Die Kirche Agios Artemios bei Kinidaros

Zwischen dem Dorf Kinídaros und dem Kóronos-Massiv verläuft eines der steilsten und tiefsten Täler der Insel Naxos. Das Tal ist ungewöhnlich wasserreich: Hier fließt einer der sieben ganzjährig wasserführenden Flüsse der Insel. In diesem Tal liegt eine bemerkenswerte Kirche aus dem 18. Jahrhundert, Ágios Artémios, die von Interesse für die Geschichte der Insel ist.

das Tal südlich des Koronos-Berges
Das Tal nördlich von Kinídaros; etwa in der Bildmitte liegt die Kirche des Heiligen Artemios.

Die Kirche des Heiligen Artemios wurde 1780 errichtet, also kurz nach dem russisch-türkischen Krieg, in dem die Kykladen für 4 Jahre an die Russen gefallen waren. In dieser Zeit waren gebildete und aktive Mönche aus allen Teilen Griechenlands auf die vergleichsweise sicheren und freien Kykladen gekommen. Es wurden eine Reihe von illegalen Schulen gegründet, in denen die Jugend der Inseln zu Geistlichen ausgebildet werden sollten, die die orthodoxen Traditionen erhalten, die Religion pflegen und auf einen Aufstand der griechischen Bevölkerung gegen die Türken hinarbeiten sollten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Ágios Artémios eigentlich nicht als Kirche gedacht war, sondern ursprünglich eine Schule beherbergte. Dafür spricht nicht nur die sonst unerklärliche Größe der fernab jeden Dorfes gelegenen Kirche (es handelte sich zur Zeit der Errichtung um die größte Kirche der Insel), sondern auch Besonderheiten der Architektur wie das Fehlen einer Kirchenkuppel und die untypischen Fenster an den Längsseiten, die für eine gute Ausleuchtung des Innenraumes sorgten sowie die äußerst spärliche Ausstattung der Kirche.


Äußerst ungewöhnlich ist die Gestaltung der Kirche als dreischiffige Basilika ohne Kuppel.


Die Inschrift über der Tür gibt an, dass die Kirche im Jahr 1780 vom Metropoliten Anthemos, vom Dragomanen Nik. Mavrogenis und vom Führer der Dörfer Markos Politis errichtet wurde.


Die drei Schiffe der Kirche sind durch je 5 einfach gestaltete Rundbögen voneinander getrennt.

Die Schule war vermutlich nur bis in die ersten Jahre des 19. Jahrhunderts in Betrieb; es sind jedoch mehrere Äbte und Bischöfe und sogar ein späterer Patriarch von Konstantinopel aus ihr hervorgegangen.

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