{"id":16000,"date":"2023-01-21T20:56:30","date_gmt":"2023-01-21T18:56:30","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?p=16000"},"modified":"2024-07-13T07:33:48","modified_gmt":"2024-07-13T04:33:48","slug":"erstaunliche-tiere-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/de\/erstaunliche-tiere-1\/","title":{"rendered":"Erstaunliche Tiere 1: Der Bohrschwamm"},"content":{"rendered":"<p><big>S<\/big>chw\u00e4mme sind an sich schon sehr erstaunliche Tiere &#8211; sehr einfach aufgebaut, aber trotzdem perfekt an ihren Lebenraum angepasst und sehr erfolgreich. Besonders erstaunlich sind die Bohrschw\u00e4mme, die im Gestein leben,  in Kalkgestein, in das sie kleine H\u00f6hlungen \u00e4tzen. Vom eigentlichen Schwamm ist von au\u00dfen oft nur wenig sichtbar, meist sieht man nur die kleinen gelb (oder orange) umrandeten Ein und Ausstr\u00f6m-\u00d6ffnungen. Im Mittelmeer kommen 20 Arten der Gattung <em>Cliona<\/em>  vor, die am Aussehen teilweise kaum zu unterscheiden sind. <em>Cliona celata<\/em> ist die h\u00e4ufigste Bohrschwamm-Art. Sie ist zwar unauff\u00e4llig, aber \u00fcberall an den Marmork\u00fcsten sehr h\u00e4ufig. Durch die Erosion des Gesteins spielt diese Schwamm-Art eine gro\u00dfe Rolle f\u00fcr die Gestaltung der K\u00fcsten; au\u00dferdem f\u00fchrt das &#8222;Anfressen&#8220; des harten Marmorgesteins dazu, dass auch viele andere Organismen auf den Felsen einen Halt und einen Lebensraum finden. Au\u00dfer in kalkhaltigem Gestein bohren die Bohrschw\u00e4mme auch in Muschelschalen (sie richten erheblichen Schaden in Muschelzuchten an) und in Korallen. Der Gelbe Bohrschwamm kann auch eine massive, nicht bohrende Form ausbilden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/sponges\/cliona_celata-2.jpg\" alt=\"Cliona celata\"><br \/>\n<small>Aus den L\u00f6chern im Gestein schauen die Papillen des gelben Bohrschwammes <em>Cliona celata<\/em> heraus.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/fauna\/sponges\/cliona_celata-1.jpg\" alt=\"Gelber Bohrschwamm, Cliona celata\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Hier ein Exemplar mit besonders dicht stehenden \u00d6ffnungen.<\/small><\/p>\n<p><big>D<\/big>er Bohrschwamm ist \u00fcberaus effektiv darin, das Gestein &#8222;abzubauen&#8220;. Er bewerkstelligt das auf erstaunliche Weise durch spezielle bewegliche \u00c4tzzellen. Die \u00c4tzzelle treibt von ihren R\u00e4ndern aus winzige Filopodien von 0,5 \u00b5m Durchmesser in das Gestein, wobei sie S\u00e4ure und Enzyme einsetzt um den Kalk aufzul\u00f6sen. Diese Filopodien wenden sich unter der \u00c4tzzelle nach innen. Auf diese Weise wird ein Steinst\u00fcckchen (&#8222;Chip&#8220;) von etwa 50 \u00b5m Kantenl\u00e4nge umschlossen, das dann als Ganzes abgesprengt wird. Der Chip wird von der \u00c4tzzelle aufgenommen und Zelle und Chip werden \u00fcber das Ausstr\u00f6mwasser abgef\u00fchrt. Auf diese Weise braucht nur etwa 2% des Gesteins chemisch aufgel\u00f6st zu werden; der Rest wird physikalisch abgesprengt. So erstellt der Schwamm schnell und effektiv kleine, untereinander durch Poren verbundene Kammern im Gestein, in denen der Schwammk\u00f6rper lebt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/DSCN8219-1_450.jpg\" alt=\"Stein mit L\u00f6chern vom Bohrschwamm\"><br \/>\n<small>An Marmorstr\u00e4nden findet man oft Steine, in denen einmal ein Bohrschwamm gelebt hat. Von au\u00dfen sind zun\u00e4chst nur kleine L\u00f6cher sichtbar, die Einstr\u00f6m\u00f6ffnungen f\u00fcr das Wasser.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/DSCN8449-1_450.jpg\" alt=\"Stein mit L\u00f6chern vom Bohrschwamm\"><br \/>\n<small>Hier sieht man auf der rechten Seite die noch intakte Oberfl\u00e4che des Steines mit den kleinen L\u00f6chern, aus denen die Papillen herausschauten. Auf der linken Seite ist die Oberfl\u00e4che des Steines wegerodiert und man sieht in die Kammern hinein, in denen der Schwammk\u00f6rper sa\u00df.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/DSCN8212-1_450.jpg\" alt=\"Stein mit L\u00f6chern vom Bohrschwamm\"><br \/>\n<small>In den W\u00e4nden der Kammern kann man die kleinen L\u00f6cher erkennen, die sie untereinander verbinden.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/DSCN8451-1_450.jpg\" alt=\"Stein mit L\u00f6chern vom Bohrschwamm\"><br \/>\n<small>Oft sind die L\u00f6cher in Reihen angeordnet.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/P1040836-1_450.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"><br \/>\n<small>Bei diesem Stein verzweigen sich die L\u00f6cherreihen zunehmend. Ob sie auch durch einen Bohrschwamm entstanden sind?<\/small><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/azalas.de\/schwaemme\/\">mehr \u00fcber Schw\u00e4mme<\/a><\/p>\n<p>Die Informationen stammen aus dem Buch: Robert Hofrichter (Hrsg): Das Mittelmeer, Fauna, Flora, \u00d6kologie, Band II, 1: Bestimmungsf\u00fchrer<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schw\u00e4mme sind an sich schon sehr erstaunliche Tiere &#8211; sehr einfach aufgebaut, aber trotzdem perfekt an ihren Lebenraum angepasst und sehr erfolgreich. Besonders erstaunlich sind die Bohrschw\u00e4mme, die im Gestein leben, in Kalkgestein, in das sie kleine H\u00f6hlungen \u00e4tzen. 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