{"id":12678,"date":"2020-10-16T19:20:40","date_gmt":"2020-10-16T16:20:40","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?page_id=12678"},"modified":"2024-08-24T21:52:48","modified_gmt":"2024-08-24T18:52:48","slug":"falten-verwerfungen-scherzonen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/de\/falten-verwerfungen-scherzonen\/","title":{"rendered":"Falten, Verwerfungen und Scherzonen"},"content":{"rendered":"<p><big>D<\/big>ie Insel Naxos ist Teil eines Gebirgszuges, der etwa zur selben Zeit und auf dieselbe Weise entstanden ist wie die Alpen, n\u00e4mlich durch Faltungen oder durch die Aufschiebung von Deckenstapeln. Um diese Prozesse genauer zu verstehen, muss man die heute an der Erdoberfl\u00e4che sichtbaren Falten, Verwerfungen und Scherzonen studieren, ein schwieriger Detektivprozess, bei dem man nicht nur gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen \u00fcber die Zeit hinweg bedenken und verstehen, sondern auch r\u00e4umliche Zusammenh\u00e4nge aus den an der zweidimensionalen Erdoberfl\u00e4che sichtbaren Strukturen erschlie\u00dfen muss. Ich will hier einen z\u00f6gerlichen, laienhaften Versuch machen, ein paar Elemente dieser Prozesse in Fotos vorzustellen.<\/p>\n<p><big>D<\/big>ie Faltungen, Verwerfungen und \u00dcberschiebungen, durch die die Gebirge aufgeschichtet worden sind, sind am Verlauf der Schichten der Gesteine zu erkennen. Die meisten Gesteine, aus denen die Insel auf gebaut ist, sind durch Sedimentation im Ozean entstanden. Sie weisen oft eine deutliche Schichtung auf, die sich in der F\u00e4rbung oder in einer schichtweisen Textur zeigen kann oder in Rissen und Kl\u00fcften im Gestein, oder darin, dass sich das Gestein selbst schichtenweise \u00e4ndert (z.B. Wechsel zwischen Schiefer- und Marmorlagen). Um diese Lagen im Gestein und die sie bildenden Prozesse zu beschreiben, werden unterschiedliche Begriffe verwendet. Unter dem Begriff &#8222;Schichtung&#8220; versteht man im Allgemeinen eine Abfolge von Lagen unterschiedlichen Materials, die auf Ver\u00e4nderungen bei der Sedimentation zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Als &#8222;Bankung&#8220; wird normalerweise eine gut sichtbare Schichtung in einem mehr oder weniger einheitlichen Gestein bezeichnet. Eine &#8222;Schieferung&#8220; ist eine durch eine Metamorphose entstandene Schichtung in Gestein, das Schiefermineralien enth\u00e4lt. Als &#8222;B\u00e4nderung&#8220; wird eine Schichtung bezeichnet, bei der sich vor allem die Farbe des Gesteins \u00e4ndert.<\/p>\n<h3>1. Schichtung<\/h3>\n<p><big>E<\/big>ine Schichtung in einem Gestein hat <u>\u00c4nderungen des Materials im Verlauf der Sedimentation<\/u> zur Ursache, wenn beispielsweise abwechselnd kalkhaltige und tonige oder sandige Sedimente abgelagert werden, oder die Korngr\u00f6\u00dfe des Materials sich schichtenweise \u00e4ndert. Eine derartige &#8222;echte Schichtung&#8220; entsteht w\u00e4hrend der Sedimentation zun\u00e4chst in horizontaler Lage. Sp\u00e4ter wird sie w\u00e4hrend der gebirgsbildenden Prozesse oft durch tektonische Prozesse ver\u00e4ndert: Die urspr\u00fcnglich horizontalen und parallelen Schichten werden gekippt, verfaltet, durch Br\u00fcche in kleine oder gro\u00dfe Bl\u00f6cke zerteilt und teilweise \u00fcber gro\u00dfe Entfernungen verschoben. Anhand der in den Schichten sichtbaren Falten, Verwerfungen und Scherzonen k\u00f6nnen die Geologen die tektonischen Prozesse rekonstruieren, die die Gebirge in einer Gegend geformt haben.<\/p>\n<p><big>W<\/big>enn man auch hier und da einzelne Aspekte der geologischen Entstehung von Naxos gut erkennen kann, z.B. eine Verwerfung neben einer Stra\u00dfe, ist es doch sehr schwer, ein klares, zusammenh\u00e4ngendes, dreidimensionales Verst\u00e4ndnis der geologischen Strukturen und der zeitlichen Abl\u00e4ufe zu entwickeln. Das liegt unter anderem daran, das nur selten Schichten klar und unver\u00e4ndert \u00fcber gr\u00f6\u00dfere Bereiche nachzuverfolgen sind. Die Schichten der Gesteine ver\u00e4ndern sich auf Naxos fast \u00fcberall schon im Verlauf von wenigen Hundert Metern: Die Insel wirkt wie ein kleinr\u00e4umiges Mosaik, das kaum zu einem zusammenh\u00e4ngenden Bild zusammenzuf\u00fcgen ist.