{"id":161,"date":"2009-03-16T22:57:46","date_gmt":"2009-03-16T20:57:46","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?page_id=161"},"modified":"2026-01-09T13:33:55","modified_gmt":"2026-01-09T11:33:55","slug":"geologie-mittelmeer-entstehung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/de\/geologie-mittelmeer-entstehung\/","title":{"rendered":"Die geologische Entstehungsgeschichte des Mittelmeeres"},"content":{"rendered":"<h3>Im Erdaltertum (Pal\u00e4ozoikum)<\/h3>\n<p><big>D<\/big>er erste Vorl\u00e4ufer des Mittelmeeres war der pal\u00e4ozoische Ozean <u>Pal\u00e4otethys<\/u>. Dieser bestand als riesige Meeresbucht schon am Ende des ersten (und l\u00e4ngsten) der drei durch Fossilien dokumentierten Erdzeitalter, des <u>Pal\u00e4ozoikums<\/u> (vor 540 bis 250 Mio. Jahren). W\u00e4hrend der letzten Epochen des Pal\u00e4ozoikums, dem Karbon (vor 345 bis 295 Mio. Jahren) und dem Perm (vor 295 bis 250 Mio. Jahren), lagerten sich alle Kontinente aneinander (Pang\u00e4a) und ordneten sich dabei etwa in C-Form um die riesenhafte Meeresbucht der Pal\u00e4otethys an.<\/p>\n<p><big>N<\/big>\u00f6rdlich der nach Osten offenen Pal\u00e4otethys lag <u>Euramerika<\/u>, das nur etwa bis Mittelasien reichte, s\u00fcdlich der gro\u00dfe S\u00fcdkontinent <u>Gondwana<\/u>, bestehend aus S\u00fcdamerika, Afrika, Indien, Australien und Antarktis. Richtung Westen reichte die Pal\u00e4otethys im Perm bis nach S\u00fcdosteuropa.<\/p>\n<p><big>E<\/big>uramerika und Gondwana waren bei der <u>Variszischen Gebirgsbildung<\/u> im sp\u00e4ten Pal\u00e4ozoikum kollidiert, bei der sich die Gebirge im \u00f6stlichen Nordamerika, in Marokko und in Mitteleuropa bildeten, als Afrika mit Nordamerika und Europa zusammenstie\u00df (die s\u00fcdeurop\u00e4ischen Gebiete geh\u00f6rten noch zu Afrika und wurden erst sp\u00e4ter davon abgespalten). Au\u00dferdem bildeten sich der Ural durch weitere Ann\u00e4herung der schon verbundenen Kontinente Europa und Asien sowie die Bergl\u00e4nder in Asien n\u00f6rdlich des Himalaja durch die Anlagerung von kleineren Kontinentst\u00fccken aus S\u00fcdosten. S\u00fcdchina und andere Gebiete S\u00fcdostasiens wanderten noch als isolierte Inseln s\u00fcdlich von Asien nach Norden, um sp\u00e4ter mit diesem zu kollidieren.<\/p>\n<h3>Im Erdmittelalter (Mesozoikum)<\/h3>\n<p><big>N<\/big>ach dem Perm begann die mittlere Epoche des Erdmittelalters, das <u>Mesozoikum<\/u> (Trias, Jura, Kreide; vor 250 bis 65 Mio. Jahren). Im Mesozoikum brach Pang\u00e4a auseinander. Die Pal\u00e4otethys wurde geschlossen (s.u.) und ihr Folgeozean, die Neotethys, gebildet. Diese wurde sp\u00e4ter in ihrem Westteil durch einen weiteren Ozeanarm, das Mittelmeer, ersetzt.<\/p>\n<h6>In der Trias<\/h6>\n<p><big>S<\/big>chon ab dem Perm war vom Nordrand von Gondwana durch die \u00d6ffnung eines neuen Ozeanarmes, der <u>Neotethys<\/u>, ein langgestrecktes Kontinentst\u00fcck oder Inselsystem abgepalten worden: der Kimmerische (Teil-)Kontinent. Dieser wanderte unter Rotation entgegen dem Uhrzeigersinn nach Norden und kollidierte w\u00e4hrend des Mesozoikums von West nach Ost fortschreitend mit Eurasien. Dabei entstanden Teile des Balkanraumes, der Krim, Kleinasiens, des Iran, Tibets und Indochinas. Bei der Anlagerung wurde die Pal\u00e4otethys n\u00f6rdlich von Kimmeria geschlossen, s\u00fcdlich \u00f6ffnete sich entsprechend die Neotethys.<\/p>\n<p><big>I<\/big>m Bereich Europas erfolgte die Kollision des Kimmerischen Kontinents w\u00e4hrend der ersten mesozoischen Epoche, der Trias (vor 250 bis 203 Mio. Jahren). Gleichzeitig mit der Schlie\u00dfung der Pal\u00e4otethys vergr\u00f6\u00dferte sich die s\u00fcdlich des Kimmerischen Kontinentes entstehende Neotethys und dehnte sich auch weiter nach Westen aus, bis Europa fast vollst\u00e4ndig von Afrika getrennt war.