Die Gesteine

Die Gesteine können nach unterschiedlichen Aspekten klassifiziert werden. Zunächst einmal unterteilt man sie entsprechend ihrer Bildung in magmatische Gesteine und in Sedimentgesteine. Die magmatischen Gesteine (z.B. Granit, Basalt) bilden sich, indem geschmolzenes Material erstarrt, d.h. sie sind entweder vulkanischem Ursprungs oder es handelt sich um aus der Tiefe aufdringendes Magma, das nicht bis zur Oberfläche vordringt (Intrusionen). Sedimentgesteine bilden sich dagegen dadurch, dass sich Material ablagert und verfestigt, wobei es sich entweder um Erosionsprodukte von Gebirgen handeln kann oder um die Überreste von Pflanzen oder Tieren oder um chemische Ausfällung. Im Zuge der gebirgsbildenden Prozesse werden die Gesteine oft nachträglich durch Erhitzung und Druck verändert (Metamorphose), dann werden sie metamorphe Gesteine genannt.

Natürlich kann man die Gesteine auch anhand ihrer Mineralzusammensetzung klassifizieren. Dabei unterscheidet man zunächst die zwei großen Kategorien der kalkhaltigen Gesteine (aus Calziumcarbonat u. Ä., d.h. mit Kohlenstoff-Oxid als Grundbaustein, z.B. Kalk und Marmor) und der Silikate (mit Siliziumoxid als Grundbaustein, z.B. Schiefer, Granit, Quarz).

Silikate

Silizium ist das wichtigste Element in der Erdkruste. So wie die Lebewesen aus organischen Substanzen aufgebaut sind, die aus unendlichen Abwandlungen von Ketten von Kohlenwasserstoffen bestehen, die also auf dem Element Kohlenstoff basieren, so bestehen die Gesteine (ganz vereinfacht gesehen) aus Mineralien mit Siliziumoxiden als Grundbaustein. Silizium ähnelt Kohlenstoff, da beide von den acht Elektronen der äußeren Elektronenhülle vier besitzen, was dazu führt, dass sie sehr gut Verbindungen eingehen können. Im Fall von Silizium entstehen dabei jedoch nicht große organische Moleküle wie beim Kohlenstoff, sondern kristallbildende Minerale. Diese treten in der Erdkruste in unendlicher Vielfalt auf, wobei die genaue Zusammensetzung meist variabel ist, so dass für die Minerale Summenformeln angegeben werden, z. B. (Ba,Ca,Na,K,NH4)(Al,B,Si)4O8 für die Feldspat-Minerale. Das einfachste Silikat, das sehr häufig vorkommt und Bestandteil vieler Gesteine ist, ist Quarz (Siliziumdioxid). In den Silikaten ordnen sich die Atome als Tetraeder aus je einem Silizium-Atom umgeben von 4 Sauerstoff-Atomen an (SiO4-4). In den verschiedenen Mineralen lagern sich die Siliziumoxid-Tetraeder auf unterschiedliche Art zusammen; entsprechend unterscheidet man Inselminerale (einzelne Tetraeder), Gruppen-, Ketten-, Ring-, Schicht- und Gerüstsilikate. Die Anordnung der Siliziumoxid-Tetraeder ist von großer Bedeutung für die Eigenschaften des Minerals: Die Schichtsilikate wie Glimmer bilden z.B. blättrige Minerale, die in Schiefer in größeren Anteilen vorkommen und dessen Spaltbarkeit bedingen. Die häufigsten Minerale in der Erdkruste sind die Feldspäte (Gerüstsilikate), Glimmer und Tonminerale (Schichtsilikate), Amphibole und Pyroxene (Kettensilikate) und Granat und Olivin (Inselsilikate).