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/DSCN7398-1_450.jpg\" alt=\"Fanari mit Marmor- und Schiefer-Schichten, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Am Fan\u00e1ri wechseln sich Marmorschichten mit Schieferschichten ab. Diese Schichten resultieren urspr\u00fcnglich aus Ver\u00e4nderungen im sedimentierenden Material. Auf Naxos bleiben solche Schichten nur selten \u00fcber gr\u00f6\u00dfere Strecken konstant, sondern \u00e4ndern sich st\u00e4ndig z.B. in der  Dicke und Struktur oder verschwinden v\u00f6llig. Entsprechend ist es oft schwierig, eine Faltung oder Verwerfung im Gel\u00e4nde \u00fcber eine gr\u00f6\u00dfere Entfernung zu verfolgen.<\/small><\/p>\n<p><big>B<\/big>ei der Gebirgsbildung werden durch das Zusammensto\u00dfen der Kontinentalplatten deren Sedimentschichten aufeinandergestapelt und verfaltet. In der \u00c4g\u00e4isregion haben wir es mit einem Deckengebirge, nicht mit einem Faltengebirge zu tun, da die Decken bei der Orogenese gro\u00dffl\u00e4chig \u00fcbereinander geschoben, aber gr\u00f6\u00dftenteils nur relativ wenig verfaltet wurden. Auch diese gut zu erkennenden Schichten liegen allerdings heute nicht mehr in ihrer urspr\u00fcnglichen Lage, sondern sind bei der Gebirgsbildung zumindest etwas gekippt worden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/DSCN5760-1_450.jpg\" alt=\"Sandsteinschichten, Makares-Inseln\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Auf den Moutso\u00fana vorgelagerten M\u00e1kares-Inseln stehen wenig metamorphisierte Sandsteine der Oberen Kykladen-Decke an, in denen die Schichtung bzw. Bankung ihrer Sedimente fast noch in ihrer urspr\u00fcnglichen Form und horizontalen Lage erhalten sind.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/DSCN5762-1_450.jpg\" alt=\"Sandsteinschichten, Makares-Inseln\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Die ganze Schichtenfolge liegt heute leicht gekippt. Ihre glatte Oberfl\u00e4che entspricht mehr oder weniger der ehemaligen Sedimentationsfl\u00e4che.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/P1380424-1_450.jpg\" alt=\"Lionas, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Auch die Decken der Pindos-Einheit, die im \u00f6stlichen Naxos anstehen, sind nur wenig verfaltet worden. Bei der Herausw\u00f6lbung der Mitte der Insel wurden sie gekippt, so dass sie heute in einem leichten Winkel nach Osten einfallen.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1080836-1_450.jpg\" alt=\"Marmor- und Schieferschichten zwischen Apiranthos und Moutsouna\" border=\"0\"><br \/>\n<small>In vielen Gebieten der Insel kann man gut den Verlauf der wenig bewachsenen, wei\u00dfen Schichten von Marmor zwischen dicht bewachsenen, gr\u00fcnen Schichten aus Schiefergestein verfolgen. An der Stra\u00dfe von Ap\u00edranthos nach Moutso\u00fana sieht man, dass die Schichten generell etwas steiler nach (S\u00fcd-)Osten einfallen als die Oberfl\u00e4che der Insel.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1060202-1_450.jpg\" alt=\"Marmorschichten oberhalb vom Migmatit-Dom, bei Keramoti, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Im Innern von Naxos ist ein Migmatit-Dom in die H\u00f6he gedr\u00fcckt worden (links oben im Bild). Dabei wurden die auf ihm gelegenen Sedimentschichten stark gekippt.<\/small><\/p>\n<h3>2. Bankung und B\u00e4nderung<\/h3>\n<p><big>I<\/big>n Sedimentgesteinen kann man oft eine deutliche Bankung oder B\u00e4nderung erkennen. Manchmal stammt diese Schichtung daher, dass w\u00e4hrend der <u>Sedimentation<\/u> lagenweise unterschiedliches Material deponiert wurde. Oft ist sie jedoch erst bei der <u>Metamorphose<\/u> des Gesteins entstanden, dadurch dass sich aufgrund des Druckes unterschiedliche Komponenten des teilweise verfl\u00fcssigten Gesteins lagenweise voneinander trennen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/DSCN7173-1_450.jpg\" alt=\"Marmorschichten bei Agios Dimitris, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Diese Marmore zeigen eine deutliche Bankung, d.h. sie zerfallen entlang paralleler Schichten, bei denen es sich um die urspr\u00fcnglichen Schichten der Sedimentation handeln kann, die aber auch aus den Druckverh\u00e4ltnissen w\u00e4hrend der Metamorphose resultieren k\u00f6nnen. In diesem Fall erscheint es wahrscheinlich, dass die Bankung den urspr\u00fcnglichen Sedimentationsschichten folgt, leicht nach Osten einfallend.