{"id":1565,"date":"2010-08-05T15:42:20","date_gmt":"2010-08-05T12:42:20","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?page_id=1565"},"modified":"2024-07-23T16:48:53","modified_gmt":"2024-07-23T13:48:53","slug":"naxos-dionysos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/de\/naxos-dionysos\/","title":{"rendered":"Dionysos und die Insel Naxos"},"content":{"rendered":"<p><small>Beim folgenden Text handelt es sich um \u00fcberarbeitete und erg\u00e4nzte Ausschnitte aus meinem Buch <a href=\"http:\/\/azalas.de\/zwei-tueren-hat-das-leben\/\">&#8222;Zwei T\u00fcren hat das Leben&#8220;.<\/a><\/small><\/p>\n<h3>Die Herkunft des Dionysos-Kultes<\/h3>\n<p><big>D<\/big>ie Philhellenen der letzten Jahrhunderte waren der Ansicht, dass der Gott Dionysos nicht der urspr\u00fcnglichen G\u00f6tterwelt der Griechen angeh\u00f6rt habe, sondern erst sp\u00e4ter, als fremdes, vermutlich orientalisches Element von den Thrakern nach Griechenland gebracht worden sei. Diese Auffassung ist nach neueren Erkenntnissen nicht mehr haltbar: Eine Verehrung des Dionysos ist schon f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/azalas.de\/naxos-mykenische-epoche\/\">mykenische Zeit<\/a> nachzuweisen, w\u00e4hrend die meisten der olympischen G\u00f6tter erst sp\u00e4ter ihre Erscheinung machen. Den alten Geschichtsschreibern zufolge sollen schon die Pelasger, die Naxos w\u00e4hrend der Fr\u00fchen Bronzezeit bewohnten, den Fruchtbarkeitsgott Dionysos verehrt haben.<\/p>\n<h3>Dionysos im Mythos<\/h3>\n<h6>Abstammung und Geburt des Dionysos<\/h6>\n<p><big>D<\/big>ionysos war einer Verbindung des G\u00f6ttervaters Zeus mit einer Sterblichen namens Semele entsprungen. Die eifers\u00fcchtige Hera fl\u00f6\u00dfte der schwangeren Semele den Wunsch ein, Zeus in seiner wahren Gestalt zu erblicken. Als Zeus aber ihren Bitten nachgab und ihr seine g\u00f6ttliche Gestalt enth\u00fcllte, verbrannte sie von dem allzu strahlenden Anblick, den nur andere G\u00f6tter zu ertragen vermochten. Zeus rettete den F\u00f6tus und n\u00e4hte ihn in seinem Schenkel ein. Nach der \u201eGeburt\u201c auf dem mythischen Berg Nysa (daher der Name &#8222;Dio-Nysos&#8220;: Gott (Dias = Zeus) von Nysa) brachte er den S\u00e4ugling (gem\u00e4\u00df der naxiotischen Version) nach Naxos und \u00fcbergab ihn an die drei Nymphen von Naxos Philia, Kleis und Koronis. Deren Namen leben angeblich noch heute in Ortsnamen auf der Insel fort, n\u00e4mlich Fil\u00f3ti (der Hauptort der Traga\u00eda), Kleidh\u00f3 (Landstrich im s\u00fcd\u00f6stlichen Naxos nicht weit von P\u00e1normos) und K\u00f3ronos beziehungsweise Koron\u00eddha (Komiak\u00ed).<\/p>\n<h6>Die H\u00f6hle Kak\u00f3 Sp\u00edlaio bei K\u00f3ronos<\/h6>\n<p><big>D<\/big>ie drei Nymphen zogen Dionysos der Sage nach in der H\u00f6hle <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-kako-spilaio\/\">Kak\u00f3 Sp\u00edlaio<\/a> am Berg K\u00f3ronos auf. Sie bekr\u00e4nzten den Gott mit Efeu: Die sp\u00e4ter in Griechenland so verbreiteten und beliebten Bekr\u00e4nzungen waren zuerst im Dionysos-Kult \u00fcblich (und wer einmal einen Kranz aus Efeu gefertigt hat, der wei\u00df, wie \u00fcberaus schm\u00fcckend diese Pflanze ist!). Als Dank daf\u00fcr, dass sie ihn in seiner Kindheit beheimatet hatte, schenkte Dionysos der Insel Naxos ihren hervorragenden Wein und ihre besondere Fruchtbarkeit.<\/p>\n<p><body><br \/>\n<center><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/traditions\/followers_dionyos_ivy_wreaths.