Januar 2012: Der Winter in Griechenland

Ich höre aus Deutschland, dass der Winter dort bislang sehr mild war. Das gibt mir Gelegenheit, etwas zum griechischen Winter zu sagen. Wir haben schon öfter festgestellt, dass das Wetter in Deutschland und in Griechenland oft genau gegenteilig ist: Wenn es in Deutschland kalt ist, ist es hier warm und umgekehrt. Entsprechend hatten wir letztes Jahr einen außer einem Wintereinbruch im März eher milden Winter mit viel Südwind, und das einzige, was uns das Leben schwer gemacht hat, waren die mehreren sehr starken Gewitter, bei denen es häufig direkt bei uns eingeschlagen hat (oft war der Strom weg, einmal hat es alle Transformatoren zwischen uns und Moutsouna lahmgelegt, und einmal ging beim Blitz das Licht bei uns an und es hat gekracht, dass wir wirklich gezittert haben!).

Dieses Jahr ist alles nun ganz anders. Seit Mitte September haben wir kühles, trockenes Wetter mit Nordwind, und seit Mitte November lagen die Temperaturen bei uns fast ständig unter 15°C und sogar meist bei um die 11°C als Höchsttemperatur. Morgens war es im Januar fast stets um die 5°, aber wir haben auch bis zu 2° gesehen; das bedeutet dann natürlich Frost auf den Bergen. Die Kinder hatten schon einmal schneefrei und einmal „frostfrei“, weil der Bus nicht kommen konnte. Gestern war der erste Tag, der deutlich wärmer war, aber Donnerstag soll es vermutlich wieder schneien…

Das ist allerdings nichts gegen die Temperaturen auf dem griechischen Festland. Im Nord- und Mittelgriechenland sowie auch im Peloponnes lagen die Temperaturen oft um die -10°C, und in Florina ganz im Norden Griechenlands sind sie einen Monat lang gar nicht über Null gestiegen mit einer Tiefsttemperatur von -25°C vor ein paar Tagen!

Ich schreibe das vor allem, weil es mich ein bisschen geärgert hat, als ich vor einiger Zeit in einem blog abfällige Kommentare über die verwöhnten Griechen las, die sich darüber beschweren, dass das Heizöl so viel teurer geworden ist; genau gesagt um so viel, dass sehr viele Leute gar keins mehr kaufen können. Um nur eins zu erwähnen: Auch die Schulen haben kein Geld mehr für die Heizung, so dass das Öl von den Eltern gekauft werden muss. Aber auch die Heizung funktioniert so schlecht, dass die Kinder oft die Anoraks anlassen müssen, und oft ist ihnen trotzdem so kalt, dass sie kaum schreiben können; das ist keine Erfindung, sondern es ist Irini tatsächlich so ergangen, und bei Angeliki funktioniert die Heizung im Klassenraum ebenfalls kaum, das heißt dass es dann im Klassenraum unter 10°C ist (die Tragaía ist einer der kältesten Flecken von Naxos).

Nicht zu reden von den Schulbüchern: bis Weihnachten hatten die Kinder der Grundschule nur etwa die Hälfte ihrer Schulbücher. Aber die Regierung hat schlauerweise im Haushalt dieses Jahres die für die laufenden Ausgaben der Grundschulen vorgesehenen Gelder um 83% gesenkt (während merkwürdigerweise die vorhergesehenen Einnahmen aus der Verfolgung des Steuerhinterzugs im großen Maßstab mit 0,0 € veranschlagt werden… warum nur?). Das nur als Erklärung für die Leute, die sich wundern, dass die Griechen nicht mit ihrer Regierung zufrieden sind, die unter großen Opfern (wessen?) die Verhältnisse (für wen?) im Land zu verbessern versucht.

Ich hatte dieses Jahr noch keine Lust, Schneebilder zu machen, weil ich ja schon über den Schnee auf Naxos geschrieben habe. Wer will kann hier nachlesen und nachschauen:

Na, nun doch noch zwei Fotos, die ich vorgestern aufgenommen habe, und die zeigen, wie schön das Wetter hier an schönen Tagen ist:

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