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1380246-1_450.jpg\" alt=\"Marmorschichten unterhalb von Moutsouna, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Oft ist es nicht m\u00f6glich, anhand der Risse und Kl\u00fcfte im Gestein die urspr\u00fcngliche Richtung der Sediment-Lagen auszumachen: Durch die Metamorphose und durch tektonische Prozesse sind druckbedingte Risse entstanden, die in diversen anderen Richtungen verlaufen und das Gestein zerkl\u00fcften.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/DSCN8307-1_450.jpg\" alt=\"Marmorschichten zwischen Apiranthos und Moutsouna, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Die in diesem Marmor zu sehende B\u00e4nderung befindet sich in der N\u00e4he einer Scherzone und entstand bei der Metamorphose, als durch das teilweise Aufschmelzen verschiedene Anteile des Gesteins sich trennten, oder durch das Eindringen von mineralhaltigen Fl\u00fcssigkeiten entlang von Schw\u00e4chezonen, die durch den Druck und eine relative Bewegung der Schichten zueinander entstanden.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1080381-1_450.jpg\" alt=\"geb\u00e4nderter Marmor, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Marmor mit B\u00e4nderung, vermutlich bei der Metamorphose entstanden; die hier zu sehenden br\u00e4unlichen Streifen im Marmor resultieren wohl aus einem h\u00f6heren Gehalt an eisenhaltigen Mineralen.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/DSC_7576-1_450.jpg\" alt=\"feine B\u00e4nderung in Marmor, zwischen Apiranthos und Koronos, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Diese feine B\u00e4nderung im Marmor ist vermutlich ebenfalls durch die Prozesse der Metamorphose oder durch tektonische Bewegungen entstanden.<\/small><\/p>\n<h3>3. Schieferung<\/h3>\n<p><big>S<\/big>chiefer oder schieferhaltige Gesteine erkennt man an ihrer &#8222;Schieferung&#8220;, d.h. einer <u>lagigen Textur des Gesteins<\/u>, die durch eine schichtweise Einregulierung ihrer fl\u00e4chigen Minerale (Glimmer, Tonminerale usw.) entsteht. Diese <u>Einregulierung der Mineralien<\/u> erfolgt bei einer Metamorphose, wenn die Gesteine bei starkem Druck (teilweise) verfl\u00fcssigt werden und wieder erstarren. Au\u00dferdem k\u00f6nnen die Mineralien des Gesteins durch eine relative Bewegung zweier aufeinander liegender Gesteinsschichten einreguliert werden (&#8222;Dislokations-Metamorphose&#8220;).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1030778-1_450.jpg\" alt=\"Schiefer bei Komiaki, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Schiefergestein zeigt stets eine deutliche Schichtung, die Schieferung, die durch die schichtf\u00f6rmigen, bei der Metamorphose parallel einregulierten Glimmermineralien entsteht.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/DSC_7573-1_450.jpg\" alt=\"Schiefer bei Apiranthos, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Hier liegen Schieferschichten konkordant auf Marmorschichten, d.h. die Schichtung verl\u00e4uft aller Wahrscheinlichkeit nach in Richtung der Lagen der Sedimentation, bei der sich im selben Gebiet erst kalkhaltige, dann tonreiche Sedimente abgesetzt haben. Die Schieferung folgt in diesem Fall den Sedimentationsschichten; sie vermutlich bei einer gro\u00dffl\u00e4chigen Regionalmetamorphose durch das Gewicht der dar\u00fcberliegenden Sedimente entstanden.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/P1050746-1_450.jpg\" border=\"0\" alt=\"Gneis bei Tsikalario, Naxos\"><br \/>\n<small>Die B\u00e4nderung in diesem Gneis, die ebenfalls auf der Einregulierung der Glimmermineralien beruht, entspricht dagegen nicht der urspr\u00fcnglichen Sedimentationsschichtung des Gesteins, sondern ist nachtr\u00e4glich durch eine Einregelung der Kristalle w\u00e4hrend der Metamorphose entsprechend der jeweiligen Druckrichtung entstanden. Die B\u00e4nderung verl\u00e4uft nicht gerade und parallel, sondern ist durch die tektonischen Prozesse und den starken Druck w\u00e4hrend der Metamorphose verformt und verbogen.