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"800\"><br \/>\n<small>-Dionysos mit Efeu bekr\u00e4nzt-<\/small><br \/>\n<\/body><br \/>\n<\/center><\/p>\n<p><big>N<\/big>ahe der H\u00f6hle Kak\u00f3 Sp\u00edlaio befindet sich eine antike Inschrift: \u201eDRIOS DIONYSOU\u201c: Dieser antike Name des Berges K\u00f3ronos wird in mehreren Mythen um den Gott Dionysos erw\u00e4hnt. H\u00f6chstwahrscheinlich befand sich hier ein heiliger, dem Weingott geweihter Bezirk. Vom Berg Drios aus soll Dionysos auch zusammen mit Ariadne endg\u00fcltig die Erde verlassen haben, um sich auf dem Olymp niederzulassen, als sich die G\u00f6tter zu Beginn des historischen Zeitalters von ihren irdischen Abenteuern zur\u00fcckzogen und sich au\u00dferhalb der direkten Reichweite der Sterblichen auf dem G\u00f6ttersitz einrichteten.<\/p>\n<p><big>I<\/big>n der H\u00f6hle wurden kleine t\u00f6nerne Statuetten des zur Gefolgschaft von Dionysos geh\u00f6renden bocksf\u00fc\u00dfigen Waldgottes Pan sowie von Nymphen gefunden, die hier sicher seit alters her verehrt wurden. Heute ist der Berg K\u00f3ronos nicht mehr bewaldet. Noch vor wenigen Jahrhunderten waren jedoch, wie alte Reiseberichte bezeugen, zumindest seine niedrigeren H\u00e4nge von Eichenw\u00e4ldern bestanden \u2013 der ideale Wohnort f\u00fcr Dionysos und sein Gefolge. Und der Wanderer, der an seinem Hang unvermutet an einer in einem kleinen, gesch\u00fctzten Taleinschnitt gelegenen Quelle vorbeikommt, wird die Ehrfurcht der Alten vor diesen St\u00e4tten nachempfinden k\u00f6nnen: Man k\u00f6nnte meinen, dass in diesen heimlichen, gr\u00fcn umsprossenen, von m\u00e4chtigen Platanen beschatteten T\u00e4lern mit ihren murmelnden B\u00e4chen auch heute noch die Nymphen hausen!<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/cave_koronos-1.jpg\" alt=\"Kako Spilaio, die H\u00f6hle des Dionysos auf Naxos\"><br \/>\n<small>der Eingang zur H\u00f6hle des Dionysos am K\u00f3ronos, dem antiken Berg Drios.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/cave_koronos-2.jpg\" alt=\"Kako Spilaio, die H\u00f6hle des Dionysos auf Naxos\"><br \/>\n<small>Die H\u00f6hle besitzt mehrere Kammern, die durch niedrige Durchg\u00e4nge miteinander verbunden sind.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/landscape\/skeponi_river-1.jpg\"  alt=\"Quelle auf Naxos\"><br \/>\n<small>An den Quellen und Fl\u00fcssen um den K\u00f3ronos-Berg hausen sicher auch heute noch die Nymphen!<\/small><\/p>\n<h6>Der Mythos von Akoites<\/h6>\n<p><big>I<\/big>m Mythos ist Dionysos in besonderer Weise mit Naxos verbunden. Einer der \u00e4ltesten Namen der Insel ist \u201eDionysi\u00e1da\u201c. Die antike Geschichtsschreibung berichtet, dass der Weingott Naxos als seine Heimat betrachtete. Viele der mit ihm verkn\u00fcpften Mythen ranken sich um die Insel. In der Odyssee berichtet ein ehemaliger Seemann namens Akoites dem K\u00f6nig von Theben \u00fcber seine Begegnung mit dem Weingott, durch die er zum Bacchus-Kult bekehrt worden war: Er war auf einem thyrrenischen Piratenschiff in der Gegend von Chios unterwegs, als sie an einem Gestade einen sch\u00f6nen J\u00fcngling schlafend fanden, den sie als Sklaven verkaufen wollten. Nur Akoites schien die Sch\u00f6nheit des J\u00fcnglings g\u00f6ttlichen Ursprungs zu sein und er protestierte, allerdings erfolglos, gegen diese Pl\u00e4ne seiner Kameraden. Der J\u00fcngling bat darum, in seine Heimat, n\u00e4mlich nach Naxos, gefahren zu werden, aber die Seem\u00e4nner steuerten in eine andere Richtung. Daraufhin erfuhr das Schiff eine wundersame Verwandlung: Es hielt in seiner Fahrt inne, Efeu rankte an den Rudern und den Masten empor, ein duftender Strom von Wein entsprang auf dem Deck, Panther und Leoparden erschienen, und der Gott zeigte sich in seiner strahlenden Gestalt, weinlaubumkr\u00e4nzt, den Thyrsosstab schwingend. Die frevelhaften Schiffer \u2013 mit Ausnahme des Akoites \u2013 st\u00fcrzten sich in ihrer Angst ins Meer und wurden noch im Sprung in Delfine verwandelt. Nun fuhr das Schiff nach Naxos; dort wurde Akoites von Dionysos zum Priester geweiht.