Schmirgelabbau heute

Der Schmirgelabbau auf Naxos befindet sich schon seit langem in der Krise – seit der technisch hergestellte Korund entwickelt worden ist, hat der Schmirgel stark an Bedeutung verloren. Trotzdem wird der Abbau des Schmirgels auf Naxos bis heute in kleinerem Maßstab fortgeführt, um den Bewohner der armen Bergdörfer ihre Lebensgrundlage zu erhalten. In den letzten Jahren wurde der Abbau jedoch nach und nach immer weiter reduziert, indem eine ganze Reihe von Schmirgelminen als zu unsicher geschlossen wurden. Dieses Jahr sollte der Abbau nun unter Berufung auf die Krise endgültig eingestellt werden. Die Bevölkerung der „Schmirgeldörfer“ protestierte gegen diesen Beschluss und konnte erreichen, dass die Minen wenigstens für dieses Jahr wieder eröffnet werden.

Da es also möglicherweise mit dem Schmirgel bald vorbei ist, haben wir uns noch einmal angeschaut, wie der Abbau heute vonstatten geht. Hier ein paar Fotos.


eine der noch aktiven Schmirgelminen in Koronos


Vor der Mine steht der Kompressor, der den Presslufthammer betreibt. Der abgebaute Schmirgel wird mit einer Schubkarre aus der Mine gefahren und vorläufig vor der Mine gelagert.


Der Eingang zum Teil der Mine, in dem heute abgebaut wird.


An einen Schmirgelpfeiler sind die Arbeitsgeräte gelehnt.

Der Schmirgel wird durch Sprengen mit Dynamit abgebaut. Dazu werden zunächst mit dem Presslufthammer Löcher in den Schmirgel getrieben; da dieser so hart ist, ist das schwierig, anstrengend und zeitraubend. Ein- oder zweimal pro Tag wird gesprengt; jedes Mal kann nur eine geringe Menge Schmirgel gelöst werden.


Hier die Mine direkt nach der Sprengung.

Und nun noch ein paar Bilder von einer weiteren Mine, an der der Schmirgel halb-oberirdisch abgebaut wird, da hier mehr von der Prozedur zu sehen ist.


An dieser Mine haben sich die Arbeiter von der Oberfläche aus den Schmirgelvorkommen folgend nach unten vorgearbeitet. Dabei müssen zwischen den einzelnen Schmirgellinsen immer auch große Mengen Marmor abgetragen werden.


Der Bagger glättet die Fahrstraße, damit der Schmirgel später aus der Mine abgefahren werden kann.


Auch mit dem Bagger kann man Schmirgel abbauen, wenn die Brocken schon etwas gelockert sind.


Tief unten liegt die Schmirgellinse, die zur Zeit abgebaut wird. Hier sind die Arbeiter auf ein sehr reines Vorkommen mit Schmirgel erster Qualität gestoßen.


Oben an den Wänden des Steinbruchs sieht man noch die Reste früher abgebauter Schmirgelvorkommen.

Eines der größten Probleme des Schmirgelabbaus ist das Auffinden der Schmirgellinsen. Von einer ausgebeuteten Linse müssen sich die Arbeiter oft über große Strecken durch Marmorschichten durcharbeiten, bis sie erneut auf Schmirgel stoßen. Üblicherweise sind die Schmirgelvorkommen durch Bänder schwarzen, mit Schmirgel versetzen Gesteins verbunden; diesen Bändern folgen die Arbeiter auf der Suche nach einem neuen Vorkommen. Außerdem lässt das Auftreten von Glimmerschiefer auf die Nähe von Schmirgel schließen; direkt um eine Schmirgellinse ist ferner der Marmor stets besonders hart. Trotz dieser Hinweise kommt es häufig vor, dass die Arbeiter sich meterweit durch Marmorschichten durcharbeiten und am Schluss doch auf keinen Schmirgel stoßen.


Von einem Schmirgelvorkommen zum nächsten ziehen sich dunkle Schichten durch den Marmor; diesen folgen die Arbeiter, um die nächste Schmirgellinse zu finden.


Die dunklen Schichten weiten sich hier zu einer Mini-Schmirgellinse.


An der Grenze zwischen den Schmirgellinsen und dem Marmor liegt stets eine Schicht mit Glimmerschiefern und anderen Mineralen wie schwarzem Turmalin.


Auch in die Schmirgelvorkommen ziehen sich glänzenden Glimmerschichten hinein.

Der Schmirgel wird durch Sprengen mit Dynamit abgebaut. Dazu müssen zuerst mit dem Presslufthammer Löcher in den Schmirgel gebohrt werden, die dann mit dem Sprengstoff gefüllt werden. Das ist insbesondere bei reinen Vorkommen sehr schwierig, da der sehr harte Schmirgel kaum zu bohren ist.


Hier sind die Arbeiter damit beschäftigt, Löcher für die Sprengung in den Schmirgel zu treiben.


Das Bohren der Löcher mit dem Presslufthammer geht im harten, kompakten Schmirgel sehr langsam voran.


Die Arbeiter folgen beim Anlegen der Löcher den natürlichen Schichten und Spalten im Gestein.

