Orchideen, Orchidaceae

Die Orchideen sind eine der bekanntesten und mit etwa 1000 Gattungen und 30.000 Arten auch größten Pflanzenfamilien. Sie sind weltweit verbreitet; die meisten Arten kommen in den tropischen und subtropischen Regionen vor allem Mittel- und Südamerikas und Asiens vor.

Die Orchideen besitzen dreiteilige, meist zygomorphe Blüten, die in Form und Farbe sehr vielfältig sind. Die Blüte besitzt drei Kronblätter, von denen das untere (bei zygomorphen Blüten) als Lippe ausgebildet ist, sowie drei Kelchblätter, die zwischen den Kronblättern stehen und oft ähnlich wie diese aussehen. Manchmal sind die „oberen Blütenblätter“ (Kelchblätter und Kronblätter außer der Lippe) zu einem Helm verwachsen. Oft bildet die Lippe hinten einen Sporn.


Die Blüten bestehen aus der meist relativ großen Lippe (hier bei der Pyramidenorchis dreigelappt), der zwei obere Kronblätter gegenüberstehen (bei dieser Art recht klein); dahinter liegt der ebenfalls farbige, dreiblättrige Kelch (hier etwas dunkler gefärbt als die Kronblätter). Bei vielen Blüten, so auch hier, formt die Lippe einen Sporn.

Die Blüten besitzen nur ein oder zwei Staubblätter, die gemeinsam mit der Narbe eine Röhre bilden, die der Lippe gegenüber steht. Die Pollen sitzen in zwei kugelförmigen, klebrigen Pollinarien, die als Ganzes an die Insekten geheftet werden, die die Blüte besuchen. Die Pollen besitzen keine Nährstoffe und werden von den Insekten nicht gesammelt; viele Blüten bieten den Insekten auch keinen Nektar. Bei manchen Arten wie den Ragwurzen sehen die Blüten einem weiblichen Insekt (Bienen, Wespen usw.) ähnlich und locken die Bestäuber auf diese Weise an (Mimese). Dazu werden oft außerdem spezielle Duftstoffe eingesetzt, die den Sexuallockstoffen der entsprechenden Insektenart gleichen. Andere Arten produzieren stark duftende Öle, die von manchen Prachtbienen-Arten gesammelt und bei der Balz eingesetzt werden.


Die Lippe der Ragwurz-Arten ist sehr groß und gewölbt; sie ahmt in Form, Farbe und Behaarung die Weibchen bestimmter Insektenarten nach. Wenn die Männchen dieser Insektenarten (je nach Art z.B. Langhornbienen oder Trauerbienen) sich auf die Blüte setzen, um mit ihr zu „kopulieren“, werden ihnen die Pollinarien an den Kopf geheftet, die sie dann zu einer anderen Blüte tragen.


An dieser Ragwurz-Blüte ist eines der gelben Pollinarien (halb losgelöst) zu sehen.

Orchideen besitzen winzig kleine Samen; eine Blüte kann über eine Million Samenkörner produzieren. Die Samen besitzen kein Nährgewebe und können nur mithilfe eines Mycorrhiza-Pilzes keimen. Die meisten Orchideen sind mehrjährig. Die oberirdischen Pflanzenteile sterben bei den Pflanzen der gemäßigten Zonen während der ungünstigen Jahreszeit ab. Aus den Wurzeln treibt Jahr für Jahr eine neue oberirdische Pflanze. Viele Arten bilden rübenartige Speicherknollen. Die Blätter sind meist eher einfach geformt und ganzrandig; oft stehen sie mehr oder weniger am Boden.

Auf Naxos sind gut 35 Orchideen-Arten nachgewiesen worden, wobei die meisten nur ziemlich selten anzutreffen sind. Sie benötigen im Allgemeinen offene und eher trockene Standorte. Günstig, wenn nicht gar unentbehrlich für das Gedeihen vieler Orchideen ist eine mäßige Beweidung durch Schafe, die die Vegetation offen hält.