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/dionysos_cup_wiki.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"><br \/>\n<small>Schale aus dem 6. Jhd. v. Chr.<\/small><\/p>\n<h6>Der Mythos von Theseus und Ariadne<\/h6>\n<p><big>A<\/big>uch im Mythos von Theseus und Ariadne, einem der bekanntesten und beliebtesten Mythen der Antike, spielen Dionysos und Naxos eine gro\u00dfe Rolle. Auf dem R\u00fcckweg von der Insel Kreta, wo Theseus mit Ariadnes Hilfe die athenischen J\u00fcnglinge und Jungfrauen aus dem Labyrinth mit dem Minotaurus befreit hatte, \u00fcbernachteten die Fl\u00fcchtenden auf Naxos. Theseus sah (der attischen Version des Mythos zufolge, s.u.) in dieser Nacht im Traum den Weingott Dionysos, der die sch\u00f6ne Ariadne von ihm forderte. Der gottesf\u00fcrchtige J\u00fcngling lie\u00df sie daraufhin auf der Insel zur\u00fcck. Dionysos offenbarte sich ihr und entf\u00fchrte sie zum Berg Drios, wo bald die Hochzeit stattfand. Ariadnes silberner Brautkranz, der von Heph\u00e4stos gefertigt und ihr von Aphrodite geschenkt worden war, gl\u00e4nzte so stark, dass er als Sternzeichen an den Himmel versetzt wurde. Den unvollendeten Tempel bei der Hauptstadt Chora bezeichnen die Einwohner der Insel noch heute als Palast der Ariadne, und einen in der N\u00e4he gelegenen Brunnen als Ariadne-Brunnen. In anderen Versionen des Mythos wurde Ariadne von Theseus sch\u00e4ndlicherweise und entgegen seinem Versprechen, sie zu heiraten, zur\u00fcckgelassen und beging dann Selbstmord, wurde aber von Dionysos gerettet. Eine andere Version berichtet uns, dass Ariadne sich in Kreta dem Dionysos versprochen hatte, aber sp\u00e4ter mit Theseus durchbrannte, woraufhin Dionysos Artemis damit beauftragte, sie zu t\u00f6ten, was auf Naxos geschah.<\/p>\n<p><big>K<\/big>\u00f6nig Minos fuhr sp\u00e4ter nach Naxos, um seine Tochter zur\u00fcckzuholen, aber Dionysos versteckte sich mit seiner Braut auf der kleinen Nachbarinsel Dionysia (heute Dono\u00fassa). Ariadne (urspr\u00fcnglich vermutlich eine kretische Nymphe, also Fruchtbarkeitsg\u00f6ttin) gebar dem Dionysos den St\u00e1phylos (<em>staf\u00fdli<\/em> = Weintraube) oder nach anderen Versionen den Oinop\u00edon (= Weintrinker). Ariadne wurde von den Naxiern ganz besonders verehrt, und zwar in zwei Feiern: einer herbstlichen Trauerfeier, in der man ihres Todes oder Selbstmordes gedachte, und in einem Freudenfest im Fr\u00fchling, in dem die Hochzeit von Ariadne und Dionysos begangen wurde. Nach der Hochzeit besuchten Dionysos und Ariadne den Olymp, wo der Weingott seine Braut den anderen G\u00f6ttern vorstellen wollte. Sie brachten als Geschenk naxischen Wein mit, und nach seinem Genuss mussten die G\u00f6tter anerkennen, dass dieser sogar besser sei als der olympische Nektar. Auch unter den Menschen wurde der naxische Wein besonders ger\u00fchmt und der Dichter Properz berichtet uns gar: \u201eDir, Bacchus, zu Ehren ergie\u00dft sich mitten durch Naxos ein Strom, aus dem die Naxier in Scharen deinen Wein trinken.\u201c<\/p>\n<h3>Das Heiligtum des Dionysos bei \u00cdria<\/h3>\n<p><big>D<\/big>ie mykenischen Siedler, die ab 1500 v. Chr. auf die Inseln vordrangen, \u00fcbernahmen die Verehrung des Fruchtbarkeitsgottes Dionysos und errichteten ihm ein Heiligtum bei \u00cdria in der Schwemmebene nahe der Chora, dessen Existenz, sp\u00e4ter als bedeutender Tempel, \u00fcber 2000 Jahre bis in die r\u00f6mische Epoche hinein nachgewiesen werden kann.