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1050723-1_450.jpg\" alt=\"Gneis bei Tsikalario, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Auf diesem Bild sieht man auch die gr\u00f6bere &#8222;Schichtung&#8220; im Gneis, die ebenfalls auf der Paralleltextur seiner Mineralien beruht. Die hier abgebildeten Gneise liegen oberhalb des Migmatit-Doms, der im Zentrum der Insel hervorgedr\u00fcckt ist, und zeigen eine entsprechende Lagerung: \u00f6stlich des Doms fallen sie nach Osten ein, westlich des Doms nach Westen, d.h. sie verlaufen so, als h\u00e4tte der hervordringende Migmatit-Dom urspr\u00fcnglich horizontale Schichten in die H\u00f6he gedr\u00fcckt. Trotzdem hat die Schichtung des Gneises nichts mit einer ehemaligen Schichtung des Ausgangssediments zu tun, sondern ist durch die Druckverh\u00e4ltnisse w\u00e4hrend der Metamorphose durch den Kontakt mit dem hei\u00dfen aufdringenden Gestein entstanden.<\/small><\/p>\n<h2>Falten<\/h2>\n<p><big>W<\/big>\u00e4hrend der Auffaltung eines Gebirges werden die urspr\u00fcnglich horizontalen und geraden Schichten der Sedimente durch tektonische Bewegungen verbogen und verfaltet. Diese Falten k\u00f6nnen sehr weitr\u00e4umig auftreten, d.h. sich \u00fcber viele Kilometer erstrecken, oder aber nur wenige Meter oder Zentimeter gro\u00df sein. Die Falten sind dabei manchmal nur schwach gebogen, andere Male ganz geschlossen und gekippt (liegende Falten). Aus der Form und Richtung der Falten kann man auf die Bewegungen w\u00e4hrend der Gebirgsbildung zur\u00fcckschlie\u00dfen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/DSCN6367-1_450.jpg\" alt=\"Marmorschichten bei Agios Dimitris, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Hier sieht man Marmorschichten, die durch tektonische Bewegungen leicht verbogen worden sind.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/vegetation\/mountain_wood-1.jpg\" alt=\"gefaltete Marmorschichten, am Stavros tis Keramotis, Naxos\"><br \/>\n<small>Bei der gro\u00dfr\u00e4umigen \u00dcberschiebung, durch die der Deckenstapel der Kykladen gebildet wurde, entstanden in manchen Bereichen gro\u00dfe, liegende Falten.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1080150-1_450.jpg\" alt=\"gefaltete Schichten im Schiefer, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Hier sieht man zwei kleine Falten im Schiefer. Kleinere Falten dieser Art kommen h\u00e4ufig vor.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/DSC_7555-1_450.jpg\" alt=\"feine B\u00e4nderung im Marmor, zwischen Apiranthos und Koronos, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Diese kleinen Falten in der B\u00e4nderung im Marmor haben vermutlich nichts mit der urspr\u00fcnglichen Sedimentations-Schichtung zu tun, sondern sind ausschlie\u00dflich durch die Metamorphose des Gesteins entstanden.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/DSCN5121-1_1500.jpg\" alt=\"Marmorschichten mit Amphiboliten, Kinidaros, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>W\u00e4hrend der Bildung des Migmatit-Doms wurde die ganze Region einer starken Stauchung in W-O-Richtung unterworfen. Durch diese Stauchung wurden die Marmorschichten mit Amphiboliten, die sich am Migmatit-Dom befinden, in fast senkrecht stehende Falten gepresst. Hier sieht man diese Schichten im Marmorsteinbruch bei Kin\u00eddaros. Die Amphibolit-Schichten im Marmor stammen nicht daher, dass lagenweise ein anderes Material sedimentiert ist, sondern sind aus Magma-G\u00e4ngen enstanden, die beim Aufdringen des Migmatit-Doms in die dar\u00fcberliegenden Marmorschichten eingedrungen sind.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1080907-1_450.jpg\" alt=\"Falten im Kern des Migmatit-Doms, bei Kinidaros, Naxos\" border=\"0\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1080911-1_450.jpg\" alt=\"Falten im Kern des Migmatit-Doms, bei Kinidaros, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Hier sind dichte, steile Falten im Kern des Migmatit-Doms zu sehen. Stellenweise sind helle (z.B. Feldsp\u00e4te oder Quarz) oder schwarze Mineralien (z.B. Turmalin) in fl\u00fcssigkeitsgef\u00fcllte Zwischenr\u00e4ume zwischen den verbogenen und verfalteten Schichten eingewandert.