebrannt, damit wieder frisches Kraut aufkommen kann und die Ziegen und Schafe Nahrung finden. Durch derartige gelegte Feuer oder auch bei unabsichtlich entstehenden Feuern k\u00f6nnen in den Bergen von Naxos gro\u00dfe Fl\u00e4chen abbrennen und auch gr\u00f6\u00dfere Sch\u00e4den entstehen.<\/small><\/p>\n<p><big>F<\/big>r\u00fcher gab es wegen des hohen Bedarfs an Ginster nicht nur f\u00fcr die Kalkbrenn\u00f6fen, sondern auch f\u00fcr die \u00d6fen der T\u00f6pfer sowie der B\u00e4cker, aber auch die Back\u00f6fen der Haushalte, viel weniger Ginster als heute auf der Insel; oft mussten die D\u00f6rfler weite Strecken laufen, um Ginster zu ernten. Entsprechend war auch die Gefahr gro\u00dfer <a href=\"https:\/\/azalas.de\/feuer\/\">Feuer<\/a> viel geringer: ein gutes Beispiel daf\u00fcr, wie durch die traditionelle Nutzung der Landschaft ein harmonisches, selbsterhaltendes Ganzes erschaffen wurde, w\u00e4hrend heute durch die geringere oder intensivere moderne Nutzung oft kaum l\u00f6sbare Probleme entstehen.<\/p>\n<h3>Die Kalkbrenn\u00f6fen<\/h3>\n<p><big>D<\/big>ie Kalkbrenn\u00f6fen wurden stets an derselben Stelle betrieben, wobei ein immer wieder verwendetes, rundes Mauerwerk benutzt wurde, das fast wie ein Windm\u00fchlenstumpf aussieht. In diesem Gem\u00e4uer wurde eine zweite dicke Mauer aus den zu brennenden Kalksteinen aufgeschichtet, die nach oben hin kuppelf\u00f6rmig geschlossen wurde. Unten blieb in der Mitte ein gro\u00dfer Hohlraum f\u00fcr das Feuer; an einer Seite wurde eine \u00d6ffnung f\u00fcr das Einschieben der Ginsterstr\u00e4ucher gelassen. Oben auf die Kuppel schaufelten die D\u00f6rfler eine Schicht von kleineren Steinen und Kieseln.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/traditions\/lime_kiln-1.jpg\" alt=\"traditioneller Kalkbrennofen, Naxos\" ><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/traditions\/lime_kiln-3.jpg\" alt=\"traditioneller Kalkbrennofen, Naxos\" ><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/traditions\/lime_kiln-4.jpg\" alt=\"traditioneller Kalkbrennofen, Naxos\" ><br \/>\n<small>An den W\u00e4nden des Bauwerks sieht man, dass die als M\u00f6rtel verwendete Erde ganz rot gebrannt ist.<\/small><\/p>\n<p><big>D<\/big>er Brennofen musste zwei Tage und N\u00e4chte lang ununterbrochen mit <em>fr\u00fdgana<\/em> befeuert werden. Der Kalk war fertig, wenn die Kuppel einsank. Wenn der Ofen abgek\u00fchlt war, wurde er aufgebrochen, und jeder Arbeiter erhielt seinen Anteil an Kalk in Form gro\u00dfer Brocken, die er zu Hause an einem trockenen Platz aufbewahrte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/traditions\/lime_kiln-5.jpg\" alt=\"traditioneller Kalkbrennofen, Naxos\" ><br \/>\n<small>Um den ehemaligen Kalkbrennofen herum findet man noch \u00dcberreste des Kalkes.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/traditions\/lime_kiln_lime-1.jpg\" alt=\"traditioneller Kalkbrennofen, Naxos\" ><\/p>\n<p><big>W<\/big>enn der Kalk verwendet werden sollte, vermischte man ihn mit Wasser und trug ihn dann mit einer B\u00fcrste aus Binsen auf die W\u00e4nde auf. Der Kalk war stark \u00e4tzend, sch\u00e4umte mit Wasser gewaltig auf und wirkte desinfizierend. Ein stets sch\u00f6n und sauber gewei\u00dftes Haus war der Stolz jeder Hausfrau. Viele Frauen wei\u00dften ihre H\u00e4user, die kleinen Vorh\u00f6fe und auch die Gasse vorm Haus jede Woche. Die H\u00e4user wurden durch die wei\u00dfe Farbe aufgrund der Reflektion der Sonnenstrahlung im Sommer au\u00dferdem deutlich k\u00fchler gehalten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/villages\/koronos-plateia-1.jpg\" alt=\"Dorfplatz in Koronos, Naxos\" ><\/p>\n<p><big>K<\/big>alkbrenn\u00f6fen wurden auf Naxos bis in die sechziger, teilweise auch die siebziger Jahre hinein betrieben.<\/p>\n<p>zur\u00fcck:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-sehenswuerdigkeiten\/\">Die Sehensw\u00fcrdigkeiten von Naxos<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-traditionen\/\">Dorftraditionen und Historisches<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>siehe auch: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-steinhaeuser\/\">Dorfarchitektur und Steinh\u00e4user<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein typisches kykladitisches Dorf zeichnet sich durch seine eng aneinander stehenden, einfachen, etwa w\u00fcrfelf\u00f6rmigen, wei\u00df get\u00fcnchten H\u00e4user aus. Dabei ist diese Vorliebe f\u00fcr den wei\u00dfen Verputz relativ neu; im Mittelalter waren die H\u00e4user der D\u00f6rfer unverputzt, damit sie weniger leicht zu sehen und somit weniger durch Piraten gef\u00e4hrdet waren, die gro\u00dfe Plage in der \u00c4g\u00e4is [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":54282,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[30,1998,15,1957,9,31,2000],"tags":[89,86,87,869,85,71,34,865,88,47,46,66],"class_list":["post-216","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-dorfleben","category-koronos","category-kultur","category-marmor","category-naxos","category-sehenswuerdigkeiten","category-traditionelle-gebaeude","tag-dornginster","tag-genista-acanthoclada","tag-ginster","tag-griechenland","tag-kalkbrennofen","tag-koronos","tag-kykladen","tag-naxos","tag-phrygana","tag-wandern-auf-naxos","tag-wanderungen","tag-zeus-berg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/216","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=216"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/216\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":70030,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/216\/revisions\/70030"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/54282"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=216"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=216"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=216"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}