Wanzen

Die Wanzen (Heteroptera) sind eine Unterordnung der Ordnung Schnabelkerfe innerhalb der Insekten, die außer den Wanzen noch die Zikaden und die Pflanzenläuse umfasst. Die Schnabelkerfe sind durch ihren Rüssel gekennzeichnet, d.h. sie besitzen stechend-saugende Mundwerkzeuge; außerdem haben sie bestimmte Charakteristika der Flügeladerung gemein.


Bei dieser auf dem Rücken liegenden Grünen Stinkwanze sieht man den zwischen den Beinen angelegten Saugrüssel, mit dem die Wanze die Pflanzen ansticht und ihren Saft saugt.

Die Wanzen umfassen weltweit etwa 40.000 Arten. Die meisten Arten sind Pflanzenfresser, manche leben räuberisch. Einige wenige Arten sind Ektoparasiten. Sie sind weltweit verbreitet und haben fast alle Lebensräume erobert; so gibt es z.B. auch Arten, die im Süßwasser oder auf dessen Oberfläche leben und sogar auch auf der Meeresoberfläche.

Wie alle Insekten zeigen auch die Wanzen eine Dreiteilung des Körpers in Kopf, Brust (Thorax) und Hinterleib. Der Kopf ist meist ziemlich klein und weist den Saugrüssel auf sowie meist vierteilige Antennen. Das vorderste Segment der Brust bildet das große Halsschild. Die hinteren zwei Brustsegmente besitzen je ein Flügelpaar. Das Rückenschild des mittleren Brustsegments ist als dreieckiges Scutellum oder Schildchen zwischen den Flügeln ausgebildet. Die Vorderflügel (Hemielyteren) sind in ihrem vorderen Bereich sklerotisiert und nur im hinteren Drittel häutig (daher der Name Heteroptera). Die hinteren Flügel sind ganz häutig. Die Beine der Wanzen sind die typischen gegliederten Insektenbeine. Der Hinterleib besteht aus 11 Segmenten und ist rundlich oder länglich aufgebaut. Viele Wanzen zeigen eine auffällige Färbung; andere sind gut getarnt und fallen in ihrem natürlichen Umfeld kaum auf.

Die Wanzen gehören zu den Insekten mit einer hemimetabolen Entwicklung, d.h. die Larven werden den erwachsenen Tieren allmählich ähnlicher, ohne dass ein Puppenstadium zwischengeschaltet ist. Die Larve ist eine Nymphe, d.h. sie ist dem adulten Tier im großen und ganzen schon ähnlich und weist im Körperbau keine eigenen, bei den Erwachsenen nicht auftauchenden Merkmale auf.


Die Larven der Wanzen sehen im Großen und Ganzen den adulten Tieren ähnlich. Die Flügel fehlen allerdings noch; bei diesem Larvenstadium sind nur winzige Flügelanlagen ausgebildet.

Die meisten Wanzen ernähren sich von Pflanzensäften, die sie mit ihrem Saugrüssel aus der Pflanze saugen. Entsprechend können sie bei starkem Befall einen gewissen Schaden in der Landwirtschaft und in den Gärten anrichten, bei uns vor allem an Tomaten und Bohnen. Die Räuber unter den Wanzen leben hauptsächlich von anderen Insekten.

Nicht alle Wanzenarten treten zur gleichen Zeit auf. Es gibt eine Art, den Pandur, die das ganze Jahr über anzutreffen ist; andere wie die im Sommer häufigen Grünen Stinkwanzen findet man über eine längere Periode. Die meisten Arten sind jedoch auf eine kurze Zeit von wenigen Wochen beschränkt, wobei eine Art (oder Artengruppe) die andere abwechselt. So erscheinen die Weichwanzen bei uns im Frühjahr und sind dann für eine kurze Zeit sehr häufig, während die Streifenwanzen und Randwanzen erst im Sommer auftauchen. Außerdem gibt es bei manchen Arten starke Fluktuationen von Jahr zu Jahr, so bei der Erdwanze Sehirus luctuosus, die in manchen Jahren im Frühsommer wie eine Plage auftritt, während sie in anderen kaum zu finden ist.

