Quallen

Quallen kommen bei uns in Azalas nur selten vor. Gelegentlich sieht man im Frühsommer im offenen Wasser kleine durchsichtige Quallen treiben; diese werden aber nur sehr selten bei uns in die Bucht getrieben. Diese kleinen Quallen nesseln nicht und sind für den Menschen ungefährlich. Andere Quallenarten können kleinere oder manchmal auch gefährliche Verbrennungen hervorrufen: Sie besitzen Nesselzellen, die haut- oder nervenschädigende Gifte enthalten.

Die meisten Quallen gehören zu den Nesseltieren (gemeinsam mit den Korallen und Seeanemonen). Sie zeigen einen Generationswechsel, bei dem sich eine Medusen- (=Quallen-) und eine Polypengeneration abwechseln. Die Generationen sind in Aussehen und Lebensweise so unterschiedlich, dass sie ursprünglich oft als verschiedene Arten beschrieben worden sind. Oftmals ist auch nur eine der beiden Formen bekannt. Generell ist unser Wissen über viele Quallengruppen und -arten ihrer pelagischen Lebensweise entsprechend noch recht lückenhaft.

Viele Quallen gehören zur Klasse der Hydrozoen an („Hydromedusen“), deren sessile Polypen meist in Kolonien wachsen, während die Medusengeneration frei im Plankton treibt, aktiv schwimmt oder bei einigen winzigen Formen im „Sandlückensystem“ des Meeresbodens lebt. Zu den Hydrozoen werden auch die Staatsquallen gerechnet, bei denen es sich um im Meer treibende Kolonien von aneinander wachsenden Polypen handelt. Die einzelnen Polypen sind dabei so weit spezialisiert (z.B. Fresspolypen, Deckpolypen, Wehrpolypen, Geschlechtspolypen), dass man sie fast als Organe eines Gesamtorganismus ansehen muss.

Eine weitere Klasse sind die Schirmquallen, die etwa 200 Arten umfassen. Auch diese besitzen eine Polypen-Generation. Die Polypen leben meist einzeln festsitzend auf dem Meeresboden; bei manchen Arten sitzen sie an der Quallengeneration fest. Die Schirmquallen treiben im Plankton der küstennahen Meeresgebiete, seltener der Hochsee, oder bewegen sich aktiv durch rhythmische Kontraktion fort. Zwei weitere, nur wenige Arten umfassende Gruppen sind die festsitzenden Stielquallen, die v.a. in den kühleren Meeren vorkommen, und die tropischen, kleinen Würfelquallen, die aktive Schwimmer sind und von denen einige Arten sehr gefährliche Gifte enthalten. Die im Plankton teilweise häufigen Rippenquallen schließlich werden, weil sie keine Nesselzellen bilden, in einen eigenen Tierstamm gestellt.

Quallen können sehr unterschiedlich groß werden, von wenigen Millimetern bis zu zwei Metern Durchmesser. Sie besitzen einen rundlichen Schirm, der aus einer oberen und einer unteren Zellschicht sowie einer gallertigen, zellfreien Masse dazwischen besteht. Vom Rand und von der Unterseite des Schirms (um die zentrale Mundöffnung) hängen von Art zu Art unterschiedlich gestaltete Tentakeln herab. Quallen besitzen ein sehr einfaches Verdauungs- und Nervensystem und wenige simple Sinneszellen oder -organe. Meist sind sie getrenntgeschlechtlich; Eier und Spermien werden ins Wasser abgegeben. Die Fortbewegung erfolgt passiv durch Treiben in der Meeresströmung oder aktiv nach dem Rückstoßprinzip durch Kontraktion des Schirmes. Die Tentakeln, die manchmal als sehr lange, dünne Fäden hinabhängen, besitzen Nesselzellen, die bei Berührung „explodieren“. Bei vielen Arten können die Nesselfäden die menschliche Haut nicht durchdringen, andere reizen die Haut ähnlich wie eine Brennessel, während manche lästige oder sogar gefährliche Lähmungen und Wunden hervorrufen können.