<\/small><\/p>\n<h2>Verwerfungen<\/h2>\n<p><big>W<\/big>\u00e4hrend Falten sich bilden, wenn Gesteinsschichten unter &#8222;duktilen&#8220; Bedingungen verformt werden, d.h. in tieferen Lagen der Erdkruste bzw. bei hohen Temperaturen, wenn das Gestein noch weich und formbar ist, entstehen bei k\u00fchleren Bedingungen, wenn das Gestein nicht mehr verformbar ist, Br\u00fcche. Als Verwerfung bezeichnet man die relative Verschiebung zweier Gesteinspakete an einem solchen Bruch. Wenn die Schichten bei der Verwerfung gestaucht werden, handelt es sich um eine Aufschiebung, d.h. es geraten dieselben Gesteinsschichten \u00fcbereinander. Sehr flache, gro\u00dfr\u00e4umige Aufschiebungen werden \u00dcberschiebung genannt. Abschiebungen erfolgen dagegen in der anderen Richtung durch eine Streckung der Region. Es ist auf den ersten Blick nicht immer einfach, die Richtung der Verschiebung festzustellen, aber eine genauere Untersuchung der Einregulierung der Mineralien kann die Bewegungsrichtung der Schichten untereinander aufzeigen.<\/p>\n<p><big>D<\/big>ie Insel Naxos ist durch eine Vielzahl gr\u00f6\u00dferer und kleinerer Verwerfungen zergliedert. Oft folgen die Verwerfungen Schw\u00e4chezonen im Gestein; z.B. kann die Bewegung genau entlang einer Grenzfl\u00e4che zwischen Marmor und Schiefer verlaufen, wo der Zusammenhalt des Gesteins geringer ist. Manchmal erfolgt an derselben Verwerfung in manchen Phasen eine Abschiebung, in anderen dagegen eine Aufschiebung: Die Bewegungsrichtung hat sich umgekehrt. Wenn die Bewegung bei relativ k\u00fchlen Bedingungen, also spr\u00f6de verl\u00e4uft, werden die an der Verschiebungsebene liegenden Gesteine oft in kleine St\u00fccken zerbrochen, die sp\u00e4ter durch einwandernde Mineralien wieder verbacken werden. Diese tektonischen Brekzien sind oft ein guter Hinweis darauf, dass eine Verwerfung in der N\u00e4he liegt.<\/p>\n<p><big>N<\/big>axos ist durch mehrere etwa parallel in W-O-Richtung verlaufende Abschiebungen zergliedert (&#8222;normale&#8220; Verwerfungen). Au\u00dferdem gibt es gr\u00f6\u00dfere Scherzonen (s.u.) und zahlreiche kleinere Verwerfungen, z.B. ein System kleiner Br\u00fcche, die etwa radial entlang der K\u00fcste zu finden sind, und die durch die Emporw\u00f6lbung der Insel entstanden sind.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/DSC_7708-1_450.jpg\" alt=\"kleine Verwerfung in Marmor, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Hier kann man wohl eine kleinr\u00e4umige Verwerfung sehen: Der gr\u00f6\u00dfere braune Block oben scheint von rechts keilf\u00f6rmig zwischen die anderen Schichten geschoben zu worden sein. Die B\u00e4nderung des Marmors zeichnet diese Verschiebung nach. Sie ist jedoch offensichtlich durch eine Metamorphose \u00fcberpr\u00e4gt worden: Ganz rechts am Rand zeigt sie Verzweigungen, die dadurch entstanden sein k\u00f6nnten, dass das hellere Material w\u00e4hrend der \u00dcberschiebung in kleine Risse eingedrungen ist. Das w\u00fcrde bedeuten, dass die Aufschiebung bei halb duktilen, halb spr\u00f6den Bedingungen stattgefunden hat.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1080417-1_450.jpg\" alt=\"winzige Verwerfungen in Marmor, Agios Dimitris, Naxos\" border=\"0\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1080421-1_450.jpg\" alt=\"winzige Verwerfungen in Marmor, Agios Dimitris, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Dieselben Vorg\u00e4nge, mit denen gro\u00dfe Gesteinsbl\u00f6cke und ganze Berge verstellt, gekippt und verschoben werden, kann man in Miniaturgr\u00f6\u00dfe an diesen Marmorsteinen sehen. Die unterschiedlich gef\u00e4rbten Schichten lassen die Versetzung und Kippung der kleinen &#8222;Bl\u00f6cke&#8220; deutlich werden (am unteren Foto siehe die &#8222;zerbrochene&#8220; leicht br\u00e4unliche Schicht etwa in der Mitte).