{"id":160,"date":"2009-03-16T23:08:52","date_gmt":"2009-03-16T21:08:52","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?page_id=160"},"modified":"2026-01-09T13:34:53","modified_gmt":"2026-01-09T11:34:53","slug":"mittelmeerflora-fauna-entstehung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/de\/mittelmeerflora-fauna-entstehung\/","title":{"rendered":"Die Entstehung der Mittelmeerflora und -fauna"},"content":{"rendered":"<p><big>D<\/big>ie Vorl\u00e4ufer-Ozeane des Mittelmeeres, die Pal\u00e4o- und die Neotethys, waren <strong>tropische Ozeane<\/strong>, die in der N\u00e4he des \u00c4quators lagen. Entsprechend lebte in ihnen, wie aus Fossilfunden bekannt ist, eine tropische Pflanzen- und Tierwelt \u00e4hnlich der heute beispielsweise im Indischen Ozean verbreiteten Arten. Im Jura und in der Kreide existierten riesige Korallenriffe in den damals weit ausgedehnten Schelfgebieten von Afrika und in den relativ flachen Ozeanarmen sowie auf den \u00fcberfluteten Terranen, die sp\u00e4ter zu den Landmassen des heutigen Griechenlands aufgestapelt wurden. Im Flachwassermeer bildeten sich m\u00e4chtige Sedimentablagerungen aus ausgef\u00e4lltem Kalk und den kalkhaltigen \u00dcberresten der Lebewesen des reichen tropischen Meeres wie Kalkalgen, Ammoniten und Muscheln.<\/p>\n<p><big>F<\/big>ast alle der <strong>tropischen Bewohner des Mittelmeeres<\/strong> starben im Mioz\u00e4n aus, als die Verbindung mit dem Atlantik und dem Indischen Ozean unterbrochen war und das Mittelmeer austrocknete und sein Gebiet von riesenhaften W\u00fcstengebieten und Salzseen eingenommen wurde. Nur wenige Arten konnten sich an die ver\u00e4nderten Umweltbedingungen anpassen und in den Salzseen \u00fcberleben. Nach der \u00d6ffnung der Stra\u00dfe von Gibraltar wurde das Mittelmeer aus dem Atlantik wieder aufgef\u00fcllt, so dass der gr\u00f6\u00dfte Teil seiner heutigen Bewohner atlantischer Herkunft und Verwandtschaft sind; darunter stammt ein Teil aus den eher (sub-)tropischen Regionen und andere aus den n\u00f6rdlicheren kalten Meeresteilen. Trotz der h\u00f6heren Temperaturen kommen immerhin 70% der Tierarten der Nordsee auch im Mittelmeer vor.<\/p>\n<p><big>E<\/big>ine ganze Anzahl von Meerestieren und auch -pflanzen sind <strong>kosmopolitisch<\/strong>, das hei\u00dft sie kommen (entsprechend der leichten Fortbewegung im Meer \u00fcber gro\u00dfe Entfernungen, der Verbindung aller Ozeane untereinander sowie auch der relativ einheitlichen Umweltbedingungen im Wasser) fast auf der ganzen Erde vor. Auch im Mittelmeer gibt es nat\u00fcrlich Kosmopoliten, wenn auch nicht sehr viele. Dazu z\u00e4hlen vor allem viele <a href=\"https:\/\/azalas.de\/quallen\/\">Quallenarten<\/a> sowie einige Wale und <a href=\"https:\/\/azalas.de\/delfine\/\">Delfine<\/a>, von denen mehrere nur sporadisch auf ihren Wanderungen im Mittelmeer auftauchen, aber auch einige <a href=\"https:\/\/azalas.de\/algen\/\">Algen<\/a>, <a href=\"https:\/\/azalas.de\/schwaemme\/\">Schw\u00e4mme<\/a>, <a href=\"https:\/\/azalas.de\/wuermer\/\">R\u00f6hrenw\u00fcrmer<\/a> oder Arten wie <a href=\"https:\/\/azalas.de\/entenmuscheln\/\">Entenmuscheln<\/a>, die durch die Schiffe in der ganzen Welt verbreitet worden sind.