Auf Naxos sind sowohl magmatische Gesteine als auch Sedimentgesteine, meist in metamorphisierter Form, anzutreffen. Ein großer Teil der Insel besteht aus dicken Lagen von Marmor oder Schiefer. Außerdem treten granitähnliche Gesteine auf: ein Migmatit im Inselinnern und ein Granodiorit im Westen der Insel. Der Migmatit ist Teil der heute durch eine Aufwölbung freigelegten Gebirgswurzel. Vor allem in seinem südlichen Bereich ist er von Gneisen umgeben. Beim Granodiorit handelt es sich um ein in der Erdkruste erstarrtes magmatisches Gestein. Lokal kommen außerdem Konglomerate (Sedimente aus grobem Material) und Brekzien vor (tektonisch zerbrochenes und wieder verbackenes Gestein) sowie jüngere unverfestigte Fluss- und Schwemmsedimente und Schuttkegel. Schließlich treten sehr kleinräumig Serpentinite und verschiedene mit ihnen assoziierte Gesteine auf.

Marmor und Dolomit


Marmor entsteht durch Metamorphose aus Kalkstein. Dieser bildet sich in Flachmeeren aus den zu Boden sinkenden kalkhaltigen einzelligen Algen und den Schalen von Meerestieren sowie durch chemisches Ausfällen von Carbonaten.


Auf Naxos sind Marmore (Calciumcarbonat = Calcit) und Dolomite (Calcium-Magnesium-Carbonat) weit verbreitet, besonders in der östlichen Hälfte der Insel.


Marmore sind nicht unbedingt weiß, sondern können aufgrund von Beimischungen verschiedener Mineralien auch rötlich oder (dunkel-)grau sein.


Oft lagern sich bei der Sedimentation natürlich gleichzeitig sowohl Kalk als auch Schlammstoffe ab. So entstehen kalkhaltige Schiefer oder Marmore mit einem höheren Gehalt an Schichtsilikaten. Dieser Marmor mit einem hohen Gehalt an Glimmer am Kóronos-Berg zerfällt sehr leicht entlang seiner Schichtung; er sieht fast nach einem Schiefer aus.


Marmor mit Glimmer-reichen Schichten


Bei diesem ungewöhnlichen Stein handelt es sich um Ooide. Diese entstehen dadurch, dass sich Calcit an kleine, im Meer schwimmende Sandkörner anlagert, die, wenn sie eine bestimmte Größe erreicht haben, zu Boden sinken und miteinander verbacken.

Schiefer


Schiefer entsteht durch Metamorphose aus Tonstein. Dieser bildet sich durch die Sedimentation von feinem Sand und Schlamm, d.h. den ins Meer geschwemmten Erosionsprodukten eines Gebirges.


In der Umgebung von Azalás enthält der Schiefer of weiße Quarzknollen, die zwischen den Schichten liegen.


Schiefer enthält einen hohen Anteil an blättrigen Schiefermineralien (z.B. Glimmer, Chlorite), die ihm seine blättrige („schiefrige“) Struktur verleihen.


Hier reine Glimmer-Kristalle. Man kann gut die blättrige Struktur erkennen.


In vielen Gebieten von Naxos wechseln sich Marmor- und Schieferlagen ab. Hier liegen die Schieferschichten konkordant auf den Marmorschichten, d.h. sie sind in dieser Lagerung durch kontinuierliche Sedimentation entstanden: Entsprechend den klimatischen und geologischen Umständen setzten sich im selben Gebiet erst kalkhaltige, dann tonreiche Sedimente ab.


Im Gegensatz dazu liegen hier die Marmorschichten diskordant über den darunter liegenden Schiefern, d.h. der Kontakt zwischen den beiden Lagen entspricht nicht der ursprünglichen Sedimentation, sondern die beiden Gesteinspakete wurden an einer Verwerfung übereinander geschoben. Man erkennt das daran, dass die Schichtung der beiden Gesteine unterschiedlich verläuft. Außerdem ist zwischen den Gesteinen eine schmale Verschiebungszone zu erkennen. Auf Naxos ist die ursprüngliche Sedimentfolge der Gesteinsschichten stark durch Verwerfungen, Brüche und weiträumige Überschiebungen verändert worden.

Granodiorit


Ein Ganodiorit ist ein granitähnlicher magmatischer Stein, der in der Erdkruste erstarrt ist. Er zeigt keine Schichtung, sondern bildet gerundete Formen.