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sights\/iria_temple-1.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"><br \/>\n<small>der archaische Dionysos-Tempel in \u00cdria<\/small><\/p>\n<h3>Die Bedeutung des Dionysos w\u00e4hrend der archaischen Periode<\/h3>\n<p><big>W<\/big>\u00e4hrend der archaischen Periode erhielt der Dionysos-Kult seine gr\u00f6\u00dfte Bedeutung. Eine Zeit lang war der h\u00f6chste Priester des Dionysos gleichzeitig das Oberhaupt der Insel. Auf den \u00e4ltesten naxischen M\u00fcnzen (aus dem 6. Jahrhundert v. Chr.) ist Dionysos oder eines seiner Symbole abgebildet: der Weinstock mit seinen Trauben, die Efeuranke, der <em>thyrsos<\/em>-Stab mit dem Pinienzapfen an der Spitze und der <em>k\u00e1ntharos<\/em>, die elegant geformte und fein verzierte zweihenkelige Trinkschale.<br \/>\n<body><br \/>\n<center><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/dionysos_kantharos_wiki.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"800\"><br \/>\n<small>der Weingott Dionysos mit Efeukranz und Weinschale, aus <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Dionysus\">Wikipedia<\/a><\/small><br \/>\n<\/body><br \/>\n<\/center><\/p>\n<h3>Der Kult des Dionysos (Bacchus)<\/h3>\n<h6>Trunkenheit und Ekstase<\/h6>\n<p><big>D<\/big>er Kult des Bacchus mit seinen ekstatischen Feiern, seiner Trunkenheit und Raserei hat neueren Erkenntnissen zufolge seine Wurzeln vermutlich tats\u00e4chlich auf den Inseln der \u00c4g\u00e4is, und das hei\u00dft wohl auf Naxos. Es ist anzunehmen, dass er sich aus der uralten Verehrung der Nymphen entwickelt hat. Diese waren lokale Naturgottheiten der W\u00e4lder, Flussl\u00e4ufe und Quellen und wurden als Fruchtbarkeitsg\u00f6ttinnen verehrt. In der alten Mythologie tauchen sie h\u00e4ufig in Zusammenhang mit Dionysos auf. Im Gefolge des Dionysos befanden sich au\u00dfer den Nymphen und dem deren Tanz anf\u00fchrenden Pan auch die ebenfalls bocksf\u00fc\u00dfigen Satyrn, die Bacchen, der Silen, halb Mensch, halb Pferd, Eros und andere Wesen, die mit der Fruchtbarkeit und der Vegetation verkn\u00fcpft waren. Diesem \u201eweiblichen\u201c Aspekt des Bacchus-Kultes entsprechend waren insbesondere viele Frauen Anh\u00e4nger dieses Kults und zogen, von ihrer sonst eher passiven und zweitrangigen Rolle befreit, in wilden, weinseligen Prozessionen durch die W\u00e4lder.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/history\/bacchic_procession_colosseum_wiki.jpg\" border=\"0\" alt=\"\"><br \/>\n<small>r\u00f6mische Darstellung einer Prozession von Anh\u00e4ngern des Bacchus, aus <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Dionysus\">Wikipedia<\/a><\/small><\/p>\n<p><big>H<\/big>\u00e4ufigstes Attribut des Gottes Dionysos au\u00dfer dem Weinlaub war der Efeu, der auch heute noch entlang der Flussl\u00e4ufe von Naxos h\u00e4ufig vorkommt und ebenfalls eine leicht berauschende Wirkung besitzt, sowie der schon erw\u00e4hnte, heute noch bei den <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-karneval-apiranthos\/\">Karnevals-Feiern in Apiranthos<\/a> benutzte Thyrsosstab, der aus dem dicken, hohlen Bl\u00fctenstiel des <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-flora-ferula-communis\/\">Riesenfenchels<\/a> hergestellt wurde. Den Anh\u00e4ngern des Bacchus-Kultes empfahl man den Thyrsosstab zur Benutzung, da er stark genug ist, den Trunkenen zu st\u00fctzen, aber nicht zu leicht, dass die Rasenden sich damit gegenseitig