<\/p>\n<p><big>A<\/big>m Nordrand von Afrika bildeten sich von Ost nach West fortschreitend mehrere weitere parallel zur Neotethys verlaufende Grabenbr\u00fcche, die je kleine Kontinentst\u00fccke abspalteten. Diese Terrane wanderten ebenfalls im Laufe der Zeit nach Norden, um schlie\u00dflich eines nach dem anderen mit dem S\u00fcdrand Europas zu kollidieren. Sie waren zun\u00e4chst als flache Plattformen ausgebildet und ebenso wie weite Teile S\u00fcdost- und Mitteleuropas w\u00e4hrend des gr\u00f6\u00dften Teils des Mesozoikums vom Meer \u00fcberflutet, und es wurden dicke Schichten kalkhaltiger Sedimente auf ihnen abgelagert.<\/p>\n<h6>Im Jura<\/h6>\n<p><big>I<\/big>n der n\u00e4chsten Epoche, dem Jura (vor 203 bis 135 Mio. Jahren), begann Pang\u00e4a auseinander zu brechen. Zwischen Nordamerika und Nordwestafrika entstand ein Grabenbruch, in dem sich das erste Teilst\u00fcck des Atlantischen Ozeans bildete. Gleichzeitig trennten sich Antarktis, Autralien und Indien in einem St\u00fcck von Afrika und zerfielen sp\u00e4ter in ihre Einzelteile. Afrika entfernte sich weiterhin von Europa und der dazwischen liegende Ozean, die Neotethys, weitete sich aus.<\/p>\n<p><big>I<\/big>m Bereich der heutigen Alpen entstand der Penninische Ozean als nach Osten versetzte nord-s\u00fcdlich verlaufende Fortsetzung des Atlantik und Verbindung mit der Tethys. Auch hier wurden Hunderte von Metern dicke Sedimente abgelagert. S\u00fcd\u00f6stlich des Penninischen Ozeans lag die noch zum \u00fcberfluteten Schelfgebiet von Afrika geh\u00f6rende Adriatische Platte. Diese bewegte sich nun durch die \u00d6ffnung des Penninischen Ozeans und des Atlantik gemeinsam mit Afrika nach Osten. Durch diese Bewegungen wurden die kleinen Terrane, die sich nord\u00f6stlich von Afrika abgespalten hatten, nach Norden geschoben, und die ersten zwei von ihnen kollidierten noch im Lauf des Juras mit S\u00fcdosteuropa. Dabei entstanden die n\u00f6rdlichen Anteile des griechischen Festlandes und des \u00c4g\u00e4israumes (\u00e4lteste Phasen der <u>Alpidischen Gebirgsbildung<\/u>).<\/p>\n<p><big>B<\/big>ei den Kollisionen wurden die jeweils n\u00f6rdlich der Terrane liegenden Ozeanarme der Neotethys geschlossen. Ihre Sedimentdecken wurden bei der Subduktion des Ozeanbodens unter die europ\u00e4ische Platte gr\u00f6\u00dftenteils abgeschert und mit den Gesteinsschichten der Terrane zu Gebirgsz\u00fcgen verfaltet bzw. \u00fcbereinander geschoben. Ein weiteres Terran wurde am \u00dcbergang zur n\u00e4chsten Periode, der Kreidezeit, an S\u00fcdosteuropa angelagert. (Das letzte Terran kollidierte erst im Eoz\u00e4n (Erdneuzeit) mit Europa.) S\u00fcdlich der Terrane und Kontinentst\u00fccke, die sich auf Europa zubewegten, \u00f6ffnete sich zunehmend ein neuer gro\u00dfer Ozeanarm, das Mittelmeer.<\/p>\n<h6>In der Kreide<\/h6>\n<p><big>I<\/big>n der n\u00e4chsten Epoche, der Kreidezeit (vor 135 bis 65 Mio. Jahren), weitete sich der Atlantik aus und Nordamerika l\u00f6ste sich von Europa. Die Iberische Platte wurde von Europa abgespalten. Auch S\u00fcdamerika trennte sich von Afrika, wobei letzteres entgegen dem Uhrzeigersinn zu rotieren begann.<\/p>\n<p><big>A<\/big>b der mittleren Kreidezeit wanderte Afrika wieder auf Europa zu. Das f\u00fchrte zu weiteren gebirgsbildenden Prozessen in S\u00fcdeuropa; so kam es zu den ersten Auffaltungen im Bereich der Alpen. Die Neotethys war im Bereich Europas schon weitgehend geschlossen und durch das Mittelmeer ersetzt. Wie auch schon im Jura lag der Meeresspiegel wegen des Fehlens von Eiskappen an den Polen und der relativ weiten Ausdehnung der Landmassen (es gab nur wenige junge Faltengebirge) sehr hoch und gro\u00dfe Teile Europas wie auch Nordamerikas und Nordafrikas waren vom Meer \u00fcberflutet. \u00dcber diese \u00fcberfluteten Kontinentbereiche bestand eine Meeresverbindung vom Atlantik zur Tethys s\u00fcdlich von Asien. Im Bereich der Tethys spaltete sich Indien von Madagaskar ab, mit dem gemeinsam es sich vorher von Australien getrennt hatte, und begann z\u00fcgig nach Norden zu wandern.