{"id":12639,"date":"2020-10-09T20:14:39","date_gmt":"2020-10-09T17:14:39","guid":{"rendered":"http:\/\/klqewmpxo.cyon.link\/?page_id=12639"},"modified":"2026-01-11T10:10:09","modified_gmt":"2026-01-11T08:10:09","slug":"blaualgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/azalas.de\/de\/blaualgen\/","title":{"rendered":"Blaualgen"},"content":{"rendered":"<p><big>D<\/big>ie Blaualgen oder Cyanobakterien geh\u00f6ren, da sie keinen Zellkern besitzen, zu den Bakterien, nicht zu den Algen. Wie die Pflanzen sind sie jedoch zur Photosynthese bef\u00e4higt, wobei sie verschiedene Farbstoffe zur Absorption des Lichtes verwenden. Durch einen blauen Farbstoff (Phycocyanin) erhalten sie ihre blaugr\u00fcne F\u00e4rbung, von der sich der Name Cyanobakterien (&#8222;Blaugr\u00fcnbakterien&#8220;) ableitet.<br \/>\n<big>B<\/big>Blaualgen geh\u00f6ren zu den \u00e4ltesten Lebewesen auf der Erde. Vor 2,5 Milliarden Jahren produzierten die massenhaft im Meerwasser vorkommenden Blaualgen als erste Organismen, die Photosynthese betrieben, so viel Sauerstoff, dass sich die Atmosph\u00e4re damit anreicherte und das (tierische) Leben an Land erm\u00f6glicht wurde. Ein entscheidender Schritt zur <a href=\"http:\/\/azalas.de\/algen-evolution\/\">Entstehung der ersten Pflanzen (Algen)<\/a> wurde dadurch vollzogen, dass einfache am\u00f6benartige Einzeller Cyanobakterien in sich aufnahmen, ohne sie zu verdauen, so dass sich diese in die Photosynthese betreibenden Chloroplasten der Pflanzenzellen entwickelten. Dabei entstanden die unterschiedlichen Gruppen der <a href=\"http:\/\/azalas.de\/algen\/\">Algen<\/a> (Gr\u00fcnalgen, Braunalgen und Rotalgen) durch die Aufnahme unterschiedlicher Cyanobakterien mit unterschiedlichen Farbstoffen.<\/p>\n<p><big>H<\/big>eute sind etwa 2000 Blaualgen-Arten bekannt. Sie leben im S\u00fc\u00dfwasser, im Meer, in feuchten B\u00f6den, auf Baumrinde und auf Gesteinsoberfl\u00e4chen. Die meisten Arten leben als Einzeller oder bilden kleine Zellf\u00e4den oder Kolonien aus einigen Zellen. Nur wenige Arten bilden so gro\u00dfe Kolonien (meist rasige Bel\u00e4ge oder gallerige kugelige Formen), dass man sie mit blo\u00dfem Auge sehen kann. Auch die gr\u00f6\u00dferen Arten sind allerdings meist schwer zu bestimmen. Bei uns kommen mehrere Blaualgen-Arten an der K\u00fcste im Bereich des Wellengangs vor.<\/p>\n<h6>Blaualgenbel\u00e4ge in der Spritzwasserzone<\/h6>\n<p><big>A<\/big>uf Marmor als Untergrund weist die gesamte <a href=\"http:\/\/azalas.de\/supralitoral\/\">Spritzwasserzone<\/a> (oft bis in \u00fcber einen Meter H\u00f6he) einen d\u00fcnnen Belag aus Blaualgen auf. Dabei kann man drei Unterzonen unterscheiden: eine untere braungr\u00fcn gef\u00e4rbte, eine mittlere schwarze und eine obere wei\u00dfe bis br\u00e4unliche.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sea\/cyanobacteria\/supralitoral_cyanobacteria-1.jpg\" alt=\"Supralitoral\"><br \/>\n<small>An diesem Marmorfelsen kann man deutlich die drei Zonen des Supralitorals erkennen.<\/small><\/p>\n<p><big>D<\/big>ie unterste Zone in Wassern\u00e4he, die noch regelm\u00e4\u00dfig \u00fcbersp\u00fclt wird, tr\u00e4gt einen gelb- oder braungr\u00fcnen Bewuchs aus kleinen rasigen Blaualgen, beispielsweise der Art <em>Calothrix scopulorum<\/em>.