verletzen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><big>V<\/big>on den \u00e4g\u00e4ischen Inseln aus verbreitete sich der Kult des Dionysos \u00fcber den gesamten griechischen Raum. Der Mythologie zufolge wanderte Dionysos in seiner Jugend \u00fcber die ganze Erde und verbreitete seine Religion in allen L\u00e4ndern. Von den Menschen wurde er mit Begeisterung aufgenommen. \u00dcberall verbreitete er Freude und Frieden und die Gl\u00fcckseligkeit des Rausches. Er brachte den V\u00f6lkern auch die Freiheit: Der Sage nach befreite er sie von Unterdr\u00fcckung, Fremdherrschaft und Sklaverei. Wie schon erw\u00e4hnt spielte der Dionysos-Kult eine besonders gro\u00dfe Rolle in der b\u00e4uerlichen Unterschicht, w\u00e4hrend er von der machthabenden Oberschicht, die an der neuen Religion und an einem Umsturz der bestehenden Ordnung wenig interessiert war, nur z\u00f6gernd angenommen wurde.<\/p>\n<h6>Fruchtbarkeitsritus und Versinnbildlichung des immer wiederkehrenden Lebens<\/h6>\n<p><big>D<\/big>ionysos\u2019 Gattin Ariadne war urspr\u00fcnglich eine kretische Fruchtbarkeitsg\u00f6ttin (Nymphe). Ihr Name leitet sich von \u201eAri-\u00e1gni\u201c ab, das hei\u00dft \u201edie All-Reine\u201c. Sie wurde als mythische Figur in den Dionysos-Kult aufgenommen, als dieser ihre Verehrung abl\u00f6ste. Die zwei Feiern, die man auf Naxos zu Ehren der Ariadne beging, versinnbildlichten urspr\u00fcnglich den jahreszeitlichen Wechsel der Natur: das Verwelken und Absterben der Natur im Herbst und ihr Wiederergr\u00fcnen im Fr\u00fchling (wie auch im Kult der Fruchtbarkeitsg\u00f6ttin Demeter).<\/p>\n<h6>Der Ursprung des Karnevalsfestes<\/h6>\n<p><big>D<\/big>ie Feier, die in der archaischen Epoche zu Beginn des Fr\u00fchjahrs zu Ehren des Fruchtbarkeitsgottes Dionysos begangen wurde, wurde mit viel Aufwand und Pomp in einem mehrt\u00e4gigen Fest, den Dionysaden, begangen. Aus diesen Feierlichkeiten entwickelte sich das heutige <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-karneval\/\">Karnevalsfest<\/a>. Bei den Feiern, die in der sp\u00e4teren Antike in Athen zu diesem Anlass begangen wurden, zog der Gott in gro\u00dfer Prozession in einem auf R\u00e4dern fahrenden Schiff in die Stadt ein. Der H\u00f6hepunkt der athenischen Feiern war die Hochzeit des Gottes mit der \u201eVassil\u00ednna\u201c, die aus der naxiotischen\/kretischen Ariadne hervorgegangen war. Dieser Brauch wurde wiederum von den R\u00f6mern \u00fcbernommen, die den Wagen des Dionysos als \u201e<em>carrus navalis<\/em>\u201c bezeichneten: Karneval. Die wichtigsten Aspekte des heutigen Karnevalsfestes sind schon im Dionysos-Kult zu finden: das ausgelassene Feiern, das Betrinken, das Verh\u00fcllen der Identit\u00e4t durch eine Maske, das Verspotten der M\u00e4chtigen und Einflussreichen.<br \/>\n<body><br \/>\n<center><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/delos\/mask_dionysos.jpg\" alt=\"\" border=\"0\" width=\"800\"><br \/>\n<small>Darstellung einer dionysischen Maske in einem Fu\u00dfbodenmosaik auf der Heiligen Insel Delos<\/small><br \/>\n<\/body><br \/>\n<\/center><\/p>\n<h6>Die Befreiung als Wesen des Dionysos-Kultes<\/h6>\n<p><big>K<\/big>ern und Wesen des dionysischen Kultes ist der Akt der <strong>Befreiung<\/strong>: die Befreiung durch das Betrinken, durch den ekstatischen Tanz, durch den Spott, durch die Maske, die das \u00c4u\u00dferliche des Menschen verh\u00fcllt und damit das innere, heilige Selbst befreit; die Befreiung von den allt\u00e4glichen Sorgen, Befreiung durch den Sieg \u00fcber den Tod im rauschenden Fr\u00fchlingsfest. Der Mensch sollte im Miterleben des