<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1080457-1_450.jpg\" alt=\"Kap Stavros, Naxos\" border=\"0\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1370887-1_450.jpg\" alt=\"Kap Stavros, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Hier derselbe Vorgang in gro\u00df am Kap.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1080413-1_450.jpg\" alt=\"winzige Verwerfungen in Marmor, Agios Dimitris, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Dieser Stein zeigt spr\u00f6de Verschiebungen im unteren Bereich, wo das Gestein in kleine untereinander verschobene Bl\u00f6cke zerbrochen ist. Im oberen Bereich kann man dagegen eine Verschiebung unter duktilen Bedingungen erkennen.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1080415-1_450.jpg\" alt=\"winzige Verwirbelung in Marmor, Agios Dimitris, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Hier die duktile Verschiebung von nahem: Es ist eine kleine &#8222;Verwirbelung&#8220; enstanden.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/DSC_7577-1_450.jpg\" alt=\"Verwerfung bei Apiranthos, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Diese Gesteinsschichtungen zeigen eine Versetzung der Marmor- und Schiefer-Schichten entlang einer schr\u00e4g von links oben nach rechts unten verlaufenden Verwerfung. Es handelt sich um eine normale Verwerfung, d.h. eine Abschiebung, keine Aufschiebung. Die Verschiebung erfolgte im abgek\u00fchlten Zustand, wie man an der zerbrochenen Verschiebungszone sehen kann.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/DSC_7581-1_450.jpg\" alt=\"Verwerfung bei Apiranthos, Naxos\" border=\"0\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/DSC_7579-1_450.jpg\" alt=\"Verwerfung bei Apiranthos, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>In der Nachbarschaft liegt eine weitere \u00e4hnliche Verschiebung, deren Verwerfungsfl\u00e4che etwas steiler gekippt ist.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1260814-1_450.jpg\" alt=\"Verwerfung zwischen Apiranthos und Moutsouna, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>An der Verwerfung sind die Gesteine durch die Bewegung &#8222;zerbrochen&#8220; und stark verschoben.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/DSCN8318-1_450.jpg\" alt=\"Calcit, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Bei derartigen Bewegungen entstehen oft Hohlr\u00e4ume und Spalten, in die im Nachhinein Calcit hineinw\u00e4chst, das sich in den Fl\u00fcssigkeiten des Gesteins befindet. Manchmal bilden sich so sehr sch\u00f6ne, gro\u00dfe Calcitkristalle.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/DSCN8257-1_450.jpg\" alt=\"offene Spalte an einer Verwerfung zwischen Apiranthos und Moutsouna, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Manchmal bleiben auch offene Spalten, die weit in die Erde hineinreichen, so wie an dieser kleinen Verwerfung.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1080665-1_450.jpg\" alt=\"Verwerfung zwischen Apiranthos und Moutsouna, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Und hier noch eine St\u00f6rung, an der ein keilf\u00f6rmiges Gel\u00e4ndest\u00fcck ein St\u00fcck weit versetzt worden ist. Bei der Beurteilung aller St\u00f6rungen muss man immer ber\u00fccksichtigen, dass das Gel\u00e4ndest\u00fcck auch (vom Betrachter aus gesehen) nach vorn oder hinten bewegt worden sein kann, nicht nur in der Ebene, die der Oberfl\u00e4che entspricht.<\/small><\/p>\n<h2>Scherzonen<\/h2>\n<p><big>A<\/big>ls Scherzonen werden Verwerfungen bezeichnet, in denen eine Decke sehr flach und gro\u00dffl\u00e4chig gegen eine andere verschoben wird. Auch dabei kann es sich um Aufschiebungen (dann \u00dcberschiebung genannt) oder Abschiebungen (Dehnung) handeln.  