Oft wachsen mehrere Orchideen-Arten beieinander. Alle auf Naxos vorkommenden Orchideen bevorzugen offene, eher trockene Standorte; sie wachsen in der Phrygana, auf Wiesen und an Wegrändern. Die meisten Arten sind selten und nur vereinzelt anzutreffen.

Die Bestimmung mancher Orchideen, insbesondere der Ragwurzen (Gattung Ophrys) ist leider alles andere als einfach. Oft sind die Arten sehr variabel, so dass gegebenenfalls jedes Exemplar ein bisschen anders aussieht. Viele Arten sehen sich sehr ähnlich, so dass sie im Feld nur schwer zu erkennen sind; sie unterscheiden sich jedoch oft darin, dass sie von einem anderen Insekt bestäubt werden. So können zum Beispiel innerhalb der Art Ophrys fusca 60 verschiedene Arten unterschieden werden, die von unterschiedlichen Bestäubern besucht werden und somit genetisch effektiv getrennt sind. Ich richte mich hier trotzdem weitgehend nach dem neuen Werk von Arne Strid, „Atlas of the Aegean Flora“, das nur die morphologisch gut zu erkennenden Arten berücksichtigt.

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Dingel, Limodorum

Die Gattung Limodorum umfasst nur drei Arten. Sie besitzen mehr oder weniger violette Blüten mit relativ kleiner Lippe und langen Kelchblättern. Die Pflanzen leben parasitisch auf den Wurzeln anderer Pflanzen und besitzen nur rudimentäre Blätter und kaum Chlorophyll. In trockenen Jahren sind die Blüten oft schlecht entwickelt und es erfolgt Selbstbestäubung bei geschlossener Blüte; manchmal entwickeln und bestäuben sich die Blüten gar unterirdisch ohne dass eine oberirdische Pflanze erscheint.

Violetter Dingel, Limodorum abortivum

Der Violette Dingel besitzt seinen Verbreitungsschwerpunkt im Mittelmeergebiet; er kommt von Mitteleuropa und Nordafrika bis zum Iran vor. In Deutschland ist die Art stark gefährdet. Bei vielen Exemplaren sind die Blüten schlecht entwickelt, insbesondere in trockenen Jahren.


Der Violette Dingel besitzt zart violette obere Blütenblätter und eine dunkler gestreifte Lippe mit einer Einschnürung in der Nähe der Basis; das obere Kelchblatt ist helmförmig gewölbt. Die Staubblattröhre ist recht auffällig.

Drehwurz, Spiranthes

Die Gattung Spiranthes umfasst etwa 50 Arten mit der größten Vielfalt in Nordamerika. Es handelt sich um eher kleine Pflanzen mit einem aufrechten, schmalen Blütenstiel, an dem dicht an dicht die kleinen, meist weißen Blüten sitzen; charakteristisch ist die spiralige Anordnung der Blüten.

Herbst-Drehwurz, Spiranthes spiralis

Die Herbst-Drehwurz stammt ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet, hat sich aber mit dem Aufkommen von Ackerbau und Viehzucht über ganz Mitteleuropa bis nach Südskandinavien ausgebreitet. Ihr Vorkommen ist an eine extensive Beweidung durch Schafe gebunden; entsprechend ist die Art in vielen Gegenden Europas verschwunden oder selten geworden. Die Herbst-Drehwurz blüht als einzige heimische Orchideen-Art im Herbst. Sie ist auf Naxos eher selten anzutreffen, allerdings ist sie auch ziemlich unauffällig. Wir haben sie bei uns in der Phrygana gefunden.


Die Herbst-Drehwurz besitzt je zwei eiförmige, bodenständige Blätter und einen gut 10 cm hohen unverzweigten Blütenstängel, an dem die zahlreichen Blüten spiralförmig angeordnet sind.


Die winzigen Blüten sind weiß. Der Stängel sowie auch die Kelchblätter sind filzig behaart; die Lippe ist innen grünlich gefärbt und an den Rändern gefranst.