allj\u00e4hrlichen Wiedererwachens der Natur seine Angst vor dem Tod \u00fcberwinden,  und mit sich selbst und mit der Natur in Harmonie gebracht werden, sollte sich als Teil der Gemeinschaft und des gro\u00dfen g\u00f6ttlichen Ganzen empfinden. Dionysos war der einzige Gott im antiken Griechenland, mit dem die Menschen in den Riten in direkten Kontakt kamen: Enthousiasmus (das Wort setzt sich zusammen aus <em>en<\/em> = in und <em>the\u00f3s<\/em> = Gott) bedeutet den Gott in sich zu haben. Diese Vereinigung des Menschen mit Gott f\u00fchrte zur seiner Befreiung von geistigen und gesellschaftlichen Zw\u00e4ngen und zur Erweckung der g\u00f6ttlichen Lebenskraft, die jedem Menschen innewohnt.<\/p>\n<p><big>I<\/big>m Artikel \u00fcber <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-portara-und-apollon-tempel\/\">Die Portara und den Apollon-Tempel in der Chora<\/a> kann man \u00fcber den Unterschied und die Verwandtschaft der G\u00f6tter Dionysos und Apollon nachlesen.<\/p>\n<p>weiter: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-dionysos-tempel\/\">Der Dionysos-Tempel in Iria<\/a><\/p>\n<p>siehe auch:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-portara-und-apollon-tempel\/\">Die Portara und der Apollon-Tempel in der Chora<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-karneval\/\">Karneval auf Naxos &#8211; das Fest des Dionysos<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-karneval-apiranthos\/\">Karneval in Apiranthos: die Koudounati<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-kako-spilaio\/\">Die H\u00f6hle Kako Spilaio am Koronos-Berg<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-geschichte\/\">Die Geschichte der Insel Naxos<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-archaische-epoche\/\">Die archaische Epoche<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/wanderung-koronos-berg\/\">Eine Wanderung auf den Koronos-Berg<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim folgenden Text handelt es sich um \u00fcberarbeitete und erg\u00e4nzte Ausschnitte aus meinem Buch &#8222;Zwei T\u00fcren hat das Leben&#8220;. Die Herkunft des Dionysos-Kultes Die Philhellenen der letzten Jahrhunderte waren der Ansicht, dass der Gott Dionysos nicht der urspr\u00fcnglichen G\u00f6tterwelt der Griechen angeh\u00f6rt habe, sondern erst sp\u00e4ter, als fremdes, vermutlich orientalisches Element von den Thrakern nach [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":30766,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[317,2015,17,15,9],"tags":[1454,1433,341,872,440,34,865,1187,1777],"class_list":["post-1565","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-archaische-epoche","category-meine-lieblings-beitraege","category-geschichte","category-kultur","category-naxos","tag-antike","tag-archaische-epoche","tag-dionysos","tag-geschichte","tag-karneval","tag-kykladen","tag-naxos","tag-traditionen","tag-weingott"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1565","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1565"}],"version-history":[{"count":31,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1565\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":68076,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1565\/revisions\/68076"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/30766"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1565"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1565"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/azalas.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1565"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}