Wie die meisten Insekten sind viele Wanzen schwer zu bestimmen. Es gibt oft mehrere sehr ähnliche Arten und eine korrekte Bestimmung ist meist nur am toten Tier mithilfe einer mikroskopischen Untersuchung möglich. Ich habe die hier vorgestellten Arten so gut ich konnte nach meinen (nicht sehr umfassenden) Bestimmungsbüchern und mit Hilfe der im Internet zu findenden Informationen identifiziert; ich bin aber kein Spezialist und kann (wie immer) nicht für die Richtigkeit garantieren.

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Feuerwanzen, Pyrrhocoridae

Gemeine Feuerwanze, Pyrrhocoris apterus

Die Feuerwanzen bilden eine eigene kleine Familie innerhalb der Wanzen. Sie besitzen oft auffallende Warnfarben. Die Gemeine Feuerwanze ist leicht an ihrer charakteristischen schwarzroten Färbung mit den runden schwarzen Flecken auf den Flügeln zu erkennen. Trotz ihrer auffälligen Warnfärbung scheint sie kaum giftig zu sein. Fressfeinde wie Vögel vermeiden sie offenbar, weil sie ähnlich gefärbt sind wie die giftigeren ebenfalls schwarzroten Ritterwanzen (Mimikry).

Die Gemeinen Feuerwanzen versammeln sich gern in großer Anzahl. Sie sind flugunfähig; bei den meisten Exemplaren sind die häutigen Flügel zurückgebildet. Sie sind phytophag und ernähren sich hauptsächlich von den Samen von Malvengewächsen. Die Art ist in Eurasien weitverbreitet.


Die flugunfähige Gemeine Feuerwanze ist an ihrer charakteristischen rot-schwarzen Färbung zu erkennen, die mich immer an eine afrikanische Holzmaske erinnert.

Bodenwanzen, Lygaeidae

Pandur, Spilostethus pandurus

Der hübsche Pandur mit seiner schwarz-roten Zeichung ist bei uns mit Abstand die häufigste Wanzenart. Im Gegensatz zu allen anderen bei uns auftretenden Arten ist der Pandur das ganze Jahr über anzutreffen; es vergeht kaum ein Tag, an den man bei uns auf dem Grundstück keinen Pandur sieht.


Beim sehr häufigen Pandur tragen das rote Halsschild und die Flügel eine charakteristische schwarze Zeichnung. Das kleine Scutellum ist schwarz.


Panduren bei der Paarung. Männchen und Weibchen sehen fast gleich aus.

Ritterwanze, Lygaeus equestris/simulans

Auch die sehr ähnlich gefärbte Ritterwanze gehört zu den Bodenwanzen. Sie ernährt sich von Pflanzensäften. Durch die Anreicherung von Bitterstoffen aus ihrer Nahrung sind die Ritterwanzen für Fressfeinde giftig oder schlecht schmeckend und werden gemieden. Auf ihrem ganzen Verbreitungsgebiet kommen gemeinsam zwei verschiedene Arte vor (L. equestris und L. simulans), die nur anhand mikroskopischer Merkmale unterschieden werden können.


Die Zeichnung der Ritterwanze erinnert an ein schwarzes Kreuz, daher der Name. Charakteristisch ist der weiße Fleck auf den Flügeln.

Randwanzen, Coreidae

Braune Randwanze, Gonocerus acuteangulatus

Die Braune Randwanze gehört zur Familie der Randwanzen, deren Name sich vom auffälligen, verbreiterten „Rand“ des Hinterleibs ableitet. Ihr Halsschild ist oft an den „Schultern“ zu auffälligen Spitzen verbreitert. Die eher unauffällige Braune Randwanze lebt insbesondere auf beerentragenden Sträuchern wie hier auf dem Mastixstrauch.


