Die Entstehung des Ägäisraumes

Achtung: Ich habe heute vier zusammengehörende Artikel auf einen Schlag veröffentlicht; man sollte mit dem Lesen aber beim ersten beginnen: Die Geologie von Naxos, siehe unten!

An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf einen Artikel hinweisen, den ich schon vor längerer Zeit zum Thema Mittelmeer geschrieben hatte, und den man zum weiteren Verständnis am besten noch einmal durchlesen sollte:

Die geologische Entstehungsgeschichte des Mittelmeeres

Der aktuelle Artikel beschäftigt sich speziell mit der geologischen Entwicklung der Ägäis.

Die heutige Gestalt Südeuropas ist durch die Alpidische Gebirgsbildung bestimmt, in der die Alpen sowie die übrigen Gebirge des südeuropäischen Raumes entstanden. Das griechische Festland und die Ägäis sind aus den Gesteinsschichten von vier Terranen (Kleinkontinenten) sowie den Sedimenten der dazwischen liegenden Ozeane aufgebaut, die in der oberen Trias und im Jura von Afrika abgespalten wurden und nach Norden wanderten, bis sie mit Europa kollidierten. Bei diesen Kollisionen wurde jeweils die herandriftende Platte unter die europäische subduziert, wobei die Gesteinsschichten der Terrane sowie auch die Sedimentschichten der Ozeane unter die Gesteinsschichten der Platte, mit der sie kollidierten, untergeschoben wurden. Durch diese sich teilweise über Hunderte von Kilometern erstreckenden Überschiebungen wurde ein Deckenstapel aus den Gesteinsschichten der Terrane und der Ozeansedimente gebildet. Während die ersten Terrane schon mit dem Festland kollidiert waren, wurden auf den folgenden, noch nach Norden wandernden Terranen immer noch Sedimente abgelagert. Dementsprechend haben die Gesteine im Ägäisraum und in Griechenland generell im Norden ein größeres Alter als im Süden. Außerdem findet man aufgrund der Unterschiebungen innerhalb der Gebirge die älteren Gesteinsschichten prinzipiell oben und die jüngeren unten. Es ist allerdings oft schwierig, die Gesteine einer Region einem bestimmten Terran oder Ozean zuzuordnen, da alle aus sehr ähnlichen Sedimenten bestehen.

Mit der Vervollständigung der Anlagerung des letzten Terrans, das Ionien, Kreta und Rhodos formte, wurde im frühesten Miozän (vor etwa 20 Mio. Jahren) die Subduktionszone nach Süden bis an den Südrand dieses Terrans verlagert. Nun begann die Subduktion (des ozeanischen Randes) der afrikanischen Platte unter die ägäische, und der heutige Hellenische Tiefseegraben entstand. Die Bewegung Afrikas nach Norden wurde langsamer. Das führte in der zentralen Ägäis zu einer N-S-Extension, also einer Dehnung der während der vorangegangenen Gebirgsbildungen verdickten Kruste. Diese Extension erfolgte durch großräumige Abschiebungen, also durch Streckung der Region unter flachem Abgleiten großer Krustenbereiche. Kreta bewegte sich nach Süden, und die ganze Region der mittleren und südlichen Ägäis wurde über Dutzende von Kilometern gestreckt. Durch die Abschiebungen wurde die Kruste stark ausgedünnt und kollabierte, und der Ägäisraum versank unter dem Meeresspiegel: die See von Kreta entstand (zwischen den Kykladen und Kreta).

Im Bereich der Kykladen führte die exreme Krustenverdünnung im Miozän dazu, dass an manchen Stellen Magma bis in höhere Schichten der Erdkruste hinaufdringen konnte. So bildeten sich die heute auf mehreren Inseln freigelegten Batholithen (Granit- oder Gneisdome aus stark metamorphisierten oder teilweise verflüssigten Gesteinen). Durch den Kontakt mit dem heißen Magma wurden auch die umliegenden Gesteinschichten in ihrer Mineralzusammensetzung und Kristallisation verändert (metamorphisiert).

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