Dionysos und die Insel Naxos

Dionysos ist von allen griechischen Göttern zweifellos am engsten mit der Insel Naxos verbunden. Lange Zeit glaubte man, dass er nicht zur ursprünglichen Götterwelt der Griechen gehört habe, sondern sein Kult erst nachträglich aus Thrazien in Griechenland eingewandert sei. Diese Ansicht ist heute widerlegt: Auf Naxos wurde Dionysos schon in der mykenischen Epoche (1500 bis 1100 v. Chr.) verehrt, und auch aus anderen Regionen kennt man mykenische Inschriften mit seinem Namen. Dem Mythos zufolge wurde Dionysos in einer Höhle am Berg Kóronos auf Naxos aufgezogen, und er soll zum Dank die Insel mit ihrer besonderen Fruchtbarkeit gesegnet haben. Dionysos war als Fruchtbarkeitsgott für die Bauern der Insel von größter Bedeutung. In der archaischen Periode (700 bis 500 v. Chr.) wurde ihm ein großer Tempel in der Nähe der Chora errichtet. Der gigantische Kouros von Apollonas, eine der größten griechischen Statuen, stellte Dionysos dar; er war möglicherweise für diesen Tempel bestimmt.


In diesem Taleinschnitt befindet sich die Höhle, in der Dionysos aufgezogen worden sein soll.

Der Kult des Bacchus mit seinen ekstatischen Feiern, seiner Trunkenheit und Raserei hat neueren Erkenntnissen zufolge seine Wurzeln vermutlich tatsächlich auf den Inseln der Ägäis, und das heißt zweifellos auf Naxos. Es ist anzunehmen, dass er sich aus der uralten Verehrung der Nymphen entwickelt hat. Diese waren lokale Naturgottheiten der Wälder, Flussläufe und Quellen und wurden als Fruchtbarkeitsgöttinnen verehrt. Häufigstes Attribut des Gottes Dionysos außer dem Weinlaub war der Efeu, der auch heute noch entlang der Flussläufe von Naxos häufig vorkommt und ebenfalls eine leicht berauschende Wirkung besitzt. Die Anhänger der Dionysos-Kultes bekränzten sich gern mit Efeu.


-Dionysos mit Efeu bekränzt-

Von besonderem Interesse ist die Hypothese, dass sich die Karnevalsfeiern wie sie auf Naxos, aber auch bei uns begangen werden, aus dem Frühlingsfest des Dionysos-Kultes entwickelt haben. Der zentrale Aspekt dieses Kultes ist die Freisetzung der Lebensenergie, was durch den Rausch und den ekstatischen Tanz erreicht werden sollte. Formen der „Befreiung“ des inneren Selbst, die sich im heutigen Karnevalsfest erhalten haben, sind auch das Tragen einer Maske und das Verspotten der Reichen und der Mächtigen.

mehr…

Dieser Beitrag wurde unter Geschichte, Griechenland, Kultur, Naxos abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.