Die Braune Randwanze ist an den auffällig zugespitzten „Schultern“ zu erkennen. Der Name leitet sich vom verbreiterten Rand des Hinterleibs ab.

Centrocoris spiniger

Im Mittelmeerraum treten zwei sehr ähnliche Arten der Gattung Centrocoris auf. Hier handelt es sich wahrscheinlich um die hellere Art C. spiniger.


Diese braun gemusterte Randwanze ist leicht daran zu erkennen, dass sie „buckelig“ aussieht. Der an den „Schultern“ hochgewölbte Halsschild besitzt am Hinterrand zwei weiße zapfenartige Ausbuchtungen. Der Rand des Hinterleibs ist hell- und dunkelbraun gestreift; auch die vorderen Flügel tragen helle und dunkle Streifen.

Rhombenwanze, Syromastus rhombeus

Die Rhombenwanze ist bei uns nur recht selten zu sehen. Sie ist leicht an ihrem rhombenförmig verbreiterten Hinterleib zu erkennen.


Die unauffällige braune Rhombenwanze besitzt einen rhombenförmig verbreiterten Hinterleib. Auf dem Körper und dem harten vorderen Teil der Flügel sitzen zahlreiche vertiefte Punkte.

Arenocoris waltlii

Diese Randwanzen-Art ist ebenso wie die sehr ähnliche A. fallenii dunkelgrau gefärbt mit einer deutlichen Aderung der Flügel. Halsschild, Kopf und Schildchen tragen eine auffällige Skulpturierung mit Buckeln und Zähnen. Von der Schwesterart unterscheidet sie sich daran, dass die Fühler zur Spitze hin leicht verbreitert sind. Beide Arten treten im Mittelmeergebiet und Teilen Europas und im Nahen Osten auf. Von beiden Arten ist diese die weitaus seltenere.


Die unauffällige, gut getarnte Arenocoris waltlii besitzt deutliche Adern, Buckel und Zähne auf dem Körper und den Flügeln.

Baumwanzen, Pentatomidae

Grüne Stinkwanze, Palomena prasina

Es gibt mehrere grüne Wanzen bei uns. Eine davon ist die Grüne Stinkwanze, die ihren Namen übrigens zu recht trägt: Wenn man sie anfasst, sondert sie ein unangenehm riechendes Sekret ab. Ihre zwei bei uns vorkommenden Arten sind durchgehend grün gefärbt; im Winter werden sie manchmal bräunlich. Das Schildchen ist sehr groß. Bei dieser Art ist der Vorderrand des Halsschildes leicht konkav eingebuchtet.


Die Grüne Stinkwanze ist gänzlich grün gefärbt. Der Vorderrand des Halsschildes ist bei dieser Art ein wenig eingebuchtet (konkav). Auffällig ist das besonders große Schildchen.

Palomena viridissima

Die grüne Palomena viridissima lebt wie die vorige Art von vielen verschiedenen Pflanzen und kann einen gewissen Schaden im Garten hervorrufen. Beide sind bei uns ziemlich häufig. Von der Grünen Stinkwanze unterscheidet sie sich daran, dass die Schultern ein wenig konvex, nicht konkav sind.


Palomena viridissima ist der vorigen Art sehr ähnlich; meist ist auch sie gänzlich grün, es gibt aber auch bräunliche Formen.

Grüne Reiswanze oder Südliche Stinkwanze, Nezara viridula

Diese Art ebenfalls als adultes Tier grün, weist jedoch drei bis fünf kleine weiße Punkte am Vorderrand des Scutellums auf sowie manchmal einen helleren Vorderrand am Halsschild und einen hellen Kopf. Die Grüne Reiswanze ist in den Tropen und Subtropen weltweit verbreitet und kommt auch im Mittelmeergebiet häufig vor. Sie ruft einen gewissen Schaden in der Landwirtschaft und in Gärten hervor. Dabei ist der direkte Schaden durch das Saugen an Früchten oder Stengeln nicht so bedeutsam; aber die Wanze überträgt sehr häufig eine Pilzkrankheit auf die Pflanze, die z.B. zum Abfallen der Früchte führt.