<\/p>\n<p><big>D<\/big>as Mittelmeer hat einen erstaunlich hohen Anteil an <strong>Endemiten<\/strong> (fast 30%), das hei\u00dft an Organismen, deren Vorkommen auf das Mittelmeer beschr\u00e4nkt ist (oft kommen sie allerdings auch in den direkt angrenzenden Gebieten des Atlantiks vor). Davon sind einige Arten Alt-Endemiten, das hei\u00dft \u00fcberlebende Tethys-Bewohner, so das <a href=\"https:\/\/azalas.de\/seegraeser\/\">Seegras<\/a> <em>Posidonia oceanica<\/em>, andere sind Neo-Endemiten, das hei\u00dft Angeh\u00f6rige von Tier- oder Pflanzengruppen, die sich bei der Wiederbesiedlung des Mittelmeeres nach der Phase der Austrocknung und bei der Anpassung an die dabei neu eroberten Lebensr\u00e4ume in mehrere Arten aufgespalten haben, so zum Beispiel die Algen der <a href=\"https:\/\/azalas.de\/braunalgen\/\">Gattung Cystoseira<\/a> oder die <a href=\"https:\/\/azalas.de\/schleimfische-und-grundeln\/\">Schleimfische<\/a>.<\/p>\n<p><big>A<\/big>us dem Mittelmeer sind heute etwa 12.000 Arten bekannt, davon 1.300 Pflanzenarten. Entsprechend unserer geringen Kenntnis mancher Tier- und Pflanzengruppen, besonders der mikroskopischen Arten des Planktons liegt die tats\u00e4chliche Artenzahl vermutlich noch deutlich h\u00f6her. Damit ist die <strong>Biodiversit\u00e4t<\/strong>, das hei\u00dft der Artenreichtum des Mittelmeeres sehr hoch, weit h\u00f6her als in anderen Meeren. Es gibt beispielsweise \u00fcber 600 Arten Schw\u00e4mme, 420 Seeanemonen, Korallen und Quallen, 500 Moostierchen, 800 W\u00fcrmer, 1200 Schnecken, 390 Muscheln, 53 Kopff\u00fc\u00dfer (Tintenfische usw.), \u00fcber 1000 Arten h\u00f6herer Krebse, 25 Seeigel, 60 Seesterne und Verwandte, 100 Seescheiden, 80 Knorpelfische (Haie und Rochen), \u00fcber 500 Knochenfische, 5 Meeresschildkr\u00f6ten, eine Robbenart und 8 regelm\u00e4\u00dfig vorkommende Wale und Delfine.<\/p>\n<p>siehe auch: <a href=\"https:\/\/azalas.de\/naxos-meerestiere\/\">Meerestiere<\/a><\/p>\n<h3>Die heutigen Ver\u00e4nderungen<\/h3>\n<p><big>H<\/big>eute sind zahlreiche Tier- und auch Pflanzenarten des Mittelmeeres zumindest in Teilen ihres Verbreitungsgebietes seltener geworden oder verschwunden. Ganze Tiergruppen sind durch den Einfluss des Menschen, durch \u00dcberfischung und Verschmutzung des Meeres, gef\u00e4hrdet. Viele Arten stehen inzwischen auf der Roten Liste. Man hat aber noch bei keiner Art ein vollst\u00e4ndiges Verschwinden feststellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><big>A<\/big>ls katastrophal f\u00fcr die einheimische Tier- und Pflanzenwelt hat sich die in Monaco aus einem Forschungsinstitut ins Meer verschleppte und kaum wieder auszurottende giftige Alge <em>Caulerpa taxifolia<\/em> aus Australien erwiesen, die sich \u00fcber weite Bereiche des westlichen Mittelmeeres und der Adria ausgebreitet und alles andere Leben verdr\u00e4ngt und ausgel\u00f6scht hat. In der \u00c4g\u00e4is ist die Alge bislang nicht aufgetaucht. In der letzten Zeit hat man einen leichten R\u00fcckgang in der Verbreitung der Alge feststellen k\u00f6nnen, der wohl auf die