Das Sprengen können wir aus verständlichen Gründen nur aus großer Ferne mit Fotos dokumentieren.


Die Mine von fern nach der Sprengung; es hat schon einen ganz schönen Knall gegeben.


Nach der Sprengung stoßen die Arbeiter (auf dem frisch abgesprengten Schmirgel stehend) die noch an der Decke hängenden gelockerten Schmirgelbrocken mit Hilfe einer langen Stange herunter.

Später wird der abgebaute Schmirgel mithilfe des Baggers abtransportiert. Auf diese Weise arbeiten sich die Männer in der Schmirgellinse stets langsam von unten nach oben vor, bis die darüberliegenden Marmorschichten erreicht sind; dann müssen sie sich wieder ein Stück tiefer in den Berg hineinarbeiten.

siehe auch:
Eine der größten Schmirgelminen von Naxos ist die Mine Stravolangáda. Diese Mine war bis in die 80er Jahre hinein in Betrieb ist; danach war der Schmirgel hier vollständig abgebaut. Die Stravolangáda liegt in der Nähe der gleichnamigen zentralen Station der Schmirgel-Seilbahn. In dieser Station wurde die von den zwei Richtung Lionas gelegenen Stationen kommende Linie auf den über den Berg Richtung Moutsoúna führenden Teil der Seilbahn umgeleitet; außerdem befand sich hier der Motor, der die Seilbahn antrieb.

Die Bewohner des Schmirgel-Dorfes Kóronos bemühen sich seit Jahrzehnten, die Station sowie auch die Mine Stravolangáda und die Mine Sarandára in ein Museum umzuwandeln, und haben auch schon etwa die Hälfte der dafür vorgesehenen Bauten und sonstigen Werke ausgeführt; leider konnte jedoch trotz wiederholter Bemühungen keine Finanzierung für den Rest der Arbeiten gesichert werden.

Trotzdem ist die Station sehenswürdig für alle, die an diesem Kapitel der naxiotischen Geschichte interessiert sind; ebenso die Mine, in die man, wenn man mit einer entsprechenden Lampe ausgerüstet ist, hineingehen kann. (Natürlich ist Vorsicht geboten: Auch wenn die Decke in den Schmirgelminen im Allgemeinen stabil ist, besteht doch die Möglichkeit, dass einzelne Steine locker sitzen; außerdem sollte man auf keinen Fall vom zentralen Gang der Mine, in dem die Gleise verlegt sind, abweichen. Und man sollte nicht vergessen, dass Griechenland Erdbebengebiet ist! Also: Betreten auf eigene Gefahr!)


Blick von oben auf die Station Stravolangada


Die Mine Stravolangada liegt links neben dem gelbgefärbten Baum in der Mitte des Bildes.


der Eingang zur Mine


Im Hauptgang der Mine sind Gleise verlegt, auf denen der Schmirgel mithilfe von Loren aus der Mine herausgefahren wurde.


An einer Stelle liegen zwei alte Loren herum.


Rechts und links vom Hauptgang zweigen an vielen Stellen kurze Gänge ab, mit denen seitlich gelegene Schmirgelvorkommen erschlossen wurden; die durch den Abbau entstandenen Hohlräume entsprechen den ehemaligen Schmirgellinsen.


Bei größeren Schmirgelvorkommen haben die Arbeiter beim Abbau hier und da Schmirgelpfeiler zum Abstützen der Decke stehen gelassen.


Dieses ist der größte zusammenhängende Hohlraum dieser Mine.


Für seine Ausbeutung wurde ein kleiner Abzweig der Lorenbahn gebaut.


Nach einer ganzen Reihe von seitlichen Abzweigungen zieht sich der zentrale Gang noch ein langes Stück gerade in den Berg hinein; insgesamt mag die Länge der Mine knapp 300 m betragen.


Am Ende des Ganges geht es sehr steil nach unten, wo offensichtlich ein weiteres Schmirgelvorkommen lag; hier kann man nicht weiter.


Der Schmirgel wurde hier mithilfe einer Seilwinde zum zentralen Gang hinaufgezogen.


Hier ist noch etwas Schmirgel stehen geblieben.


An der Grenze zum Marmor sowie auch in Spalten im Schmirgel liegt oft eine Schicht von glänzendem Glimmer.


Hier die Grenzschicht an der Höhlendecke mit glitzernden Glimmer-Plättchen und schwarzen Kristallen von Korund, Magnetit und anderen Mineralien.


An den Schmirgelvorkommen treten eine ganze Reihe teilweise seltener Mineralien auf.

Heute erinnert fast nichts mehr an die Arbeiter, die einst in der Mine tätig waren und all dieses Gestein und den schweren Schmirgel mit so einfachen Mitteln aus dem Berginnern herausgeschafft und dieses große unterirdische Gängesystem geschaffen haben. Kaum kann man sich mehr vorstellen, wie hier vor gar nicht so langer Zeit die Menschen gearbeitet haben – und sich in Dunkelheit und ständiger Gefahr langsam durch den Berg vorgearbeitet haben, immer in der Hoffnung, weiteren Schmirgel zu finden.


Heute liegt die Mine leer und verlassen da…


…nein, doch nicht ganz verlassen!

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