Die Grüne Reiswanze ist wie die vorigen Arten grün gefärbt. Sie ist an drei kleinen weißen Punkten am Vorderrand des Schildchens zu erkennen. Außerdem sind manchmal der Vorderrand des Halsschildes und der Vorderkopf heller, wie hier beim oberen Tier.


Die Nymphen der Grünen Reiswanze tragen auf der grünen Grundfarbe eine charakteristische Zeichnung mit weißen, schwarzen und roten Punkten.

Streifenwanze, Graphosoma lineatum

Auch die Streifenwanze gehört zu den Baumwanzen. Sie weist kräftige rote und schwarze Längsstreifen auf. Bei dieser Wanze ist das Scutellum so groß, dass es die Flügel und den Hinterleib vollständig bedeckt; nur ein kleiner, auf charakteristische Art abstehender Saum bleibt frei, der auffällig „radiär“ gestreift ist. Die Streifenwanze ist in Eurasien verbreitet und stellenweise häufig. Sie ist nur im Sommer zu finden, vor allem auf Doldenblütlern, an deren Samen sie saugt, sowohl die Nymphen als auch die Imago.


Die schwarzrot gestreifte Streifenwanze ist unverwechselbar. Sie lebt auf den Blüten von Doldenblütern.

Fleckige Streifenwanze, Graphosoma semipunctatum

Die Fleckige Streifenwanze ist der vorigen Art sowohl im Aussehen als auch in der Lebensweise sehr ähnlich, unterscheidet sich aber daran, dass sie auf dem Halsschild Punkte, nicht Streifen trägt. Sie ist bei uns etwa ebenso häufig wie die Streifenwanze.


Die der Streifenwanze sehr ähnliche Fleckige Streifenwanze trägt schwarze Punkte statt Streifen auf dem Halsschild.

Purpur-Fruchtwanze, Carpocoris purpureipennis / mediterraneus

Die Purpur-Fruchtwanze ist oft auf Blüten anzutreffen und saugt gern Nektar. Auch an Früchten und Gemüse saugen und frisst sie und kann so einen gewissen Schaden im Garten hervorrufen. Sie ist in Europa und Asien weit verbreitet.


Die Purpur-Fruchtwanze ist rötlich gefärbt mit einem großen, gewölbten Schildchen, das sich weit nach hinten zieht. Außerhalb der Flügel ist ein gestreifter Rand sichtbar. Auch auf dem vorderen Halsschild sind mehr oder weniger deutliche Streifen zu erkennen. Die äußersten Schultern sind schwarz.


Hier bei der Paarung.


Die beiden Arten C. purpureipennis und C. mediterraneus sind nicht an klaren Merkmalen zu unterscheiden und es herrscht einige Uneinigkeit darüber, wie und ob überhaupt sie voneinander abzutrennen sind.

Codophila varia

Auch diese Art gehört zu den Baumwanzen. Wie der Name sagt ist die Färbung recht variabel.


Codophila varia besitzt ein schwarz-weißes, oft ω-förmiges Muster am Vorderrand des weit nach hinten ausgezogenen Schildchens. Typisch sind auch das auffällig weiße Ende des Schildchens und der längsgestreifte vordere Halsschild und Kopf.

Beerenwanze, Dolycoris baccarum

Die Beerenwanze saugt wie der Name sagt gern an Beeren, die sie dadurch ungeniesbar macht, ernährt sich aber auch von vielen anderen Pflanzen wie Getreide, Tabak und Sonnenblumen und kann in der Landwirtschaft nennenswerte Schäden hervorrufen. Sie ist in der Paläarktis weit verbreitet und in vielen Gebieten sehr häufig. Bei uns ist sie nicht so oft anzutreffen.
Für die Bestimmung danke ich H. Günther von der Webseite Koleopterologie.de.