Hundswurzen, Anacamptis

Die Hundswurzen bilden einen vielblütigen, zylindrischen Blütenstand und besitzen meist wenige breite bis längliche Blätter an der Stängelbasis. In der letzten Zeit sind etwa zehn Arten der Gattung Orchis (Knabenkräuter) aufgrund genetischer Untersuchungen in die Gattung Anacamptis gestellt worden, die vorher nur eine Art, die Pyramidenorchis, enthielt. Die neu dazu gestellten Arten haben hier ihre alten deutschen Namen („Knabenkräuter“) beibehalten.

Auf Naxos kommen mindestens fünf Anacamptis-Arten vor, die alle trockene, kalkhaltige Standorte bevorzugen.

Pyramidenorchis, Anacamptis pyramidalis

Die Pyramidenorchis ist fast überall auf der Insel anzutreffen und stellenweise recht häufig. Meist steht sie nur vereinzelt; auf manchen Wiesen bildet sie jedoch dichte Bestände.


Die Pyramidenorchis besitzt einen walzigen Blütenstand mit zahlreichen, kleinen, dicht stehenden hellrosa Blüten mit einer dreiteiligen Lippe und kleinen oberen Blütenblättern. Die Blüten besitzen einen nach hinten weisenden, schlanken Sporn und dunkel rosa gefärbte, kurze Tragblätter.

Hügel-Knabenkraut, Anacamptis collina

Das Hügel-Knabenkraut ist gelegentlich in der Phrygana anzutreffen. Es blüht im Februar, früher als die meisten anderen Orchideen-Arten.


Das Hügel-Knabelkraut besitzt einfache, ungefleckte Blätter, die größtenteils in einer Grundrosette stehen. Die Blüten sind grünlich oder rötlich gefärbt.


Der Sporn der Blüten ist dick und kurz und abgerundet, die Lippe ist wenig oder gar nicht gespalten. Die Hüllblätter sind oft ein wenig grünlich.


Bei manchen Exemplaren sind die Blüten dunkelrot gefärbt.

Wanzen-Knabenkraut, Anacamptis coriophora

Das Wanzen-Knabenkraut habe ich bislang nur einmal in der Heide in der Nähe von Kinídaros angetroffen.


Die Blüten des Wanzen-Knabenkrautes sind dunkelrosa mit Punkten auf dem inneren, helleren Teil der Lippe. Die oberen Blütenblätter neigen sich über der Blüte zu einem spitzen Helm zusammen.

Heiliges Knabenkraut, Anacamptis sancta

Das Heilige Knabenkraut bei uns die häufigste Knabenkraut-Art. Es blüht erst im frühen Sommer, wenn die Vegetation größtenteils vertrocknet ist. Dieses Knabenkraut kommt nur auf trockenen, kalkhaltigen Böden in offener Vegetation vor.


Das Heilige Knabenkraut ist an der grob gezähnten, hellen Lippe und den helmartig zusammenliegenden, etwas dunkleren, schmutzig rosa oberen Blütenblättern zu erkennen. Die Blüten besitzen ein helles, langes, spitz nach oben ragendes Tragblatt und einen dunklen, nach vorn gerichteten Sporn, der etwa die halbe Länge der Lippe erreicht.

Schmetterlings-Knabenkraut, Anacamptis papilionacea

Das Schmetterlings-Knabenkraut ist bei uns in der Phrygana und in anderen trockenen Gegenden der Insel recht häufig.


Das Schmetterlings-Knabenkraut besitzt wenige, große Blüten mit dunkelrosa, nach vorn geneigten, dunkel geaderten oberen Blütenblättern.


Die große Lippe ist an ihrem Grund sehr schmal und verbreitert sich dann stark; der untere Teil ist fast rund und hell rosa gefärbt mit feinen dunkleren, gefächerten Stricheln.


Die Färbung der Blüte ist recht variabel; gelegentlich kommen fast weiße Exemplare vor.