Der Granodiorit ähnelt einem Granit, d.h. er besteht (grundsätzlich) aus Feldspat, Quarz und Glimmer. Der naxiotische Granodiorit enthält als Silikate Plagioklas, Hornblende und Titanit sowie Biotit als Schichtsilikat (Glimmer). Die dunklen und hellen Minerale liegen etwa gleichmäßig verteilt, zeigen aber manchmal durch Deformation eine gewisse Foliation (Einregelung der Kristalle in Schichten). Je langsamer das magmatische Gestein abgekühlt ist, desto größer sind die Kristalle herangewachsen.


Hier liegt – im Randbereich des Granodiorits nahe am Kontakt mit dem umliegenden Gestein – eine kleine Linse nicht aufgeschmolzenen dunkleren Materials im Granodiorit, die z.B. aus Biotit bestehen könnte, der einen höheren Schmelzpunkt aufweist als die hellen Mineralien (Quarz und Feldspat).

Migmatit


Als Migmatit wird ein Gestein bezeichnet, dass sich durch teilweises Aufschmelzen aus granitischen Gesteinen der Gebirgswurzel oder aus Sedimentschichten gebildet hat, die bei der Gebirgsbildung in tiefere Bereiche abgesenkt wurden. Je nach dem Ausgangsgestein und den Bedingungen bei der Bildung können Migmatite sehr verschieden aussehen.


Häufig enthalten nicht aufgeschmolzene Gesteinsanteile als Schollen oder verfaltete Lagen. Hier sieht man im Kern des Migmatit-Doms eine Schieferschicht, die mit dem Migmatit verfaltet ist.


Hier sieht man eine kleine nicht aufgeschmolzene Scholle des Ausgangsgesteins. Derartige Anteile werden als Paläosom bezeichnet. Hier ist die Scholle durch die tektonischen Vorgänge während des Erstarrens stark verfaltet.


Der Name Migmatit kommt vom griechischen Wort migma, d.h. Mischung. Ein Migmatit besteht aus verschiedenfarbigen Anteilen, die eine Bänderung oder Schichtung bilden können. Diese Schichtung ist im stärker aufgeschmolzenen Kernbereich des naxiotischen Migmatiten stark verformt.


Durch das Anschmelzen wird das Gestein im Migmatiten umgestaltet: Beim Wiedererstarren trennt es sich in hellere („Leucosom“) und dunklere Bereiche („Melanosom“), was daran liegt, dass die helleren Mineralien (Quarz und Feldspäte) einen niedrigeren Schmelzpunkt aufweisen als die dunkleren. So entsteht eine Bänderung, Schichtung oder „Fleckung“. Die angeschmolzenen und umgestalteten Anteile des Migmatiten werden als Neosom bezeichnet.


In Kernbereich des Migmatiten hat das Aufschmelzen unter starken tektonischen Bewegungen eine stark verformte feine Bänderung hervorgerufen.


Der naxiotische Migmatit ist in seinem Kerngebiet überwiegend hell gefärbt und enthält nur wenig dunkle Mineralien.


Die obersten Lagen des Migmatiten, die heute in seinen Randbereichen anstehen, zeigen dagegen eine deutliche, etwa parallel verlaufende Schichtung aus schwarzen und hellen Lagen, die eher wenig verbogen oder verfaltet sind. Diese als Foliation bezeichnete Schichtung ist durch eine Scherbewegung entstanden, als sich die über dem Migmatit liegenden Sedimentschichten großräumig über diesen hinweg bewegt haben („Mylonisierung“).


Sowohl der Migmatit als auch die diesen umgebenden Schieferschichten sind oft von Aplit- oder Leukogranit-Gängen durchzogen. Diese sind an ihrer einheitlich hellen Färbung zu erkennen: Sie bestehen nur aus den hellen Mineralien (Quarz und Feldspat: hier Plagioklas), die einen niedrigeren Schmelzpunkt aufweisen und deswegen als Schmelze in Risse und Schwächezonen eingedrungen sind.


An diesem Aplitgang im Migmatit sind schöne Glimmerkristalle (vermutlich Muskowit) ausgebildet. Die gelblichen Bereiche sind Feldspäte, die weißen Quarz.