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sea\/cyanobacteria\/cyanobacteria_green-1.jpg\" alt=\"Supralitoral\"><br \/>\n<small>vom Blaualgenbewuchs braungr\u00fcn gef\u00e4rbte Marmorfelsen im untersten Supralitoral<\/small><\/p>\n<p><big>I<\/big>n dieser sogenannten <u>Lithophyten-Zone<\/u> wachsen epilithische, aber auch endolithische, also im Stein lebende Blaualgen (beispielsweise <em>Mastigocoleus testarum<\/em>), die das kalkhaltige Gestein durch S\u00e4uren aufl\u00f6sen und so die Bildung kleiner Vertiefungen und L\u00f6cher bewirken. In den L\u00f6chern kann sich die Feuchtigkeit l\u00e4nger halten, wodurch auch der Blaualgenbewuchs beg\u00fcnstigt wird, so dass die L\u00f6cher immer gr\u00f6\u00dfer werden; auf diese Weise werden die Felsen nach und nach tief zerfressen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sea\/cyanobacteria\/cyanobacteria_green-2.jpg\" alt=\"durch endolithische Blaualgen entstehende L\u00f6cher im Marmorfels im Supralitoral\"><br \/>\n<small>Die endo- und epilithischen Blaualgen l\u00f6sen den Marmor auf.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sea\/cyanobacteria\/cyanobacteria_brown-1.jpg\" alt=\"durch endolithische Blaualgen entstehende L\u00f6cher im Marmorfels im Supralitoral\"><br \/>\n<small>So entstehen sich stets weiter vertiefende L\u00f6cher.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sea\/cyanobacteria\/cyanobacteria_black-1.jpg\" alt=\"durch endolithische Blaualgen entstehende L\u00f6cher im Marmorfels im Supralitoral\"><br \/>\n<small>In den Vertiefungen sammelt sich Wasser an, wodurch der Blaualgenbewuchs weiter beg\u00fcnstigt wird, so dass die L\u00f6cher immer gr\u00f6\u00dfer und tiefer werden.<\/small><\/p>\n<p><big>O<\/big>berhalb dieser Lithophyten-Zone schlie\u00dft sich eine bis etwa einen halben Meter hohe Zone an, die nur selten \u00fcbersp\u00fclt, aber recht regelm\u00e4\u00dfig durch die Gischt benetzt wird. Hier sind die Marmorfelsen durch einen d\u00fcnnen Belag der Blaualge <em>Entophysalis granulosa<\/em> schwarz gef\u00e4rbt. Im schwarzen Algenbelag kann man (ebenso wie in der gr\u00fcnen Zone) h\u00e4ufig die Fra\u00dfspuren der sich von ihm ern\u00e4hrenden <a href=\"http:\/\/azalas.de\/napfschnecken\/\">Napfschnecken<\/a> finden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sea\/cyanobacteria\/cyanobacteria_black_feeding_traces-1.jpg\" alt=\"schwarzer Blaualgenbelag auf Marmorfels im Supralitoral mit Napfschnecken-Fra\u00dfspuren\"><br \/>\n<small>schwarzer Blaualgenbelag auf Marmorfels im Supralitoral mit Napfschnecken-Fra\u00dfspuren<\/small><\/p>\n<p><big>N<\/big>och dar\u00fcber schlie\u00dft sich eine meist etwas schmalere Zone an, in der die Marmorfelsen von einem br\u00e4unlichen bis wei\u00dfen, lackartigen Belag \u00fcberzogen sind. Hier werden die Felsen nur noch bei St\u00fcrmen benetzt. Auch dieser Belag wird vermutlich durch Blaualgen gebildet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sea\/cyanobacteria\/cyanobacteria_white-1.jpg\" alt=\"vermutlich durch Blaualgen entstandener br\u00e4unlich-wei\u00dfer, lackartiger \u00dcberzug in der obersten Zone des Supralitorals\"><br \/>\n<small>br\u00e4unlich-wei\u00dfer, lackartiger \u00dcberzug in der obersten Zone des Supralitorals<\/small><\/p>\n<p><br class=\"clear\" \/><\/p>\n<hr style=\"border-width: 2px;\">\n<p>In der <a href=\"https:\/\/azalas.de\/de\/fotouebersicht-meerespflanzen\/\"><strong>Foto-\u00dcbersicht der Meerespflanzen<\/strong><\/a> findet man einen \u00dcberblick \u00fcber alle bislang von mir fotografierten Arten. Ich bitte dabei zu beachten, dass viele der Bestimmungen unsicher sind.