Knabenkräuter, Orchis

Anatolisches Knabenkraut, Orchis anatolica

In den letzten Jahren sind eine ganze Reihe von Arten der Gattung Orchis in die Gattungen Anacamptis und Neotinea gestellt worden, so dass die Gattung jetzt nur noch etwa 22 Arten umfasst, von denen auf Naxos nur das Anatolische Knabenkraut vorkommt.


Das Anatolische Knabenkraut ist auf Naxos eher selten; es kommt an recht trockenen, kalkhaltigen Standorten vor, wie hier in der Nähe von Kóronos.


Es besitzt eine lange gewölbte Lippe mit großen Seitenlappen und einem leicht eingekerbten Mittellappen; in der helleren Mitte der Lippe sitzen kleine dunkelrosa Punkte. Die Blüten besitzen einen sehr langen, auffälligen, aufwärts gebogenen Sporn.

Zungenstendel, Serapias

Die Zungenstendel haben eine sehr charakteristische Blütenform: Die meist rotbräunlichen Blüten besitzen eine lange, zugespitze, oft zurückgebogene Lippe, der ein Helm gegenüber steht, der aus den verwachsenen oberen zwei Kronblättern und Kelchblättern besteht; überragt wird der Helm vom großen, wie der Helm gefärbten, spitz nach oben stehenden Tragblatt.

Echter Zungenstendel, Serapias lingua

Der Echte Zungenstendel kommt auf Naxos seltener vor als die folgende Art. Ich habe ihn bei Keramotí in der Heide angetroffen.


Der Echte Zungenstendel besitzt ein langes, spitzes, nach oben stehendes Tragblatt und einen nach vorn geneigten Helm, der aus den oberen Kron- und den Kelchblättern gebildet ist. Die unbehaarte Lippe ist sehr lang und schmal mit kurzen, nicht vorstehenden Seitenlappen.


Am Ansatz der Lippe liegt ein rundlicher, dunkelvioletter Fleck mit zwei kleinen parallelen Schwielen

Orientalischer Zungenstendel, Serapias orientalis

Die Unterscheidung der Zungenständel-Arten ist nicht einfach. Für Naxos werden außer Serapias lingua die Arten S. orientalis und S. bergonii angegeben, die sich vor allem in der Breite und Form der Unterlippe unterscheiden. Meine Exemplare scheinen eher in zu S. orientalis zu zählen, obwohl die Merkmale nicht ganz eindeutig sind..


Der Orientalische Zungenstendel besitzt einen kurzen Helm und ein vergleichsweise unauffälliges, kurzes Tragblatt. Die Lippe ist über 1 cm breit und dicht behaart. Der vordere Teil der Lippe ist über 2/3 so breit wie der hintere, der sich in zwei rundliche, vorragende, dunkelbraunrote Seitenlappen verbreitert. Die Blüten sind recht dunkel gefärbt.


Am Ansatz der dicht borstig behaarten Lippe liegt ein großer und kräftiger, dreigeteilter, dunkelvioletter Fleck.


Die Art ist recht variabel, so dass die Bestimmung nicht ganz sicher ist.

Ragwurz, Ophrys

Die Ragwurzen sind eine sehr artenreiche Gattung, deren Angehörige vor allem im Mittelmeergebiet und den angrenzenden Regionen vorkommen. Die Arten haben lockere, wenigblütige Blütenstände; die Blüten sind meist recht groß. Die Ragwurz-Blüten benutzen Sexualmimikry als Bestäubungsmechanismus, d.h. sie ahmen die Weibchen bestimmter Insekten-Arten nach (meist Solitärbienen, z.B. Langhornbienen oder Trauerbienen, aber gelegentlich auch Wespen oder andere Insekten). Die Täuschung wird nicht nur durch die Form und die Färbung der Blüte erreicht, sondern auch durch eine entsprechende Behaarung. Außerdem geben die Blüten Dufststoffe ab, die der Lockstoff-Mischung der jeweiligen Insektenart gleichen. Die Ragwurz-Arten benutzen also eine Lock-Mimese, durch die das entsprechende Insekten-Männchen zur Kopulation veranlasst werden soll; beim Kopulations-Versuch werden die Pollinarien der Orchidee an das Insekt geheftet, das sie dann beim Besuch der nächsten Blüte auf die Narbe aufbringt.


