19. Oktober: Die ersten Wintergäste

Nun ist schon Ende Oktober. Das Wetter noch sehr schön, fast sommerlich. Es wird tagsüber um die 25°C warm; heute war es sogar bis 28°C – geradezu heiß! Die letzten Tage war es kaum windig: nur eine leichte Brise wehte aus Süden. Geregnet hat es nach dem frühen Start im September nicht mehr: nur am 15. ist frühmorgens ein leichter Schauer von kaum einem Millimeter gefallen.

Die einjährigen Pflanzen, die nach den ersten Regen Mitte September hoffnungsvoll schon gekeimt sind, sind inzwischen größtenteils wieder vertrocknet. Zwergsträucher und Stauden hatten sich noch kaum verleiten lassen, auszutreiben – sie wollten lieber noch abwarten! So sieht die Landschaft noch ganz braun aus.

frühherbstliche Landschaft bei Potamia
Frühherbstliche, noch trockene und braune Landschaft bei Potamia

Aber jetzt, nach dem letzten Schauer und bei der höheren Luftfeuchtigkeit, die zur Zeit herrscht wie meistens beim Südwind, zeigen sich an den Zwergsträuchern die ersten Blätter und auch manche Stauden oder Knollenpflanzen wie die großen, mehrjährigen Gräser, die Strohblume und die Alraune (und die Artischocken im Garten) beginnen auszutreiben. Da wäre es schön, wenn es bald etwas mehr regnen würde, aber für die nächste Woche ist wieder „xerovóri“ angesagt, der trockene Nordwind der Hochdruck-Wetterlagen, bei dem es niemals regnet.

austreibende Dornige Bibernelle austreibender Behaarter Dornginster
austreibende Zwergsträucher; links: Dornige Bibernelle, rechts: Behaarter Dornginster

austreibendes Horstgras austreibende Staude 1

austreibende Staude 2 austreibende Staude 3
verschiedene austreibende Stauden

Bei dem günstigen Südwind ist auch der Vogelzug wieder im vollen Gange. Manche Durchzügler sind schon weg, aber nun kommen die Wintergäste: die ersten Rotkehlchen sind eingetroffen! Ihr hübscher Gesang und das charakteristische Schnalzen in der Dämmerung läuten den Winter ein, den herrlichen, grünen, naxiotischen Winter, und der wundervolle Duft des Olivenholz-Kaminfeuers hängt mir schon in der Nase…

Was ihr Zugverhalten betrifft, kann man die auf Naxos vorkommenden Vögel in eine ganze Reihe von Kategorien einteilen:

  1. Die Standvögel, die das ganze Jahr über bleiben wie Samtkopfgrasmücke, Stieglitz, Hänfling, Zaunammer, Grauammer, Haubenlerche, Bachstelze, Blaumerle, Kohlmeise, Seidensänger, Mäusebussard, Turmfalke, Chukarhuhn und Nebenkrähe.
  2. Die Sommervögel, die nur den Sommer auf Naxos verbringen und hier brüten wie Weißbartgrasmücke, Blassspötter, Grauschnäpper, Mittelmeerschmätzer, Rotkopfwürger, Kappenammer und Eleonorenfalke (brütet nur auf den umliegenden Felseninseln).
  3. Die reinen Durchzügler, die nur zur Zugzeit auf der Insel erscheinen wie Schafstelze, Mehlschwalbe, Braunkehlchen, Fitis und Zilpzalp, Fliegenschnäpper, Neuntöter, Bienenfresser, Wiedehopf, Rotfußfalke und Flußuferläufer.
  4. Die Wintergäste, die die kalte Jahreszeit auf Naxos verbringen. Diese Arten erstellen und verteidigen hier teilweise Reviere wie auch in ihrem Brutgebiet und singen entsprechend auch, so vor allem Rotkehlchen und Hausrotschwanz, aber auch der Eisvogel (der singt natürlich nicht, aber Reviere erstellt er wohl schon und ist ab September häufig an der Küste zu sehen). Andere Arten sind umherstreifende Wintergäste, die keine Reviere erstellen und deren Auftreten von den Witterungsbedingungen abhängt, wie beispielsweise Singdrossel und Zeisig.
  5. Außerdem gibt es eine ganze Reihe von Arten, die auf Naxos in geringer Anzahl brüten, aber zur Zugzeit oder im Winter durch das Eintreffen von vielen durchziehenden oder überwinternden Exemplaren verstärkt werden, wie zum Beispiel Buchfink, Amsel, Zaunkönig, Nachtigall, Rauchschwalbe, Schwarzkehlchen und Turteltaube.

Nun sind die meisten Sommervögel und auch die Durchzügler schon fortgezogen. Gerade diese Tage haben sich die Mauersegler und die Alpensegler verabschiedet: sie sind hoch in der Luft in einem großen Wirbel in der Runde geflogen, kaum zu sehen, aber unter lautem Rufen: Das schrille Kreischen der Mauersegler und das Trillern der Alpensegler waren weithin zu hören. Auch Schwalben waren noch einmal zu sehen und viele andere Kleinvögel wie Fitisse, Schnäpper und Neuntöter. Nun müssen wir uns von ihnen verabschieden bis zum nächsten Frühjahr: Dann werden sie als erste Reisende wiederkommen und uns den Sommer wiederbringen…

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