Gneis


Gneis bildet sich durch Metamorphose unter hohem Druck aus Schiefergestein oder Granit, wodurch er eine deutliche Schichtung erhalten hat. Der Migmatit von Naxos kann in den oberen Bereichen auch als Gneis bezeichnet werden, da er eine deutliche Schichtung aufweist. Über dem Migmatiten schließen sich Gneise und Schiefer an, wobei die Übergänge zwischen den Gesteinen fließend sind. Auf Naxos ist die Schichtung der Gneise und Schiefer im oberen Bereich und über dem Migmatiten (um ihn herum) durch eine weiträumige Überschiebung entstanden: Durch die Verschiebung sind die Mineralien in Lagen einreguliert und gestreckt worden (Mylonisierung).


Im Gegensatz zu den stark verformten Schichten im Migmatit liegen diese im Gneis etwa parallel. Auch die Gneise sind auf Naxos oft sehr hell gefärbt („Leukogneis“).


Wenn man sich weiter vom Migmatit-Dom entfernt, gehen die Gneise allmählich in Schiefer über; auch hier ist der Übergang fließend.


An diesen Schiefern direkt südlich des Migmatit-Doms ist eine besonders deutliche Mylonisierung (durch eine Bewegung und Scherung entstandene Lagentextur) zu sehen. Zwischen den Schichten liegen rundliche Porphyroklasten, d.h. widerstandsfähigere Kristalle (meist Feldspäte), die bei der Zerscherung nicht mit umgeformt worden sind.

Leukogranit


In kleineren Gebieten, so in einer schmalen Zone nordwestlich des Migmatit-Doms und in einzelnen Schichten an seinem westlichen Rand, tritt ein Leukogranit auf, der sich aus gänzlich aufgeschmolzenen Gesteinen gebildet hat, bzw. dadurch enstanden ist, dass – wie hier – Schmelze in Schichten oder Gängen in das umgebende Gestein eingedrungen ist.


Der Leukogranit besteht nur aus den hellen Mineralen (Quarz und Feldspäte), die einen niedrigeren Schmelzpunkt aufweisen.


Mahlstein einer Ölmühle aus Leukogranit; beim Wehrturm von Agiá

Konglomerat


Ein Konglomerat besteht aus verbackenen groben Erosionsprodukten, die sich meist an Land, nicht im Meer ablagern (z.B. Flussschotter). In diesem Konglomerat sind die Steine überwiegend etwa gleich groß und gut gerundet, d.h. sie sind schon über eine gewisse Strecke durch einen Fluss transportiert worden.


In diesem Konlgomerat sind die Bestandteile unsortiert und eckiger, d.h. sie sind nur wenig transportiert worden. In der Mitte ist ein Bereich zu sehen, in dem vor allem rote Erde mit nur wenigen Steinen darin abgelagert worden ist.


Die „Palastinsel“ bei der Chóra, auf der der Apollon-Tempel steht, besteht aus verbackenen Konglomeraten.


Auch bei diesen Sedimenten aus der Nähe von Moutsoúna handelt es sich um ein Konglomerat, das jedoch nicht aus den Erosionsprodukten der heutigen Berge von Naxos besteht, sondern aus anderen Gesteinen.

Turbidit


Als Turbidite werden tonreiche, feine Sedimente bezeichnet, die sich als lawinenartige Suspensionsströme im Meer abgelagert haben.

Brekzie


Eine Brekzie besteht aus wieder verbackenen eckigen Gesteinstrümmern; sie entsteht z.B. an Verwerfungen durch das Zerbrechen des Gesteins aufgrund der Bewegung der Schichten gegeneinander.

Serpentinit


Bei diesem grünen Gestein handelt es sich um Serpentinit, der durch Metamorphose aus Peridotiten und Basalten des ozeanischen Erdmantels entsteht. Serpentinite treten oft kleinräumig im Bereich ehemaliger Subduktionszonen auf, wenn ozeanisches Mantelmaterial zusammen mit den bei der Subduktion abgescherten Sedimenten nach oben geschleppt und in die Deckenstapel des entstehenden Gebirges eingebaut wird.

siehe auch:

Zum Inhaltsverzeichnis