Ophrys scolopax besitzt (wie auch viele andere Arten) an der Höhlung unterhalb der Staubblatt-Röhre zwei kleine, augenähnliche Flecken, die die Flügelgelenke nachahmen, durch die die Mimese noch perfekter wird.


Hier sieht man die Pollinarien, von denen das eine halb heruntergefallen ist. Diese Pollinarien werden den Bienen-Männchen, die die Blüte besuchen, das sie einem Weibchen der entsprechenden Art ähnelt, beim Koplulations-Versuch an den Kopf geheftet; sie bringen sie dann zur nächsten Blüte, welche auf diese Weise befruchtet wird.

Die Ragwurz-Blüten besitzen eine große Lippe mit kleineren, gewölbten Seitenlappen, der die gebogene sogenannte Säule aus Staubblatt und Narbe gegenüber steht, an der die zwei Pollinarien sitzen (klebriges Pollenpaket). Am unteren Ende der Lippe sitzt oft ein kleines Anhängsel, dessen Größe und Form für die Bestimmung von Bedeutung ist. Die oberen Kronblätter sind klein und schmal und stehen schräg nach oben; zwischen ihnen stehen die drei in der Farbe ähnlichen, größeren Kelchblätter. Außerdem besitzen die Blüten ein grünliches Tragblatt.

Die Ragwurz-Arten sind teilweise sehr schwer zu bestimmen, was an den geringen Unterschieden zwischen den Arten und an der großen Variabilität innerhalb der Arten liegt (manchmal hat man den Eindruck, dass jedes einzelne Exemplar ein wenig anders aussieht). Auf Naxos sind die Ragwurz-Arten an eher trockenen, kalkhaltigen Standorten anzutreffen; sie wachsen vor allem in der Phrygana und in offener Vegetation.

Gelbe Ragwurz, Ophrys lutea ssp. galilaea

Die Gelbe Ragwurz kommt im Mittelmeergebiet vor. Sie ist auf Naxos recht häufig und fast überall in der Phrygana anzutreffen. Die meisten Exemplare gehören der Unterart ssp. galilaea an, die auf das östliche Mittelmeergebiet beschränkt ist.


Die Gelbe Ragwurz ist leicht an ihrer gelben Blüte zu erkennen. Die flache Lippe ist in der Mitte braun gefärbt. Die gelbgrünen Kelchblätter sind sehr breit und recht groß.


Die Unterart ssp. galilaea ist daran zu erkennen, dass die Lippe etwa waagerecht steht und die Blüte einen einige Millimeter breiten gelben Rand zeigt.

Ophrys lutea ssp. lutea


Ophrys lutea ssp. lutea unterscheidet sich von der Unterart ssp. galilaea an der abgeknickten, weniger waagerecht gehaltenen Lippe mit einem deutlich abgesetzten Querwulst unterhalb der Narbenhöhle und dem breiteren gelben Rand der Rinne.


Die Haupt- und Seitenlappen der Lippe schließen aneinander an bzw. überlappen sich leicht.


Die Gelbe Ragwurz wird durch Scheinkopulationen von der Wildbienen-Art Andrena cinerea bestäubt.

Ophrys basilissa

Die Blüten der „omegaifera“-Gruppe ähneln der Gelben Ragwurz im Aufbau, die Lippe ist aber ganz braun gefärbt. Die bei uns vorkommenden Pflanzen mit einer sehr großen Blüte, die schon im Februar und März blühen, werden aufgrund der Bestäubung durch eine andere Bienenart als Ophrys basilissa von Ophrys omegaifera abgetrennt. Ophrys basilissa kommt bei uns selten in der Phrygana vor; ihr Verbreitungsgebiet umfasst manche Inseln der Ägäis.