<\/p>\n<p><small><strong>Eine Anmerkung zur Bestimmung:<\/strong> Einige Algenarten sind leicht und sicher zu erkennen. In vielen F\u00e4llen gibt es jedoch mehrere verwandte Arten, die schwer zu unterscheiden sind. Oft ist zur korrekten Bestimmung eine Untersuchung mit dem Mikroskop erforderlich. Ein weiteres Problem bei der Bestimmung ist, dass in den Bestimmungsb\u00fcchern nicht alle Arten enthalten sind; aber auch im Internet kann man zu vielen Arten kaum Informationen finden. Oft sehen die Arten, auf die die Bestimmung hinausl\u00e4uft, in den B\u00fcchern oder auf den Fotos im Internet ziemlich anders aus als unsere Exemplare hier. Entsprechend sind die meisten der Bestimmungen leider ziemlich unsicher; manche Arten m\u00fcssen g\u00e4nzlich unbestimmt bleiben.<\/small><\/p>\n<h6><em>Rivularia bullata<\/em>, Berkeley ex Bornet &#038; Flahault<\/h6>\n<p><big>N<\/big>ahe der Wasserlinie findet man auf den dort wachsenden fl\u00e4chigen Kalkalgen oft eine etwas gr\u00f6\u00dfere, blasige Blaualgenart. Es k\u00f6nnte sich um <em>Rivularia bullata<\/em> handeln.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sea\/cyanobacteria\/rivularia_bullata-1.jpg\" alt=\"Rivularia bullata?\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Diese Blaualge bildet unregelm\u00e4\u00dfig kugelig geformte Kolonien, die im feuchten Zustand dunkelgr\u00fcn, im trockenen fast schwarz aussehen.<\/small><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/azalas.de\/wp-content\/uploads\/photos\/naxos\/sea\/cyanobacteria\/rivularia_bullata-2.jpg\" alt=\"Rivularia bullata?\" border=\"0\"><br \/>\n<small>Die Kolonien bestehen aus dichten B\u00fcscheln feiner F\u00e4den, die in einer gallertigen Substanz liegen.<\/small><\/p>\n<p>zur\u00fcck: <a href=\"http:\/\/azalas.de\/naxos-meerespflanzen\/\">Meerespflanzen Einf\u00fchrung<\/a><\/p>\n<p>siehe auch:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/supralitoral\/\">Das Supralitoral<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/algen\/\">Algen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/algen-evolution\/\">Aspekte der Evolution der Algen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/azalas.de\/mittelmeer\/\">Das Mittelmeer<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/azalas.de\/inhaltsverzeichnis\/\">Zum Inhaltsverzeichnis<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Blaualgen oder Cyanobakterien geh\u00f6ren, da sie keinen Zellkern besitzen, zu den Bakterien, nicht zu den Algen. Wie die Pflanzen sind sie jedoch zur Photosynthese bef\u00e4higt, wobei sie verschiedene Farbstoffe zur Absorption des Lichtes verwenden. Durch einen blauen Farbstoff (Phycocyanin) erhalten sie ihre blaugr\u00fcne F\u00e4rbung, von der sich der Name Cyanobakterien (&#8222;Blaugr\u00fcnbakterien&#8220;) ableitet. 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