Auf Naxos verl\u00e4uft eine gr\u00f6\u00dfere Scherzone in SSW-NNO-Richtung von Agiass\u00f3s bis L\u00edonas zwischen der Zeus- und der Koronos-Einheit der Decken des Pindos-Ozeans, an der eine \u00dcberschiebung (&#8222;top to the north&#8220;) stattfindet. Parallel zu dieser Scherzone verlaufen auch einige weitere, heute inaktive Verwerfungen. Eine weitere &#8222;normale&#8220; Scherzone befindet sich rund um den Migmatit-Kern, an der die dar\u00fcberliegenden Schichten der Koronos-Einheit nach Norden verschoben werden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1080661-1_450.jpg\" alt=\"Verwerfung bzw Scherzone zwischen Apiranthos und Moutsouna, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Bei diese Verwerfung an der Stra\u00dfe \u00f6stlich von Ap\u00edranthos k\u00f6nnte es sich um die Scherzone zwischen der Zeus- und der Koronos-Einheit oder um einen &#8222;Nebenzweig&#8220; davon handeln. Man sieht die recht steil stehende Scherfl\u00e4che, entlang derer die Bewegung stattgefunden hat.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1080835-1_450.jpg\" alt=\"tektonische Brekzie auf der Scherfl\u00e4che an gro\u00dfer Verwerfung zwischen Apiranthos und Moutsouna, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Teilweise kleben auf der Scherfl\u00e4che tektonische Brekzien.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/DSCN8270-1_450.jpg\" alt=\"tektonische Brekzie auf der Scherfl\u00e4che an gro\u00dfer Verwerfung zwischen Apiranthos und Moutsouna, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Die tektonische Brekzie besteht aus gro\u00dfen und kleinen Gesteinsbrocken, die durch die Verschiebung der Gesteine gegeneinander von ihrem urspr\u00fcnglichen Ort gel\u00f6st worden sind und danach wieder mit einem oft tonhaltigen, r\u00f6tlichen &#8222;Zement&#8220; verbacken wurden.<\/small><\/p>\n<p><big>D<\/big>ie wichtigste Scherzone von Naxos befindet sich zwischen der Oberen Kykladen-Decke, d.h. den tektonisch gesehen zuoberst liegenden, nicht metamorphen Schichten, und den Einheiten des Pindos-Ozeans, die den gr\u00f6\u00dften Teil der Insel aufbauen. Die Obere Kykladen-Decke ist auf Naxos nur in sehr kleinen Bereichen erhalten. Der gr\u00f6\u00dfere dieser Bereiche liegt zwischen dem Granodiorit bei der Ch\u00f3ra und dem Migmatit-Dom im Inselinnern, d.h. in einem Gebiet, das sich von Galan\u00e1dho \u00fcber M\u00e9lanes bis zur K\u00fcste n\u00f6rdlich von Engar\u00e9s erstreckt. Der zweite umfasst einen sehr schmalen Streifen an der K\u00fcste bei Moutso\u00fana. An dieser Scherzone hat eine betr\u00e4chtliche Bewegung stattgefunden. Direkt \u00f6stlich von Moutso\u00fana ist die Scherzone sehr gut zu sehen.<\/p>\n<p><big>D<\/big>ie Bewegung an der Scherzone erfolgte vor etwa 15 bis 10 Mio. Jahren. Die oberen Schichten wurden durch die Bewegung nach NNO verschoben, wobei es sich um eine Abschiebung (Streckung) handelte. Die obere Decke wurde vermutlich \u00fcber viele Dutzend Kilometer verschoben. Die Scherzone lag urspr\u00fcnglich in einem sehr flachen Winkel, der sp\u00e4ter durch die Heraushebung der Insel steiler gestellt wurde. Der durch die Scherzone beeinflusste Bereich ist etwa 100 &#8211; 200 m breit. Die Bewegung erfolgte unter spr\u00f6den bis duktil-spr\u00f6den Bedingungen, d.h. bei nicht besonders hohen Temperaturen (bis h\u00f6chstens 360\u00b0C). Durch die Scherung wurden die naheliegenden Sedimente von der Amphibolit-Metamorphose-Fazies (Hochtemperatur) in die Gr\u00fcnschiefer-Fazies (Mitteltemperatur) &#8222;zur\u00fcckmetamorphisiert&#8220;, d.h. der Mineralbestand der Gesteine wurde teilweise ver\u00e4ndert. Dabei wurden die Mineralien in der Scherzone unter duktilen Bedingungen verformt (&#8222;mylonisiert&#8220;).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1080472-1_450.jpg\" alt=\"Scherfl\u00e4che am Strand Chochlakas bei Moutsouna, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Die Scherfl\u00e4che der Moutsouna-Abschiebung: An der K\u00fcste \u00f6stlich von Moutso\u00fana ist die Fl\u00e4che, an der die Bewegung stattfand, exponiert. Die Fl\u00e4che liegt heute durch nachtr\u00e4gliche Bewegungen in einem Winkel von etwa 30\u00b0 gekippt. Die Fl\u00e4che ist erstaunlich einheitlich und eben. Unterhalb der Scherfl\u00e4che liegt mylonisierter Calcitmarmor. Auf der rechten Seite im Bild sieht man das wenig verfestigte mioz\u00e4ne Konglomerat, das oberhalb der Scherzone liegt.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1080476-1_450.jpg\" alt=\"Scherfl\u00e4che am Strand Chochlakas bei Moutsouna, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Blick auf die Scherfl\u00e4che mit dem grauen mylonisierten Marmor.