Die Arten der Ophrys omegaifera-Gruppe besitzen eine lange, fast waagerecht stehende, schwarzbraune, stark behaarte Lippe, in deren Mitte ein wie ein ω aussehender, geschwungener, bläulicher Streifen verläuft. Die kleinen oberen Kronblätter sind rötlich braun. Die Kelchblätter sind grünlich gefärbt, das obere ist helmförmig nach vorn gebogen. Frühblühende Exemplare mit großer Blüte wie das hier abgebildete werden als Ophrys basilissa abgetrennt.


Ophrys basilissa wird von der Pelzbiene Anthophora nigrocincta bestäubt. Dabei werden die Pollinarien am Hinterleib der Biene angeheftet, d.h. beim „Kopulationsversuch“ sitzt die Biene mit dem Kopf nach unten auf der Blüte. Für die Bestimmung sowohl der Biene als auch der zugehörigen Orchidee danke ich sehr herzlich Professor Hannes Paulus.

Ophrys israelitica


Hier handelt es sich vermutlich um die Art Ophrys israelitica mit einer kleineren, kastanienbraunen, deutlich gekrümmten Lippe mit einem weißen ω-förmigen Mal. Diese Art tritt im östlichen Mittelmeergebiet auf und kommt bei uns nur vereinzelt vor. Sie wird oft als Unterart zu Ophrys omegaifera gerechnet, gehört jedoch nach dem Bestäuber Andrena flavipes (Sandbiene) in die ähnliche Ophrys fusca-Gruppe.

Drohnen-Ragwurz, Ophrys bombyliflora

Die im Mittelmeerraum und auf den Kanaren vorkommende Drohnen-Ragwurz ist eine recht gut definierte, unveränderliche Art.


Die Drohnen-Ragwurz besitzt relativ große gelbgrüne Kelchblätter und eine braune Lippe mit kleinen hochgewölbten Seitenlappen und einem nicht sehr deutlichen grauen Mal. Die oberen Kronblätter sind gelbgrün mit einer braunen Basis.


Hier ein zweites Exempar, bei dem das obere Kelchblatt fehlt.

Hummel-Ragwurz, Ophrys fuciflora ssp. fuciflora

Die Hummel-Ragwurz wird auch als O. holoserica bezeichnet; sie ist in Europa und dem Mittelmeergebiet weit verbreitet. Auf Naxos ist sie recht häufig; sie wächst in der Phrygana und an anderen offenen Standorten.


Die Hummel-Ragwurz kommt auf Naxos recht regelmäßig vor.


Sie gehört zu den Arten mit einem auffälligen gelben Fortsatz unten an der Lippe. Die Lippe hat einen etwa quadratischen Umriss mit einem breiten Rand; sie ist nicht dreigelappt, sondern zeigt kleine Hörner, die nah an der Basis sitzen und nach vorn abstehen. Die Kelchblätter sind oft kräftig rosa gefärbt. Das Mal besitzt eine komplexe Form.

Ophrys fuciflora ssp. andria

Die Unterart ssp. andria ist nach der Insel Andros benannt; sie ist auf den Kykladen endemisch und wird oft als eine eigene Art namens Theseus‘ Ragwurz (Ophrys thesei) betrachtet.


Bei Theseus‘ Ragwurz ist das Mal auf einen schmalen, waagerechten Bereich in der Mitte der Lippe beschränkt.

Schnepfen-Ragwurz, Ophrys scolopax ssp. scolopax

Ophrys scolopax ssp. scolopax kommt in der Ägäis und im südlichen Griechenland vor. Sie ist auf Naxos recht häufig.


Ophrys scolopax ssp. scolopax bildet eine hohe Pflanze mit langen Tragblättern. Auch die Kelchblätter und die Lippe sind lang und schmal. Die Lippe ist in der Mitte am breitesten. Die Seitenlappen sind schmal zugespitzt, aber nicht sehr lang.