<\/p>\n<h3>In der  Erdneuzeit (Terti\u00e4r und Quart\u00e4r)<\/h3>\n<p><big>N<\/big>ach der Kreidezeit begann die <u>Erdneuzeit<\/u> (Terti\u00e4r und Quart\u00e4r, oder: Pal\u00e4oz\u00e4n, Eoz\u00e4n, Oligoz\u00e4n, Mioz\u00e4n, Plioz\u00e4n, Pleistoz\u00e4n, Holoz\u00e4n; von vor 65 Mio. Jahre bis heute). In der Erdneuzeit n\u00e4herte sich Afrika weiter an Europa an und der dazwischen gelegene Ozean, das Mittelmeer, wurde zunehmend eingeengt. Die Adriatische Platte wurde von Afrika weiter nach Norden geschoben und kollidierte mit Europa, wobei sich die Alpen auffalteten (j\u00fcngere Phasen der <u>Alpidischen Gebirgsbildung<\/u>; ab dem Pal\u00e4oz\u00e4n vor 65 Mio. Jahren mit H\u00f6hepunkt im Mioz\u00e4n, vor etwa 20 Mio. Jahren). Im Bereich Griechenlands kollidierte im Eoz\u00e4n das letzte Terran mit dem S\u00fcdrand Europas, wodurch Kreta und die anderen s\u00fcdlichsten \u00c4g\u00e4isinseln gebildet wurden. Iberien lagerte sich wieder an Europa und die Pyren\u00e4en falteten sich auf. Auch Indien kollidierte ab dem Eoz\u00e4n mit Asien, was zur Entstehung des Himalajas f\u00fchrte; s\u00fcdlich davon formte sich der Indische Ozean, der ebenso wie das Mittelmeer ein Nachfolgeozean der Tethys ist.<\/p>\n<p><big>A<\/big>frika und Europa n\u00e4herten sich nun so weit an, dass sie im Westen nur noch durch einen sehr schmalen Meeresarm bei Gibraltar getrennt waren. Diese Meeresverbindung zum Atlantik wurde sp\u00e4ter zeitweise unterbrochen. Im Osten stie\u00df ab dem Oligoz\u00e4n (vor 30 Mio. Jahren) Arabien an Asien; jenes war vorher ein \u00fcberflutetes Schelfgebiet am Nordostrand von Afrika. Dadurch wurde das Mittelmeer von der Tethys (jetzt Indischer Ozean) abgeschnitten. Europa und Amerika trennten sich im Terti\u00e4r vollst\u00e4ndig. Im Plioz\u00e4n entstanden auch Landbr\u00fccken zwischen Nord- und S\u00fcdamerika sowie zwischen Nordamerika und Ostasien.<\/p>\n<p><big>V<\/big>or etwa 5,9 Mio. Jahren  (im Mioz\u00e4n) schloss sich die Verbindung des Mittelmeeres zum Atlantik bei Gibraltar, und das Mittelmeer trocknete (in mehreren Zyklen) unter w\u00fcstenhaftem Klima aus, wobei sich endlose Salzseen und -w\u00fcsten mit dicken Salzablagerungen bildeten. In der bis \u00fcber 3 Kilometer tiefen Senke m\u00fcssen extrem hohe Temperaturen geherrscht haben, aber entlang der Fl\u00fcsse wanderten zahlreiche Tierarten aus Afrika und der Levante in die Region ein. Etwa 600.000 Jahre sp\u00e4ter \u00f6ffnete sich pl\u00f6tzlich die Verbindung zum Atlantik wieder, und das Mittelmeer f\u00fcllte sich innerhalb weniger Jahre durch einen riesenhaften Wasserfall, der ungef\u00e4hr 1000 mal so viel Wasser transportierte wie heute die Niagara-F\u00e4lle. Dabei wurden auf manchen Inseln kleine Populationen der eingewanderten Arten (Elefanten, Nilpferde, Antilopen, zahlreiche Nagetiere usw.) isoliert und \u00fcberlebten dort teilweise bis ins Holoz\u00e4n.<\/p>\n<p>weiter:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/mittelmeerflora-fauna-entstehung\/\">Die Entstehung der Mittelmeerflora und -fauna<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/tektonische-einheiten-naxos\/\">Die Tektonischen Einheiten der Insel Naxos<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>zur\u00fcck:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/mittelmeer-einfuehrung\/\">Das Mittelmeer<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-geologie\/\">Die Geologie von Naxos<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>siehe auch:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/plattentektonik-und-gebirgsbildung\/\">Plattentektonik und Gebirgsbildung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-zwergelefant\">Der Kykladen-Zwergelefant<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Erdaltertum (Pal\u00e4ozoikum) Der erste Vorl\u00e4ufer des Mittelmeeres war der pal\u00e4ozoische Ozean Pal\u00e4otethys. 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