Die Beerenwanze ist eher unauffällig bräunlich oder rötlich gefärbt. Charakteristisch sind die schwarzweiß gestreiften Fühler, der schwarzweiße „Rand“ und das hinten an der Ausbuchtung auffällig helle Schildchen. Am vorderen Rand des Schildchens ist eine winzige parasitische Milbe zu erkennen.

Schmuckwanze, Eurydema ornata

Die Schmuckwanze ist mit etwa 7 mm für eine Baumwanze eher klein. Ihre Zugehörigkeit zu den Baumwanzen erkennt man unter anderem an dem lang nach hinten gezogenen, an der Spitze gerundeten Schildchen. Die Schmuckwanze trägt schwarze Flecken auf rotem, seltener weißem Grund.


Die Schmuckwanze trägt eine auffällige Zeichnung mit schwarzen Flecken und Strichen auf leuchtend rotem Grund.


Hier sieht man die seltenere schwarz-weiße Farbvariante.

Weichwanzen, Miridae

Gemeine Zierwanze, Adelphocoris lineolatus?

Die in Europa und Asien weitverbreitete Gemeine Zierwanze ernährt sich von den Blüten von Korbblütlern und Schmetterlingsblütlern.


Bei dieser hübschen Weichwanze könnte es sich um die Gemeine Zierwanze handeln, auch wenn die Färbung etwas abweicht.

Calocoris nemoralis

Die Weichwanze Calocoris nemoralis sitzt meist auf Blüten besonders von Korbblütern, von deren Nektar sie sich ernährt. Sie ist auffällig variabel in der Färbung, die sowohl rot als auch grün sein kann, mit oder ohne schwarze Flecken. Der Kopf und die Flügel sind schwarz. Sie kommt vor allem in Südeuropa vor und ist bei uns im Frühjahr häufig anzutreffen.


Im Frühling ist Calocoris nemoralis sehr häufig auf großen Korbblüten anzutreffen. Wenn man sich nähert, verschwindet sie schnell auf der Unterseite der Blüte. Diese Wanze ist eher schmal und besitzt eine rote Färbung mit schwarzen Flügeln, einem schwarzen Schildchen und je zwei schwarzen Flecken auf den Flügeldecken.


Calocoris nemoralis kann, wie viele Wanzenarten, sehr unterschiedlich gefärbt sein. Hier eine rote Form, bei der die schwarzen Flecken nur teilweise ganz schwach angedeutet sind.

Zweipunktige Wiesenwanze, Closterotomus norwegicus

Die Gattung Closterotomus ist nah mit Calocoris verwandt. Die Zweipunktige Wiesenwanze ist überwiegend grün gefärbt. Sie ernährt sich überwiegend von Blüten, kann aber auch an Kulturpflanzen wie Kartoffeln, Getreide, Rüben und Pistazien erheblichen Schaden hervorrufen.
Für die Bestimmung danke ich H. Günther von der Webseite Koleopterologie.de.


Die kleine, grüne Zweipunktige Wiesenwanze ist an den zwei kleinen dunklen Punkten auf dem vorderen Halsschild zu erkennen.

Grypocoris sexguttatus

Die Weichwanzen sind eine sehr artenreiche Familie. Viele Arten sind auffällig gefärbt; trotzdem sind sie wegen ihrer Kleinheit meist schwer zu entdecken.


Grypocoris sexguttatus zeigt eine auffällige schwarz-gelbe Zeichnung. Die Flügel tragen 6 schwarze Flecken. Das Schildchen liegt zwischen den vorderen schwarzen Flecken wie ein gelbes Herzchen.

Gemeine Wiesenwanze, Lygus pratensis

Die Gemeine Wiesenwanze ist in Europa, Asien und Nordamerika weit verbreitet und vielerorts häufig. Sowohl die erwachsenen Tiere als auch die Larven saugen an Pflanzen und können dadurch in Gärten trotz ihrer Kleinheit einen gewissen Schaden hervorrufen. Man kann den Bestand durch biologische Bekämpfung mithilfe einer Schlupfwespen-Art, die ihre Eier in die Larven legt, kontrollieren. Bei uns ist sie selten, so dass sie auch im Garten nicht weiter stört.