Einf\u00fchrung einer diese Art fressenden Schnecke zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<\/p>\n<p><big>I<\/big>n den letzten Jahrzehnten gibt es eine zunehmende Einwanderung von Tier- aber auch Pflanzenarten vor allem \u00fcber den seit 1869 (wieder-) er\u00f6ffneten <strong>Suezkanal<\/strong>. Inzwischen haben sich 500 Arten aus dem Roten Meer im \u00f6stlichen Mittelmeer angesiedelt und breiten sich immer weiter aus. Manche dieser Arten wie die h\u00fcbsche Perlmuschel sind schon seit der \u00d6ffnung des Suezkanals ins Mittelmeer eingewandert und haben sich in ohne gr\u00f6\u00dferen Effekt auf die schon vorhandenen Arten etabliert. Andere Arten vermehren sich stark und verdr\u00e4ngen die einheimische Fauna, so beipielsweise der Braune Kaninchenfisch, der auch bei uns schon seit etwa zwanzig Jahren ziemlich h\u00e4ufig geworden ist. Die erst seit wenigen Jahren in Gang gekommene Invasion von manchen tropischen Arten wie dem Indischen Rotfeuerfisch, der sich erst seit 2022 in der s\u00fcdlichen \u00c4g\u00e4is ausbreitet und auch auf Naxos schon gesehen worden ist, wird auch durch die in den letzten Jahren ansteigenden Meerestemperaturen beg\u00fcnstigt. Ein weiteres Beispiel ist der Diadem-Seeigel, der sich erst seit wenigen Jahren ausbreitet und teilweise in der s\u00fcdlichen \u00c4g\u00e4is schon in Massen auftritt; auch um Naxos soll er schon angekommen sein. Weit bedrohlicher f\u00fcr die Seeigel ist allerdings eine Krankheit, ein parasitisches einzelliges Wimperntierchen, das in den letzten Jahren das Absterben ganzer Seeigel-Populationen in vielen Teilen der Welt ausgel\u00f6st hat; es wird vermutet, dass es sich durch den Schiffsverkehr so schnell weltweit ausgebreitet hat. Auch auf Naxos sind die Seeigel in diesem Jahr viel seltener geworden &#8211; es ist zu bef\u00fcrchten, dass die Krankheit auch unsere Populationen erreicht hat.<\/p>\n<p><big>W<\/big>\u00e4hrend es manchmal nur eine scheinbar sehr kleine Ver\u00e4nderung oder Beeinflussung braucht, um ein \u00d6kosystem zu sch\u00e4digen, ist es oft nicht nur sehr schwierig, sondern fast oder g\u00e4nzlich unm\u00f6glich, den Schaden wieder r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. Auch wenn sich die Natur an praktisch alles anpassen kann, so braucht sie daf\u00fcr doch Jahrtausende oder Jahrmillionen &#8211; das sind ganz andere Zeitr\u00e4ume als die, in denen wir Menschen denken.<\/p>\n<p>weiter: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/mittelmeer-umweltfaktoren\/\">Die Umweltfaktoren im Mittelmeer<\/a><\/p>\n<p>zur\u00fcck: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/mittelmeer-einfuehrung\/\">Das Mittelmeer<\/a><\/p>\n<p>Zum Weiterlesen:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sueskanal\">Suezkanal, Wikipedia<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Caulerpa_taxifolia\">&#8222;Killeralge&#8220;, Wikipedia<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Vorl\u00e4ufer-Ozeane des Mittelmeeres, die Pal\u00e4o- und die Neotethys, waren tropische Ozeane, die in der N\u00e4he des \u00c4quators lagen. 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