Quallen ernähren sich meist von kleinen Lebenwesen des Planktons, die sie mit ihren Tentakeln einfangen. Die Beute bleibt an den Fangfäden haften und wird dann durch Verkürzung der Tentakeln zur Mundöffnung transportiert und aufgenommen. Größere oder beweglichere Arten sind zudem in der Lage kleine Fische zu erbeuten. Natürliche Feinde sind beispielsweise die Meeresschildkröten, die sich besonders gern von Quallen ernähren.

Quallen sind dem Menschen häufig lästig, besonders, wenn es zu einem massenhaften Auftreten kommt, so dass die Badestrände beeiträchtigt werden. In manchen Gegenden, so auch im Mittelmeer, kommt es in der letzten Zeit häufiger zu Massenvermehrungen von Quallen, was vermutlich mit der Erwärmung der Meere und mit Überfischung zusammenhängt. Auch Fischern können Quallen dann lästig werden, weil sie die Netze verstopfen. Giftige Arten können in Fischzuchtanlagen größere Schäden anrichten. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass die Quallen als Bestandteil des natürlichen Ökosystems auch eine wichtige Rolle im Gleichgewicht des Meeres spielen und „dazugehören“. Einige Arten werden ausgiebig in der Zell- und Molekularforschung verwendet, und neuerdings wird ihre mögliche Rolle als Kollagenlieferant untersucht, sowie ein Nutzen für Filter, mit denen das Meer von Mikroplastik und ähnlichen verunreinigenden Stoffen gesäubert werden kann.

unbestimmte Qualle
Diese etwa 4 Zentimeter große, nicht nesselnde Qualle wird im Frühjahr gelegentlich an den größeren Sandstränden von Naxos angetrieben.

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Spiegeleiqualle, Cotylorhiza tuberculata

Die Spiegeleiqualle, deren Schirm einen Durchmesser von 40 cm erreichen kann, ist für den Menschen ungefährlich: Ihre Nesselfäden können unsere Haut nicht durchdringen. Sie ist bei uns im offenen Wasser gelegentlich anzutreffen; in Küstennähe tritt sie nur sehr selten auf.


Die Spiegeleiqualle ist aufgrund ihrer gelben Färbung leicht im Meer zu entdecken. Sie kann durch Kontraktion des Schirms aktiv schwimmen. Oft wird sie – wie wir auch beobachten konnten – von kleinen Fischchen begleitet, die unter ihrem Schirm Schutz suchen.


In der Mittel des gelblichen Schirms trägt sie eine halbkugelige, dotterfarbene Aufwölbung, von der sich der Name ableitet.


Vom Schirm hängen 8 größere und zahlreiche kleinere, verzweigte Arme herab, die in kräftig lila gefärbten „Saugnäpfen“ enden.


Hier sieht man die Tentakel im Detail.

Leuchtqualle, Pelagia noctiluca

Die Leuchtqualle gehört zu den Feuerquallen und besitzt auch für Menschen unangenehme, jedoch nicht lebensgefährliche Nesselzellen. Ihren Namen hat sie davon, dass sie nachts ein schwaches Leuchten abgeben kann. Bei uns kommt sie eigentlich nicht vor; jedoch hatten wir dieses Jahr (2021) das erste Mal eine Quallenplage auf Naxos, bei der an einem Tag einige Exemplare auch in unserere Bucht getrieben wurden; glücklicherweise war es schnell wieder vorbei. Diese Qualle schwimmt vor allem knapp über dem Meeresboden, wodurch sie noch schwerer zu entdecken ist.


Die Leuchtqualle ist recht klein und leicht zu übersehen. Sie ist schwach rötlich gefärbt und besitzt einen stark gewölbten Schirm von höchstens 10 cm Durchmesser und 4 kräftige Mundtentakeln.


Die Nesselzellen sitzen an bis zu 1 m langen, sehr dünnen und schwer zu sehenden Nesselfäden, die vom Rand des Schirmes herabhängen.


Am Tag der Quallenplage haben wir die Leuchtquallen in unserer Bucht mit Keschern eingesammelt. Hier sieht man sie im Eimer. Die Schirme zeigen ein hübsch geschwungenes rötliches Band.

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