Die Färbung der Gemeinen Wiesenwanze ist recht variabel. Die Männchen sind überwiegend rötlich, die Weibchen grünlich gefärbt. Auch hier wirkt das Schildchen wie ein weißes Herzchen. Der Halsschild trägt vier dunklere Streifen oder Flecken.

Rote Weichwanze, Deraeocoris ruber

Die Weichwanzen der Gattung Deraeocoris leben räuberisch von kleinen Insekten, vor allem von Blattläusen. Mit ihrem Saugrüssel können sie auch beim Menschen einen schmerzhaften Stich hervorrufen. Sie suchen sich ihre Beute auf den verschiedensten Pflanzenarten. Wie alle Weichwanzen verstecken sie sich auf der Unterseite der Blätter wenn man sich annähert, so dass es gar nicht einfach ist, sie zu fotografieren.


Die Rote Wiesenwanze kann überwiegend rot oder schwarz gefärbt sein. Erkennen kann man sie daran, dass der hintere Bereich des verhornten Teils der Deckflügel stets rot ist.

Deraeocoris schach


Diese in Südeuropa verbreitete Weichwanzen-Art ist der Roten Weichwanze ähnlich, aber an ihrer charakteristischen Zeichnung zu unterscheiden.

Psallus spec.

Im späten Frühling findet man auf den Blüten der Wucherblumen eine sehr kleine Wanzenart. Die nur etwa 4 mm großen Tiere halten sich of zu mehreren auf den Blüten auf. Der schmal längliche Körper ist recht dick und der Rücken leicht buckelartig gewölbt. Die Beine sind auffällig lang und ebenso wie die Fühler sehr dünn. Die Tiere sind dunkelgrau mit winzigen schuppenartigen Haaren auf dem Körper und den Flügeln, die ihnen ein graues Aussehen verleihen.


Bei diesen sehr kleinen, dunkelgrauen Wanzen, die gern auf den Blüten der Wucherblume sitzen, handelt es sich vermutlich um eine Art der Gattung Psallus.

Krummfühlerwanzen, Alydidae

Sichelbein, Camptopus lateralis

Das Sichelbein ernährt sich von Pflanzen. Es ist in ganz Europa verbreitet.


Camptopus lateralis ist unauffällig braun gefärbt und besitzt eine charakteristische, sehr schmale Form, wobei der Kopf mit den Augen breiter ist als das Halsschild. Die Hinterbeine besitzen verbreiterte Oberschenkel und lange, etwas krumme Unterschenkel. Auf dem Kopf besitzt das Sichelbein einen hellen Längsstreifen.

Raubwanzen, Reduviidae

Rhynocoris punctiventris

Alle Raubwanzen ernähren sich räuberisch, wie der Name vermuten lässt: Sie fangen kleine Insekten oder andere Gliederfüßer. Manche Arten können auch den Menschen schmerzhaft stechen. Rhynocoris punctiventris zeigt eine auffällige rotschwarze Warnfärbung. Es gibt mehrere ähnliche Arten, deren Unterscheidung schwierig ist. Rh. punctiventris kommt in Griechenland und dem Nahen Osten vor.


Die Raubwanze Rhynocoris punctiventris ist schwarz-rot gefärbt. Halsschild und Kopf sind schwarz, das Schildchen besitzt einen hellen Rand. Die Flügel sind im vorderen, verhärteten Teil rot, während der membranöse Teil dunkel ist. Auffällig ist der schwarz-weiß gestreifte Rand, der um den Hinterleib verläuft. Die Beine sind rot mit schwarzen Knien.