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1080473-1_450.jpg\" alt=\"Scherfl\u00e4che am Strand Chochlakas bei Moutsouna, Naxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Hier sieht man die Marmore unterhalb der Scherfl\u00e4che im Anschnitt. Die Mineralien sind durch die Scherbewegung plastisch verformt und gestreckt worden. Der \u00fcberpr\u00e4gte Marmor zeichnet sich durch seine feine, etwas &#8222;wellige&#8220; Lagentextur aus (Mylonit).<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1080544-1_450.jpg\" alt=\"Scherzone in Westnaxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>In Westnaxos sind die Verh\u00e4ltnisse komplizierter, und es ist nicht so einfach, die Scherzone zwischen der Oberen Kykladen-Decke und den darunter liegenden Sedimenten der Pindos-Decke zu verfolgen. Hier sieht man die Scherzone; oberhalb liegen Schiefer, unterhalb Marmore.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1080545-1_450.jpg\" alt=\"Kakirit an der Scherzone in Westnaxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Der Marmor ist an der Scherzone durch die Bewegung sehr stark &#8222;zerbrochen&#8220;; man bezeichnet derartige Gesteine als Kataklasit (genauer &#8222;Kakirit&#8220;).<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1080555-1_450.jpg\" alt=\"Mylonisierter Schiefer an der Scherzone in Westnaxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Direkt an der Scherfl\u00e4che sieht man eine starke &#8222;Mylonisierung&#8220; der Gesteine, d.h. die Schichtminerale der Schiefer sind durch die Bewegung feinlagig einreguliert (Dislokations-Metamorphose).<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1090014-1_450.jpg\" alt=\"Scherzone in Westnaxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Auch an der kleinen Stra\u00dfe, die von S\u00fcdwesten nach M\u00e9lanes f\u00fchrt, kommt man an der Scherzone (oder jedenfalls an einem durch die Scherung beeinflussten Gebiet) vorbei. Hier sieht man unterhalb der Marmore stark mylonisierte Gesteine.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1090022-1_450.jpg\" alt=\"Scherzone in Westnaxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Oft scheint die Bewegung haupts\u00e4chlich in Schieferschichten stattgefunden zu haben. Hier sieht man ein ungleichm\u00e4\u00dfig verlaufendes Band stark mylonisierter Schiefer zwischen Marmorschichten, die in gro\u00dfe Brocken zerbrochen und bewegt worden sind. Marmore k\u00f6nnen nicht &#8222;mylonisiert&#8220; werden, da sie keine Schichtminerale beinhalten.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1090030-1_450.jpg\" alt=\"Scherzone in Westnaxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Die Marmore an der Scherzone sind durch die Bewegung in gro\u00dfe und kleinere Brocken zerbrochen und von einem dichten Geflecht an Calcit-Adern \u00fcberzogen, das die starke Beanspruchung des Gesteins bezeugt.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/P1090034-1_450.jpg\" alt=\"Kakirit an der Scherzone in Westnaxos\" border=\"0\"><br \/>\n<small>An dieser Stelle ist der Marmor wieder zu einem Kakirit zerbrochen.<\/small><\/p>\n<p>weiter: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/verwitterung-und-wasserhaushalt\/\">Verwitterung und Wasserhaushalt<\/a><\/p>\n<p>zur\u00fcck: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-geologie\/\">Die Geologie der Insel Naxos<\/a><\/p>\n<p>siehe auch:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/scherzone-moutsouna\/\">Die Scherzone bei Moutsouna<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/tektonischer-bruch-bei-azalas\/\">Ein tektonischer Bruch bei Azalas<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-gesteine\/\">Die Gesteine<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/tektonische-einheiten-naxos\/\">Die Tektonischen Einheiten<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Insel Naxos ist Teil eines Gebirgszuges, der etwa zur selben Zeit und auf dieselbe Weise entstanden ist wie die Alpen, n\u00e4mlich durch Faltungen oder durch die Aufschiebung von Deckenstapeln. 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