Hier ist das Lippen-Anhängsel rötlich und besonders breit.

Ophrys scolopax ssp. cornuta

Diese Art, die auch Kleinblütige Gehörnte Ragwurz genannt wird, kommt auf der Balkanhalbinsel und in der Ägäis vor. Auf Naxos habe ich sie bei Azalas in der Phrygana gefunden.


Ophrys scolopax ssp. cornuta ist an den sehr langen, schmalen, hornartig gebogenen Seitenlappen zu erkennen.

Heldreichs Ragwurz, Ophrys scolopax ssp. heldreichii

Heldreichs Ragwurz kommt vor allem auf Kreta vor. Die Zugehörigkeit kykladischer Exemplare zur Art sind nicht ganz gesichert. Sie besitzt kurze, stumpfe Seitenlappen.


Heldreichs Ragwurz unterscheidet sich von der Unterart ssp. scolopax darin, dass die Blüte und das Anhängsel an der Lippe größer sind.


Hier sieht man in der Seitenansicht die wie Arme ausgebildeten, deutlich von der Lippe abgesetzten Seitenlappen und das große vorstehende Anhängsel.


Bei diesem Exemplar ist das Mal eher unauffällig gefärbt.

Kretische Ragwurz, Ophrys cretica ssp. karpathensis = O. ariadnae

Die Kretische Ragwurz kommt auf Naxos in ihrer Unterart ssp. karpathensis vor, die manchmal auch als eigene Art mit dem Namen Ariadne-Ragwurz abgetrennt wird.


Die Kretische Ragwurz besitzt eine schwarzbraune Lippe mit einem großen, kontrastreichen weißen Mal, das in der Mitte eine ovale Aussparung besitzt, und mit runden, stark zurückgewölbten Seitenlappen. Das Anhängsel an der Lippe ist klein.


Die Pflanzen von den Kykladen und einigen anderen Inseln werden oft als Unterart ssp. karpathensis oder Ariadne-Ragwurz bezeichnet, wobei die (Unter-)Arten jedoch nicht klar zu trennen sind.

Reinholds Ragwurz, Ophrys reinholdii

Reinholds Ragwurz kommt im vom Balkanraum ostwärts bis zum Iran vor.


Reinholds Ragwurz ähnelt der Kretischen Ragwurz; das Mal ist jedoch kleiner und reicht nicht bis zur Basis der Lippe. Es ist oft deutlich abgesetzt mit leuchtend weißer Umrandung und hellblauem Innern.


Diese Art besitzt eine sehr dunkle, stark behaarte Lippe mit lang behaarten, gewölbten Seitenlappen und kleinem Anhängsel; die Lippe ist unten am breitesten. Die oberen Kronblätter sind braunrot; die Kelchblätter sind rosa überlaufen.

Busen-Ragwurz, Ophrys sphegodes ssp. mammosa

Die Busen-Ragwurz wird heute nur noch als Unterart der Spinnen-Ragwurz betrachtet. Sie kommt auf Naxos stellenweise häufig vor, so beispielweise in der Gegend von Sangrí. Sie blüht im März.


Die Busen-Ragwurz besitzt eine breite dunkelbraune Lippe mit kaum zurückgewölbtem Rand und ohne Seitenlappen, aber mit kleinen kegelförmigen Höckern im oberen Teil. Auf der Lippe sitzt ein bläuliches oder silber gefärbtes lang H-förmiges Mal. Die Kelchblätter sind zweifarbig: die obere Hälfte ist grün, die untere ist rötlich überlaufen.

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siehe auch:

zum Weiterlesen:

Außerdem habe ich Informationen aus diesem Artikel verwendet:
„Die Gattung Ophrys (Orchidaceae) auf der Kykladeninsel Naxos: Daten zur Bestäubungsbiologie und zur Floristik“ von Hannes F. Paulus und Claudia Gack, Arbeitskreis Heimischer Orchideen Baden-Württemberg, Arbeitsblatt 24 (3), 1992

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