Erdwanzen, Cydnidae

Die Erdwanzen sind weltweit mit gut 500 Arten vertreten. Sie sind meist überwiegend schwarz gefärbt und stark sklerotisiert. Sie leben im Boden und besitzen flache, breite Körper mit einem kaum vorstehenden Kopf. Die beborsteten Hinterbeine werden zum Graben benutzt und weisen oft eine entsprechende Form auf. Die Erdwanzen ernähren sich meist von den Wurzeln von Pflanzen; manche Arten können Schäden in der Landwirtschaft hervorrufen. Sie können zur Paarung oder bei Störung zirpende Geräusche hervorrufen, die sie auf den Boden übertragen; die Geräuschrezeptoren liegen in den Beinen.

Sehirus luctuosus?

Diese Art bleibt mit etwa 7 mm Körperlänge eher klein. Normalerweise bekommt man von der Anwesenheit der Erdwanzen wegen ihrer unterirdischen Lebensweise kaum etwas mit. Sehirus luctuosus hat jedoch wie auch manche anderen Erdwanzen die Angewohnheit im Frühsommer zu schwärmen. Die Tiere fliegen dann insbesondere an windstillen Tagen in den Abendstunden und werden in großen Mengen von den Lichtern angezogen. Oft ist sie nur für ein paar Tage unterwegs, aber dann manchmal massenweise, was ziemlich lästig sein kann, wenn man abends draußen essen möchte.


Diese Erdwanze, die bei uns in manchen Jahren in Frühsommernächten sehr häufig ist und in großen Zahlen von den Lichtern angelockt wird, sieht ähnlich aus wie ein Wassermelonen-Kern. Es handelt sich vermutlich um die Art Sehirus luctuosus.

Cydnus aterrimus

Die Art Cydnus aterrimus gehört mit gut 1 cm Körperlänge zu den größten Erdwanzen. Sie ernährt sich von Wolfsmilch, bei denen sie hauptsächlich an den Wurzeln saugt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Wanzenarten umsorgt das Weibchen das Gelege und kümmert sich auch bis zur zweiten Häutung um die Nymphen. Diese saugen an Sekrettröpfchen, die das Weibchen aus dem After abgibt, um endosymbiontische Mikroorganismen aufzunehmen. Wie die anderen Erwanzen verbringt auch diese Art ihr Leben größtenteils im Boden und man bekommt sie fast nie zu Gesicht.


Mit bis gut 1 cm ist Cydnus aterrimus wesentlich größer als die vorige Art. Sie ist am geschwungenen Hinterrand des Coriums (verhärteter Teil des Flügels) zu erkennen. Der tiefschwarze Körper ist mit winzigen Pünktchen übersät. Die häutigen Flügel sind weißlich. Man beachte die langen Dornen an den Beinen und am Körperrand und das sehr gerade abgegrenzte, fast gleichseitig dreieckige Schildchen.

Wasserläufer, Gerridae

Wasserläufer, Gerris spec.

Auch die Wasserläufer gehören zu den Wanzen. Sie besitzen sehr schmale Körper. Die mittleren und hinteren Beinpaare sind sehr lang und werden kreuzweise gehalten. Durch ihre sehr dichte, kurze Behaarung sind sie wasserabweisend, so dass die Tiere auf dem Wasser laufen und springen können, wobei sie durch die Oberflächenspannung getragen werden. Die kürzeren vorderen Beine dienen der Lokalisierung von Beute (ins Wasser gefallene Kleintiere) anhand der Wasserbewegung sowie zu deren Ergreifen. Wie alle räuberischen Wanzen saugen die Wasserläufer ihre Beute mithilfe eines Saugrüssels aus. Die Wasserläufer haben unterschiedlich ausgebildete Flügel: Innerhalb einer Population gibt es sowohl flügellose Individuen als auch solche mit verkümmerten Flügeln und flugfähige Individuen mit voll entwickelten Flügeln.


In Europa leben etwa 16 Arten an Wasserläufern, die vor allem zur Gattung Gerris gehören. Die Arten sind sich sehr ähnlich, so dass die Bestimmung schwierig ist.

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